Auf dem Feldberge

[377] 1806


Wie still ist es hier oben,

Wo kein Gebüsch mehr blüht,

Über die Berg' erhoben,

Wo nie der Sommer glüht;

Wo selbst der Schall verklungen,

Kein Vogel je gesungen

Sein froh gesellig Lied.


Zum Teppich Moos gebreitet,

Auf wüstem Heidefeld

Die Felsen weich umkleidet;

Wohin das Auge fällt,

Von Berg, Tal, Schloß und Wäldern,[377]

Städtebesäten Feldern,

Ein' unermeßne Welt.


Den Wanderern zusammen

Lodern einsame Flammen

Am Felsenbette auf;

Öde den Pfad herauf,

Ein schaurig Tal zur Seite,

In nebelferner Weite

Schimmernd der Ströme Lauf.


Und wie ich nun betrachte,

Was mir das Herz erfreut,

All sorgsam das beachte,

Da wird es klar so weit;

Ich sehe sich entfalten

Vor meinem Blick die alten

Kunden der grauen Zeit.


Nach Kriegerweise handeln,

German'scher Männer Schar,

Seh ich sie da und wandeln;

Wo einst ihr Lager war,

Auf jenes Berges Höhen,

Dünkt mich sie noch zu sehen,

Den König auch fürwahr.


Aus diesen selben Zeiten,

Scheinend im Nebelrauch,

Sind wohl, die dort sich breiten,

Die Hünengräber auch;

Sich wehrend der Gewalten,

Lebten da frei im Walde

Sie treu dem alten Brauch.


Dann durch die Schranken dringen,

Im hohen Siegerglück,

Die Helden vor und bringen

Freiheit der Welt zurück.

Es strömt die Flut der Schmerzen

Mir fragend hin zum Herzen;

Wer bringt sie uns zurück?


Quelle:
Friedrich von Schlegel: Dichtungen, München u.a. 1962, S. 377-378.
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Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

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