Eva

[46] Eva, war als die Gattin des Adam die Stammmutter des gesammten Menschengeschlechtes. Nach der Schöpfungsmythe wurde sie erst, nachdem die Schöpfung mit dem Manne beendigt war, diesem während eines tiefen Schlafes zur Lebensgefährtin erschaffen und gegeben. Diesen geschichtlichen Gang haben einige neuere Philosophen benutzt, um daraus die hohe Würde des weiblichen Geschlechtes zu beweisen. Die Schöpfung, sagen sie, ging von dem Unvollkommeneren aus und wurde so immer durch Vollkommeneres gesteigert bis zum Höchsten, dem Menschen. Allein, der Vollkommenheit desselben fehlte noch die Krone der irdischen Güter. Diese wurde ihm durch die Schöpfung der Eva. – Die frühern Weltweisen leiten dagegen gewöhnlich den Ursprung des menschlichen Uebels von der Eva, der ersten Stammmutter, ab, indem sie ihr zur Last legen, sie habe den Adam zum Abfall von der ursprünglich anerschaffenen Sittenreinheit verleitet. – Allein abgesehen davon, daß dieß bloße Mythe ist, muß man auch erwägen, daß nur, vielleicht mürrisch gewesene, Männer diese Sage berichten, von Frauen aber weder eine schriftliche noch mündliche Nachricht deßhalb auf uns gekommen ist, und die ganze Sage nur ihres hohen Alters wegen noch hier und da Glauben findet.

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Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 4. [o.O.] 1835, S. 46.
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