7. Die Demokratie und ihre Ausgestaltung in Athen

[202] Alle Herrschaft der Reflexion im Staatswesen drängt über kurz oder lang auf Gleichheit der Bürger im weitesten Umfange; auf wie viele Lebensbeziehungen sich diese Gleichheit ausdehnen werde, hängt von den Umständen ab. Von den frühern Staatsformen hatten das alte Königtum und die Aristokratie auf ursprünglicher Eroberung und selbstverständlicher Autorität beruht, die Tyrannis auf tatsächlichem Zugreifen, schon mit dem Anspruch das Interesse aller zu vertreten gegen die Wenigern. Nun wird man sich umzusehen haben nach solchen griechischen Staaten, bei deren Gründung bereits die Reflexion nicht nur tätig, sondern unvermeidlich das Bestimmende gewesen ist.

Dies waren die Kolonien. Hier erscheint zum erstenmal als eine Naturgabe des Hellenen das Vermögen zu bewußten, auf Berücksichtigung verschiedener Elemente und Kräfte beruhenden Neugründungen und Einrichtungen. Es geht nicht elementarisch und mit bloßer Gewaltsamkeit zu, sondern die oft so verschiedenen Bestandteile, aus welchen eine Kolonie entsteht, verlangen rechtliche Rücksicht. Hier erhält auch das Amt des »Gesetzgebers« einen neuen Sinn; wenn Theseus und Lykurg noch mythisch, d.h. Verdichtungen ganzer Zustände zu Personen gewesen waren, so treten jetzt einzelne, von ihrem Staat damit betraute Redaktoren von Verfassung und Gesetz auf, wie bei den Großgriechen Charondas und Zaleukos432, oder das Orakel von Delphi sendet in eine zerrüttete Kolonie einen Einrichter (καταρτιστήρ), wie z.B. nach Kyrene den Mantineer Demonax. Und zwar ist die Gesetzgebung jedesmal ein freier Akt, nicht bloße Übertragung einer gegebenen Schablone von anderswoher, mochte auch freiwillige Annahme des auswärts als richtig Erkannten vorkommen. Selbst wenn man nun die anfänglichen Verfassungen der Kolonien als bloße Notwerke und deren veränderte Gestalten als in Wirklichkeit vorwiegend unglückliche Schöpfungen preisgeben müßte, was nicht notwendig ist, so wären doch alle diese so zahlreichen Versuche Ausstrahlungen eines höchst merkwürdigen und mächtigen Willens. Die Religion, welche wohl anderswo bei Gründung von Staaten so kräftig mithilft, erscheint bei diesen völlig laienhaften Gründungen höchstens in zweiter Linie, mag auch der delphische Apoll die Stätte der Kolonie zuvor angedeutet haben. Was man auf das Panier schrieb, war »das Recht«, τό δίκαιον und Puteoli hieß ja Dikaiarchia.

Im Mutterlande aber wirkte dieselbe Kraft und Lust, jedoch hier im Sinne der Umgestaltung, und wandte sich unvermeidlich gegen die Aristokratien[202] und Tyrannien. Auf der Grenzscheide der Zeiten steht hier Athen mit Solon; er vermochte (seit 594 v. Chr.) dem ganzen Volke das Wahlrecht für den Rat, den Grundbesitzenden (welche tatsächlich noch weitmeist bisherige Adlige waren) die alleinige Wahlfähigkeit zu sichern, den beweglichen Besitz aber einstweilen von der Gleichberechtigung auszuschließen; der Volksversammlung sollten alle höchsten Entscheide bleiben433. Athens Ruhm ist, daß es nicht nur einen solchen Mann hervorgebracht, sondern ihm Zutrauen und wenigstens für die Zeit des Überganges Gehorsam geschenkt hat, und dies ist nur erklärlich, wenn man etwas voraussetzt, daß sich unsern Blicken entzieht: die innerliche Ausreifung, welche dieses hochbegabte Volk schon während der Eupatridenzeit, ja in dieser Kaste selbst muß durchgemacht haben434. Allerdings folgt jetzt erst mit Peisistratos und seinen Söhnen die Tyrannis, dann aber seit Kleisthenes eine Reihe rascher Umbildungen bis zur vollendeten Demokratie435. Und nun wird es wohlgetan sein, die Betrachtung vor der Hand auf Athen zu beschränken und die Demokratie des übrigen Griechenlands erst hernach folgen zu lassen.

Vor allem begegnet uns die klare Einsicht, daß es nicht genüge, die Masse der Bürger im allgemeinen zum Herrn des Staates zu erklären und es darauf ankommen zu lassen, ob sie sich wirklich regen wolle oder nicht. Mag auch das angebliche solonische Gesetz, daß in bürgerlichen Parteiungen bei Strafe der Atimie Keiner parteilos bleiben dürfe, nur ein frommer Wunsch gewesen sein436, – jedenfalls suchten die spätern Staatslenker die möglichste Beweglichkeit im Volke wachzuhalten; dasselbe hatte jetzt alljährlich den Rat der Fünfhundert (je 50 aus den jetzigen 10 Phylen) und ebenso das in einer Anzahl von Kammern sitzende Volksgericht der Fünftausend zu wählen, an welches nunmehr in allen Fällen appelliert werden konnte; vom Rat der Fünfhundert amtierten je 50 während 35 Tagen. Zugleich wurde die Bürgerschaft wieder aus Fremden und Metöken vermehrt und durch die Eroberung von Euböa ein neues Gebiet gewonnen, welches in 4000 Landlosen an dieselbe verteilt werden konnte. Wie weit Kleisthenes und seine Nachfolger hiebei Führer[203] oder bereitsA50 Geführte waren und nur gewährten, was man dem einmal geweckten athenischen Geist nicht mehr versagen konnte, mag dahingestellt bleiben. Wenn jeder Athener wirklich Bürger im vollen Sinne des Wortes war, dann paßte auch jeder in jede Behörde und Verrichtung, und, bei dieser Anschauung angelangt, führte man statt der Wahlen, namentlich für den Rat der Fünfhundert, das Los437 ein, womit denn jede Stetigkeit des Personals und die Ausbildung einer aparten Geschäftstradition vollkommen abgeschnitten wurde, samt allen Vorzügen und Nachteilen, welche daraus erwachsen können. Als Korrektiv aber, vielleicht auch im Bewußtsein, daß die schonA51 so stark aus Fremden und Metöken gemischte Bürgerschaft die nötige Sicherheit doch nicht darbiete, wurde eine Prüfung (δοκιμασία) der Ausgelosten für nötig erachtet und auch für die durch Wahl Ernannten eingeführt. Vor demselben Rate, dessen Mitglieder sämtlich diese Prüfung durchmachten, mußte der einzelne zu einem Amt durch Los oder Wahl Gelangte sich ausfragen lassen438 über Wandel und Charakter, Verhalten gegen Familie und Jedermann, Mitmachen der Kriegszüge, Unangefochtenheit von gerichtlichen Klagen usw., während nach Wissen und speziellen Fähigkeiten nicht im mindesten examiniert wurde. Antwortete man nicht genügend oder klagte jemand, so wies der Rat die Sache an einen der Volksgerichtshöfe oder entschied auch gleich selbst.

Gerne möchte man wissen, welches eigentlich bei der Vertreibung des Hippias und bei den Wirren, die sich an die Namen Kleomenes, Isagoras, Kleisthenes knüpfen, die treibenden Kräfte waren; jedenfalls kontrastiert die nunmehrige Zeit, sowie die Demokratie auf ihren eigenen Füßen steht, durch einen Hauptunterschied von der Peisistratidenzeit: damals hatte eine Regierung die Finanzen in den Händen, während es jetzt fähige Streber sind, welche es verstehen, den Staat für sich auszubeuten439. Neben diesen Menschen sticht dann Aristides so merkwürdig ab.

Und nun mag selbst ein Themistokles so groß und fähig gewesen sein, als man wolle, für ihn war vielleicht doch das Hauptresultat, daß er es[204] von 3 Talenten Erbe auf 100, wenigstens auf 80 brachte. Auch ging die Sache von Anfang an durch Cliquen; er war Mitglied eines politischen Vereins (ἑταιρεία)440. Und damit ging es in Athen weiter, so lange man irgend dessen innere Geschichte näher verfolgen kann. Für die Persönlichkeit des Themistokles aber fand schon Herodot eine zurechtgemachte Tradition vor. Athen hatte sich in seinen Zügen zum Teil selber geschildert: daher im Perserkriege jene glänzenden Ruchlosigkeiten mit patriotischer Grundabsicht und jene Einzelheiten, welche schon so deutlich an Alkibiades erinnern441. Gegen die Vornehmen hob er den Demos und füllte ihn mit Keckheit an, »indem die Macht an Schiffer, Leiter der Ruderer und Steuerleute gelangt war«, persönlich aber hielt er durch Brandschatzung solcher, welche im Kriege persisch gesinnt gewesen, eine aparte goldene Ernte. Man darf hiebei fragen, wozu er das viele Geld brauchen wollte und ob er nicht am Ende an einen Staatsstreich gedacht habe; denn daß es für ihn in der attischen Demokratie nicht ewig gut gehen würde, das mußte er schon aus dem Schicksal des Miltiades erkennen und den Ostrakismos hatte er schon selber gegen andere ins Werk gesetzt. Auch mußte er gewärtigen, daß die Hauptgrundlage seiner Popularität einmal versagte. Was ihm nämlich bei den Massen die stärkste Sympathie verschafft hatte, war vielleicht weniger noch die Anführung in den entscheidenden Schlachten, als daß er die Spartaner zu seinem Willen zu zwingen oder zum Besten zu halten vermochte. Nun aber konnte der Haß gegen diese einmal einen Stillstand erfahren, ja sie konnten Einfluß erlangen, und für diesen Fall konnte ihm der Gedanke nicht fern liegen, sich gegen ein Schicksal wie das, welches ihn wirklich erreicht hat, durch Ergreifung der Tyrannis zu schützen.

Eines scheint in Athen ganz unmöglich gewesen zu sein, nämlich die Einführung eines Systems, das Regierung durch Wenige mit Freiheit für alle verband, einer die Gleichberechtigung der Regierten voraussetzenden Oligarchie, der ὀλιγαρχία ἰσόνομος des Thukydides. Denn der Mißbrauch[205] der Gewalt wäre zu unvermeidlich gewesen, und Thukydides selber sagt: es bedürfe des demokratischen Regiments, damit die Armen eine Zuflucht und die Reichen einen Zügel hätten. Die Griechen haben nie bürgerliche Gleichheit mit politischer Ungleichheit zu verbinden gewußt. Der Arme mußte zu seinem Schutz gegen Unbill Mitstimmen, Richter und Magistrat sein können. Und bei der enormen Macht der Polis über das ganze Dasein mußte auch der Geringste um so viel dringender verlangen mit dabei zu sein442. So gerät denn die ganze Macht, welche früher Könige, Aristokraten oder Tyrannen besessen, jetzt in die Hände des Demos und wirdA52 von diesem nun zu einem weit größern Umfang, zu einem weit stärkern Druck auf Leib und Seele des Individuums getrieben, denn der Demos ist unruhiger und eifersüchtiger im Herrschen, und hier sind nun vor allem die Maßregeln zu betrachten, wodurch er sich des Einflusses talentvoller Individuen erwehrte, das Verfahren bei der Feldherrnwahl und der Ostrakismos.

Die Anführung im Kriege wurde bekanntlich, um ja keinen Einzelnen übermächtig werden zu lassen, an zehn jährlich gewählte Strategen gegeben, deren jeder die Mannschaft seiner Phyle kommandierte und welche täglich mit dem Oberbefehl wechselten443. Glücklicherweise gab dann bei Marathon Aristides das gute Beispiel, dem Miltiades allein die Anführerschaft zu überlassen; drei Menschenalter später aber, vor der Niederlage bei Aegos Potamoi, warnte Alkibiades umsonst: die Spartaner seien ein Heer unter Anführung eines Einzigen444. – Ferner wurde, dem Vorgeben nach zu ewiger Verhinderung der Tyrannis, der Ostrakismos eingeführt, indem jeden Winter der Rat das Volk anfragte, ob Grund zur Verbannung eines Bürgers vorhanden sei445; wer über 6000 Stimmen gegen sich hatte, mußte auf zehn, wenigstens auf fünf Jahre das Land meiden, in Zeiten, da der Aufenthalt außerhalb der Vaterstadt gar nicht ohne Gefahren und die Verbannung der Todesstrafe gleichgesetzt war. Alle ausgezeichneten Athener des V. Jahrhunderts haben einmal diesen Weg gehen müssen, oder es hat ihnen dies wenigstens gedroht, und auch eine Anzahl[206] von obskuren. »Die Gedanken der Leute von Einfluß sollten demütiger werden im Hinblick auf das drohende Exil«, eine Sorge, welche ja noch den Perikles so lange scheu hielt446. Hier äußert sich der ewige Haß – nicht des Pöbels; denn die Volksmasse denkt oder fühlt eher für den Großstreber, wenn man sie nicht künstlich aufhetzt – sondern der impotenten Eitelkeiten gegen das Seltene und EinzigeA53, der Ostrakismos ist eine Erfindung der Strebermasse. Das athenische Volk ist töricht genug gewesen, die Verantwortung für deren Treiben auf seinen breiten Rücken zu nehmen; wir aber tun der Sache zu viel Ehre an, wenn wir sie pathetisch nehmen und statt aus dem Neide aus wirklicher Besorgnis vor dem Betreffenden erklären447; nur hat freilich, so lange die Welt steht, die Mediocrität keinen so vortrefflichen Einfall mehr gehabt, sie verschanzte sich förmlich hinter einem Volksgefühl, und so trat denn der Ostrakismos ein, sobald sich an jemanden das öffentliche Zutrauen zu hängen begann, welches in diesem Staate systematisch ausgeschlossen war, bis man es den Demagogen blindlings gewähren lernte. »Der Demos, hochmütig wegen des (marathonischen) Sieges und sich selbst über alles setzend, zürnte denjenigen, welche Namen und Ruhm hatten über die Menge hinaus. Der Ostrakismos war nicht eine Züchtigung begangener Schlechtigkeit, man bezeichnete ihn schicklichkeitshalber nur als Erniedrigung und Züchtigung des Stolzes und eines zu sehr ins Gewicht fallenden Einflusses; er war eine schonende Befriedigung des Neides«, sagt Plutarch448 bei Gelegenheit der Verbannung des Aristides mit Recht. Erst, als durch die häufigere Anwendung der Atimie mit ihren Abstufungen gegen jede Gattung von Verhaßten und durch die eigentlichen Racheakte der Polis gegen die Einzelnen viel geschwindere Mittel einen Bürger loszuwerden in Gebrauch gekommen waren, verzichtete der Demos noch im V. Jahrhundert auf dies in seiner Art doch ungefüge, allzu feierliche Werkzeug der Macht449.

Sehr zur rechten Zeit, zumal noch früh genug, kamen dannA54 die Perserkriege. Die athenische Demokratie schien ihre Probe abgelegt, ihre unzerstörbare Weihe erhalten zu haben, indem bei Marathon ihre Hopliten, bei Salamis ihre Seeleute über die Perser gesiegt hatten, und vollends, als an diese Siege sich eine Hegemonie über andere Griechenstaaten anschloß450. Vor allem schien die Macht zur See wesentlich mit der[207] Demokratie verschwistert, und im Piräus war man noch demotischer gesinnt als in der Stadt451. »Es ist ein mächtiges Ding um die bürgerliche Gleichheit«, sagt Herodot, »unter ihren Tyrannen waren die Athener keinem ihrer Nachbarn im Kriege überlegen und wurden, als sie jene losgeworden, bei weitem die Ersten452

Aber nicht bloß der Demos war zu einem glänzenden Gefühl seiner Macht gekommen; die reiche athenische Naturanlage und die außerordentlichen Zeiten trieben trotz aller Einrichtungen des Mißtrauens auch mächtige Individuen empor. »Oberhäupter kann die demokratische Republik noch weniger entbehren als die oligarchische, aber ebensowenig ertragen«453. Miltiades starb im Kerker, Themistokles aber, nachdem er mit Athen ein Spiel gespielt, das noch heute den Leser seiner Geschichte mit Schwindel erfüllt, endete als Gast des persischen Großkönigs. Allein die Ausweitung und Befestigung der Hegemonie und die kühnsten Flottenzüge bis nach dem gegen Persien empörten Ägypten gingen ihren Gang weiter. Und dies alles lag auf den Schultern von 20 bis höchstens 30000 Bürgern, welche sich mehr und mehr dem öffentlichen Leben mußten hingeben können, während die Arbeit den Metöken und den (3-400000?) Sklaven oblag. Daher die Einführung des Kriegssoldes, indem ja Heer und Flotte nicht bloß die Hegemoniestaaten (welche ihr Kontingent in Geld bezahlten) zu decken, sondern Athen als Macht überall und zu jeder Stunde zu vertreten hatten; – der Richtersold, indem man nicht die Vermögenden zu Richtern haben wollte, und Athen jetzt das Tribunal auch für die Rechtsfälle der Bundesgenossen wurde, so daß manchen Tag beinahe ein Drittel der Bürger zu Gerichte saß; – der Volksversammlungssold, denn das ganze innere Getriebe, wie die auswärtige Politik dieser Macht war Sache eines öffentlich beratenden Volkes geworden454; wenn gleich etwa ein populärer Staatsmann auf Geheimnisse hindeuten und von gewissen Geldern sagen durfte, man habe sie »für notwendige Zwecke« (Bestechungen in Sparta u. dgl.) verwandt. – Der[208] schädlichste Sold aber war das Theorikon (Schaugeld), welches an die Bürger verteilt wurde teils zur Feier der Feste und Spiele, teils um ihnen das Eintrittsgeld in das Theater zu erstatten, teils für Opfer und öffentliche Speisungen. Die Verschwendung war dabei verhältnismäßig nicht geringer als die der üppigsten Höfe, und später sind Kriege aus Geldmangel verloren gegangen, weil dieses Heiligtum unangetastet bleiben mußte. »Das athenische Volk ist ein Tyrann und die Theorikenkasse sein Privatschatz, der immer gefüllt sein soll, um daraus seine Lüste zu befriedigen«455. – Außerdem gab es für viele Tausende von athenischen Bürgern (auch wohl für solche der Hegemoniestaaten) neue Landlose, wie anfangs auf Euböa, so nun in einer Anzahl von sonstigen Kleruchien, d.h. auserlesenen Außenposten der athenischen Macht, ähnlich den römischen Militärkolonien, in welchen man ebenfalls römischer Bürger blieb. Dazu kam noch, daß Athen mit den herrlichsten Bauten und Kunstwerken geschmückt und zugleich das Zentrum eines sehr großen Geschäftes wurde456.

Perikles, welcher schon das Meiste von dem Angeführten zu verantworten hat, schildert in der weltberühmten Leichenrede457 auf die ersten Opfer des peloponnesischen Krieges das athenische Dasein so, als wären hier Macht und Lebensschönheit wie eine Blume von selber gewachsen, als würde, was andern Sterblichen Beschwerde macht, hier leicht und wie selbstverständlich erledigt. Dieser Optimismus übt, zumal aus der Ferne von Jahrtausenden gesehen, eine um so größere Täuschung, als er klug und diskret auftritt458. Jene so kurzen Jahrzehnte der vollen athenischen Herrlichkeit haben ja zum Frommen aller spätern Zeiten einmal erlebt werden müssen, nicht nur damit das Edelste diesmal geschaffen, sondern noch mehr, damit ein Maßstab gewonnen würde für das, was der griechische Geist überhaupt vermöge, aber die nachträglichen frommen Wünsche, daß es noch recht lange hätte so bleiben sollen, sind völlig eitel, denn der allgemeine Zustand war ins Unmögliche geschraubt, und jede Veränderung konnte kaum anderes als Verderben bringen. Fürs Erste hatten die Athener nicht nur ihre sehr wirklichen Qualitäten und Fähigkeiten, sondern auch ihre bösen Leidenschaften, und Perikles war gezwungen, neben seiner Art von »Erziehung« auch ihre Gier – nicht zu[209] stillen, denn dies war nie möglich, sondern mit Genüssen jeder Art hinzuhalten. Wäre er reich gewesen wie Kimon, so hätte er sein eigenes Vermögen aufgewandt, so aber mußten die öffentlichen Mittel hiezu gebraucht werden459. Außerdem wandte sich der furchtbar gesteigerte Ehrgeiz der Athener460 unvermeidlich gegen ihre Erzieher selbst und suchte ihnen vorauszulaufen, und Perikles selbst, in seiner letzten Zeit von allen Seiten angefochten, hat eben doch den Ausbruch eines allgemeinen hellenischen Krieges allermindestens wünschbar461 finden müssen, denn die Jahre waren vorüber, da er hatte können »den Übermut der Leute herab und ihr Zagen heraufstimmen.« Ferner waren die Bürger von den vielen Volks- und Gerichtsversammlungen her (dem ἐκκλησιάζειν καὶ δικαζειν) offenbar nervös geworden, denn die beruhigende Kraft der täglichen Arbeit fehlte den meisten. Gerade z.B. derjenige Beschluß der Volksversammlung, welcher im Grunde den Krieg unvermeidlich machte, zugunsten der Kerkyräer gegen die Korinther (als die Gesandten beider vor dem Demos auftraten) war eine Äußerung der unruhigen Schlauheit in einem Augenblick, da eine Vermittlung noch leicht undA55 ruhmreich hätte sein können. – Sodann war es ein Widersinn von derjenigen Art, welche sich immer rächt, daß eine Demokratie über andere Poleis herrschen wollte462, wie Athen über seine Hegemoniestaaten; denn diese empfanden mit der Zeit ihre Abhängigkeit und Ausbeutung schon deshalb auf das Bitterste, weil Athen mit ihrem Gelde nicht nur mächtig war – denn dies hätten sie sich müssen gefallen lassen – sondern sich prachtvollA56 schmückte und dabei sich so erstaunlich laut machte, während sie zu schweigen hatten. Man braucht nur Perikles selber in seiner zweiten Rede463 anzuhören: ja wir sind verhaßt wie alle, die je sich unterfangen haben über andere zu herrschen, und um großer Ziele willen muß man sich entschließen können, beneidet zu sein; unsere Herrschaft ist tatsächlich eine Tyrannis, aber wenn es unrecht scheint, eine solche ergriffen zu haben, so steht es jetzt gar nicht mehr bei euch, darauf zu verzichten, denn dann käme über euch die Rache. Wie drückend diese[210] Herrschaft auf den Untergebenen lastete, berichtet mit erschreckender Deutlichkeit die Schrift vom Staate der Athener464. Auch in der Hegemoniefrage war eben, wie im ganzen athenischen Treiben, mit dem alles dürfen begonnen worden; dann erzog man das Volk zum Glauben, daß es durch Kraft und Talent alles könne, und zuletzt war man dabei angelangt zu müssen. Wenn man aber bei den eigenen Hegemoniestaaten so angeschrieben war, dann konnte auch aus dem panhellenischen Projekt des Perikles465 nichts werden, in welchem man den sonst so klugen Realpolitiker gar nicht wiedererkennt. Ein Kongreß aller europäischen und asiatischen Griechenstaaten in Athen »zum Zwecke des Friedens und gemeinschaftlichen Handelns« lautet schön und ist angenehm näher auszumalen, blieb aber unvermeidlich ein frommer Wunsch, weil Sparta, wie vorauszusehen war, sich widersetzte. Und Sparta mußte bereits Jahr um Jahr bestochen werden, wenn man nur überhaupt einen offenen Kampf verzögern wollte; daß es dann beim Ausbruch des Krieges die größerenA57 Sympathien bei den Hellenen für sich hatte, wird offen zugestanden466.

In diesem Kriege hat Athen unendliche Schätze ausgegeben, nicht bloß an Geld, sondern an fähigen, aufopfernden, tapfern Menschen467, indem die Einzelnen mit voller persönlicher Leidenschaft gekämpft haben müssen. Aber nach eben dieser Leidenschaft erkor sich Athen auch seine Demagogen, wie z.B. Kleon, der den Richtersold verdreifachte, um das arme Volk davon leben zu lassen und es für sich zu haben, daneben aber aus tiefer Verschuldung zu einem Privatvermögen von 50 Talenten gedieh468. Der gute Geschmack hatte aufgehört, über das Emporkommen dieser Leute im mindesten zu entscheiden469. In der Folge wird dann freilich Athen verzaubert durch seinen glänzenden Alkibiades; in ihm und in seiner sizilischen Expedition kommt erst das ganze innere Fieber dieses hochbevorzugten Volksorganismus zum Ausbruch, pathologisch eins der merkwürdigsten Schauspiele der ganzen Weltgeschichte. Den Ausgang des Krieges bildete dann jene entsetzliche Episode der Unterwerfung durch Sparta und der dreißig Tyrannen.

Die innere Bewegung, welche in den einzelnen Staaten diesen Krieg begleitete, war zu furchtbaren Kämpfen zwischen den Demokraten und[211] den noch vorhandenen »Mächtigen« (δυνατοί), Aristokraten oder Reichen ausgeschlagen und auch in Athen erhob sich nun hierüber ein letzter Kampf. Hier hatten sich seit den Zeiten des Themistokles (vgl. S. 220) bei allen Parteien und in der Umgebung aller Hauptführer Klubs oder Hetärien gebildet; zur Zeit der vollen Macht des Perikles schienen sie verschwunden, jetzt wachten sie wieder auf und scheuten kein Mittel. In denjenigen Vereinen, welche dann als sogenannte Oligarchen auftraten, taten sich vor allem die durch Verarmung, Ausbeutung und völlige Machtlosigkeit Bedrohten zusammen, zum Teil Leute aus den Familien des frühern Adels, zum Teil nur Besitzende, welche sich retten wollten; bei den Begabtern ist es auch der ursprüngliche Rasseglaube, der Wille, im Staat wieder zur Geltung zu gelangen; den geringsten Anteil hatte wohl die verarmte Genußsucht, die Sophistik aber, welche man mitverantwortlich macht, gab höchstens etwa zum schon Vorhandenen die Formel her, wie ja das Benehmen der Mächtigen von Sparta, welches keinen Sophisten ins Land ließ, so ruchlos war, als das der schlimmsten Athener. Daß man die Maske des eifrigen Volksfreundes vor sich nahm, geschah teils zur Sicherung, teils um die Demokratie durch die heftigsten Vorschläge in Verwirrung zu treiben470. Einer Fusion sämtlicher antidemokratischer Klubs gelang bereits 411 v. Chr. auf die gewalttätigsten Mittel hin die Einführung einer wesentlich oligarchischen Verfassung, welche freilich nur wenige Monate Bestand hatte. In den nächstfolgenden Jahren finden wir dann die athenischen Oligarchen völlig ausgereift zu den äußersten Entschlüssen und Handlungen471. Die Demokratie, als sie seit Kleisthenes alles wie selbstverständlich nach ihrem Sinne umgestaltete, hatte vergessen, daß diese Gegner auch Griechen, d.h. ebenfalls zum Unbedingten bereit waren; während manche davon vielleicht gerne weggezogen wären472, hatte sie gegen die Auswandernden[212] eine ähnliche offizielle Entrüstung, wie die französische Revolution gegen die Emigranten; daß sie die Fähigen jeder, auch ihrer eigenen Partei bisA58 zur absoluten innern Unabhängigkeit erzog, wurde ihr vielleicht erst an Alkibiades klar. Die (wohlbemerkt äußerst zahlreichen) Oligarchen aber, indem sie (405 v. Chr.) den letzten Widerstand gegen Lysander brechen halfen, beförderten aus allen Kräften die Niederlage der Vaterstadt473, weil jeder Sieg derselben doch nur ein Sieg des Demos gewesen wäre; sie hatten sich vertraut gemacht mit dem Problem, ein ungewerbliches, vom beweglichen Besitz unabhängiges, von der See abgewandtes Athen zu schaffen. Nach der Übergabe bemächtigten sie sich auf die bekannte Weise der Regierung und erhoben den Terrorismus der dreißig Tyrannen, welcher sich neben 1500 Hinrichtungen auch als ein großer Besitzwechsel ankündigte. Disziplin zu halten unter diesen Herrschern war wohl nicht leicht; man hatte einander in den vorhergehenden Zeiten viel zu genau kennen gelernt, um jetzt völlig als Einheit zu handeln, und Theramenes suchte einen Ausweg nach der Seite der Konzessionen hin; aber hier traf er auf den Unbedingten im vollen Sinne des Wortes, auf Kritias, der ihn stürzte und umbringen ließ. Aus den Reden, welche sie noch wechselten474, lernt man noch einmal die Hellenen kennen: die Herrschaft ist ihnen das Größte, wer aber den Zweck will, der muß auch die Mittel wollen, und über diese herrscht bei Kritias eine schauerliche Klarheit. Sein Wort an die Hopliten der Tyrannen bei einem andern Anlaß475 ist das echte Motto jeder griechischen Partei: daß alle das Gleiche hoffen und das Gleiche fürchten müssen. – Nach der Restauration der Demokratie (403 v. Chr.) gab es in Athen wohl noch immer oligarchisch Gesinnte, aber nie mehr etwas, das sich hätte als oligarchische Partei geltend machen können, und die weitern Angriffe galten dann wesentlich den Besitzenden als solchen.


