Nitschiren.

[310] Nitschiren war ein gottergebener buddhistischer Priester, der im Jahre 1261 eine besondere Sekte, die der Hokkoschiu, unter den Anhängern seiner Religion gründete. Er hatte sich jedoch des Wohlwollens und der Unterstützung der damaligen Machthaber, der ehrgeizigen Häupter der Hojo-Familie, nicht zu erfreuen. Andere Sekten, die dem Nitschiren feindlich gesinnt waren, wußten es sogar zu veranstalten, daß Soldaten ausgesandt wurden, welche ihn fangen und ihm den Kopf abschlagen sollten. Sie trafen ihn auch wirklich, und als er sie sah, kniete er, ohne ein Wort zu verlieren, nieder und war bereit, inbrünstig betend den Todesstreich zu empfangen. Einer der Krieger trat vor und hieb zu, aber vergebens; so oft er es auch versuchte, es war ihm unmöglich, den Kopf abzuschlagen. Da sah er wohl, daß Nitschiren ein der Gottheit wohlgefälliger Heiliger sei; er kehrte zurück und berichtete, was geschehen. Die Oberhäupter des Staates begnügten sich nun, den frommen Mann nach Idzu zu verbannen. Bald aber, nach dem Tode eines seiner Hauptgegner, ward er aus der Verbannung erlöst und wirkte noch lange segensreich, bis er, im Alter von 63 Jahren, im Jahre 1285, eines friedlichen gottseligen Todes starb.

Quelle:
Brauns, David: Japanische Märchen und Sagen. Leipzig: Verlag von Wilhelm Friedrich, 1885, S. 310.
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