|
[458] Das Hähnerl hier ist für den Dicken.
Der Handwerksbursch' fühlt Magenzwicken.
Die Zeitung ist oft int'ressant.
Ein Hähnerl nimmt man gern zur Hand.
[458]
Die Politik ist sehr belehrend.
Der Wohlgeruch ist manchmal störend.
Der Dicke schmaust, es perlt der Wein;
Der Handwerksbursch' schaut neidisch drein.
[459] Der Handwerksbursche unverwandt
Vertieft sich in den Gegenstand.
Auch das noch! – Es ist unerträglich! –
Er flötet so leger als möglich.
[460] Der Dicke schlürft mit viel Gefühl; –
Dem Handwerksburschen wird es schwül.
Er zahlt drei Kreuzer sehr verlegen,
Stolz nimmt sie der Herr Wirt entgegen.
[461]
Drei Taler zahlt der gnäd'ge Herr.
Da ist der Wirt schon höflicher. –
Die Sonne brennt, der Staub der weht,
Der Dicke fährt, der Dünne geht.
[462]
Der Handwerksbursche froh und frei
Ruht sanft im duft'gen Wiesenheu.
Der Dicke aber – »autsch! mein Bein!« –
Hat wieder heut' das Zipperlein.
[463]
Buchempfehlung
Der satirische Roman von Christoph Martin Wieland erscheint 1774 in Fortsetzung in der Zeitschrift »Der Teutsche Merkur«. Wielands Spott zielt auf die kleinbürgerliche Einfalt seiner Zeit. Den Text habe er in einer Stunde des Unmuts geschrieben »wie ich von meinem Mansardenfenster herab die ganze Welt voll Koth und Unrath erblickte und mich an ihr zu rächen entschloß.«
270 Seiten, 9.60 Euro
Buchempfehlung
Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.
442 Seiten, 16.80 Euro