Ehrgefühl

[162] Ehrgefühl ist das Gefühl für Ehre und Schande und die Gesinnung, welche auf Ehre hält. Es ist das Gefühl der sozialen Selbstachtung, welches uns antreibt, das Bild, welches andere von uns haben, fleckenlos zu erhalten oder, wenn nötig, wieder rein herzustellen. Aber das Ehrgefühl bleibt nicht dabei stehen, unser Abbild in anderen als ein Heiligtum (noli me tangere) zu hüten, sondern es verlangt auch, daß darauf äußerlich Wert gelegt, daß es geehrt werde. Das Ehrgefühl hat Stufen: »Das Kind begnügt sich, überhaupt geschätzt zu werden, etwa wie ein wertvolles Spielzeug; der Jüngling will als freie Persönlichkeit gelten und fordert es despotisch; der Mann mag, weil er sich in seinem Stande fühlt, als etwas Bestimmtes gelten.« Vgl. W. Volkmann, Psychol.II, 377. Cöthen 1885. 4. Aufl. 1894. Lazarus, Leben der Seele (Ehre und Ruhm). 3. Aufl. 1883. Ackermann, das Ehrgefühl im Dienste d. Erziehung. 1883.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 162.
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