Nessel

[265] Nessel und Brennnessel wird eine Gattung meist krautartiger Pflanzen genannt, von der mehre Arten mit seinen, steifen und dabei hohlen und mit einer Flüssigkeit angefüllten Borsten besetzt sind, welche das nach Berührung derselben fühlbare Brennen und Jucken und die dabei entstehenden rothen Blasen auf der Haut mit verursacht. Die Stengel von mehren liefern bei einer der des Hanfes ähnlichen Behandlung Fasern, aus denen Garn gesponnen und früher das sogenannte Nessel- oder Netteltuch gewebt wurde, welcher Name jetzt aber gewissen ungebleichten, feinen Leinenstoffen gegeben wird. Man benutzte dazu besonders die Hanfnessel und die große Nessel, welche letztere auch als ein dem Milch- und Schafvieh sehr gesundes Futterkraut empfohlen worden ist, das auf dem steinigsten Boden, wenn er einigermaßen gedüngt wurde, besonders an sonnigen Abhängen, wie es in Schottland und Schweden geschieht, angebaut werden kann und bei wenig Arbeit, da die Pflanze eine ausdauernde ist, vom zweiten Jahre an einen guten Ertrag liefern soll. Sie zeichnet sich durch sehr hohe, viereckige Stengel und herzeiförmige, langgespitzte Blätter vor der niedrig bleibenden, überall als Unkraut vorkommenden kleinen oder Eiternessel aus, die eiförmige, stumpfe Blätter hat. Das Kraut der letztern ward sonst im Aufgusse oder als Pulver mit Kandiszucker für ein vorzügliches Mittel gegen langwierige Husten- und Brustbeschwerden gehalten, das Peitschen mit frischen großen Nesseln aber ist seit den ältesten Zeiten als ein Mittel bekannt, durch welches Lähmung und eingetretene Unempfindlichkeit einzelner Glieder gehoben werden können. Eine baumartige, auf der Insel Java wachsende Nessel, die mit einzelnen großen Stacheln besetzt ist, wird von den dort ansässigen Holländern Busselblad genannt, weil sich die Landleute derselben zum Antreiben ihrer Zugochsen bedienen.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 265.
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