6. Die Tyrannis

[166] Aristoteles, bei welchem die Tyrannis als üble Seitenform (παρέκβασις) der Monarchie figuriert, will (IV, 8) nur das Notwendigste darüber sagen, indem kein Grund vorhanden sei, sie umständlich abzuhandeln. Er hätte aber gar nicht nötig gehabt, so spröde zu tun, denn die Tyrannis ist eine der ganz unvermeidlichen Formen der griechischen Staatsidee und in jedem begabten und ehrgeizigen Griechen wohnte ein Tyrann und ein Demagog.

Vor allem sind die Tyrannien nicht als entsprungen zu denken aus den Königtümern, und auch Aristoteles will dies nicht sagen; von den sehr wenigen Beispielen, die dafür zu sprechen scheinen, bleiben, wie sich zeigen wird, nicht einmal Pheidon von Argos und Arkesilaos III. von Kyrene wirklich bestehen. Die Tyrannis ist vielmehr eine Todeskrankheit der Aristokratie. Diese mag zunächst bedroht sein durch Wirren in ihrem eigenen Innern; hat sie noch die Kraft, von sich aus einen zeitweiligen »Rechtsverteiler« (αἰσυμνήτης) aufzustellen, wie z.B. das (adlige) Volk von Lesbos den Pittakos327 und wie der patrizische Populus von Rom seine Diktatoren, so kann sie sich noch retten. Gefährlicher ist diejenige Tyrannis, welche sich im Namen der Beherrschten, der Massen erhebt. Diese ist in ihrem Ursprung geradezu eine antezipierte, durch einen einzigen vertretene Demokratie; da aber die Polis eine unbedingte Macht über die Bürger hat, so besitzt sie dieselbe auch in dieser Gestalt; der Tyrann tut nicht mehr, als sich die Polis jederzeit erlaubt328, und der Einzelne hat es unter ihm eigentlich nicht schlimmer. Öfter ist die Polis ganz vollkommen in einem solchen Manne repräsentiert gewesen, und die große Verbreitung des Phänomens über die ganze hellenische Welt im VII. und VI. Jahrhundert beweist, daß es einer relativen Notwendigkeit muß entsprochen haben. Daß nach einiger Zeit überall ein Mißverhältnis eintrat zwischen der oft sehr persönlich gewordenen Herrschaft des Tyrannen und den Wünschen und Gelüsten der verschiedenen Bevölkerungsklassen, versteht sich von selbst; auch war alles Gelingen sehr an die persönliche Begabung des Einzelnen geknüpft; man darf aber das Ganze nicht beurteilen von den Deklamationen der spätern Zeit aus, da durchschnittlich die völlige Demokratie gesiegt hatte, und gerade daneben hie und da die verruchteste Spätgestalt der Tyrannis florierte, wie bei Alexander von Pherä, Klearch von Heraklea und den beiden Dionysen.

[166] Der erste Urheber ist in der alten Zeit fast überall ein Aristokrat329, etwa ein zurückgesetzter Halbbürtiger, wie Kypselos, oder ein olympischer Sieger im Vollgefühl seines Wertes, wie Kylon; auch vornehme Priesterschaft konnte dazu helfen, wie beim Hause Gelons, ebenso Anführerschaft in einem glücklichen Kriege u.a. Ämter mit einer verführerischen Machtfülle. Irgendwie mußte man sich bei der Masse als ihr künftiger Helfer bekannt und womöglich beliebt gemacht haben, »denn nur durch Volksmassen oder durch Bestechung ist die Tyrannis zu erlangen330«. Letzteres konnte in ganz gelinder Art geschehen. Peisistratos, der schon populär geworden durch die Anführung im megarischen Kriege, zeigte sich freigebig und öffnete seine Güter und Gärten; damit geriet er an die Spitze der Diakrier gegen die Pediäer. Auch die Mithilfe der Religion wird nicht verschmäht; man verschafft oder fingiert sich einen delphischen Spruch331, ja Peisistratos bei seiner zweiten Usurpation brachte bekanntlich die Stadtgöttin leibhaft auf seinem Wagen mit.

Der eigentliche Staatsstreich der Machtergreifung erfolgte auf die verschiedensten Arten, je nachdem eine Gelegenheit benützt werden mußte. Weit die umständlichste Schilderung eines solchen Herganges und einer darauf folgenden Tyrannis der schlimmsten Art fände sich in der Geschichte des italischen Cumä, um 500 v. Chr., wäre nicht in der Erzählung des Dionysios von Halikarnaß handgreiflich um eine nur dünne Tradition von dem verruchten Aristodemos ein ganzer später Roman gewoben, der alle Farben fälscht und namentlich Züge der Spättyrannis einmischt332. Die spätern Griechen liebten die Schilderung von Staatsstreichen, Verschwörungen u. dgl. über die Maßen und überließen sich dabei oft vollständig ihrer Phantasie. Dazu aber kam noch, daß die Ereignisse oft erst aufgezeichnet wurden, nachdem sie lange nur im Volksmunde gelebt und eine mehr oder weniger typische Umbildung erfahren hatten. Im Durchschnitt wird der Hergang eher blutig gewesen sein, indem es sich nicht bloß um Änderung des Zustandes, sondern um Rache für Erlittenes und Abschneiden jeder Reaktion handelte. Kypselos von Korinth (655 v. Chr.) tötete den ersten Staatsbeamten und andere Leute seiner Kaste (der Bacchiaden); schon zur höhnisch ausschmückenden Sage mag gehören, daß er andere derselben vorher als Theoren nach Delphi gesandt habe,[167] um den Gott »wegen der Wohlfahrt von Korinth« zu befragen, und daß er diese nachher nicht mehr in die Stadt ließ333. Phalaris machte sich (565 v. Chr.) zum Herrn des kaum vor zwanzig Jahren gegründeten Agrigent, indem er als Bauunternehmer des Zeustempels vor allem die Akropolis, in welcher derselbe lag, befestigte und dann beim Thesmophorienfest mit seiner Arbeiterschar über die Bevölkerung herfiel und die Männer tötete334 – nur ist Phalaris bei den spätern Griechen ein solches Schreckbild geworden, daß man sich auf keinem einzelnen Zug der Überlieferung verlassen kann. Zwei Menschenalter später unterwarf Theron dieselbe Stadt, nachdem er das Geld, das ihm für den Bau eines Athenatempels anvertraut worden, an heimlich bereit gehaltene Söldner gegeben335. Polykrates überwältigte Samos (536 v. Chr.) an dem Feste der Landesgöttin Hera336, indem im Festzug selbst die Einverstandenen sich mit plötzlichem Mord über die Übrigen herwarfen, während er mit seinem sonstigen Anhange die wichtigsten Punkte der Stadt besetzte. – Der gestürzten Partei, soweit sie solche Augenblicke überlebte, blieb nur die Flucht, im günstigsten Fall ein offener Abzug übrig. Dafür kehrten Flüchtlinge heim, und ehrlos Erklärte kamen wieder zu Ehren. Wenn dann weiter von einer allgemeinen Entwaffnung der Bürger die Rede ist, so wird dieselbe die bisher rechtlosen Freien kaum betroffen haben, da dieselben in der Regel auch waffenlos gewesen sein mochten, bei Phalaris aber hilft wieder die Sage nach: er lockt die Bürger durch Kampfspiele vor die Stadt, schließt die Tore und läßt durch seine Leibwächter die Waffen aus allen Häusern wegholen337. Was der Tyrann dem Volk dann unvermeidlich wird haben gewähren müssen, war die Aufhebung der Schulden, indem er sich hier unmöglich als Rechtsnachfolger der von ihm teils zernichteten, teils verjagten Aristokraten hätte gebärden können. Schon zweifelhafter steht es mit der Frage, wie weit er die Äcker neu verteilt haben möge338; unvermeidlich war nur die Konfiskation des adligen Grundbesitzes, und daß hie und da ein gelinder Tyrann denselben innebehielt und ihn später wieder den einst von ihm Verbannten verkaufte, wird ausdrücklich gemeldet339. Ganz von selber aber wird sich die Sache[168] gemacht haben, wenn der Usurpator der Repräsentant eines bisher unterdrückten Volksstammes war, wie z.B. die Tyrannen von Sikyon, welche den dortigen Ioniern wieder über die Dorer emporhalfen und ihnen den Alleinbesitz von Rat, Gericht und Ämtern340 sicherten, als dem »Herrschervolk« (ἀρχέλαοι); wer aber dies alles erhielt, der bekam wohl faktisch auch im Grundbesitz den Vorrang, obschon nicht gemeldet wird und auch nicht wahrscheinlich ist, daß die Dorer völlig seien depossediert worden. Auch Theagenes, welcher (625 v. Chr.) in Megara nicht sowohl unzufriedenen Städtern als besitzlos gewordenen ursprünglich ionischen Bauern seine Herrschaft verdankte, wird letztern den Grundbesitz des bisherigen (dorischen) Adels kaum vorenthalten haben.

Welches aber auchA40 im einzelnen Fall die Vorteile von bisher bedrückt gewesenen Volksbestandteilen sein mochten – der Tyrann hatte in den Augen der letztern eigentlich seine Bestimmung erfüllt, sobald jene Vorteile gesichert waren; hinfort frei zu leben, schien wohl auch ohne ihn möglich341. Und nun muß er die Erfahrung machen, wie viel leichter es ist, die Gewalt zu ergreifen als sieA41 zu behaupten. Die Masse der bedrückten Freien, die ihm mit der Tat geholfen oder durch ihr Geschehenlassen sein Tun möglich gemacht hat, erwartet oder verlangt wohl eine allgemeine Glückseligkeit, wie sie überhaupt nie und nirgends zu finden ist, er aber kann selbst den scheinbar billigsten Erwartungen nicht genügen. Nur durch Gewalt kann er sich oben halten, und der sichtbare Ausdruck hievon ist die Leibwache der »Speerträger«, anfangs wohl errichtet zum Schutz gegen Attentate der Gestürzten, aber fortgeführt zum Schutz gegen das Volk. Kypselos regierte in Korinth noch ohne Wache, aber schon sein Sohn Periander stellte 300 Doryphoren ein, auch Theagenes hielt solche, Peisistratos aber, der gleich anfangs durch Beschluß einer[169] Volksversammlung seine »Keulenträger« erhalten hatte, kam dann bei seiner dritten Usurpation geradezu mit Geworbenen wieder. Auf Aristodemos von Cumä wird auch in dieser Beziehung alles dasjenige342 romanhaft zusammengehäuft, was in verschiedenen Tyrannien und Jahrhunderten vereinzelt vorgekommen sein mag, aber unter diesem Vorbehalt ist die Sage immer beachtenswert: gleich in der ersten Nacht hätte er eine Leibwache improvisiert aus den vielen, welche in Kerkern auf den Tod saßen, und die er frei ließ, sowie aus seinen übrigen Anhängern und den von seinem Kriegszuge mitgebrachten Gefangenen (es waren Etrusker); nach der allgemeinen Entwaffnung der Einwohner sei dann eine dreifache Garde gebildet worden aus den lumpigsten und bösesten Bürgern, aus den Sklaven, die ihre Herrn ermordet, und aus 2000 der wildesten Barbaren, welche geworben wurden; diese letztern seien viel kriegstüchtiger gewesen als die andern, was an und für sich ganz glaubhaft lautet.

In Griechenland aber werden die Geworbenen auch wohl griechischen Stammes gewesen sein, ja vielleicht tritt uns hier in der hellenischen Geschichte zum erstenmale kriegerische Kraft abgelöst von jeder Polis, als frei verwendbares Element entgegen; diese Doryphoren sind die Vorgänger jener gewaltigen Söldnermassen des IV. Jahrhunderts. – Die Werbung aber war schon in der alten Zeit sehr kostspielig und mußte daher für kleinere, ärmere Tyrannien bald die Ursache eines wachsenden Steuerdrucks werden343, und damit beginnt jener circulus vitiosus, da die möglichste Sicherung der Person des Tyrannen die Unsicherheit seiner Stellung steigert344.

Solche Herrscher, welche einem Volksstamm über einen andern emporgeholfen hatten, werden an jenem eine natürliche Stütze gehabt und dabei kaum der Söldner bedurft haben; das Heer, welches Kleisthenes von Sikyon zu Krieg und Intervention ausführte, kann wohl nur ein Volksheer gewesen sein. Wenn sich nicht Sparta gegen Tyrannen dieser Art erhob, so konnten sie sich so lange behaupten, bis etwa jener Gegensatz unter ihren Bevölkerungen erlosch. Andere fähige Herrscher wußten[170] wohl die Dinge im Gleichgewicht zu halten, bis ein Geschlecht heranwuchs, das an sie gewöhnt war und bei ihnen seine Rechnung fand; die große Masse mußten alle nach Kräften schonen, weil es gegen deren Wunsch keine Rettung und schwerlich genügende Söldner gab. Nun aber treten einzelne hochbegabte und kühne Tyrannen auf, welche nicht bloß in die aristokratische, sondern in die allgemeine griechische Lebensweise eine Bresche zu legen suchen und – im Gegensatze zu dem Adelshofe des Kleisthenes – das Reich der Nützlichkeit, der erwerbenden Tätigkeit proklamieren, auf welcher ja sonst bei den Hellenen ein Fluch lag.

Zuerst muß ein eigentümliches Janushaupt, Pheidon, König von Argos (gest. um 660) erwähnt werden, vom alten Stamme der Temeniden und vielleicht um einer einzigen Gewalttat willen in die Reihe der Tyrannen geraten: er hatte nämlich die Leitung des Festes von Olympia an sich gerissen, was ihn bei seinen Argivern sehr populär machen konnte. Und dieser Herrscher, einer der wenigen, die es noch durch Erbe waren, Abkömmling des Herakles, ist eifrig für Handel und Verkehr, regelt Maß und Gewicht und schlägt die vielleicht frühsten griechischen Münzen. Noch merkwürdiger und etwas näher bekannt sind die Maßregeln des zweiten Tyrannen von Korinth, Perianders. Die Stadt war von Alters her bedeutend durch Handel und Industrie und die Bacchiaden hätten wenigstens, wie Strabo sagt, das Emporeion rücksichtslos ausgebeutet345. Was nun Periander anordnet, hat wohl eine politische Seite und dient zur Sicherung seiner Macht, daneben aber wirkt, wie es scheint, eine ökonomische und erziehende Tendenz mit346. »Er zog beständig zu Felde und war kriegerisch, er baute Trieren und herrschte über beide Meere«, wahrscheinlich, weil Korinth sich nach außen regen mußte, um sich nur zu behaupten, und ob er dazu lauter Söldner verwandt, ist ungewiß; er sandte Kolonien aus, aber wohl nicht bloß um Unzufriedene los zu werden und Söhne und Bastarde zu versorgen, sondern um gehorsame Außenposten für sein kleines Reich zu gewinnen. Vor allem aber scheint er seine Hauptstadt in eine scharfe und überlegte Zucht genommen zu haben, deren sie dringend bedurfte. Möglich, daß die Kunde von dem damals eröffneten Ägypten und seinem Kastenwesen ihn angeregt hatte, die Tätigkeit von Korinth nicht schrankenlos walten zu lassen, sondern zu regeln, ein gewöhnlicher Tyrannenegoismus aber würde wohl nicht soweit gesehen[171] haben: »Er gestattete nicht Jedem die Ansiedelung in Korinth; er hinderte die Bürger an Erwerbung von Sklaven und am Müßiggang; er fand ihnen immer irgend eine Tätigkeit aus; wer auf der Agora saß, wurde bestraft«. Die Absicht, welche für Letzteres vorausgesetzt wird, wäre gewesen, mit dem Müßiggang die Verschwörungen abzuschneiden, was doch wohl nicht die Hauptsache war. »Zuletzt setzte er eine Behörde (βουλή) ein, welche den Leuten die Ausgaben über ihre Einkünfte hinaus zu wehren hatte«. – Vor allem ist klar, daß ihm vor einem weitern Anschwellen der großen Stadt graute, und daß er nicht die Ambition hatte, eine riesige Menschenmasse zu hüten. Sodann sollte Korinth aus dem Ruf des wilden Genußlebens herauskommen, und wenn er auch noch, wie behauptet wird, die Gelage verbot, so wird dies geschehen sein weniger, weil sie Herde von Verschwörungen sein konnten, denn die gefährlichen Verschwörer bedürfen ihrer nicht, als weil sie in grenzenlose Schlemmerei ausgeartet sein mochten347. Die Korinther sollen fleißige, ungefähr gleichmäßig wohlhabende, durch Macht des Staates nach außen gedeckte Banausen348 sein und vor diesen fürchtet sich der Herrscher nicht und hält ihre Interessen vielleicht einstweilen für die seinigen. Daß die Erwerbung von Sklaven zwar gewiß nicht aufgehoben, aber beschränkt wurde, läßt verschiedene Deutungen zu: handelte es sich um Haussklaven, so sollte wohl der orientalische Pomp, die Schar von Luxussklaven aufhören; sind dagegen Handwerkssklaven gemeint, so sollte das Entstehen allzu großer Fabriken gehemmt werden und mittelbar wiederum das übermäßige Anschwellen der Stadt. Und Periander regierte ohne direkte Steuern, bloß durch Einnahme von Markt und Häfen, und in Korinth genügte dies. – Polykrates, der viel später und ruchloser emporgekommen und auf eine hastige und abenteuerliche Politik gestellt war, hat doch offenbar auch geglaubt, die Masse seiner Samier für sich zu gewinnen, indem er nach außen viele Inseln und Festlandsstädte nahm und Freund und Feind plünderte349, den Samiern aber Teilnahme an den Prisen[172] gönnte und den Handel nach Ägypten in Aufschwung brachte; daß gefangene Lesbier den ganzen Graben um die Mauer der Hauptstadt graben mußten, war gewiß etwas Populäres. Die Mütter von gefallenen Kriegern350 wies er jede einem reichen Samier zum Unterhalt zu: »Diese gebe ich dir zur Mutter«. – Peisistratos endlich, der Athen in die Hände bekam, nachdem dort eine große politische und soziale Krisis durch Solons Verfassung noch keineswegs abgeschlossen, sondern erst recht in Fluß gekommen war351, scheint seine Aufgabe in manchem Betracht ähnlich wie früher Periander aufgefaßt zu haben: der athenische Staat, gedeckt nach außen durch seine Macht, durch Bündnisse und feste Außenpunkte, im Innern gesichert durch Arbeit und Tätigkeit352. Leute, die, von der Hauptstadt magnetisch angezogen, dort herumlagen, wies er auf ihr Landstück hinaus: warum gehst du müßig? ist dir ein Gespann gestorben, so empfange eins von mir und arbeite! hast du kein Saatkorn, so gebe ich dir353! Zu Allem kam dann noch der echte Prachtsinn, die geistige Bildung, welche sich von ihm aus verbreitete, und der entschiedene Glanz seiner Persönlichkeit. Wenn seine dritte Machtergreifung (541 v. Chr.) ein förmliches Aktienunternehmen vieler Städte war, die ihn mit Geld unterstützten354, so muß das Vertrauen, welches man auf sein Gelingen und auf seine Bedeutung für Griechenland setzte, bereits ein sehr großes gewesen sein. Die Hauptabgabe, welche er und sein Haus von den Athenern bezogen, war eine Einkommenssteuer von »nur« fünf Prozent355, und damit schmückten sie die Stadt und bestritten die Kosten der Kriege und der Opfer – freilich wird nicht gesagt, daß ihnen[173] dieselbe vom Volk bewilligt worden, aber ohne einigen guten Willen desselbenA42 wäre sie nicht zu beziehen gewesen.

Tyrannenregierungen dieser Art sind der ausgesprochene Gegensatz zum Ideal von Sparta: Fülle der Muße (ἀφϑονια σχολής) und zur Kalokagathie der Aristokraten, mögen auch einzelne Tyrannen für ihre Person die letztere sich vorbehalten und die großen Kampfspiele der Griechen besuchen, beschicken, unter ihre Aufsicht zwingen (wie Pheidon), ja solche neu stiften, wie Periander angeblich die Isthmien und Kleisthenes die Pythien, soweit dieselben nicht schon als bloß musischer Agon vorhanden gewesen waren. Unvermeidlich und für so kluge Männer wohl vorauszuahnen war es allerdings, daß ihre Untertanen, soweit sie freien Standes waren, durch Handel und Tätigkeit in völlig gesicherter Lage einen Geist der Unabhängigkeit entwickeln mußten, welcher am Ende zum Sturz der Tyrannis führen konnte; vielleicht verließen sie sich auf die Einsicht der Leute, daß Gewinn und Genuß durch den Wegfall des Tyrannen nur verlieren könnten; allein in diesen Einwohnerschaften lebte bereits etwas anderes als bloße Berechnung, nämlich das Bild irgend einer aristokratischen oder schon demokratischen Polis. Der aus Gold getriebene Zeus des Kypselos in Olympia, der herrliche Quellbau des Theagenes in Megara, das Olympieion des Peisistratos, sein und seiner Söhne Verdienste um die Sammlung und Redaktion des Homer356 und vielleicht um das attische Theater, der Hof von Techniten, welche Polykrates mit hohem Sold um sich versammelte, die fremden Nutztiere, welche er kommen ließ357 – dies alles hat den zum Teil frühen Sturz der betreffenden Häuser nicht abwenden können. Und doch hatten auch die größten Dichter ihrer Zeit diese Höfe aufgesucht und gepriesen, und wir treffen Arion bei Periander, Ibykos und Anakreon bei Polykrates, Simonides und Anakreon bei Hipparch, nicht zu reden von den sizilischen Tyrannen des V. Jahrhunderts, bei welchen persönlich oder durch Gesänge Simonides, Pindar, Aeschylos und Bacchylides gegenwärtig gewesen sind. Daß aber solche Dichter nicht notwendig Schmeichler sein mußten, lehrt Pindar in seinen Offenherzigkeiten an Theron und Hieron. – Außerdem lebte in der spätern Zeit eine konstante Meinung von einem[174] Tyrannenbedürfnis nach Philosophenumgang358, wie sich dieselbe konkret gestaltet in den zahlreichen Varianten der Geschichte zweier pythagoreischer Freunde gegenüber einem großgriechischen oder sizilischen Tyrannen; nur daß die berühmten Tyrannen in eine frühere Zeit fallen als die berühmten Philosophen. Mit Periander, welcher selber zu den sieben alten Weisen gerechnet wurde, geriet man später, als die Begriffe eines Weisen und eines Tyrannen absolut unverträglich schienen, in eine komische Verlegenheit, aus welcher nur durch Annahme zweier Männer dieses Namens herauszukommen war359. Als ob nicht wenigstens das despotische Gemüt in mehreren Philosophen hinlänglich wäre zu finden gewesen!

Die ältern, ionischen und äolischen Tyrannen in Ephesus, Milet360, Kyme usw. sind uns nur so fragmentarisch bekannt, daß weder über ihr Auf- und Niedersteigen gegenüber von Aristokratien und Timokratien noch über ihre (der Sage nach sehr harte) Waltung ein sicheres, zusammenhängendes Urteil möglich ist. Einige von ihnen mögen sich und ihre Städte gegen die lydische und dann gegen die persische Vergewaltigung nach Kräften, wenn auch ohne Erfolg361 verteidigt haben – die späteren, zu Ende des VI. Jahrhunderts, wie man sie beim Skythenzug des Darius und bei dem denkwürdigen ionischen Aufstande kennen lernt, waren nichts mehr anderes als persische Vasallen und bezogen aus diesem Verhältnis ihre einzige Sicherheit gegenüber ihren Städten362. Dasselbe war es, wenn sich dann seit dem V. Jahrhundert die kleinern sizilischen Tyrannen an die Karthager anschlossen.

Die große und allgemeine Gefahr, in welcher jede Tyrannis schwebte, lag, wie gesagt, in dem Drang entweder aller Freien oder der aristokratisch Gesinnten, selber die Polis sein zu wollen. Mochte das Privatleben mit all seinen Genüssen noch so frei sein, die politische und polizeiliche Waltung noch so gelinde – man wollte nicht von oben gelenkt werden und verübelte es wohl den Tyrannen ganz besonders, wenn sie die nützliche Tätigkeit zu befördern suchten. Griechenland hatte eine andere Bestimmung, als in Gestalt von lauter kleinen Karthagos auszuleben oder vollends Stadt um Stadt persisch zu werden, was namentlich den Staaten ohne Bürgerheere unvermeidlich bevorstand. Einstweilen bildeten die Tyrannen, offenbar im Bewußtsein ihrer bedrohten Lage, eine Art von Bündnis untereinander und wünschten, daß auch anderswo die Staaten[175] in die Hände von Ihresgleichen kommen möchten. Vertriebenen Tyrannen half man wieder zur Herrschaft, wie Polykrates, als er dem Arkesilaos von Kyrene363 Werbung gestattete, und daß etwa einmal ein Kleiner durch einen Größern absorbiert wurde, wie Prokles von Epidauros durch seinen Schwiegersohn Periander, hing an sehr besondern Umständen. Aber zunächst war Sparta manchem von ihnen aus oben (S. 113) angegebenen Gründen schon frühe feindselig und verderblich, und dazu kam eine innere Garantielosigkeit ihrer Herrschaft. Hier verflochten sich zwei Dinge: die Willkür innerhalb des fürstlichen Hauses, welche eine Schule jeglicher Willkür wird, und die zunehmende Schärfe des Regimentes samt dem steigenden Haß des Volkes.

Die Schäden innerhalb der Dynastien selbst wird man aus dem Bilde der italienischen Tyrannenhäuser des XIV. und XV. Jahrhunderts vervollständigen dürfen: es ist die Abwesenheit eines bestimmten Sukzessionsrechtes, die relative Kleinheit des Erbes bei großen Ansprüchen, die allgemeine Genußsucht der Familienglieder, die Gefahr des Hauses, wenn bösartige oder vollends unfähige Erben bevorstehen für eine Herrschaft, welche durchaus nur Fähige duldet. – Die Griechen selbst aber konstatieren vor allem die kurze Dauer der Dynastien364 und zwar als von einer höhern Macht gewollt. Schon das Orakel weiß dieselbe voraus365, und später heißt es dann: »die Gottheit führt die Tyrannien nicht bis aufs dritte Geschlecht, sondern fällt dieselben wie Fichten oder beraubt sie der Söhne; in der Tat sind von allen nur die der Kypseliden, die des Hieron und die der Leukoniden am kimmerischen Bosporos bis auf den Enkel gelangt366

Was die Gewalttaten innerhalb des Palastes betrifft, so wird man einige Übertreibung den duldenden Zeitgenossen, anderes der spätern demokratischen Phantasie zu Gute halten, einiges wird selbst der novellistischen Dichtung zuzuschreiben sein367, welche sich mit Vorliebe den Sturz von Tyrannen zum Thema nahm; es fehlte aber in Tat und Wahrheit gewiß nicht an Ausschweifung und Hybris aller Art, an Verwandtenmord aus Leidenschaft oder aus Zweckmäßigkeit, und zwar schon in den frühen Dynastien. Und auch im Staat erlaubte sich der Tyrann wohl jede[176] nützlich scheinende Gewalttat, da er ja in sich die Polis konzentrierte, die ebenfalls alles durfte, nur wird man auch hier mit mancher Übertreibung zu rechnen haben. Statt aller Untersuchungen über Einzeltatsachen vergegenwärtige man sich das hochtragische Bild, welches Herodot (III, 48-53) vom Leben Perianders entwirft368, namentlich von dessen Verhältnis zur Gemahlin und zu seinem Sohn Lykophron, welcher ein hellenischer Mensch bleiben und nicht in die reine Zweckmäßigkeit aufgehen will. Dann erwäge man das Äußerste, was dort von dem völlig verdüsterten Herrscher ausgesagt wird: er sendet dreihundert Söhne der vornehmsten Kerkyräer nach Sardes zum König Alyattes zur Kastration, d.h. um selbst eine bloße korinthische Kolonie, wie Kerkyra war, gewaltsam zu sichern, wird der Fürst von Lydien um eine Gefälligkeit angegangen, welche in Griechenland selbst wohl Niemand besorgen kann; jene kerkyräischen Familien konnten dann aussterben, und doch hatte Periander keinen Mord begangen und konnte vielleicht noch mit den Verschnittenen ein frommes Geschenk an einen Tempel machen. (Bekanntlich wurden die Kinder durch die Samier gerettet.) – Was ist nun aber am ganzen herodoteischen Periander wirklich historisch? Zunächst hat wohl eine lange bloß mündlich gebliebene Überlieferung die Sachen zurechtgelegt und geschärft – von wem aber stammte dieselbe her? Doch hauptsächlich von den Korinthern, was aber diese verrufene Stadt von wüsten Phantasien aufbringen konnte, wird sie ihrem Gewaltherrscher angehängt haben. Keine Kritik mehr wird hier Wahres und Ersonnenes zu scheiden vermögen. – Schon bei weitem geschichtlicher sind die Aussagen über Polykrates und hier würde ja das eine genügen, daß er die Verdächtigen unter seinen Samiern dem Kambyses zum Kampf gegen Psammenit (den Sohn seines Freundes Amasis!) mitgeben wollte, in der Absicht, daß dieselben nie mehr heimkehrten. – Im Ganzen aber darf man in Betreff der angeblichen Missetaten wenigstens insoweit mißtrauisch sein, als dieselben abenteuerlich oder völlig zweckwidrig lauten, wie z.B. die Sage von einem Tyrannen Trizos, der seinen Untertanen nach einander das Sprechen, die Gebärden, Winke und Tränen verboten haben soll369, oder die von einem Herrn von Oianthe im Lande der ozolischen Lokrer, welcher seine Opfer hungrigen Tieren vorgeworfen habe370. Einzelnes ist wohl auch von den Tyrannen des IV. Jahrhunderts, deren ganzes Tun kaum mehr eine Regierung, sondern nur noch eine Behauptung[177] mit den äußersten Mitteln war, auf die frühern übergetragen. – Daß gegen das Ende hin schärfer regiert wurde, hing daran, daß auch die Gegner schon kecker und näher auftraten. Vielleicht war es die alte unterdrückte Partei, die noch in Gestalt von Kindern und Enkeln der Flüchtlinge draußen weiterlebte, oder auch nur diese und jene mächtige Familie aus derselben. Die Alkmäoniden im Exil waren noch reich genug, den ihnen verdungenen delphischen Tempel in parischem Marmor statt in Tuffstein aufzuführen und die Pythia zur Parteinahme gegen Hippias zu bestechen, so daß das Orakel den Spartanern dessen Sturz auftrug. Perianders Haus endigte schon mit der Ermordung seines Enkels und nächsten Nachfolgers Psammetichos (581 v. Chr.) durch eine Adelsverschwörung, welche Demolition des Tyrannenpalastes, Einziehung der Kypselidenhabe und Ausleerung aller Gräber des Hauses verfügte. Sonst aber gefielen sich die spätern Erzähler darin, den Tyrannen durch eine Privatrache umkommen zu lassen, welche zugleich durch ein ethisches oder politisches Motiv eine höhere Weihe gehabt haben sollte. Aristoteles behandelt dies Kapitel sehr umständlich371 und gibt als Hauptanlaß irgend ein Einzelverbrechen, namentlich die »Hybris«, die mit tiefer Schmach verbundene Mißhandlung an; als die drei Hauptantriebe zu der befreienden Tat nennt er den Haß, die Verachtung und die Ruhmliebe. Von seinem Schüler Phanias von Eresos gab es eine besondere Schrift über Tyrannenmorde aus Rache372, und bei ihm werden, wie bei Aristoteles, Beispiele aus der ältern und aus der jüngern Tyrannis durcheinander angeführt gewesen sein. Die Peisistratiden hatten durch das Attentat auf Hipparch ihren fähigsten Mann eingebüßt; Hippias, welchen nach einigen Jahren der Sturz des Hauses traf, kam mit glimpflichem Abzug davon. Auch freiwillige Abdankung einer ererbten, wohlbefestigten Tyrannis an das Volk, aus bloßem Billigkeitsgefühl, kommt vor373; weniger erbaulich lautet, wie im ionischen Aufstand Aristagoras seine milesische Tyrannis niederlegt, indem er zugleich seine Kollegen an ihre respektiven Städte ausliefert; an ihm lernt man, daß abgenützte Tyrannen schlechte Anführer für Freiheitskriege abgeben. Mardonios als Satrap von Sardes richtete hernach in den ionischen Städten Demokratien ein, welche für Persien noch zuverlässiger schienen als Dynastien.

Höchst merkwürdig war der Hergang auf Samos, als Polykrates (522 v. Chr.) in Magnesia untergegangen war. Sein Geheimschreiber[178] Mäandrios, den er mit großen Vollmachten zurückgelassen, begehrt nicht die Herrschaft, sondern Rettung für seine sehr kompromittierte Person durch Übernahme eines Priestertums. Es war nichts Ungewohntes, daß das früher mit dem heroischen Königtum verbundene priesterliche Amt unter der Aristokratie für sich allein fortlebte, z.B. im Archon Basileus der Athener, ja vor wenigen Jahren (um 530) war ein kolonialer Erbkönig in Person, Battos III. von Kyrene, auf bloß priesterliche Stellung beschränkt worden374. Allein Samos, beim plötzlichen Aufhören einer Herrschaft, wie die des Polykrates gewesen, war in großer Aufregung, und als Mäandrios einen Altar des befreienden Zeus errichtete, einen geweihten Raum ringsum abgrenzte, in der Volksversammlung die Herrschaft niederlegte, Gleichheit der Rechte proklamierte und für sich nichts als sechs Talente und das erbliche Priestertum seiner Stiftung verlangte, da bekam er wilde Drohungen auf Rechenschaft wegen des Vergangenen zu hören. Und jetzt erwog er, daß statt seiner doch nur ein anderer Tyrann sich erheben würde und ergriff die Gewaltherrschaft ganz rücksichtslos375.

Die Erbschaft der Tyrannis kam entweder, wie in diesem Fall, an eine neue Tyrannis, oder, wie in Athen, an eine längst vorbereitete Demokratie, sonst aber im VI. Jahrhundert meist an irgend eine Art von Aristokratie. Wenn nach einem der frühsten Tyrannenstürze von Milet der Demos einen αἰσυμνήτης oder Diktator wählt, mit Vollmacht nachträglich zu töten, wen er wolle376, so möchte dies ein aristokratischer Demos gewesen sein, denn ein demokratischer hätte sich das betreffende Vergnügen wohl selbst vorbehalten. – Mehr als einem Tyrannen kann das verderblich geworden sein, was die neuere Zeit als seine »nützliche« Seite anerkennen würde. Dieser Regelung und Steigerung der Tätigkeit hatten sich die Aristokraten entzogen durch seinen Sturz.

Die sizilischen Tyrannen bilden eine besondere Gruppe. Leider sind wir über diejenigen, welche vor dem V. Jahrhundert auftraten, nur sehr unvollständig unterrichtet; bei Diodor, welcher zur Zeit des Augustus in seinem großen Geschichtswerke die Schicksale seiner schönen und[179] unglücklichen Heimatinsel nach zum Teil höchst vorzüglichen Quellen ganz besonders umständlich behandelt hat, fällt in jene Frühzeit die große Lücke vom sechsten bis zum zehnten Buche. Die Griechen hatten seit dem VIII. Jahrhundert das Land mit einer Menge von Kolonien besetzt und konnten sich gegenüber den vorgefundene Völkern (Sikanern, Sikelern usw.) völlig als die Herrn betrachten; nur in drei Städten des Nordwestens behaupteten sich noch Phönizier. Nun erhoben sich in einigen griechischen Poleis fast von Anfang an Tyrannen, wie Panaitios377 in Leontinoi (um 608 v. Chr.), welcher im Bürgerheer das Fußvolk gegen die »Reichen und Berittenen« gewann und nach Niedermetzelung derselben die Herrschaft ergriff; von Phalaris und Agrigent ist bereits die Rede gewesen, und die Stadt scheint nach ihm wieder eine Aristokratie unter gesetzlichen Oberhäuptern geworden zu sein. Gegen Ende des VI. Jahrhunderts aber nimmt die Tyrannis wie etwas Selbstverständliches rasch an Umfang zu, und zwar, als noch keine karthagische Macht auf der Insel stand, ohne allen Vorwand kräftigerer Nationalverteidigung. Die inneren Wirren, deren sie sich dabei bediente, hingen wohl an der Ungleichheit der freien Einwohner, indem die Abkömmlinge der ursprünglichen Kolonisten einer Polis (gleichviel ob dorischen, ionischen oder anderen Stammes) allen oder den meisten Grundbesitz und vielleicht noch das Alleinrecht im Staate besaßen gegenüber den seitherigen Angesiedelten und vollends etwa gegenüber vorgefundenen Umwohnern, welche man zu Knechten gemacht hatte: Verhältnisse, welche sich behaupten mochten, bis es für irgend einen Frevler zu einladend wurde, einzugreifen; auch der tödliche Haß von Stadt gegen Stadt mochte ihm dabei zum Mittel dienen378. Einen und vielleicht einen zweiten Tyrannen wurde man wieder los, wie z.B. Selinunt, wo Peithagoras mit Hilfe eines spartanischen Abenteurers Euryleon gestürzt und dann auch dieser, als er sich zum Tyrannen erhoben, bald am Altar des Zeus auf der Agora ermordet wurde379, aber dieselben Kräfte kehrten immer wieder. Man hat es auf einmal mit einer ausgelernten Ruchlosigkeit zu tun; die Art wie z.B. die unglücklichen Zankläer von ihrem Feinde Anaxilaos von Rhegion und vollends von ihrem bisherigen Verbündeten, dem Tyrannen Hippokrates von Gela behandelt werden, hat etwas Teuflisch-höhnisches. Auch verrät gerade dieser Hippokrates (der in Gela bereits auf einen Vater und einen gewaltsam umgekommenen Bruder gefolgt war), weshalb hier das Äußerste zu einem Alltäglichen werden mußte: er suchte nämlich[180] einen größern Staat zu bilden und unterwarf sich eine ganze Anzahl anderer Poleis380, dies aber war nur möglich bei teilweiser Zernichtung ihrer Bürgerschaften. Syrakus wurde noch einmal durch korinthische und kerkyräische Hilfe vor ihm gerettet; als er aber in einer Fehde gegen Sikeler umgekommen war, trat ein Hauptmann seiner Scharen, offenbar einer der kühnsten und begabtesten Tyrannen, die es je gegeben, in die Lücke, zuerst indem er für die beiden Söhne seines Herrn die empörten Geloer in einer Schlacht besiegte, dann, indem er jene verdrängte, derselbe Gelon, in dessen Familie das Priestertum der chthonischen Gottheiten erblich war (s.S. 167). Und nun kam ihm auch eine Revolution von Syrakus zu statten: das Volk in Verbindung mit den geknechteten Umwohnern (den Kallikyriern, S. 139), hatte die Grundbesitzenden (Gamoren) vertrieben, und als Gelon diese nach Syrakus zurückführte, ergab sich ihm auch eben dieses dortige Volk (485 v. Chr.), worauf er dann jene erstaunlichen Übersiedelungen nach Syrakus begann, von welchen bereits (S. 65) die Rede gewesen ist. Welchen Grad dabei Jammer und Wut der so behandelten Hellenen erreicht haben mag, wird nicht gemeldet; die hybläischen Megarer soll er durch Bedrohung mit erdrückenden Steuern dahin gebracht haben, sich in die Verpflanzung zu fügen381. Gelon ging mit Menschen und Städten rein als mit leblosen Stoffen um und verkaufte mitunterworfenen Demos als Ausschuß in die Fremde. Wenn durchaus ein größerer Staat mit Syrakus als Hauptstadt gegründet werden sollte, so war dies allerdings die einzig mögliche Weise, denn niemals würden die einzelnen Städte gutwillig gehuldigt haben; sie wären Republiken oder Tyrannien auf eigene Hand geblieben, und schon nahte für solche, die sich um jeden Preis zu behaupten gedachten, ein furchtbarer Verbündeter: Karthago. Gegenüber von dem neuen Gewaltherrscher von Agrigent, Theron (seit 488 v. Chr.), riefen der aus Himera vertriebene Tyrann Terillos und sein Schwiegervater, jener schreckliche Anaxilaos von Rhegion, den Stamm Cham zu Hilfe, und jetzt erst, durch den siegreichen Kampf gegen dreißig Myriaden karthagischer Söldner, hauptsächlich durch den gewaltigen Schlachttag am Flusse Himera (480 v. Chr.) gewann Gelon diejenige Stellung eines Retters der hellenischen Nation, welche es ihm hernach möglich machte, in der Volksversammlung zu Syrakus Rechenschaft und Abdankung anzubieten und unter lauter Begeisterung damit abgewiesen zu werden. Im Sterben konnte er (478 v. Chr.) seinen Bruder Hieron zum Nachfolger einsetzen, dieser aber fuhr, wie oben (S. 65) erwähnt, mit der betäubenden Mischung und Verpflanzung von Bevölkerungen auf das[181] Gewaltsamste fort, und Theron von Agrigent, mit welchem er den Frieden sorgsam aufrecht hielt, machte es in seinem kleinern Gebiet nicht viel anders. Das Gefühl der Sicherheit glaubten sich aber beide Dynastien doch nur durch mächtige Werbung von Söldnern verschaffen zu können, die in Syrakus, Agrigent und den einverleibten Städten garnisonierten oder geradezu als Bürger eingesetzt wurden, auch war Hierons Regierung eine geldsüchtige und harte, und daß geistiges Leben Glanz verleihen könne, mag ihm nur von außen klar geworden sein382. Er mußte es noch erleben, daß der Krieg mit dem völlig ausgearteten Sohn des Theron, Thrasydäos, unvermeidlich wurde; wohl überwand er denselben, aber in der Schlacht fielen auf beiden Seiten 6000 Griechen, und daß die Agrigentiner den geschlagenen Thrasydäos vertrieben und eine Demokratie383 einrichteten, war für den Sieger kaum sehr angenehm. Er selbst hinterließ (466 v. Chr.) die Herrschaft einem für grausam geltenden Bruder, welcher sie schon nach kurzer Zeit durch eine Empörung der Hauptstadt verlor und frei nach Italien abziehen durfte.

Bei der erstaunlichen Lebenszähigkeit hellenischer Bürgerschaften wurde es nun stellenweise möglich, in dem von Tyrannen befreiten Sizilien das Gemischte wieder zu entmischen, die gewaltsam Angesiedelten wieder aus den Städten zu treiben und viele Poleis, jetzt als Demokratien, irgendwie neu zu konstruieren. Besondere Mühe hatte man mit den eingebürgerten Söldnern; hatte doch schon Gelon deren zehntausend in Syrakus zu Bürgern erklärt. Das materielle Gedeihen soll zunächst sehr groß gewesen sein384; in diese Zeit fallen die Aussagen über das erstaunliche Wohlleben von Agrigent; aber ein böses Erbe der Tyrannis ließ sich nicht mehr ausrotten: die Meinung der Syrakusier, daß ihnen die Herrschaft über die Insel gebühre. Auch gestaltete sich das politische Leben auf den neu verteilten Feldmarken zwischen so vielen mit Haß und Elend Heimgekehrten und den Dagebliebenen überaus unbeständig; die Städte wimmelten von Leuten, aber es war wiederum eine sehr gemischte Masse, und Verfassungsänderungen und Bürgeraufnahmen wurden sehr leicht, das Heimatsgefühl unsicher und daher der Eifer für Verteidigung in den Waffen nur gering; dafür war Sizilien die Geburtsstätte einer öffentlichen Beredsamkeit geworden, und mit dieser und mit Parteiung gewann der[182] einzelne dem Staat ab, was er konnte; wem es nicht geriet, der versuchte es in einer andern Polis385. Die Unruhe der Demokratie, welche zumal in Syrakus schon die schärfsten Formen annahm, oscillierte dann unvermeidlich in eine Städtefehde hinüber, deren Folge die berühmte sizilische Intervention der Athener war (415 bis 413 v. Chr.). Der Sieg der Syrakusier, wenn auch mit spartanischer Hilfe erkämpft, befreite sie von dem ihnen durch die Athener zugedachten Verkauf in die Sklavenschaft; allein das große Ereignis hatte das von Athen mitbedrohte Karthago aufgeregt, und dieses beschloß jetzt, bei Athens tödlicher Schwächung, die Eroberung der Insel mit allen Mitteln. Nachdem (seit 408) Selinunt, Himera und Agrigent aufs jammervollste gefallen, erhob sich in dem zerwühlten Syrakus (405) Dionysios, in seiner Innern Waltung der vollständigste Typus des neuern, aus der Demokratie entstandenen Tyrannen; das äußere Schicksal der Insel aber nahm einstweilen folgenden Gang: Nach allem, was geschehen, war ein freies Bündnis freier Städte gegen Karthago nicht mehr möglich; Dionys gab sich nun als allgemeinen Hort des Hellenentums gegenüber den chamitischen Barbaren und imponierte damit anfangs auch den Großgriechen des Festlandes und den übrigen Hellenen, bis man inne wurde, daß er es gar nicht auf Vertilgung der Karthager absah, sondern dieselben absichtlich schonte, um notwendig zu bleiben für diejenigen, welche das Entsetzen vor karthagischer Knechtschaft386 ihm in die Arme trieb. Er trat in Verträgen den Karthagern große, alte Städte ab, erklärte andere ihnen zinspflichtig und unterwarf sich mit den ruchlosesten Mitteln die noch übrigen. Einige von diesen überließ er gefährlichen Söldnern zum Ausmorden und zur Ansiedelung in der Feldmark; aus andern wurden die Einwohner entweder als Sklaven verkauft oder nach Syrakus übergesiedelt, der einzigen großen Zwangsstadt, welche sich nach mehrmaligem, völlig terroristischem Besitzwechsel387 in den letzten Jahrzehnten des Dionys (er starb 367 v. Chr.) ganz ruhig verhielt. So herrschte er wenigstens über eine Anzahl von Feldmarken, nachdem er deren ehemalige Poleis zernichtet hatte, weil sie als solche nicht zu bändigen gewesen waren. Seine Finanzen mußten ihm nötigenfalls Plünderungsfahrten nach Unteritalien und Etrurien und großartige Tempelräubereien, besonders auch an Chryselephantinstatuen aufbessern helfen388, wobei er es an frivolem Hohne nicht[183] fehlen ließ, und jede Erhebung des Stadtvolks wurde durch eine wohleingerichtete, spionierende Geheimpolizei verhütet389.

Als Dionysios starb, glaubte er die Tyrannis seinem Sohne mit ehernen Banden gefestigt zu hinterlassen390, und sie war es auch, wenn lediglich die finanziellen und militärischen Garantien in Betracht gekommen wären; vierhundert Trieren, 10000 Geworbene zu Fuß, 10000 Reiter und mehrere Myriaden von Hopliten391 waren ihre Stützen. Dagegen durften die von ihm hinterlassenen Familienverhältnisse schon Besorgnis erregen. Nachdem seine erste Frau in einem syrakusanischen Aufstand auf schauerliche Weise zu Grunde gegangen war, hatte er an einem Tage eine Doppelehe mit der Lokrerin Doris und mit Aristomache, der Tochter des Syrakusiers Hipparinos geschlossen; von jener hatte er drei, von dieser vier Kinder, die ohne alle Scheu vor der Blutsverwandschaft mit den nächsten Angehörigen verheiratet wurden, so daß Dionysios, sein Sohn von der Doris, mit Aristomaches Tochter Sophrosyne, sein jüngerer Schwager Dion, der Bruder der Aristomache, mit der eigenen Schwestertochter vermählt und somit zugleich sein Schwiegersohn war. Daß diese Verhältnisse zu Rivalitäten führen mußten392, ist einleuchtend. Und nun sollte die Tyrannis auf den Sohn übergehen, der noch sehr jung war, und dem Dionys trotz sorgfältiger Abschließung vom Umgang mit allen für den künftigen Tyrannen ungeeigneten Personen393, die für einen solchen notwendigen Eigenschaften nicht hatte geben können394. Neben diesem aber stand die merkwürdige, mitten in die Tyrannenumgebung geratene Gestalt des Doktrinärs Dion395, in der sich doch immer eine eigentümliche[184] Kraft des hellenischen Wesens zeigt, die sie näherer Betrachtung wert macht.

Als Schwager des ältern Dionys und als Augenzeuge des mörderischen Schicksals der sizilischen Städte hätte er völlig hoffnungslos bleiben, fliehen oder sich töten müssen; denn die wirkliche Lage war so, daß jede Losspannung oder auch nur Lockerung der syrakusanischen Tyrannis das Übereinanderherfallen der Geknechteten herbeiführen mußte; aber Plato, von dem eine Tradition schon frühe zu ihm gedrungen war und der dann freilich, nachdem es gelungen war, ihn von Tarent nach Syrakus zu laden und dem Tyrannen zu präsentieren, kaum wieder lebend hatte heimkehren können, hatte ihn mit seinen politischen Idealen und mit blinder Hoffnung erfüllt; es schwebte ihm ein unklares Bild von einem aristokratischen, in lakonisch-kretischer Weise eingerichteten Staatswesen vor; was er der Einzelstädte wegen für Absichten hatte, erfährt man nicht; wohl aber sieht man aus seinem ganzen Tun, daß er von der Meinung beherrscht war, auch die Schlimmsten bessern zu können. So hielt er denn wohl in der Hoffnung aus, die Tyrannis einst zu erben, um sie dann aufzuheben. Bei Lebzeiten seines Schwagers hatte er nun aber doch dessen Gebote auszuführen, und dabei war weder Mildes noch Gerechtes, und wenn er dessen Tochter heiratete, so gab er ihm damit eine Garantie mehr für sein Wohlverhalten. Als dann der jüngere Dionys zur Herrschaft gekommen war, erhielt derselbe von ihm die trefflichsten Ratschläge und war deshalb anfangs für ihn begeistert; bald aber ließ er sich durch Höflinge gegen ihn einnehmen, die ihn vor der Begünstigung des Zweiges der Aristomache und dem Aufkommenlassen einer Vormundschaft Dions warnten, wobei ihnen dessen auch von Plato gerügte schroffe und rechthaberische Art zu Hilfe kam. Immerhin brachte Diones dazu, daß Plato dringend zu einer zweiten Reise nach Syrakus eingeladen wurde; seine geheime Hoffnung soll gewesen sein, daß dieser dem Tyrannen, indem er sich seiner annähme, die maßlose Despotenart benehmen und ihn zu einem die Gesetze achtenden Regenten machen würde, sollte dies aber nicht gelingen, so gedachte er ihn zu stürzen und die Stadt den Syrakusiern zu übergeben; die ihm wenig sympathische städtische Demokratie, die ein solcher Schritt ans Ruder bringen mußte, sah er wenigstens der Tyrannis gegenüber als das geringere Übel an. Plato kam und schien in kurzer Zeit den Tyrannen und dessen Hof ganz für sich begeistert zu haben; aber gerade jetzt war auch die Gegenpartei tätig. Diese setzte durch, daß der Geschichtsschreiber Philistos, der theoretische und praktische Vertreter tyrannischer Realpolitik aus dem Exil, wohin er durch den verstorbenen Tyrannen eines Zerwürfnisses wegen gekommen[185] war, zurückberufen wurde; auch gelang es ihr, Dionys einen höchst kompromittierenden Brief Dions an die karthagische Regierung in die Hände zu spielen, worin er den Karthagern einen günstigen Frieden zu verschaffen versprach, wenn sie sich an ihn wendeten. Der Tyrann überführte ihn und ließ ihn dann sofort auf einem Boote nach Italien schaffen, ohne ihn zu Worte kommen zu lassen; doch sollte offiziell nur von einer Landesabwesenheit, nicht von seiner Verbannung die Rede sein, und man durfte ihm seine Gelder nachsenden, so daß er groß auftreten konnte, ein Verfahren, das Dionys im Grunde alle Ehre macht.

In Athen, wohin er nun ging, und wohin ihm Plato auf einige Zeit folgte, verkehrte Dion zumeist in der Akademie; indem Plato ihm besonders die Gesellschaft seines Neffen Speusippos empfahl, verfolgte er den Zweck, seinen Charakter nach der heitern und angenehmen Seite hin umzubilden. Auch in andere Städte ging er und verkehrte überall mit den »Besten und politisch Einsichtvollsten«, d.h. mit den Gegnern der damaligen Demokraten; an verschiedenen Orten wurden ihm Ehren zudekretiert, und die Spartaner gaben ihm, obwohl sie im Kampfe mit Theben syrakusanische Hilfe genossen, das Bürgerrecht, was freilich nach Leuktra nicht mehr viel bedeuten wollte; auch in die eleusinischen Mysterien wurde er eingeweiht, und sein Mysterienpathe war Kallippos, sein athenischer Gastfreund und späterer Mörder.

Dies alles reizte das Mißtrauen und die Eifersucht des Dionys, der ihm nun vor allem die weitern Geldsendungen vorenthielt. Der Nämliche wollte aber durchaus Plato wieder bei sich sehen und suchte zu diesem Zweck sogar die Verwendung der italischen Pythagoreer nach. Da er auch brieflich jede Konzession an Dion von Platos Erscheinen abhängig machte, so entschloß sich dieser (361 v. Chr.) zur dritten Reise nach Syrakus. Aber hier war seine Verwendung fruchtlos, und nach Jahresfrist war sein Verhältnis zum Tyrannen so gespannt, daß er Mühe hatte, ohne weitere Beeinträchtigung wieder nach Athen zu gelangen, und man den Eindruck gewinnt, es sei Dionys bei der ganzen Einladung einzig um ein Pfand für Dions Wohlverhalten zu tun gewesen. Rücksichtslos wurden jetzt aber dessen Güter verkauft, seine Frau wider ihren Willen mit einem andern verheiratet, sein junger Sohn mit Absicht liederlich gemacht, so daß ihm nun kaum etwas anderes übrig blieb als der Versuch, die Tyrannis mit Gewalt zu stürzen. Speusippos und die meisten übrigen Freunde von der Akademie ermunterten ihn hiezu, während Plato selbst sich zurückhielt; auch in Sizilien muß die Parole, man erwarte Dion, ausgegeben worden sein. Und nun konnte auch der tugendhafte Dion die Anwerbung eines Söldnerheeres396 nicht vermeiden, denn[186] von den über tausend geflüchteten Syrakusiern hatten nur fünfundzwanzig den Mut mitzuhalten. Die Werbung fand erst heimlich auf Zakynthos durch andere statt, wobei ihm viele »Politiker und Philosophen« behilflich waren und ihm z.B. in dem Thessalier Miltas einen Seher verschafften, der an den Lehren der Akademie Teil gehabt hatte. Als den Geworbenen dann das Ziel des Zuges genannt wurde, waren sie verblüfft, wurden aber durch die Aussicht, mehr zu Anführern der Syrakusier als zu gewöhnlichen Soldaten bestimmt zu sein und durch die Schaustellung von Dions Reichtum bei einem großen Apollonopfer davon abgehalten sich zu verlaufen und bestiegen die Schiffe, die sie nach einer anfänglichen Irrfahrt glücklich bei Eknomos ans Land brachten. Dionys befand sich in diesem Augenblick in Italien, und so konnte Dion, dem sich verpflanzte oder ausgewichene Agrigentiner, Geloer, Kamarinäer und Bewohner des syrakusischen Gebiets anschlossen, unbehelligt mit einigen tausend Mann von Syrakus erscheinen, und da sich die Garnison von Epipolä durch einen falschen Bericht zum Abzuge hatte verleiten lassen, ohne Blutvergießen seinen Einzug halten. Die angesehenen Bürger kamen ihm in feierlicher Prozession entgegen, und seine Herolde verkündeten, er komme zum Sturze der Tyrannis und zur Befreiung der Syrakusier und der übrigen Sikelioten, aber auf der Burg hielt sich die Gegenpartei, zu der am achten Tage der Tyrann selbst stieß, und unvermeidlich, wenn es auch Plutarch zu sagen vergißt, muß sich damals, sowie man sich in und um Syrakus stritt, die Auflösung des syrakusanischen Staates angebahnt haben, so daß allmählich jener schreckliche Zustand eintreten konnte, den später Timoleon antraf.

Während nun aber die Akropolis belagert wurde, sah sich Dion beständig von Demagogen im Kommando gestört, wobei eine ganz enorme Petulanz des verruchten und unglücklichen syrakusischen Mischvolkes zu Tage trat. Sein Mann war ein gewisser Herakleides, ein syrakusischer Flüchtling, der schon im Peloponnes gegen Dion operiert hatte. Als nach der glücklichen Zurückweisung eines Ausfalls der Dionysischen Besatzung, wobei Dion im Handgemenge selber das Beste getan hatte und verwundet worden war, ein Brief öffentlich vorgelesen wurde, worin der Tyrann diesen durch Drohungen und Versprechungen nach Kräften zu kompromittieren suchte, war derselbe mit sieben Trieren und einigen andern Schiffen gerade im Hafen von Syrakus eingelaufen, hatte die Situation sofort erkannt und beschlossen, Dionys auf eigene Rechnung zu stürzen und brachte es durch seine Demagogenkünste und durch die Verdächtigungen, die er gegen jeden Schritt Dions bereit hatte, sofort[187] dazu, daß er gegen dessen Willen von der Menge zum Nauarchen gewählt wurde397, welche Stellung ihm dieser auch nicht mehr zu nehmen für geraten fand, als das Volk auf seinen Protest hin die eigenmächtige Wahl zurückgenommen hatte. Als dann vollends von der Flotte ein Vorteil erfochten war, indem es gelungen war, den aus Japygien dem Dionys Verstärkung bringenden Philistos vor der Stadt zu vernichten, fing das Volk an Dions Söldner überflüssig zu finden und von Herakleides alles zu hoffen. Diesem gelang nun freilich, was die Menge am allerliebsten gehabt hatte, nämlich die Gefangennehmung des Tyrannen auch nicht; vielmehr konnte dieser, nachdem eine angebotene Kapitulation von den nach seinem Tode lüsternen Syrakusiern zurückgewiesen war, mit seiner besten Habe und den wichtigsten Personen mit Hilfe eines günstigen Windes, indem er seinen Sohn Apollokrates auf der Burg zurückließ, unbemerkt nach Italien absegeln; aber eben der Umstand, daß ihn dieser Mißerfolg mit dem Verluste seiner Popularität bedrohte, bewog Herakleides nun erst recht, der Masse die Erfüllung der äußersten Wünsche zu bieten und so stiftete er denn einen andern Streber, Hippon, an, den Demos zur Verteilung des Grundbesitzes aufzurufen, da die (Besitz) gleichheit aller Freiheit Anfang, die Armut der Besitzlosen aber der Anfang aller Knechtschaft sei. Dions Proteste gegen diese Vorschläge scheiterten am Widerstande der Intriguanten, und Herakleides bewog das Volk, seinen Söldnern den Sold zu versagen und neue, ihm feindliche Strategen zu wählen; als dann gar der Versuch gemacht wurde, die Söldner durch das Anerbieten des syrakusischen Bürgerrechts von ihm abspenstig zu machen, beschloß er mit diesen die Stadt zu verlassen und nach Leontinoi zu gehen. Aber noch beim Abzuge wurde er von der frechen Masse angegriffen und konnte es, nachdem sein Hinweis auf die von den Feinden besetzte Akropolis und eine unblutige Demonstration seiner Truppen erfolglos geblieben waren, schließlich nicht vermeiden, scharf einhauen zu lassen.

Die Syrakusier wurden nun immer übermütiger und als sie über eine Schiffsendung des Dionysios unter Nypsios gesiegt hatten, gab es lauter Gelage bis tief in die Nacht, und die Strategen wagten keinen Zwang gegen trunkene Menschen. Plötzlich aber drang der nämliche Nypsios an der Spitze barbarischer Söldner mordend und raubend bis zur Achradina vor, so daß jetzt alle Hoffnung nur noch auf Dion und dessen Söldnern beruhte, und endlich, nachdem man sich lange geschämt hatte es zu bekennen, ging von den Bundesgenossen und Reitern auch das Wort aus, man solle ihn von Leontinoi zurückrufen. Die Deputation, die Dion von[188] dem allgemeinen Umschwung der Stimmung unter Tränen Kenntnis gab, wurde von diesem vor die Volksversammlung ins Theater geführt, und auf seine empfehlende Rede hin wurde allgemeiner Aufbruch nach Syrakus beschlossen. Aber schon war es inzwischen dort den Demagogen, die durch den Rückzug des Nypsios in die Akropolis wieder etwas Luft bekommen hatten, gelungen, die Menge von Neuem gegen ihn umzustimmen, er wurde nicht eingelassen, und es bedurfte eines neuen, noch viel furchtbareren Ausfalls des Nypsios, um ihnen seine Unentbehrlichkeit klar zu machen. Dionys, von welchem Nypsios neuen Auftrag muß gehabt haben, muß nämlich diesmal gewünscht haben, daß die Tyrannis, an deren Behauptung er jetzt verzweifelte, in und mit der Stadt begraben werde, und ließ daher allgemeine Brandstiftung anbefehlen, und so konnte auch Herakleides jetzt nicht umhin, Dion flehentlich um Beschleunigung seines Marsches bitten zu lassen. Dieser erschien den Bürgern als »Retter und Gott« und seine Söldner als »Brüder und Mitbürger«, und nach hartem Kampfe glückte es ihm auch, die Gegner in die Akropolis zurückzutreiben und das Feuer zu löschen.

Aber wie wenig gesichert seine Stellung darum war, sollte sich bald zeigen. Während nämlich die übrigen Demagogen bei seinem Siege geflohen waren, hatte Herakleides sich mit beweglichen Worten seinem Großmut empfohlen und es dazu gebracht, daß er ihn gegen den Rat seiner Freunde begnadigte, welche fanden, er sollte den bösen und neidischen Menschen den Soldaten preisgeben. Herakleides schlug ihn dafür in der Volksversammlung zum Alleinfeldherrn zu Land und Wasser vor und die »Besten« waren dafür; aber der Beschluß konnte schon nicht durchgesetzt werden, weil die Masse des geringern Volkes von dem ihr genehmem Nauarchen nicht lassen wollte, und Dion mußte sich damit zufrieden geben, daß wenigstens der frühere Beschluß der Verteilung des Grundbesitzes aufgehoben wurde; Herakleides aber beutete nun wieder die Unpopularität dieser Aufhebung aus, indem er in Messana, wohin er gefahren war, seine Soldaten und Schiffsleute gegen Dion hetzte, als ob dieser nach der Tyrannis strebte, während er selber in der gleichen Zeit mit dem Lakedämonier Pharax, einem in der agrigentinischen Gegend stehenden Söldnerführer des Dionys, geheime Abmachungen traf. Dion wurde darauf zunächst durch die verräterische Insinuation, als sei es ihm nur um Verlängerung seines Kommandos zu tun, zu einem Kampf unter ungünstigen Umständen gezwungen und mußte es dann, als er zum zweitenmale angreifen wollte, erleben, daß Herakleides mit der Flotte nach Syrakus fuhr, um ihn von Neuem von dort auszusperren. Zwar konnte er mit seiner Reiterei noch rechtzeitig in die Stadt gelangen; aber er war nicht stark genug, eine neue Versöhnung mit Herakleides ablehnen zu können, die der inzwischen in Syrakus aufgetauchte spartanische Abenteurer[189] Gaisylos vermittelte. Herakleides mußte feierliche Eide schwören, bei deren Bruch Gaisylos als Rächer auftreten wollte; eine bessere Garantie für seine Subordination aber war es, daß die Syrakusier beschlossen ihre Flotte aufzulösen, weil sie unnütz, kostspielig und für die Nauarchen eine Verführung zur Empörung sei, und jetzt kam endlich auch der Augenblick, da Apollokrates, durch Hunger und Mißstimmung seiner Söldner genötigt, mit seiner Mutter, seiner Schwester und fünf vollen Trieren seinem Vater Dionys nachfuhr und die Akropolis kapitulierte.

In der Stadt herrschte allgemeiner Jubel und Dion war nun wieder mit seiner Schwester Aristomache, seinem Sohne und seiner Gemahlin Arete vereinigt, die er trotz ihrer gezwungenen Vermählung mit einem andern wieder gerührt zu sich nahm. Er beschenkte seine Freunde und Helfer reichlich, für sich richtete er sich einfach ein; denn während ihm Plato schrieb, die ganze Welt schaue auf ihn, schaute er, wie es heißt, nur auf ein Quartier einer Stadt, nämlich die Akademie und wollte nur von dieser die Anerkennung, daß er seine Lage besonnen und maßvoll trage, gab aber doch anderseits trotz Platos Warnung, von seiner würdevollen Zurückhaltung nichts ab. Es galt nun eine Verfassung einzuführen, und hiefür schwebte ihm als Ideal eine Monarchie nach Art der lakedämonischen398 vor, d.h. eine Mischung aus Demokratie und Monarchie mit einer in den wichtigsten Dingen den Ausschlag gebenden Aristokratie. Dieses Ziel mit einem Herakleides als Mitbürger zu erreichen schien unmöglich; denn dieser hatte bereits wieder intriguiert, indem er sich weigerte an einer Sitzung teilzunehmen, weil er als Privatmann mit den andern Bürgern in der Volksversammlung sei, auch darüber klagte, daß Dion die Akropolis nicht zerstört habe und das Grab des ältern Dionys nicht schänden wolle und endlich begehrte, daß derselbe aus Korinth Mitberater und Mitregenten solle kommen lassen. Dions früher geäußerte Meinung, die Bosheit eines Menschen sei doch nicht so völlig schlimm, daß sie sich nicht durch häufige Güte überwinden lasse, ließ sich diesem Treiben gegenüber nicht mehr behaupten. So gab er denjenigen, die er längst von seiner Tötung hatte zurückhalten müssen, den Auftrag, ihn in seinem Hause zu töten, gewährte ihm aber dann eine prächtige Bestattung, wobei er dem Bürgerheere in einer Rede auseinandersetzte, daß die Stadt nie aus den Wirren würde herausgekommen sein, wenn sei beide zugleich darin tätig geblieben wären.

Da nun der Demos ohne Führer war, tauchte in Gestalt des Atheners Kallippos in Dions nächster Näher ein neuer Streber auf, der da meinte, nach Sizilien als Kampfpreis greifen zu könnenA43 399. Dieser bedenkliche[190] Freund, der von den (karthagischen?) Landesfeinden zwanzig Talente für den Mord am Gastfreund erhalten haben soll, gewann einige von Dions Söldnern für sich, machte dann selber bei Dion den Zuträger dessen, was die Soldaten gesagt hatten oder gesagt haben sollten und bekam von Dion den Auftrag, über ihn keck zu reden, damit die Übelgesinnten ausgeholt würden. So fand er die für ihn verwendbaren schlechten Elemente heraus, und wenn jemand Dion von seinen Reden Nachricht gab, so blieb dieser ruhig, weil er ja selbst den Befehl dazu erteilt hatte. Als freilich Kallippos ausstreute, Dion, der seinen Sohn Hipparinos durch den Tod verloren hatte, gedenke des Dionys Sohn Apollokrates zu seinem Nachfolger400 zu ernennen, wurde der Verdacht gegen ihn ein allgemeiner; aber Dion, dessen Gemüt seit dem Morde des Herakleides verdüstert war, den er als den Fleck seines Lebens betrachtete, sagte, er sei vielmal zu sterben bereit und werde dem Mörder geduldig hinhalten, wenn er doch nur nicht bloß in Sorgen vor Feinden, sondern auch vor Freunden leben sollte, und schließlich ließen sich auch die Frauen der Familie, die besonders gewarnt hatten, durch einen ganz fürchterlichen Eid des Kallippos beruhigen. Dieser aber sah sich nun zu schneller Tat genötigt. Als Dion mit mehreren Freunden in einem Saale schmauste, umgaben die Verschworenen diesen und besetzten die Türen und Fenster; dann drangen die zum Morde bestimmten Zakynthier, offenbar Söldner Dions ein, stürzten sich auf ihn und suchten ihn, weil sie unbewaffnet waren – denn man wurde offenbar beim Eintritt in die Residenz visitiert – mit den Händen zu erwürgen. Dion wehrte sich, und der Kampf dauerte lange, weil weder Dions Freunde noch die draußen stehenden den Mut einzugreifen fanden und jedermann abwarten wollte, wie es ginge. Endlich aber reichte doch ein Syrakusier einem der Zakynthier durch das Fenster einen Dolch, und mit diesem wurde Dion wie ein Opfertier umgebracht. Aristomache und Arete kamen ins Gefängnis401, und Kallippos ergriff die Regierung.

Übrigens rührte sich nach vollbrachter Tat Dions Anhang auch. Leute, die man mit Unrecht für die Mörder hielt, wurden umgebracht und dasselbe Volk, das ihn für einen Tyrannen erklärt hatte, pries ihn jetzt als[191] Retter und Befreier; auch konnte Kallippos nicht hindern, daß er prachtvoll bestattet und durch ein Denkmal geehrt wurde. Aber derselbe Nepos, der uns (c. 10) diese seine nachträgliche Popularität meldet, berichtet doch auch, was von den enthusiastisch für Dion eingenommenen Quellen offenbar absichtlich verschwiegen wird, daß er nämlich nach Beseitigung des Herakleides unbedenklicher das Vermögen solcher, die er als seine Gegner kannte, den Soldaten verteilt und bei weiterm Mangel auch seine Anhänger gebrandschatzt und so, während er die Söldner an sich fesselte, die angesehenen Bürger sich entfremdet habe; obschon er kein Tyrann sein wollte, konnte doch auch er, wenn er überhaupt die Regierung nicht verlieren wollte, die tyrannischen Regierungsmittel nicht entbehren, und während ihn die Masse deshalb als unerträglichen Tyrannen beurteilte, wurde er zu seinem großen Leidwesen auch von denjenigen strenge kritisiert, auf deren Urteil ihm etwas ankam.

