Schild

[1460] Schild, ein Hauptwort, welches in einer doppelten Gestalt gebraucht wird.

1. Im männlichen Geschlechte, der Schild, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, eine in der heutigen Europäischen Kriegskunst veraltete Art Schutzwaffen, den Leib damit gegen die feindlichen Pfeile und Hiebe zu bedecken und zu beschützen, da denn die Schilde ehedem von verschiedener Materie, Größe und Gestalt waren. Schild und Bogen führen. Den Schild vorhalten. Güldene Schilde, 1 Kön. 14, 27. Zwey hundert Schilde, Kap. 10, 16. Aller Schilde Pracht, Opitz. Gelehnt auf ihre goldne Schilde, Raml.

2) Figürlich. (a) Dasjenige, was uns einen kräftigen und sichern Schutz gewähret. Der Herr ist mein Schild, Ps. 28, 7. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, Ps. 91, 4. (b) Diejenige Figur, worein ein Wapen mit seinen Theilen verzeichnet wird, welche noch jetzt die Gestalt der ehemahligen Schilde hat, weil die Wapen ehedem auf die Schilde gemahlet wurden; der Wapenschild. Einen Adler im Schilde führen, zum Wapen haben. Daher die figürliche Redensart, sehen was jemand im Schilde führet, was er für geheime Absichten hat; vielleicht eigentlich, zu welcher Partey er gehöret. Nichts Gutes im Schilde führen, mit etwas Bösen umgehen. Weil ehedem nur adelige Personen Wapenschilde führen durften, so wird nach einer noch weitern Figur auch die adelige Würde noch in einigen Redensarten der Schild genannt. Zum Schilde geboren seyn, von adeliger Herkunft seyn. Nach einer noch andern Figur bedeutet Schilde zuweilen die Ahnen.


Dann Schilde sind das mindste

Von dem was Tugend heißt,

Opitz.


Der bloß auf Schilder (Schilde) pocht, Günth. * Ingleichen Personen von hoher Geburt und Würde; welche Figur doch jetzt veraltet ist. Gott ist sehr erhöht bey den Schilden auf Erden, Ps. 47, 10. Gott, der Ew. Majestät groß gemacht und unter den Schilden dieser Erden erhöhet hat, Mosheim. (c) * Eine Münze, auf welche ein Wapenschild mit seinem Wapen gepräget ist; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Schild ehedem für Thaler gebraucht wurde, wie im mittlern Lat. Scutum, noch jetzt im Ital. Scudo und im Franz. Ecu. Frisch führet verschiedene Beyspiele von dieser Bedeutung an, welche in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt üblich zu seyn scheinet. Daher war Schildfrank ehedem ein Ducaten. Eine gewisse Französische Goldmünze, welche unsern Carolinen ziemlich gleich kommt, wird noch jetzt Schild d'or, eigentlich ein goldner Schild, genannt. (d) Bey den Jägern wird das auf Leinwand gemahlte und in einem Rahmen befindliche Bild eines Thieres ein Schild genannt; vermuthlich, weil sie dasselbe wie einen Schild vor sich halten, wenn sie das Geflügel beschleichen wollen; wenn es hier nicht vielmehr ein Überrest einer alten Bedeutung eines Gemähldes ist, S. Schildern. (e) Eine schwache Wand zwischen zwey stärkern Pfeilern, besonders an den Gartenmauern, führet gleichfalls den Nahmen eines Schildes; vielleicht auch wegen einiger sich dabey gedachten Ähnlichkeit mit einem Schilde. Manche gebrauchen es hier im ungewissen Geschlechte, das Schild. (f) Endlich wird es noch in vielen einzelnen Fällen gebraucht, ein Ding zu bezeichnen, welches einem Schilde im ersten Verstande ähnlich ist, besonders wenn es[1460] zugleich zur Bedeckung eines andern Dinges oder eines Theiles desselben dienet. So ist die harte hohle Schale, welche den ganzen Körper der Schildkröte bedecket, unter dem Nahmen des Schildes bekannt, S. Schildkröte; ja unter den Insecten gibt es mehrere Arten, welchen man einen Schild zuzuschreiben pfleget, S. Schildkäfer. Das Amts- oder Brustschildlein Aarons ist aus den Jüdischen Alterthümern bekannt. Die Postillione, Herolde u.s.f. haben metallene Schilde an der Brust, wo aber auch zunächst die Bedeutung eines Wapenschildes Statt finden kann. Ein breiter dicker Knorpel auf dem Rücken der wilden Schweine heißt bey den Jägern der Schild, und bey den Schlössern ist es das Blech, welches das Schlüsselloch bedeckt, im mittlern Lat. Escuchonetus. Die Feld- und Haselhühner haben an der Brust Federn von einer andern Farbe, welche bey den Jägern der Schild heißen; welchen Nahmen oft die Brust eines jeden Geflügels führet. Bey den Fleischern ist der Schild ein gewisser Theil von dem Buge eines Rindes, und bey den Schustern eine gewisse Stelle an der Hüfte des Pfundleders, wo es am dicksten ist, weil der Ochse auf dieser Stelle allemahl liegt. Bey den Gärtnern ist das Oculiren mit dem Schilde oder anschilden, dem Oculiren mit dem Ringe entgegen gesetzet. Und so in andern Fällen mehr.

