Hundertachtzigste Geschichte

[195] geschah in Rabbi Jehude Chossid Zeiten, da war ein mächtiges Dukes (Herzog) der tät nit anders, als was ihm Rabbi Jehude Chossid heißt. Einmal kam ein König von Rom, der hieß Philipus zu dem Dukes un begehrt von ihm er sollt mit ihm in den Krieg ziehn un sollt ihm einen Beistand tun. Da sprach der Dukes: »Ich will vor zu meinem Juden gehn un will hören ob er mir dazu ratet oder nit. Denn der Jud weiß ob wir Glück sollen haben oder nit.« Also schickt der Dukes nach dem Chossid un sagt ihm, was der König von ihm begehrt, als daß er mit ihn in den Krieg soll ziehn. »Derhalben begehr ich euern Rat, ob ich soll ziehn oder nit.« Da sprach der Chossid: »Euer fürstliche Gnaden soll bei Leibstraf gewarnt sein, daß ihr nit zieht. Denn so ihr ja zieht, so müßt ihr wissen, daß euer fürstliche Gnaden nit wieder lebendig herkommt, denn sie werden alle gar derschlagen werden im Krieg.« Also ging der Dukes wieder zum König un sagt zu ihm also, daß er nit mit ihm zieht, ursachhalben sein weiser Jud hat es ihm abgeraten, un hat es ihm gesagt, wenn er mit ihm zieht, da sollt einer mit dem andern derschlagen werden. »Derhalben bitt ich euere königliche Krone, wollt mir nix für ungut abnehmen denn ich zieh dasmal nit mit euch. Denn ich tu nit anderst als wie mir mein Jud ratet in allen Sachen.« Da sprach der König: »Wollt ihr euch an eines falschen Juden Rede kehren? Wie sollt der Jud wissen, wie es uns wird im Krieg gehn? So will ich für mich allein ziehn sondern allein euerem falschen Juden, an den ihr glaubt. Helft mir Gott wieder heim zu meinem Land, so will ich mit euch streiten. So ich das Glück von Gott werd haben, daß ich euch oben werd liegen, so will ich euern falschen Juden mit den Füßen aufhängen lassen. Das soll er von seiner Weisheit genießen.« Un zieht also fort. Da er nun weg war, da sagt der Dukes die Rede von dem König wieder dem Chossid. Da sprach der Chossid: »Lieber Herr, laßt ihn neiert ziehn in den Streit. Er hat gesagt, wenn er wieder heimkommt, so will er mit euch streiten, un wenn er euch oben liegt, so will er mich derschlagen. Ich will es ihm verzeihn, wenn er mich derschlagt, wenn er aus dem Krieg kommt. Nun, es stund nit lang an, da kam eine Post wie der König von Rom mit all seinem Volk war derschlagen worden im Streit. Da schickt der Dukes nach dem Chossid un leint (liest) ihm die Briefe vor.« Da sagt der Chossid: »Das hab ich vor wol gewußt, daß er nit wieder heimkommen wird. Als ihr mit ihm gezogen wärt, es wär euch auch so gegangen.« So dankt der Chossid dem Heiligen, gelobt sei er, un sagt: »Gelobt sei Gott, der verstört die Gedanken von den Reschoim (Bösen).« Da küßt der Dukes den Chossid un sagt: »Wol euch, wie seid ihr ein köstlich Volk, daß euch Gott allmächtig entfleckt die Werke, die geschehen sollen.« Un hielt den Chossid je länger je besser.

Quelle:
Allerlei Geschichten. Maasse-Buch, Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jüdisch-deutscher Sprache, Nach der Ausgabe des Maasse-Buches, Amsterdam 1723, bearbeitet von Bertha Pappenheim, Frankfurt am Main: J. Kauffmann Verlag, 1929, S. 195-196.
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