[176] Florenz. Im Hause der Witwe.
Bertram und Diana treten auf.
BERTRAM.
Man sagte mir, Ihr heißet Fontibella?
DIANA.
Nein, Diana, gnäd'ger Herr.
BERTRAM.
Erhabne Göttin,
Und wert noch mehr als dies! Doch, schönstes Wesen,
Hat deine Wunderform kein Teilchen Liebe?
Belebt nicht Jugendfeuer dein Gemüt,
Bist du kein Mädchen, nein, ein Marmorbild:
Nach deinem Tod erst solltest du das sein,
Was du jetzt bist, so kalt und streng; doch jetzt
Solltest du sein, wie deine Mutter war,
Als sie dein süßes Bild erschuf.
DIANA.
Da war sie tugendhaft.
BERTRAM.
Das bist du!
DIANA.
Nein;[176]
Sie tat nach ihrer Pflicht; wie Euer Weib
Von Euch sie fodert, Graf.
BERTRAM.
Still, davon nichts!
Nicht sprich dafür, wogegen ich geschworen!
Sie ward mir aufgedrungen; doch dich lieb' ich
Durch süßen Liebeszwang und weih' auf ewig
Dir meinen treuen Dienst.
DIANA.
So dient Ihr uns,
Bis wir Euch dienen; bracht Ihr unsre Rose,
Dann ist's Euch gleich, wie uns die Dornen stechen:
Des Raubes lacht ihr dann.
BERTRAM.
Was schwur ich dir?
DIANA.
Nicht viele Eide sind Beweis von Treue,
Nein, nur ein einz'ger Schwur, wahrhaft gelobt.
Was ist wohl Heiliges, bei dem wir schwören,
Das uns der Höchste nicht bezeugen soll?
Doch nun sagt selbst, ich bitt' Euch:
Gelobt' ich Euch bei Amors ew'gen Kräften,
Ich liebt' Euch herzlich: glaubtet Ihr dem Schwur,
Liebt' ich, um Euch zu schaden? Wär's nicht sinnlos,
Ihm, dem ich Liebe hoch beteure, schwören,
Ich sänn' auf sein Verderben? Euer Eid
Ist drum nur Wort und Schein, schwach, ohne Siegel,
Mind'stens nach meinem Sinn.
BERTRAM.
Oh, ändr' ihn, ändr' ihn!
Sei nicht so heilig grausam! Lieb' ist heilig,
Und meine Lauterkeit kennt nicht die List,
Der du die Männer zeihst. Nicht Ausflucht mehr!
Nein, gib dich meiner kranken Sehnsucht hin,
Die dann gesundet. Sage, du seist mein,
Und so wie heut soll stets mein Lieben sein.
DIANA.
Ich seh', Ihr schlingt ein Seil zur steilsten Klippe,
Uns zu gefährden. Gebt mir diesen Ring!
BERTRAM.
Ich leih' ihn dir, Geliebte: ihn verschenken
Steht nicht bei mir.
DIANA.
Ihr wollt nicht, gnäd'ger Herr?
BERTRAM.
Es ist ein Ehrenkleinod unsres Hauses,
Von vielen alten Ahnen mir vererbt,[177]
Und mir der größte Makel auf der Welt,
Verlör' ich's.
DIANA.
Meine Her' ist solch ein Ring:
Die Keuschheit ist das Kleinod unsres Hauses.
Von langer Ahnenreihe mir vererbt,
Und mir der größte Makel auf der Welt,
Verlör' ich sie. So führt mir Eure Weisheit
Den Kämpfer Ehre her zu meinem Schirm
Vor Euerm nicht'gen Angriff.
BERTRAM.
Nimm den Ring!
Stamm, Ehre, ja mein Leben selbst sei dein,
Und ich dein eigner Knecht.
DIANA.
Um Mitternacht klopft an mein Kammerfenster:
Ich sorge, daß die Mutter Euch nicht hört.
Jedoch versprecht mir, wie Ihr wahrhaft seid:
Wenn Ihr mein noch jungfräulich Bett erobert,
Bleibt eine Stunde nur, und sprecht kein Wort;
Ich habe trift'gen Grund, und sag' ihn Euch,
Wenn Ihr den Ring dereinst zurückerhaltet.
Und einen andern Ring steck' ich heut nacht
An Euern Finger, der zukünft'gen Tagen
Ein Pfand sei, was mit uns sich zugetragen.
Lebt wohl, bis dahin! Fehlt nicht; ich erwarb
Ein Weib Euch, wenn auch so mein Hoffen starb.
BERTRAM.
Des Himmels Glück auf Erdendank' ich dir!
Geht ab.
DIANA.
Lebt lang'! Und dankt's dem Himmel einst und mir!
Vielleicht geschieht's dereinst. –
Ganz schilderte sein Werben mir die Mutter,
Als säß' sie ihm im Herzen: »gleiche Eide
Hat«, sprach sie, »jeder Mann.« Ist tot sein Weib,
So schwört er, mich zu frein; drum bin ich tot,
Sei er mein Mann. Wenn so Franzosen werben,
Mag frein, wer will, ich werd' als Mädchen sterben:
Doch dünkt mich keine Sünde, den betrügen.
Der als ein falscher Spieler hofft zu siegen.
Geht ab.[178]
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