Verdauung

[321] Verdauung. Sind die Nahrungsmittel durch Kauen verkleinert, mit dem Speichel vermischt und durch das Schlucken in den Magen (s. d.) gelangt, so werden sie hier innig mit dem Magensafte vermischt und in einen ziemlich gleichförmigen Brei (Chymus) verwandelt. Dieser geht nach Verlauf von ungefähr 2 Stunden durch den untern Magenmund in den Zwölffingerdarm, wo sich ihm der Bauchspeichel und die Galle beimengt. In Folge der eigenthümlichen, zusammenziehenden Bewegungen des Darmcanals rückt der Chymus in demselben weiter vor: hier auch scheiden sich die zur Nahrung geeigneten Stoffe ab und werden von den in den dünnen Gedärmen mündenden Saugadern und Venen aufgenommen, die nutzlosen Ueberreste dagegen als Darmkoth entfernt. Die V. selbst, ihrem innern Wesen nach durch die uns bekannten Gesetze des Chemismus nicht erklärbar, wird unter der Einwirkung der Unterleibsnerven nach den eigenthümlichen Gesetzen der einzelnen dabei betheiligten Organe verwirklicht, daher letztere im normalen Zustande sich befinden müssen, und alle Krankheiten der Leber, Milz etc. große Störungen in dem Verdauungsprozesse hervorbringen. In genauester Wechselwirkung mit dem Magen steht auch das Gehirn, weßhalb unregelmäßige Verdauung die Gehirnthätigkeit hemmt, sowie ihrerseits angestrengte Geistesarbeiten die V. schwächen.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 321.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: