Hohenhausen, Elise von

[303] Hohenhausen, Elise von, geborne von Ochs, geb. den 4.[303] Nov. 1791 zu Kassel, verlebte ihre Jugendzeit größtentheils auf dem Lande, wo sich der Hang zur Schwermuth gleichzeitig mit der Wißbegierde bei ihr ausbildete. Da aber angestrengtes Lesen das zarte Mädchen zu sehr angriff, so nahm ihr die Mutter eine Zeit lang alle Bücher und ließ ihr nur die Bibel, später wurde ihr zuweilen die Bibliothek des Großvaters geöffnet. Ihre Lieblingslectüre waren Gedichte; Stolberg's und Bürger's Balladen wußte sie auswendig. Sie kehrte später mit ihrem Vater nach Kassel zurück, wo ihre Erziehung vollendet wurde. Schon in ihrem 10. Jahre hatte sie ihr erstes Gedicht geschrieben. Veränderter Aufenthalt und das Leben in den höhern Kreisen erstickten bald das Aufblitzen ihres Genius. Als sie aber 15 Jahre alt bei einem fürstl. Maskenaufzuge die Venus Urania darzustellen hatte, erwachte der Funke wieder und die griechische Götterwelt öffnete sich voll Zauber ihrer Phantasie. Drei Jahre lang kränkelte sie in Folge einer Erkältung und nur die Neigung zur Poesie erheiterte ihr trübes Dasein. 1869 verband sich Elise mit dem nachherigen Regierungsrath von Hohenhausen. Dieser fand zufällig ihre Gedichte in einer Brieftasche, las dieselben mit Beifall und ermuthigte die Dichterin. Für ihre Frühlingsblumen erhielt sie die große Preismedaille vom König von Dänemark. Das Publikum schenkte ihr von da an Anerkennung und die Kritik sprach sich wohlwollend über ihre Erzeugnisse aus. Nach dem Umsturze der westphälischen Verfassung lebte sie eine Zeit lang mit ihren drei Kindern zu Münster, seit 1816 in Minden, ging darauf nach Berlin und Hamburg und kehrte später wieder nach Minden zurück, wo sie noch jetzt an der Seite ihres Gatten der Erziehung ihrer Kinder und einer wirksamen poetischen Thätigkeit lebt. 1834 hatte sie das Unglück, einen hoffnungsvollen 20jährigen Sohn zu verlieren. Sein Ende hat die betrübte Mutter selbst in einem Artikel der Abendzeitung auf rührende Weise bekannt gemacht. Wir haben von dieser Dichterin zahlreiche Novellen und Gedichte, welche sich durch Einfachheit der Darstellung und Wahrheit der Erfindung[304] auszeichnen; auch hat sie von Byron's Korsar eine gelungene Uebersetzung geliefert.

–n.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 303-305.
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