Vorzeichnung

[1258] Vorzeichnung. (Musik)

Die Art wie man in geschriebenen Tonstüken durch die Zeichen Vorzeichnungund b, im Anfang jedes Notensystems den Hauptton bezeichnet, in dem das Stük gesezt ist. Nach der einmal eingeführten Art die Noten zu schreiben, stellen die auf und zwischen die Linien gesezten Noten, wenn keine andere Zeichen dabey sind, blos die Töne der diatonischen Leiter C, D, E, F, G, A, H, c u.s.f. vor; braucht man andere Töne, so müssen sie durch Vorzeichnungoder b, die auf oder zwischen den Linien stehen, angezeiget werden. Aber derselbe Ton kann sowol durch Vorzeichnungals durch b angezeiget werden; denn sowol Vorzeichnungals bE, bezeichnen die vierte Sayte unsers zusammengesezten Systems, die einen halben Ton höher, als D und einen halben Ton tiefer, als E ist. Daher kömmt die Verschiedenheit der Vorzeichnung. Folgende Methode die Vorzeichnung jedes Tones am natürlichsten zu bewerkstelligen, scheinet den Vorzug vor allen andern zu verdienen.

Um zu wissen wo und wie viel Vorzeichnungvorzuzeichnen seyen, so fange man bey dem Ton C dur, der gar keiner Vorzeichnung bedarf, an, und gehe davon auf die Durtöne in der Ordnung der steigenden Quinten, nämlich von C dur, nach G dur; von da nach D dur; denn A dur u.s.f. und seze mit Beybehaltung der Vorzeichnung des vorhergehenden Tones, vor die Septime jedes Tones, ein Vorzeichnungso bekommt man der Ordnung nach die wahre Vorzeichnung aller dieser Töne in der großen Tonart, und zugleich die Vorzeichnung für die weiche Tonart ihrer Unterterzen, wie aus folgender Vorstellung erhellet.

Vorzeichnung
Vorzeichnung

[1258] das leztere ist schon etwas außerordentlich.

Mit der Vorzeichnung durch b, nihmt man die Töne, wie die Ordnung der absteigenden Quinten sie angiebt, und sezet jedesmahl vor die Quarte des Tones ein b; wie aus folgender Vorstellung zu sehen ist; so bekommt man wie vorher die beste Vorzeichnung dieser Töne in der harten, und ihrer Unterterzen in der weichen Tonart.

Vorzeichnung

Ungewöhnlich ist folgende Vorzeichnung.

Vorzeichnung

und noch seltener diese:

Vorzeichnung
Quelle:
Sulzer: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, Band 2. Leipzig 1774, S. 1258-1259.
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