Leber

[312] Leber. Dieses die Galle bereitende Organ liegt in der rechten Seite der Brusthöhle, hinter den falschen Rippen, unter dem Zwergfell und bildet eine körnige, gefäßreiche Masse. Die Funktion derselben besteht in der Abscheidung der Galle aus dem Blute, welches die Leberschlagader und die Pfortader, dieses eigenthümliche, zwischen Arterien und Venen in der Mitte stehende Gefäßsystem, ihr zuführen. Aus den feinsten Enden der Pfortaderzweige ergießt sich das Blut in die unendlich zarten Theilchen der Substanz, in welchen die Entmischung geschieht; aus denselben kommt die bereitete Galle in die Gallengänge, die in den gemeinschaftlichen Gallengang übergehen, der sich mit dem aus der Gallenblase kommenden Ausführungsgange verbindet und dann in den Zwölffingerdarm einmündet. Die birnenförmige Gallenblase liegt unter dem großen Leberlappen, hat Klappen, welche, wenn der Ausfluß der Galle im Darme gehindert ist, den Eintritt dieser Flüssigkeit in die Blase gestatten, den Austritt derselben aber erschweren. Der Druck der Bauchmuskeln, ein voller Magen u. s. w. pressen aber die Galle, namentlich zur Zeit der Verdauung, aus ihr heraus. Die Leber ward von den Alten als der Sitz der niederdrückenden Gemüthsbewegungen angesehen, weil die Erfahrung lehrte, daß dieselben heftig erregend auf dieß Organ wirken. Sie ist der Entzündung, Verhärtung, Vereiterung und der Erzeugung von Würmern und Gallensteinen ausgesetzt. Leberflecke sind braungelb gefärbte Stellen der Oberhaut, die an Gesicht, Hals, Brust und andern[312] Oberhäutchens anzeigen und nur selten von einem falschen Befinden der Leber herrühren. Besonders treten sie bei Frauen in der Zeit, wo ihnen Mutterfreuden bevorstehen, häufig hervor und vergehen durch Seifen, Kleien und Schwefelbäder.

D.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 6. [o.O.] 1836, S. 312-313.
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