[14. Kapitel]

Wie die Lalen einen Acker mit Saltz gesäet / daß es wachsen solte / vnd was sich damit

zugetragen habe.

[56] Wie nun das Rhathauß vorgehörter massen volnführt / vnnd mit Narrn besetzet ward / fiengen die Lalen an alle tag zusamen zukommen / vnnd sich zubekümmern vnd zuzermartern / vber die sachen zum gemeinen Nutz vnnd Regiment gehörig: dessen sie sich dann mit allgantzjmmereyferigstemüglichsten ernst annamen / jnmassen sie zuthun schuldig vnnd verpflichtet waren. Nun hat jhr E.W. witz sie auff ein zeit dahin getrieben / daß sie an die Prouiand gedachten / vnd rhat hielten / wie man einen Vorrhat möchte hinderlegen / dessen man sich zu fürfallender Thewrung zugebrauchen hette / damit man nicht müste bey den Wucherern vnd Kornwürmen zu Gnaden kommen. Welches sie dann gar weißlich bedacht. Dann es steht ja einer hoch verständigen Oberkeit zu / mit solchem Vorrhat versehen zusein / den Vnterthanen / so mangel eynfiele / zuhelffen / vnd den Wucherern / die den Armen / so ohne das betrengt vnd genötiget gnug / nicht anderst als die Zecken auch das Blut auß dem Leyb / ja das Marg auß den Beynen saugen / jhre vnzimliche vnredliche Gewerbe abzustricken.

Sonderlich aber ward vom Saltz / (dessen feiler kauff jhnen[56] wegen schwebender Kriegsleuffen abgestrickt war deßhalben sie solches or[t]s grossen mangel litten) geredt: wie man doch die sachen so weit bringen könte / daß sie auch eygen Saltz hetten /dieweil sie ja des Saltzes eben so wenig manglen könten in der Kuchen / als des Mistes auff dem Acker. Solcher handel ward nu der lenge nach / nach eines jeden gut beduncken / erwegen / vnd das in viel wege: dann es wurden allerley Mittel / die man zuhanden nemmen vnd brauchen möchte / fürgebracht / vnd nach jr E.W. bedacht. Endlich wurden sie rhates /vnnd beschlossen eynhelliglich: Sintemal kund vnd offenbar / daß der Zukker / welcher dem Saltz nicht vnänlich / auch wachse / so müsse ja folgen / daß dz Saltz gleicher massen auff dem Feld herfür wachse: welchs dann darauß abzunemmen / dieweil das Saltz auch Körnlin habe / also daß man sage / Ein Körnlin Saltz / etc. Demnach auch kund vnd offenbar / daß andre sachen wachsen / als Kälber so man Käß setzet / vnd Hüner wann man Eyer in Boden stecket: So seye auff diß mal bessers nicht / als daß man ein grosses stuck Feldes / so der Gemeinde zustendig /vmbbrechen vnd bawen solte / vnnd als dann das Saltz (welches sie so nötig haben musten / daß sie viel eher der Narren entrhaten / als des Saltzes manglen können) in Gottes Namen dareyn säen / so hetten sie auch eygen Saltz / vnd dörfften nicht andern darumb nachlauffen vnnd zufüssen fallen.

Das ward nun erstgemeldter massen an die hand genommen / das gemeine Werck bestellet / der Acker gepflüget / vnd in Gottes Namen / wie jhr E.W. erkennt / mit Saltz besäet: bester hoffnung / es wurde jhnen reichlich lohnen / vnd Gott zu jhrer Arbeit auch den Segen vberflüssig geben: vorauß dieweil sie es in seinem Namen gesäet hetten. Sie trösteten sich auch dessen / daß ob sie schon etwas Gewinns darvon hetten / so seye doch solcher Gewinn / als ein Erdwucher / nit schandlich / sonder von Gott gegeben vnd gesegnet / vnd von meniglichem gebillichet. In solchem vertrawen[57] / haben sie auch deste fleissiger sorg zum selbigen Acker getragen / vnd zu allen vier ecken (dann er nit treyecket gwesen wie dz Rhathauß) Hüter oder Bannwarten gesetzt / jeden mit einem langen Vogelrhor in der Hand / die Vogel / wann sie das gesäete Saltz wie andre Samen vielleicht wolten aufflecken / darab zuschiessen.

Es stunde nicht lang an / der Acker fieng an auffs aller schönste zugrünen: ab welchem die Lalen vnsägliche Frewde gewunnen / vermeinten die sach wer jhnen ein mal gerhaten: giengen alle tag hinauß /zubesehen wie das Saltz wuchse / vnd beredten sich selberst / sie hören es wachsen / wie jener das Graß. Vnnd je mehr es wuchse / je mehr wuchse auch in jhnen die Hoffnung: vnd es war keiner vnter jhnen allen / welcher nicht schon albereit in seinem Sinn einen gantzen Sester Saltz gefressen hette.

Zu mehrer versicherung vnd besserer verwahrung jhres Saltzfeldes / welches sie gern grösser genommen hetten / setzen sie / in betrachtung daß nicht nur allein die Vögel / sonder auch andre Thiere / dem Samen möchten schaden zufügen / zu den vorigen Hütern noch einen andern Bannwarten / zuverhüten / daß nicht etwan das ander Viehe / als Roß / Kühe / Schaffe / vnnd sonderlich die leydigen Geyssen / welche dem Saltz ohne das sonst gefehr / vnnd es für jhren Käse gemeinlich brauchen / dareyn lüffen. Damit nun das herwachsende Saltz nicht zertretten wurde / oder sonst abgeetzet / befahlen sie jhrem Bannwarten erstgemeldt / wann etwan ein Kuhe / Pferd / Geyß oder Schaff / auff den Acker käme / so solte er sie /wa jhme müglich / darab stossen / treiben / jagen /schlagen / puffen / klepffen / zwicken / scheuchen /wie er nur jmmer köndte / welches er gantz getrewlich zuleisten versprach / als er auch gethan hat / jnmassen zuvernemmen.[58]

Quelle:
[Anonym]: Das Lalebuch. Stuttgart 1971, S. 56-59.
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