Exarchat

[639] Exarchat, Amt u. Gebiet eines Exarchen, namentl. die Besitzungen, welche Justinians Feldherren in Italien den Gothen entrissen, nämlich Unteritalien, die Romagna, der Küstenstrich von Rimini bis Ancona u. die Seegegend um Genua. Als die Langobarden bis 568 den größten Theil Italiens eroberten, hielten sich die Griechen in der Hauptstadt des E.s, in Ravenna, u. diese mit Rom u. ihren Gebieten, die heutige Romagna, bildete das E. im engern Sinne. Die meist eigennützigen Exarchen hatten mit den Langobarden unaufhörlich zu kämpfen, zogen von Ravenna nach Rom und haderten mit den Päpsten, bis 752 Aistulf der Herrschaft Ostroms in Italien völlig ein Ende machte. Aistulf griff aber auch Rom an, bis der fränkische Majordomus Pipin zweimal zu Hilfe eilte, 755 dem Papste das E., die ämilische Provinz u. die Pentapolis schenkte und demselben dadurch die nothwendige Unabhängigkeit von weltlichen Herren verschaffte. Der Langobardenkönig Desider bestätigte später die Schenkung und aus ihr erwuchs der Kirchenstaat.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 639.
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