Die Genesung des Königs

[173] Lasst dem Erhalter unsers Geliebten uns freudig danken!

Du hasts allein gethan, o du des Lebens

Herr! und Herr des Todes!

Dir sey der Ruhm, der Dank, der Preis, die Ehre,

Grosser Erhalter unsers Geliebten!


Thränen der Wonne, dankende Thränen seyn unser Opfer!

Mit diesem Opfer fallet tiefanbetend

Vor dem Throne nieder,

Von dem des Rettenden Befehl' erschollen:

Leben, ja leben soll mein Gesalbter!


Wunderbar hast du, Vater des Schicksals, uns ihn erhalten!

Zu viel, zu viel Barmherzigkeit, o Vater,

Hast du uns gegeben!

Steig oft, und stark, Gebet, viel ist der Gnade!

Steige mit Wonne auf zu dem Geber!
[174]

Mengen erlagen, aber ihn rührte sanft deine Hand nur,

So sanft, dass wir sogar, wer kan hier danken?

Nicht einmal erschraken!

Zu viel, zu viel Barmherzigkeit, o Vater,

Gab uns die Stunde deiner Errettung!


Ach, den wir lieben, Vater, er lebet! und auch wir leben!

Denn in der Stunde deiner reichen Gnade,

Da du ihn erhieltest,

Da rührtest du auch uns mit sanfter Hand an.

Vater, die Erde bebt', und wir leben!


Herr! da die Erde unter uns bebte, scholl deine Stimme,

Nicht deines Zornes, deiner Liebe Stimme

Scholl, uns aus dem Staube

Zu rufen, und gen Himmel schaun zu lehren,

Auf zu des Lebens Herrn, und des Todes!


Noch mit Entzückung hör' ich der Erde gelindes Rauschen!

Des Richters Arm, der über andre Völker[175]

Fürchterlich sich ausstreckt,

Die Städt' erschüttert, dass sie voll Entsetzens

Donnern, und fallen, unterzugehen!


Der jetzt die Völker, dass es sie würge, dem Schwerte zuführt,

Der Arm wird über unserm Haupt erhoben,

Ach, damit er segne!

Und dass wir auf des Segens Fülle merken,

Wecket er sanft uns auf von dem Schlummer.


Fallet mit Jauchzen vor dem Erbarmer aufs Antlitz nieder!

Lasst Aller Herz das Halleluja singen!

Herr, Herr, Gott, barmherzig!

Du Dulder, du Getreuer! Gnadevoller!

Ehre dir! Preis dir! Dank dir, Erbarmer!


Ging nicht des Herschers Herlichkeit sichtbar vor uns vorüber?

Lasst uns anbetend ihr von ferne nachsehn!

Ja, in unsrer Seele

Soll dieses Heils Erinnrung ewig bleiben,

Bleiben, ein Nachhall dessen, was Gott that!
[176]

Sagt es den Enkeln, Väter, und lehrt sie gen Himmel schauen!

Vernims, der Enkel Sohn, und lerne danken!

Und kein Greis entschlumre,

Der nicht noch Einmal Dank, wenn er entschlummert,

Gott aus des Herzens Innerstem stamle.


Dass wir dir danken, Vater, o gieb uns auch diese Gnade!

Herr, Herr! Preis, Ehr', und Ruhm sey, und Anbetung

Deinem grossen Namen!

Im Himmel oben hubst du deinen Arm auf,

Herr! uns zu segnen, Herr! uns zu segnen!


Quelle:
Friedrich Gottlieb Klopstock: Oden, Band 1, Leipzig 1798, S. 173-177.
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