Kallippos hatte seine Regierung, wie es heißt, mit Glanz begonnen, verlor aber Syrakus schon nach zehn Monaten, als er ausgezogen war, um Katana zu nehmen. In Sizilien konnte er sich darauf nicht halten, und in Rhegion, das er endlich besetzte mangelte es ihm an Geld für den Unterhalt seiner Truppen; er soll daselbst mit demselben Dolche ermordet worden sein, dem Dion erlegen war. Syrakus aber kam erst an Hipparinos, des Dionysios Halbbruder von der Aristomache und nach dessen baldiger Ermordung an seinen Bruder Nysäos, bis Dionysios selbst von Lokroi, wo er inzwischen Tyrann gewesen war, in seine alte Hauptstadt zurückkehrte (346 v. Chr.). Zugleich erhoben sich wieder in mehreren Städten Nebentyrannen und zwar wiederum als Verbündete der jetzt so nahen Karthager. Noch einmal wurden zwar alle Tyrannen, auch Dionys, vertrieben und die Karthager in die westliche Ecke der Insel gedrängt durch Timoleon (seit 343 v. Chr.) und den Zustrom von Griechen und Flüchtlingsfamilien, welche er anführte; noch einmal wurden Städtebevölkerungen hergestellt und Demokratien ausgerufen. Allein ähnliche Wirren wie einst nach dem Ausgang der alten Tyrannenhäuser traten nicht lange nach Timoleons Tode (337 v. Chr.) ein, und nach zwanzig Jahren erhob sich Agathokles, in welchem die Macht eines neuern Tyrannen, wie der ältere Dionys gewesen, mit der großartigsten Kühnheit des Feldherrn und Abenteurers verbunden erschienA44. Diese grauenvolle, aber ergreifende Gestalt macht den Eindruck, als hatte sich alle geistige und moralische Kraft und aller Frevel und Eidbruch der Späthellenen in einem einzigen Menschen verdichtet; kaum ein Charakter in der Weltgeschichte hält das Urteil so zwischen Bewunderung und Abscheu in der Schwebe, bis er (289 v. Chr.), durch Anstiften eines Enkels[192] vergiftet, zweiundsiebzigjährig, den Scheiterhaufen besteigt, um zu enden wie Herakles. Allein bei der Betrachtung der Schicksale Siziliens in dieser Zeit steigt man wie in Dantes Hölle von Bulge zu Bulge nieder; noch gegen Agathokles hatten sich Poleis aufs Wütendste für ihre Autonomie gewehrt402, ihr Lebenswille hatte auch jetzt noch nicht völlig ausgeblutet, nur daß sie dann im III. Jahrhundert zwischen raubenden Söldnern, Einzeltyrannen und Karthagern sich wie im Wahnsinn herumstießen und z.B. ihr mögliches Heil in Pyrrhos nicht erkannten. Was dann Hieron II. auf die Länge vermocht haben würde, welchen (274 v. Chr.) tatsächlich die Soldaten in Syrakus erhoben, mag ungewiß bleiben; es war Zeit, daß die Römer nach anfänglicher Feindschaft sich seiner und der Insel annahmen, so hart auch hernach das Schicksal derselben als römische Provinz war. Das spezifisch Griechische, die Polis, war untergegangen, aber das Hellenische, der Rest der Nationalität, vor den Afrikanern gerettet worden.


Bei den übrigen Griechen des IV. Jahrhunderts gab es zwar tyrannische Menschen und Parteien in Fülle403, aber die eigentliche Tyrannis bildete sich nur an den Rändern, in den Außenlanden des Griechentums hie und da. Die erblichen Dynasten von Zypern, Halikarnaß usw. muß man abrechnen und Euagoras, der Herr des zyprischen Salamis, bleibt hochachtbar, auch wenn man neben der Lobrede des Isokrates noch auf andere Quellen hört; die Tyrannen des pontischen Heraklea, welche gegenüber von Besitzenden durch Ackerverteilung emporgekommen, waren zu entfernt und zu machtlos, um auf die griechischen Schicksale einzuwirken, und so blieb als nahes Schreckensbeispiel nur das Haus von Pherä in Thessalien übrig, wo nach dem fähigen, vielverheißenden Jason (bis 370 v. Chr.) der abscheuliche Alexander (bis 359) durch eine Kette von Verbrechen innerhalb der regierenden Familie zur Herrschaft kam. Die meisten Greuel geschahen hier wie bei Klearch von Heraklea, weil man aus Furcht grausam war und zudem immer von neuem Menschen töten oder verkaufen mußte, um mit deren Habe oder aus deren Erlös die Söldner zu bezahlen, welche sich noch außerdem durch jede Art von Missetat schadlos hielten. Die eigentliche Fatalität für Alexander aber war die Nähe Thebens, von dem die unter der Tyrannenherrschaft stehenden oder von ihr bedrohten Thessalier beständig Befreiung oder Intervention[193] erwarteten. Auf ihre Klagen hin, kam Pelopidas zweimal nach Thessalien, um die dortigen Verhältnisse zu ordnen, mußte aber das erste Mal die Erfahrung machen, daß Alexander seine Vorwürfe nicht zu Ende anhörte, sondern ihm mit seinen Söldnern den Rücken kehrte und das zweite Mal, daß er ihn, weil er nicht an der Spitze eines Heeres stand, nebst Ismenias ohne weiteres in Pherä gefangen setzte. Diese Beleidigung des mächtigen Thebens flößte allen Thessaliern den allergrößten Schreck ein; man sagte sich, wer dies gewagt, der werde keinen mehr schonen, sondern Menschen und Dinge wie ein Verzweifelter behandeln. Und wirklich müssen nun die äußersten Missetaten erfolgt sein, wenn auch dahingestellt bleiben mag, wie viel daran buchstäblich wahr ist, daß er Menschen lebendig begraben oder in die Felle von Wildschweinen und Bären stecken ließ, um sie dann mit Jagdhunden zu hetzen und mit dem Speere zu erlegen. Es ist schon genug, daß er die beiden Städte MeliböaA45 und Skotussa mitten im Frieden, während die sich ihm verbündet wähnenden Bürger in ihren Volksversammlungen waren, von seinen Söldnern überfallen und ausmorden ließ. Und dieser nämliche Mensch, der die Lanze, die ihm zur Ermordung seines Oheims Polyphron gedient, weihte und bekränzte und als »Tychon« (Trefferin) mit Opfern göttlich verehrte, konnte dann wieder bei einer Vorstellung der Euripideischen »Troerinnen« so gerührt werden, daß er das Theater verließ, um seine Bewegung dem Publikum zu verbergen404.

Pelopidas, der sich in der Gefangenschaft durch Drohungen und Trotz gegen Alexander eine härtere Behandlung zugezogen hatte, als ursprünglich beabsichtigt war405, mußte nun doch von seinen Landsleuten befreit werden, und so rückte denn, nachdem andere kein Glück gehabt hatten, Epaminondas selbst in Thessalien ein. Durch diskrete Kriegsführung,[194] weil er bei völliger Verzweiflung des Tyrannen den Tod des Freundes hätte befürchten müssen, brachte er es schließlich dahin, daß der Feind einen Waffenstillstand schließen und die Gefangenen herausgeben mußte; dieser aber wurde nach dem Abzug des thebanischen Heeres erst recht kühn und war offenbar im Begriffe sich ganz Thessalien zu unterwerfen, wo seine Garnisonen weit und breit lagen. Selbst den Athenern scheint es damals trotz aller Verehrung für Tyrannentöter möglich gewesen zu sein, von ihm Subsidien zu beziehen und ihm als einem Wohltäter eine eherne Statue zu setzen. Die thessalischen Städte aber flehten nun von neuem in Theben um Hilfe, und diese konnte nicht versagt werden. So kam Pelopidas zum dritten Male, an der Spitze eines freiwilligen Reiterkorps herbei, voll von Hochgefühl darüber, daß allein die Thebaner jetzt für tyrannisierte, zur Zernichtung gesetzwidriger und gewalttätiger Dynastien zu Felde zögen; bei Kynoskephalä aber verlor er in einem sonst siegreichen Kampfe das Leben, und erst dem Gesamtaufgebot des thebanischen Heeres gelang es, Alexander so zu Paaren zu treiben, daß er seine thessalischen Eroberungen sämtlich aufgeben und in Thebens Bundesgenossenschaft eintreten mußte. Nicht lange hernach erfolgte die Katastrophe des Tyrannen, indem seine von ihm durch Mißtrauen und Roheit zur Verzweiflung gebrachte Gattin Thebe ihm mit Hilfe ihrer Brüder durch nächtliche Ermordung einen »unverdient schnellen und sanften« Tod brachte; die Leiche wurde auf die Gasse geworfen und von den Pheräern mit Füßen getreten406.

So gewalttätig Alexanders Herrschaft nun auch war, im Grunde interessierten sich die Griechen doch am meisten für die beiden Dionyse; diesen eiferte auch Klearch von Heraklea nach407, und noch später folgte Apollodor von Kassandrea einem erfahrenen sizilischen Ratgeber, Kalliphon408; denn diese Insel war nun einmal die Heimat der neuern Tyrannis, der methodischen Beredsamkeit und der feinern Kochkunst. Xenophon in seinem Dialog »Hieron« hat offenbar weniger diesen als vielmehr den ältern Dionys im Auge und entwickelt dabei die völlige innere Freudlosigkeit des Tyrannenlebens; Platon aber ist dreimal in Person am Hofe von Syrakus erschienen, ohne irgend etwas auf die Dauer bessern zu können409. Der jüngere Dionys als Flüchtling wurde vollends eine der Merkwürdigkeiten desselben Korinth, das noch kurz vorher durch Timophanes[195] mit Tyrannis bedroht gewesen war; er führte vielleicht absichtlich ein unwürdiges Leben um unverdächtig zu sein und mit seinem Schicksal zufrieden zu scheinen. Hier konnten die neugierigen Griechen einen veritabeln Tyrannen in der Nähe besehen, der sich einst jede Gewalttat und Üppigkeit gestattet, aber auch das Schrecklichste (den Tod erwachsener Söhne, Schändung und Mord der Seinigen durch siegreiche Gegner) erlebt hatte; und daneben konnte man auf den großen Zyniker in seinem Fasse hinweisen, welcher nichts bedurfte und schon mit seiner bösen Zunge glücklich war. Inzwischen hatten die Griechen auch ein wirkliches Königtum kennen gelernt, nachdem sie es soA46 lange für eine Tyrannis gehalten: Alexander von Makedonien erschien und redete selber mit Diogenes; ob er von Dionys Notiz genommen, wird nicht gemeldet410. – Sein großer Lehrer Aristoteles aber hatte sich in seiner Politik411 dem allgemeinen Phänomen der Tyrannis gegenübergestellt und zuerst den üblichen Weg, den die Meisten gehen, dann den bessern geschildert, welcher sich dem echten Königtum nähere, und einiges wirklich leiste, anderes wenigstens zu leisten scheine. Mehreres hiervon hat Macchiavelli in seinen »Principe« herübernehmen können. Aber Aristoteles weissagt auch seinem »halbguten« oder doch nur »halbbösen« Herrscher trotz allem, daß Tyrannis und Oligarchie von allen Staatsformen die kurzlebigsten seien.

