Stettin

[386] Stettin, die Hauptstadt des gleichbenannten Herzogthums in Vorpommern, an der linken Seite der Oder (welche sich in einer Entfernung von 18 Meilen durch das Haff und die kleine Meerenge in die Ostsee ergießt), war ehedem mit in dem berühmten Hansebunde begriffen, und ist jetzt noch die vornehmste und beträchtlichste Handelsstadt in Pommern. Außer den mancherlei Fabriken und Manufacturen (z. B. der Rasch- und Zeugweberei, Zuckerraffinerie, Tabaks-und Segeltuch-Fabrik etc.) ist hauptsächlich die Schifffahrt und der Handel, vorzüglich der Holz- und Weinhandel, der beträchtlichste Nahrungszweig der Einwohner, wozu der Oderstrom freilich das Meiste beiträgt, indem Stettin selbst große Lastschiffe auf der See hat, und auch mehrere Nationen, besonders Schweden, Dänen und Holländer, nicht minder auch Engländer, Franzosen und Spanier sie besuchen, so daß diese Stadt der Stapelort für die beträchtliche Ein- und Ausfuhr der umliegenden Länder bleibt. Auch ist der Schiffbau durch seine beträchtliche Zunahme in den neuesten Zeiten ein wichtiger [386] Handelszweig geworden, und durch die verhängte Sperrung der Weser und Elbe hat der nun nach Emden und Stettin gewiesene Deutsche Einfuhr-Handel bedeutenden Werth für letztere erhalten. Sie genießt auch nebst der Stapelgerechtigkeit noch mehrere Handelsprivilegien, und umfaßt ungefähr 15,000 Einwohner. Ein königl. akademisches Gymnasium, mehrere bedeutende Schulen, die königl. Regierung über Vor- und Hinterpommern, so wie noch andere Collegia, machen die Stadt ebenfalls lebhaft. – Sie gehörte übrigens seit dem Westphälischen Frieden Schweden, wurde aber 1713 von den Nordischen Alliirten ein- und von Preußen in Sequestration genommen, bis sie denn endlich 1720 der Krone Preußen ganz abgetreten wurde.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 5. Amsterdam 1809, S. 386-387.
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