Die Maroniten

[27] Die Maroniten, auch Mardaiten, oder Marouarner genannt, sind ein kleines Volk, Abkömmlinge der Griechen, welches in Syrien unter den [27] Drusen, in den nördlichen Gegenden des Bergs Libanon wohnt. Den Namen erhielten sie von einem Einsiedler, Maroun, welcher im sechsten Jahrhunderte am Ufer des Orontes durch Fasten und strenge Lebensart sehr viel Anhänger sich erwarb: sie bauten ihm in Hama eine Capelle, die bald zu einem berühmten Kloster ward; und als zu Ende des siebenten Jahrhunderts ein Mönch, Johann der Maronite, in seine Fußstapfen trat, und Noms Partei wider die griechischen Kaiser und Patriarchen zu Constantinopel verstärkte, so mußte er mit seinen Anhängern in die Gebirge Libanons fliehen, wo er die Bergbewohner zu einer regelmäßigen und militairischen Einrichtung gewöhnte, und sie so kriegerisch machte daß sie sich bald fast aller Gebirge bis nach Jerusalem bemächtigten. Unter Justinian II. großen Verfolgungen ausgesetzt, waren sie seitdem von den Kreuzfahrern bald Freunde, bald Feinde, und von den Osmanen bekriegt, mußten sie sich endlich im 13. Jahrhundert an Saladin ergeben, nachdem sie eine Vereinigung mit der römischen Kirche, jedoch unter Beibehaltung des Gottesdienstes nach ihren Gebräuchen, zu Stande gebracht hatten. In der Folge wurden sie kühner, suchten sich nach und nach, besonders in Verbindung mit den Drusen (s. den Art. i. d. N.) und deren Emir, Fatreldin, immer weiter auszubreiten, waren aber mit dieser Unternehmung unglücklich und kamen unter Amurad III im J. 1588 wieder unter osmanische Oberherrschaft, welcher sie einen jährlichen Tribut bezahlen müssen. Sie stehen unter eignen Fürsten, oder Scheiks, treiben starken Ackerbau und machen auf einem Flächeninhalt von ungefähr 150 Quadrat Meilen, eine Bevölkerung überhaupt von 215,000 Seelen aus. Sie besitzen viele Klöster auf dem Libanon, in deren Einem Kannobin, der Maronitische Patriarch, der sich für einen Nachfolger Petri hält und Patriarch von Antiochien nennt, wohnet. Er wird vom Volke gewählt und vom Papste bestätiget.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 27-28.
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