Piper Album

[881] Piper Album.

Piper album.

Leucopiper.

frantzösisch, Poivre blanc.

teutsch, weisser Pfeffer.

Ist eine kleine runde Frucht, ein wenig grösser als der schwartze Pfeffer, glatt und gleich, aschfarben oder weißlicht, schmeckt wie der schwartze Pfeffer, iedoch nicht also starck und scharff. Wegen[881] seines Ursprunges ist man annoch nicht einig. Die Alten haben geglaubet, daß er auf einer Staude wachsen solle, welche derjenigen gleich siehet, die den schwartzen Pfeffer trägt, und daß der Unterschied zwischen beyden nur in der Farbe ihrer Früchte bestünde, gleichwie wir sehen, daß die Weinstöcke nur darinne von einander unterschieden sind, daß einer rothe oder blaue, der andre weisse Beeren trägt.

Hingegen geben die meisten unter den heutigen Scribenten an, daß der weisse Pfeffer nichts anders sey als schwartzer Pfeffer, von dem die oberste Haut herab gezogen worden, nachdem er einige Zeitlang in Seewasser geweichet hat. Sie können dergestalt gar leicht erklären, warum der weisse Pfeffer viel dicket ist als der schwartze; dieweil er von dem Seewasser, darinn er geweichet hat, ist aufgelauffen: warum er nicht so runtzlicht ist, als wie der andere; weil die oberste Schale oder Haut, welche sich beym treugen runtzeln können, abgenommen ist; warum er weißgrau sieht; dieweil der schwartze Pfeffer eben eine solche Farbe hat, wann ihm die schwartze Schale abgezogen worden: warum er linder ist und nicht so beissend, wie der schwartze Pfeffer; dieweil er in dem Seewasser sein Saltz zum Theil verlohren hat.

In dieser Meinung bin ich selbst bestärcket worden, da ich bey den Materialisten in Pfeffer-Ballen nachgesucht und mehr dann einmahl weisse Pfefferkörner angetroffen, davon die oberste Schale nicht gäntzlich abgezogen worden, so daß das Theil, daran man sie etwan aus Versehen gelassen hatte, so schwartz und so runtzlicht war, als wie die Schale an dem schwartzen Pfeffer, der Rest hingegen war dem weissen Pfeffer gar sehr gleich. Dieser Umstand gab mir eine Probe, die mich überweisen muste, oder einen völligen Beweiß.

Dagegen verwirfft Pomet in seiner Beschreibung der Specereyen diese Meinung, und spricht, es habe die Seltsamkeit des weissen Pfeffers dazu Anlaß gegeben. Er versichert, daß es natürlichen weissen Pfeffer gäbe, beschreibet das Gewächse, das ihn trägt, und hat es auch in Kupfer stechen lassen. Es ist, meldet er, ein kriechendes Gewächse, das sich nicht selbsten aufrecht halten kan; deshalben pflantzen es die Einwohner unten an die Stämme der Areca- und Cocosbäume, oder auch an andere. Seine Blätter sehen eben also aus, wie unser Stachelbeerenlaub. Die Früchte sind die weissen Pfefferkörner, die als wie kleine Trauben bey einander stehen, sind rund, zu Anfang grün, bekommen aber eine graulichte Farbe, wann sie zeitig werden. Zum Beweiß, daß es natürlichen weissen Pfeffer giebet, führet er an, daß der Herr de Flacourt, Gouverneur auf der Insel Madagascar, in seinem Buche, mit ausdrücklichen Worten gesetzet hätte; Lalé vitsit ist der wahrhaftige weisse Pfeffer, welcher auf einem kriechenden Gewächse wächst, dessen Stengel und Blätter gerade wie der Pfeffer riechen. Es giebet dessen eine solche Menge in diesem Lande, das ausser Kriegeszeiten, und wann sich die Frantzosen allhier veste gesetzet hätten, alle Jahre, mit der Zeit, man ein grosses Schiff damit belasten könte. Dann die Höltzer sind damit angefüllt, und die Turteltauben und wilden Tauben füttern sich damit. Im August, September und October wird er reiff.

[882] Bey diesen wider einander lauffenden Meinungen wird einer besser nicht thun können, als daß er sein Urtheil so lange aufhalte, bis er der Wahrheit genauer kundig werden kan: es kan gar leicht iedweder Theil sein Recht und Ursach haben. Dann, es mag leichtlich seyn, daß wegen Seltsamkeit des weissen Pfeffers und weil er so gar schwer zu haben, man sich beflissen hat denselben nachzumachen, indem man den schwartzen Pfeffer, welcher gantz gemeine ist, einweichet, und von seiner schwartzen Schale reine macht. Dem sey, wie ihm wolle, den weissen Pfeffer soll man nehmen, wann er fein dicke und fein völlig ist, schwer und sauber, auswendig wie die Corianderkörner siehet, nur daß er dicker und viel härter sey und auch mit kleinen Streiffen, wie mit kleinen Ribben rund umgeben. Er wird uns von den Holländern zugeführet; führet viel flüchtiges Saltz, jedoch nicht also viel, gleichwie der schwartze Pfeffer, und eben nicht viel Oel.

Der weisse Pfeffer hat eben solche Kraft und Tugend wie der schwartze, iedoch nicht so gar starck.

Leucopiper kommt von λευχὸν, album, weiß, und piper, Pfeffer, das heist soviel als weisser Pfeffer.

Was die frantzösischen Specereyhändler Epices fines, feine Specereyen, zu nennen pflegen, daß ist, wie Pomet meldet, schwartzer Pfeffer, Würtznelcken, Muscatnüsse, Ingber, grüner Anis und Coriander, in gebührlicher Menge unter einander vermischet.

Zum Exempel nehmet zwölff und ein halb Pfund frischen, trocknen Ingber, fünff Pfund schwartzen Pfeffer, Nelcken und Muscatnüsse von iedem anderthalb Pfund, grünen Anis und Coriander von iedem zwölff Untzen, alles nach dem Kramergewichte, mischet sie unter einander, stosset sie zu einem zarten Pulver, hernach verwahret sie in einer wol vermachten Büchse. Diese Specereyen werden nur zum essen gebraucht; doch könte man sie auch wol zu der Artzeney gebrauchen, z.E. die Blähungen zu vertreiben, das Haupt zu stärcken, den Schleim und andre Feuchtigkeiten zu zertheilen, und wann einer niesen soll.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 881-883.
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