Auf dem Feldberge

[377] 1806


Wie still ist es hier oben,

Wo kein Gebüsch mehr blüht,

Über die Berg' erhoben,

Wo nie der Sommer glüht;

Wo selbst der Schall verklungen,

Kein Vogel je gesungen

Sein froh gesellig Lied.


Zum Teppich Moos gebreitet,

Auf wüstem Heidefeld

Die Felsen weich umkleidet;

Wohin das Auge fällt,

Von Berg, Tal, Schloß und Wäldern,[377]

Städtebesäten Feldern,

Ein' unermeßne Welt.


Den Wanderern zusammen

Lodern einsame Flammen

Am Felsenbette auf;

Öde den Pfad herauf,

Ein schaurig Tal zur Seite,

In nebelferner Weite

Schimmernd der Ströme Lauf.


Und wie ich nun betrachte,

Was mir das Herz erfreut,

All sorgsam das beachte,

Da wird es klar so weit;

Ich sehe sich entfalten

Vor meinem Blick die alten

Kunden der grauen Zeit.


Nach Kriegerweise handeln,

German'scher Männer Schar,

Seh ich sie da und wandeln;

Wo einst ihr Lager war,

Auf jenes Berges Höhen,

Dünkt mich sie noch zu sehen,

Den König auch fürwahr.


Aus diesen selben Zeiten,

Scheinend im Nebelrauch,

Sind wohl, die dort sich breiten,

Die Hünengräber auch;

Sich wehrend der Gewalten,

Lebten da frei im Walde

Sie treu dem alten Brauch.


Dann durch die Schranken dringen,

Im hohen Siegerglück,

Die Helden vor und bringen

Freiheit der Welt zurück.

Es strömt die Flut der Schmerzen

Mir fragend hin zum Herzen;

Wer bringt sie uns zurück?


Quelle:
Friedrich von Schlegel: Dichtungen, München u.a. 1962, S. 377-378.
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