Esse, die

[1972] Die Êsse, plur. die -n, der Feuerherd mit der Feuermauer. In diesem allgemeinen Verstande ist es nur noch von den Herden der Schmiede üblich. Die Esse prüfet das gelöthete Eisenwerk, Sir. 31, 31. Der Schmid arbeitet sich müde über der Esse, Kap. 58, 29. In einigen Gegenden wird noch eine jede Feuermauer, ein jeder Schorstein, eine Feueresse genannt, S. dieses Wort. Daher der Essebaum, der Balken, worauf der vordere Theil der Feueresse ruhet; der Essenkehrer, der Feuermauerkehrer, Schorsteinfeger.

Anm. In den Monseeischen Glossen lautet dieses Wort Essa, im Schwed. Aesia, im Dän. Esse. Es ist kein Zweifel, daß es zu dem weitläufigen Geschlechte gehöret, zu welchem auch heiß und Hitze gehören, und dessen Stammwort Feuer bedeutet hat. Im Griech. bedeutet ἑστια, einen jeden Herd. Im Ital. und mittlern Lateine ist Esca, und im Span. Yesca der Zunder. Im Isländ. bedeutet Eysa glühende Asche, im Nieders. Ese, und Ösel die Lichtschnuppe, und bey dem Ulphilas Haiz eine Fackel. Selbst das Latein. ustrina, und das Perf. ussi des Zeitwortes urere gehören hierher. In allen diesen und vielen andern Wörtern scheinet doch wohl der Begriff des Feuers zum Grunde zu liegen, welches im Hebr. אש, Esch, heißet. S. Heiß, Hitze, Eíternessel.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1972.
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