2. In dem ungewissen Geschlechte, das Schild, des -es, plur. die -er, werden in Ober- und Niedersachsen nur die Wapenbilder oder Zeichen der Häuser, ingleichen die aushängenden und auf ein Bret gemahlten Zeichen der Handwerker und Gewerbe das Schild genannt; gleichfalls als eine Anspielung auf einen Wapenschild. Das Schild einziehen, sein Handwerk, sein Gewerbe niederlegen.

Anm. 1. Der Unterschied in dem Geschlechte und der Declination dieses Wortes ist im Grunde provinziell und daher nicht zu billigen, obgleich alle Obersächsische Sprachlehrer denselben zu einer grammatischen Regel gemacht haben, Im Oberdeutschen ist dieses Wort ohne Unterschied männlichen Geschlechts, und hat daher im Plural auch ohne Ausnahme die Schilde. In Ober- und Niedersachsen hingegen, besonders im gemeinen Leben, sagt man fast in allen obigen Bedeutungen des männlichen Geschlechts die Schilder; dieses setzt aber ein Wort ungewissen Geschlechts voraus, und wirklich wird es daselbst sehr häufig in allen Bedeutungen als ein Neutrum gebraucht. Indessen hat das Masculinum alle nur erforderlichen Gründe für sich, und es ist der Analogie gemäß, es auch in der letzten Bedeutung eines Zeichens eines Handwerkes oder Gewerbes männlich zu gebrauchen, und folglich auch im Plural die Schilde zu sagen, weil kein Grund vorhanden ist, warum ein Wort in der einen Bedeutung anders geformet werden soll, als in der andern. Aichinger sagt in seiner Sprachkunst ausdrücklich, der Plural, die Schilder, sey ein Eigenthum der Meißner.

Anm. 2. Schon bey dem Ottfried und Notker Schilt, im Nieders. gleichfalls Schild, im Engl. Shield, im Angles. Scylt, im Schwed. Sköld, im hebr. שלנזא, Schilteh. Es ist von dem veralteten schalen, schelen, schilen, decken, bedecken, Schwed. skyla, wovon auch unser Schale abstammet. Auf ähnliche Art stammet das Schwed. Hlif, ein Schild, Lat. Clypeus, von lifa, decken, bedecken, und das Lat. Scutum, in den Slavonischen Mundarten Schit, Pohln. Sczyt, Böhm. Skijt, von dem veralteten schuten, bedecken, her, wovon wir noch das Intensivum schützen haben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1460-1461.
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