Baskiren

[455] Baskiren, Baschkiren. Ein Volksstamm von mongolischer Abkunft unter russischer Oberherrschaft, zwischen der Wolga, dem Ural und Orenburg wohnend, zählt ungefähr 30,000 Familien. Sie sprechen eine tatarische Sprache, trotz ihrer mongolischen Abkunft. Sie haben einen starken Gliederbau und gedrungenen Wuchs, schmales, plattes Gesicht, große Ohren, kleine Augen und dunkles Haar. Jeder Stamm hat einen besondern Bezirk; im Winter bewohnen sie Dörfer von 30 bis 40 Holzhütten, im Sommer ziehen sie nomadisirend herum, und bringen die Nächte in ihren Filzzelten (Jurten) zu. Für den Krieg bewaffnen sie sich mit Bogen und Pfeil. Ihr Lieblingsgetränk ist der aus saurer Pferdemilch gegohrene Branntwein. Sie treiben Vieh-, vornehmlich Pferdezucht und beschäftigen sich wenig mit dem Ackerbau, auch lieben sie die Jagd. Die häuslichen Arbeiten lasten größtentheils[455] auf den Frauen, da die Männer die übrige Zeit mit Müßiggehen, Tabakrauchen und Trinken zubringen Beide Geschlechter reiten und sitzen gut zu Pferde. Die Männer haben gewöhnlich zwei Frauen, die sie von den Eltern für 15 bis 200 Stück Vieh erkaufen müssen. Die Baschkiren sind Muhamedaner und der Mollah (Priester) verrichtet die Trauung mit den Worten: »Sei tapfer, ernähre und vertheidige dein Weib!« – Bei der Hochzeit wird ein Pferd geschlachtet, und es finden Wettrennen, Scheibenschießen, Ringen, Tänze, Schmausereien und andere Lustbarkeiten Statt. – Die Frauen, welche, wie erwähnt, die dienende Klasse bilden, haben fast dieselbe Kleidung wie die Männer. Hals und Busen bedeckt ein Hemd, welches eine Taille hat, bis an die Knie geht und so über einen Theil der Beinkleider reicht. Die Weiber tragen entweder keine oder nur zwei Zöpfe, eine Haube und eine geschmückte Stirnbinde. Die Mädchen flechten das Haar in mehrere Zöpfe, an deren Enden sie Bänder und Flitterwerk hängen, darüber spitzige Hauben. Den Frauen liegt es auch ob, die Wirthschaftsgefäße, zur Aufbewahrung der Milch, des Branntweins und des Wassers zu verfertigen; sie bestehen aus Schläuchen, welche man aus Thierhäuten, namentlich der Pferdeköpfe, etc. bereitet. – Aus Nesseln und Hanf, die sie auf den Dächern trocknen lassen, machen sie Leinwand. Zum Spinnen derselben bedienen sie sich der Spindeln; Leinwand nähen sie mit Hanf- oder Nesselfäden, Leder und Pelze aber mit weichgeschlagenen, biegsamen Sehnen ihrer Hausthiere.

–n.

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Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 455-456.
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