[Wenn Gott von allem Bösen]

[503] Wenn Gott von allem Bösen

Und dieser Lebens-Noht

Wird meine Seel' erlösen

Durch einen selign Tod,

Daß ich werd' auffgenommen

Groß, herrlich, himmlisch, rein,

Hoch in die Zahl der Frommen,

Wie selig werd' ich seyn.


Mein Mund wird nichts als lachen,

Und meiner Zungen Klang

Wird nichts als Lieder machen,

Gott unserm Heyl zu Danck,

Ihm werd' ich Ehre bringen,

Von seiner Wercke Zahl

Wird heilig wieder klingen

Der gantze Himmels-Saal.


Herr, wende mein Verlangen,

Daß ich der Bande frey,

Darin ich bin gefangen

Und gantz mein eigen sey:

So lang ich hie muß leben,

So bin ich immerzu

Mit Sünden nur umbgeben

Und finde keine Ruh.


Was dein Gesetz mir zeiget,

Belustigt meinen Geist,

Doch ist mein Fleisch geneiget

Zum Argen allermeist,

Ich kann mich offt nicht retten

Für Wünschen und Begier,

Und schrey in diesen Ketten:

Ach Gott, wer hilffet mir.
[503]

Vom Jammer den ich treibe,

Von meines Fleisches Streit,

Und dieses Todes Leibe

Ist niemand der mich freyt?

Doch wil ich alles leiden,

Wenn du, O Gott, nur nicht

Dich wollest von mir scheiden

Mit deinem Angesicht.


Laß deinen Geist mich stärken,

Mach daß ich überall

Kan seinen Beystand mercken,

So fürcht' ich keinen Fall,

Und ob ich lang muß weinen,

So wird die Sonne mir

Um so viel heller scheinen

Mit unbewölckter Zier.


Hie muß ich Samen streuen

Mit Thränen vieler Pein,

Dort werd' ich Wonne meyen,

Der Ende nie wird seyn:

Hie muß ich traurig singen

Und klagen meine Zeit,

Dort werd' ich Garben bringen

In ewger Herrligkeit.

Quelle:
Simon Dach: Gedichte, Band 4, Halle a.d.S. 1938, S. 503-504.
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