Parodien auf Lord Byrons Zeilen:

[173] Had we never loved so kindly

Had we never loved so blindly,

Never met and never parted,

We had never been broken-hearted.


Sie.


Hätt' ich nicht den frechen Buben

Eingelaßen in die Stuben,

Nicht gewillfahrt blinden Trieben,

Wär' ich Jungfrau wohl geblieben.


Er.


Ja, ich liebe dich nicht minder,

Bringst du gleich viel Mantelkinder:

Wär' ich nicht zu dir gekrochen,

Wäre mir das Herz gebrochen.


Beide.


Hätten wir uns sittlich kindlich

Bloß geliebt, und nicht so blindlich

Ernstlich uns die Eh' versprochen,

Wär' uns nicht das Herz gebrochen.


[174] Sie.


Ließ ich nicht so wild ihn hausen,

Mir an Rock und Mieder zausen,

Hielt ihn mir drei Schritt vom Leibe,

Nähm' er jetzt mich noch zum Weibe.


Er.


Giengst du nicht so angeklunkert,

Hättest nicht so viel geflunkert,

Könntest mir im Haushalt frommen,

Hätt' ich dich zur Frau genommen.


Beide.


Hätten wir es laßen bleiben,

Uns die Zeit so zu vertreiben,

Hätt' uns Muthwill nicht gestochen,

Wär' uns nicht das Herz gebrochen.


Sie.


Wär' es nicht geworden ruchtbar,

Die Umarmung gleich so fruchtbar,

Daß ich jetzt käm' in die Wochen,

Wär' uns nicht das Herz gebrochen.


Er.


Leider merkt' ich gleich im Bette,

Daß sie schon Bekanntschaft hätte.

Hahnrei in den Flitterwochen,

Das hat mir das Herz gebrochen.


Sie.


Hätt' er nicht so arg geflegelt,

Nicht den langen Tag gekegelt,

Nach Tabak nicht so gerochen,

Wär' mir nicht das Herz gebrochen.


[175] Er.


Eselsarbeit, Zeisigfutter,

Eine böse Schwiegermutter,

Dann das Schelten, Lärmen, Pochen,

Hat mir längst das Herz gebrochen.


Sie.


Wär' er nicht ein Kirmeßläufer,

Wär' er nicht ein Branntweinsäufer,

Thät' er anders was als lungern,

Müßten wir nicht jetzo hungern.


Er.


Wärst du, Frau, nicht gar zu flüchtig,

Nicht so putz- und kleider-süchtig,

Wäre nicht nach wenig Wochen

Der Bankrott schon ausgebrochen.


Beide.


Liebten wir uns nicht so wüthig,

Sondern flüchtig, wankelmüthig,

Oft gesucht und oft gemieden,

Wär' uns heitres Glück beschieden.

Quelle:
August Wilhelm von Schlegel: Sämtliche Werke, Band 2, Leipzig 1846, S. 173-176.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Die Serapionsbrüder

Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon