Pagōde

[307] Pagōde (die, v. ind. bhaguvati, »heiliges Haus«), frei stehende Tempelanlage der Hindu und andrer asiatischer Völker. Ursprünglich nur aus dem Heiligtum und einer Vorhalle bestehend, erweitern sie sich in fortschreitender Entwickelung zu ausgedehnten, von einem oder mehreren Höfen umgebenen, mit zahlreichen Kuppeln und Türmen geschmückten Gebäudegruppen, die verschiedene Tempel und Kapellen, gewaltige Säulensäle, Pilgerhallen und von Säulengängen umgebene Höfe und Reinigungsbassins enthalten. Die Wände sind mannigfach gegliedert und mit reichem, an Filigranarbeit erinnerndem Skulpturenschmuck bedeckt. In der chinesischen Kunst versteht man unter P. neun- bis fünfzehnstöckige, sich nach oben verjüngende Türme (s. Tafeln »Chinesische Kultur I«, Fig. 9, und »Indische Kunst I«, Fig. 2). Später ist der Name (doch meist männlich, der P.) auch auf die in diesen Tempeln befindlichen Statuen der Götter übertragen worden. Pagoden heißen ferner auch die kleinen bunten, gewöhnlich nach chinesischen Mustern gebildeten Figuren von Gips mit beweglichen Händen und Köpfen, die man als Nachahmungen jener Götzen zur Rokokozeit als Verzierung auf Kamingesimsen, Schränken etc. aufzustellen pflegte. Der neuere Geschmack hat die Pagoden in kleinern Verhältnissen aus Porzellan nachgebildet und in die Nippsachen eingereiht.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 307.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: