Die Sonnenflecken

[359] Die Sonnenflecken. Von Zeit zu Zeit bemerkt man an diesem bewundernswürdigen Körper schwarze, am Rande mit bräunlichem oder weißgrauem Nebel umgebene Flecken von ungleicher Gestalt, bisweilen einzeln, bisweilen in größerer Anzahl und äußerst veränderlich, so daß sie oft wiederzukommen scheinen; jedoch hat keiner über 70 Tage lang gedauert. Ueber die Natur dieser Erscheinung haben die Astronomen sehr vielerlei Meinungen gehegt, indem sie einige für eigne um die Sonne laufende Planeten, andere (wie Galilei) für eine Art Rauch und Wolken oder auch Schaum von feiner flüssiger Sonnenmaterie; wieder andere für Ausdünstungen der Planeren, welche sich in die Sonne stürzten; endlich noch andere für Hervorragungen einer dichten, dunkeln Masse gehalten haben, welche in der flüssigen, leuchtenden Materie der Sonne schwimme. Nach der Meinung Bodeʼs, eines der angesehensten Astronomen, hat die Sonne, eben so wie unsre Erde, Berge und Thäler auf ihrer Oberfläche. Die Lichtmaterie ist auf diesem Körper zusammengebracht, welche um denselben, so wie die Luft um unsern Erdball, strömet. Dieser Lichtstrom, Photosphäre, zieht sich zuweilen auf der Sonne hie und da zurück, und läßt dann durch die entstehenden Oefnungen einen Theil [359] der dunkeln Oberfläche von der Sonne selbst sehen. Je nachdem diese entblösten Stellen wenig Licht (z. B. wie ein Meer, ein Thal etc.) oder mehr Licht (wie etwa ein sandiges Erdreich) zurückwerfen, je nachdem erblicken wir einen mehr schwärzlichen oder weißlichen Fleck, oder eine Sonnenfackel. – Eine Meinung, welche auch die Zustimmung der neueren Naturforscher auf ihrer Seite hat.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 359-360.
Lizenz:
Faksimiles:
359 | 360
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika