3. Triumph des erwählten Volkes

[205] Auf Triumph, es kommt die Stunde,

Da sich Zion, die Geliebte, die Betrübte hoch erfreut,

Babel aber geht zu Grunde,

Daß sie kläglich über Jammer, über Angst und Kummer schreit.


Diese Dirne hat beflecket

Ihr geschenktes, schön geschmücktes jungfräuliches Ehrenkleid;

Und mit Schmach und Hohn bedecket,

Die dem Lamme auf die Hochzeit ist zum Weibe zubereit.


Stolze Dirne nicht verweile,

Die da auf den vielen, vielen, vielen grossen Wassern sitzt;

Und mit Angeln und am Seile

Ganze Völker zu sich ziehet, und in schnöder Brunst erhitzt.


Zion siehet auf den Straßen

Die entblößten und geschminkten stolzen Töchter Babels an;

Wie sie sich beschauen lassen,

König, Priester, hoch und niedrig haben ihre Lust daran.[205]


Auf dem Lande, in den Städten

Hat die Dirne mit dem Becher, alle Heyden toll gemacht;

Sie stolzieren in den Ketten,

Haben sie als Schicksalsgöttin, sich als Götzen hoch geacht.


Zions Schöpfer schaut vom Himmel

Auf die vollen, tollen Heyden und sein heilig Herz entbrennt;

Daß das wüste Weltgetümmel

Sich sein trautes Zion nennet, welches ihn doch nicht erkennt.


Zion netzet ihre Wangen

Mit so vielen heissen Thränen über den Verwüstungsgräuel;

Und erwartet mit Verlangen

In den Banden der Chaldäer ihres Gottes Sieg und Heil.


Amen, Zion ist erhöret,

Unsre Thränen sind wie Wasser gegen Mittag aufgezehret;

Seht, Chaldäa ist zerstöret,

Unser Weinen ist in Jauchzen, unsre Last in Lust verkehrt.


Freue dich mit Herz und Munde,

Du erkauftes, auserwähltes und erlöstes Israel;

Siehe Babels eigne Hunde,

Die die Frommen jagen mußten, fressen diese Jesabel.


Da wir noch an Babels Weiden

Unsre Harfen hängen mußten, war ein Tag wie tausend Jahr;

Aber nun in Zions Freuden

Wird für einen Tag gerechnet, was sonst tausend Jahre war.


O wie groß ist deine Wonne,

Schönstes Zion, es ist kommen, dein erwünschtes Hochzeitsfest;

Da sich Jesus, deine Sonne

Der dich krönet, deinen Bräutigam, deinen König nennen läßt.[206]


Nach der Hochzeit wird die Nymphe

Aus dem Hause ihrer Mutter in des Vaters Haus geführt;

Die mit ewigem Triumphe

In der Krone ihrer Hochzeit, ewig, ewig triumphirt.


Auf ihr Cimbeln, auf ihr Saiten,

Psalter, Pauken und Trompeten, lobt des Herren Heiligkeit;

Laßt uns ihm ein Lob bereiten,

Er ist König, er ist König in der Zeit und Ewigkeit.


Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 3, Stuttgart u.a. 1979, S. 205-207.
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