Dies hatte indes nicht nur seinen politischen und moralischen, sondern auch seinen äußerlichen Grund: der Tyrannenmord blieb nämlich nicht etwa nur der Rache des bedrohten oder gemißhandelten Einzelnen überlassen, sondern er wurde zum allgemeinen Pathos aller demokratisch Gesinnten der ganzen Nation erhoben und die dabei vorausgesetzte Verachtung der eigenen Rettung auf das Höchste gepriesen. Seit in Athen die Mörder des Hipparch ihre eherne GruppeA47 auf dem Kerameikos erhalten hatten, saß ein Stachel des Ruhmes in unzähligen Gemütern412, und nur die Tyrannen waren zu rar; wo aber einer auch nur Miene machte, grimmiges armes Volk an sich zu ziehen und Waffen zu sammeln, da konnte es geschehen, daß ihn der eigene Bruder erstach, wie in Korinth Timoleon den Timophanes. Den tüchtigsten Tyrannen, Jason von Pherä, ermordeten (370 v. Chr.) sieben Jünglinge »des Ruhmes wegen« und[196] wurden dann geehrt, wo sie hinkamen413, mochten auch Zeitgenossen in der Tötung noch eine besondere göttliche Strafe sehen wegen Iasons Absichten auf den Schatz von Delphi414; und in demselben Athen, welches mit Alexander von Pherä gut Freund gewesen war, fanden dann die Mörder des Kotys von Thrakien, Python und Herakleides, eine herrliche Aufnahme415. Auch die Philosophie redete bereits ihr Wort mit: Klearch von Heraklea, welcher einst selber den Plato gehört hatte und noch als Tyrann eine große Bibliothek anlegte, wurde später von zwei andern Schülern Platos ermordet; umsonst hatten ihn Traumgesichte vor der Philosophie gewarnt416. In Athen aber, welchem Plato selber so deutlich die Tyrannis prophezeit hatte417, kam sie doch im IV. Jahrhundert nicht mehr zu Stande, schon weil viel zu viele Leute fähig und entschlossen genug waren, das öffentliche Leben selber und gefahrloser auszubeuten und davon zu leben418. Bis zur Schlacht von Leuktra hätte sich ohnehin Sparta jeder Tyrannis im eigentlichen Griechenland widersetzen müssen, während es den sonstigen Kämpfen in den Poleis eher zusehen konnte; nachher aber folgten die Principate Thebens und Philipps, welche ebenfalls keine Tyrannis dulden oder gar fördern mochten. Bei den gewissenhaft demokratischen Thebanern durfte ja ihr großer Epaminondas auf den Tod angeklagt werden, weil er seine Böotarchie zum größten Heil der Gesamtheit willkürlich verlängert hatte; freilich wollten dann die ausgelosten Richter nicht über ihn abstimmen419, worauf er die Kloakeninspektion bekam und sogar eine Zeitlang als Gemeiner diente.

Durch Alexanders Diadochen kamen alle östlichen Außenlande des Griechentums an größere Reiche, Griechenland aber unter den Einfluß Makedoniens, welches jedoch selbst beinahe ein halbes Jahrhundert hindurch von einem an den andern überging, bis es fest in den Händen der[197] Antigoniden war. Während dieser wilden Zwischenzeit lenrte man z.B. in einem König Kassander oft die deutlichsten Züge eines hellenischen Tyrannen erkennen, und im Einverständnis mit ihm, gegenüber von Demetrios Poliorketes, durfte sich in Athen (297 v. Chr.) ein gewisser Lachares der Gewaltherrschaft bemächtigen, welcher »an Grausamkeit gegen die Menschen und Ruchlosigkeit gegen die Götter alle Tyrannen übertraf«, dabei aber in beständiger Furcht lebte, in der Akropolis die goldenen Schilde und das Gold von der Pallas Parthenos raubte und endlich verkleidet entfloh420. Ja als sollte sich an Kassanders Namen ein besonderer Fluch der Tyrannis knüpfen, geschah es, daß in Potidäa, welches er aus seinen Trümmern hergestellt und zu einer großen Stadt Kassandreia gemacht hatte, in der enormen Verwirrung Makedoniens um das Jahr 280 v. Chr. ein Mensch aufstand421, Apollodor, in welchem sich422 die Züge des Spättyrannen ganz vollständig zusammenfinden, nur daß Anfang und Ende dunkel bleiben. Er begann mit einer Art von Halbherrschaft und heuchelte lauter Schutz für die Freiheit und Deferenz gegen mächtige Diadochen. Einmal des Strebens nach Tyrannis bezichtigt, erschien er wehmütig mit den Seinigen im Trauergewande vor Gericht und ließ sich lossprechen. Eine Leibwache schien er zu verschmähen, aber die vorgefundene Besatzung von entsetzlich wilden Galliern dotierte er mit Landlosen, damit sie »Wächter der Freiheit« blieben und benützte sie in der Folge ungescheut zu allen Missetaten. Um aber ihren Sold zu steigern und zugleich die Masse in der Stadt, die von ihm aufgereizten Sklaven und Industriearbeiter (τοὺς ἀπὸ τῶν ἐργαστηρίων τεχνιίτας) durch Gaben für sich zu gewinnen, mußte er zur Konfiskation, Folterung und Ausrottung gegen die Wohlhabenden schreiten. Entschlossene Helfer gewann er sich durch eine greuliche Zeremonie: nachdem sie unbewußt von den Eingeweiden eines Ermordeten gegessen und von dessen Blut im Wein getrunken, hielten sie sich, als er ihnen die Leiche gezeigt, für magisch an ihn gebunden – wahrscheinlich auch eine Anleihe aus der sizilischen Tyrannentradition423, welcher er, wie oben (S. 195) gesagt, anhing. Mit der Zeit wurde er von schrecklichen Träumen verfolgt und ein starker Säufer, zugleich aber um so mordsüchtiger. Sein Sturz erfolgte auf militärische Weise von außen, durch König Antigonos Gonatas.

[198] Das Letzte sind dann die Tyrannien der spätern Antigonidenzeit, wobei wir uns gerne auf diejenigen in Griechenland beschränken424 (Elis, Sikyon, Argos, Megalopolis usw.). So lange die Demokratien im Stande waren, ihre Wohlhabenden selber aufzuessen, Schuldnachlaß und neue Ackerverteilung von sich aus durchzusetzen, brauchten sie keinen Tyrannen, durch welchen voraussichtlich das Ergebnis der Konfiskation bestenteils nicht an das Volk, sondern an Söldner kommen mußte; aber Zerfahrenheit, Frevel und Ungeduld brachten doch hie und da das Ereignis zu Stande. Regierungen können solche Tyrannien freilich kaum mehr heißen, weil alle Mittel bei ihrer Erhaltung draufgehen. Von den Antigoniden werden sie bald unterstützt, bald angefeindet und preisgegeben; Korinth wechselte nur noch zwischen Tyrannis und makedonischer Garnison. Der achäische Bund machte sich eine Hauptaufgabe aus der Beseitigung dieser Herrschaften; aber, wenn die Zustände danach waren, erhoben sich doch wieder solche; der erste beste Demagog oder Abenteurer genügte dazu, und der Krawall des Anfangs war das Leichteste. Dann aber kam unvermeidlich die Verbannung, auch wohl der Mord und die Konfiskation gegen die Besitzenden, deren Habe teils an die Anhänger verschenkt, teils an die Söldnerwache gewandt werden mußte; für sichere Mannschaft aber hielt man damals nur noch die Gallier, die ja in allen Diadochenheeren als das allein siegverbürgende Element galten425, und wo die Mittel aufzubringen waren, griffen auch die Tyrannen zu dieser teuern Menschengattung426. Nun war aller Mord und alle Gütereinziehung nur kurze Zeit ergiebig genug um diese Schar zu nähren; bewaffnetes und dotiertes Proletariat aber wäre eine schwache Stütze gewesen. Der Tyrann, welcher die Verteilung der Feldmark gewährt hatte, war persönlich nicht einmal mehr nötig zum Schütze gegen Wiedereinbruch[199] der Verbannten und Geflüchteten, ein anderer an seiner Stelle genügte auch, wie es denn an wilden Personenwechseln nicht gefehlt hat; die Gier der dotierten Masse hinwiederum war aus innern Gründen unerfüllbar und mußte stets zu neuen Änderungen drängen. Kein Wunder, wenn gelindere Tyrannen, die wenig oder keine Blutschuld auf sich hatten, den Göttern dankten, als sie ihre müde Gewalt in die Hände des fast ebenso müden achäischen Bundes niederlegen konnten. Andere, welche das Fürchterlichste begangen, lebten in beständiger Todesangst »zwischen Doryphoren, Waffen, Pforten und Falltüren427« und unterlagen dennoch dem Mord. Bei den Attentaten werden als Anstifter und Täter hie und da Philosophen genannt, welche ja damals beim Wegsterben sonstiger Kapazitäten sehr in den Vordergrund des Lebens geraten waren. Der Tyrann Abantides von Sikyon, welcher meinte, er könne nach greulichen Proskriptionen doch noch auf der Agora mit Philosophen konversieren, wurde eben dort von diesen Leuten und ihrem Anhang, ähnlich wie einst Klearch von Heraklea, umgebracht428. Diesmal, wie in manchen Fällen, wechselte man freilich nur den Tyrannen; wenn dagegen eine Verschwörung der Demokraten gelang, und der Tyrann in seiner Wohnung oder auf der Agora selbst an einem der dortigen Götteraltäre niedergemacht war, dann wurden die Bürger zur Freiheit gerufen, die Burg zerstört und die Familie schmachvoll ermordet oder im besten Fall429 dem Selbstmord überlassen, wie denn von jeher an Gemahlin und Kindern dieser unseligen Herrscher die furchtbarste Vergeltung gesucht zu werden pflegte, um die Dynastie unmöglich zu machen. Aratos alsA48 Haupt des achäischen Bundes konnte u.a. seine Heimat Sikyon befreien, und schon morgens in der Frühe »war das Theater voll«, bis der Herold erschien und verkündete: Aratos rufe die Bürger zur Freiheit. Es gab jedoch Bürgerschaften, welche ihr Zuschauertum wörtlich nahmen; als derselbe Aratos gegen einen Tyrannen um Argos kämpfte, saßen die Argiver ganz ruhig und unparteiisch dabei, als handelte sich's nicht um ihre Freiheit, sondern als hätten sie das Kampfrichteramt an den nemeischen Spielen zu üben; Aratos, schwer verwundet, mußte sich diesmal zurückziehen und verwüstete dann Argolis, womit seiner und ihrer Sache auch nicht geholfen war. – Wie es damals mit den Demokratien weiter wurde, darf uns hier noch nicht beschäftigen. Bevor aber noch Rom die Griechen der weitern gegenseitigen Zernichtung entzog, erlitt Sparta jene furchtbarste[200] Tyrannis, welche wohl je (außerhalb Siziliens) vorgekommen, die des Nabis (206-192 v. Chr., vgl. S. 134f.).

Zur Kaiserzeit, da man die ganze Reihe hellenischer Tyrannen hätte übersehen können, hat Lucian in der Gestalt seines Megapenthes430 doch nur alle diejenigen Züge zusammengestellt, welche seit den Rhetoren das konventionelle Bild des Tyrannen, nämlich im spätenA49 und ausschließlich bösen Sinne ausmachen. Anderswo aber431 verrät Lucian die Verehrung des Griechen für das Unererbte, durch eigene Kraft und Willkür Gewonnene überhaupt. Die Geschichtsforschung darf immer aufmerken, wenn in der Poesie vergangener Völker das scherzhafte Bild des rückhaltlos Wünschenden auftritt, und nun braucht man nur dem lucianischen Samippos zuzuhören: »ich möchte nicht König werden durch Erbe, wie Alexander oder Mithridat, sondern als Räuber mit dreißig zuverlässigen Mitverschworenen, bis wir unser fünf Myriaden wären, um dann Griechenland zu überwältigen und den Orient zu erobern«.[201]


Quelle:
Jakob Burckhardt: Gesammelte Werke. Darmstadt 1956, Band 5, S. 166-202.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Griechische Kulturgeschichte
Griechische Kulturgeschichte - Band I
Griechische Kulturgeschichte (insel taschenbuch)

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Frau Beate und ihr Sohn

Frau Beate und ihr Sohn

Beate Heinold lebt seit dem Tode ihres Mannes allein mit ihrem Sohn Hugo in einer Villa am See und versucht, ihn vor möglichen erotischen Abenteuern abzuschirmen. Indes gibt sie selbst dem Werben des jungen Fritz, einem Schulfreund von Hugo, nach und verliert sich zwischen erotischen Wunschvorstellungen, Schuld- und Schamgefühlen.

64 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon