Kartendruck

[386] Kartendruck (Kartographie), die Herstellung von Plänen, Katasterkarten,. Verkehrskarten, topographischen Karten, Geographie- oder Landkarten, Uebersichtskarten u.s.w. mittels Buchdrucks, Steindrucks, Aluminiumdrucks oder Kupferdrucks.

Zum Kartendruck werden die verschiedenen graphischen Verfahren entweder für sich allein oder in mannigfaltiger Weise miteinander kombiniert benutzt. Die Grundlage bildet immer eine vom Kartographen vollkommen korrekt und zumeist in größerem Maßstäbe ausgeführte[386] Originalzeichnung. Billige Massenauflagen können mittels Buchdrucks oder Steindrucks einfach so hergestellt werden, daß man nach der Originalzeichnung auf photomechanischem Wege Hochätzungen (s. Zinkhochätzung, vgl. a. Cerographie) oder photolithographische Uebertragungen (s. Lithographie) macht. Bei sehr weitgehenden Verkleinerungen der Originalkarte (z.B. vom Maßstabe 1 : 25000 auf den von 1 : 300000) muß für photomechanische Reproduktion vorher ein neues Original geschaffen werden. Zum Beispiel derart, daß eine in der notwendigen Reduktion gewonnene photographische Blaukopie oder Salzkopie mit schwarzer Tusche gründlich überzeichnet wird, wobei die nebensächlichen Details unberücksichtigt bleiben. Das neben dem schwarzen Tuschbilde sichtbare Blaubild der Cyanotypie wirkt bei der folgenden photographischen Aufnahme wie weiß; das als Substrat dienende Bild der Salzkopie wird nach der Ueberzeichnung mit verdünnter Cyankaliumlösung zerstört. Die schönsten Karten ergibt der Tiefdruck, z.B. die heliographische Vervielfältigung der sogenannten Generalstabskarten. Nach der Originalzeichnung wird ein Negativ erzeugt und dieses auf Papier mit lichtempfindlicher Gelatineschichte kopiert (s. Pigmentdruck). Sodann quetscht man die Leimkopie auf eine versilberte Kupferplatte, entwickelt mit warmem Wasser und trocknet. Das resultierende Leimrelief wird mit Graphitstaub leitend gemacht und galvanoplastisch abgeformt (s. Elektrotypie). Das gewonnene Galvano wird einer durchgreifenden Retusche durch den Kupferstecher unterzogen und als Haupt- oder Depotplatte aufbewahrt, von welcher nach Bedarf galvanoplastisch Patrizenplatten und von diesen die eigentlichen Druckplatten angefertigt werden. Bei später notwendig werdenden Korrekturen verstärkt man die Hauptplatte im galvanischen Bade stellenweise mit Kupfer, schleift plan und flicht nach. Für Massenauflagen macht man von der Hauptplatte Uebertragungen auf lithographische Steine oder Aluminiumplatten. Den heliographischen Karten zunächst ebenbürtige erhält man durch die Steingravüre (s. Lithographie). Als Substrat dient gewöhnlich eine photolithographische Uebertragung. Zuerst wird die Situation (Grenzen, Flüsse, Straßen, Ortschaften, Bahnen u.s.w.) graviert. Das Terrain (die Bodenerhebungen) kann mittels Maschinenradierung (s. Guillochieren) in bestimmten Schraffen (schraffiertes Terrain) oder mittels Kreidezeichnung als geschummertes Terrain behandelt werden. Die Schrift wird graviert oder hier und da auch aus Buchdrucklettern gesetzt und umgedruckt. Die Wasserschraffen werden graviert. Mehrfarbige Karten werden fast ausnahmslos chromolithographisch erzeugt. Die Druckformen können wieder durch Uebertragung von heliographischen Tiefformen (diese erzeugt man für mehrfarbige Karten nach überzeichneten genau Maß haltenden blauen Trockenabdrücken der Hauptplatte) genommen werden. Gewöhnlich wird auf Grund photolithographischer Uebertragung oder in den Dimensionen genau übereinstimmender Klatsche von der Originalgravüre u.s.w. Situation, Terrain, Schrift, Flüsse u.s.w. auf verschiedene Steine graviert. Von Originalgravüresteinen kann man aber auch durch partiellen Umdruck, mittels der Ecksteinsehen Lichtgravüre und andrer Methoden die Teilfarbensteine (-metallplatten) schaffen. Farbige Tonflächen zur Trennung verschiedener Länder u.s.w. erzeugt man zumeist durch Rasterumdruck, wobei sich durch die verschiedenen Kombinierungen von schwachem, mittlerem Rasterton und vollem Ton auf drei Farbensteinen (für Gelb, Rot und Blau z.B.) eine reiche Anzahl von Farbennuancen erzielen läßt.


Literatur: Volkmer, Ottomar, Die Technik der Reproduktion von Militärkarten und Plänen nebst ihrer Vervielfältigung, Wien 1885; v. Hübl, A. Freih., Beiträge zur Technik der Kartenerzeugung, Wien 1897; Unger, A.W., Die Herstellung von Büchern, Illustrationen u.s.w., Halle a. S. 1906.

A.W. Unger.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 386-387.
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