Das formale Leben im athenischen Staat bietet nach dieser Krisis in den meisten Beziehungen denselben Anblick wie vorher, so daß auch die Betrachtung desselben kaum eine Trennung nach Zeiten verträgt; die großen Unterschiede liegen mehr in der innern Beschaffenheit und in der äußern Position der Athener vor und nach diesem Zeitpunkt. Daß Athen im Kriege völlig unterlegen war, erscheint noch wie ein kleineres Unheil daneben, daß die klaffenden Lücken, welche derselbe allmählich[213] in der Bürgerschaft hervorgebracht, mit viel geringerm Stoffe wieder ausgefüllt wurden. Und nun schlotterte der Königsmantel, welcher dem vormaligen, über eine ganze Hegemonie herrschenden Demos gepaßt hatte, um eine magere und eingesunkene Figur, und weil man keine Bundesgenossenprozesse mehr zu entscheiden hatte und doch an das ewige Richten gewöhnt und nach Art Geschlagener voll von Verdacht war, so richtete man jetzt um so viel mehr Athener; eins der ersten Opfer aber hieß Sokrates.

Die einzelnen Einrichtungen und Behörden des attischen Staates dürfen hier übergangen werden. Bei der Muße, die man genoß, war es leicht, Stellen, Kollegien und Kommissionen, sowohl vorübergehende als bleibende, für alles mögliche zu schaffen. Aber die alten Ägypter und Phönizier möchten wohl besser und genauer funktioniert haben! denn die Menge der Geschäfte, welche die Folge des grenzenlosen Accaparierens aller und jeder Entscheide war, mußte zu einer ebenso großen Unordnung führen476; und nun gewann unvermeidlich neben den stets wechselnden, ausgelosten Mitgliedern solcher Behörden der einzige ständige und geübte Beamte, der Sekretär (γραμματεύς ὑπογραμματεύς) mit dem wirklichen Geschäft auch den größten Einfluß; dieser war aber oft nur ein Staatssklave. In solche Abhängigkeit von seinen Schreibern ist das alte Venedig niemalsA59 geraten477. Natürlich erließen die Athener, die in späten Korrektiven des unrichtig Angefangenen sehr geübt waren, ein Verbot: nie mehr solle das nämliche Individuum zwei Jahre nacheinander bei der nämlichen Behörde als Schreiber gebraucht werden. Allein man kann hier gar zu oft nicht wissen, ob ein Gesetz auch ausgeführt worden ist, wegen des unglaublichen Gehenlassens in allen denjenigen Angelegenheiten, die nicht durch einen bestimmten Treiber in Fluß gehalten, und vollends in solchen, die durch Intriganten verzögert wurden. Es lohnt der Mühe zu erfahren478, wie es bei der hochwichtigen Kodifikation der Gesetze zuging, der solonischen und der äußerst zahlreichen, zum Teil in ihrer Geltung streitigen, welche seither erlassen worden.

Bekanntlich fehlte es in Athen nicht an weisen alten Gesetzen, welche mit Gerühm zitiert werden479; allein gerade an Übertretungen zweier der wichtigsten, nämlich daß kein Gesetz gegen einen Einzelnen dürfe[214] erlassen werden, wenn es nicht zugleich für alle Athener Geltung habe, und daß kein bloßer Beschluß, weder des Rates noch des Volkes, den Vorrang vor einem Gesetze haben dürfe, ist die athenische Geschichte reich. Sie mochten sukzessiv in den Stoen aufgeschrieben480 oder auf Stelen eingeschrieben sein, man erwies ihnen bisweilen schon materiell eine geringe Achtung. Wenn sich Peisthetairos in den Vögeln des Aristophanes (V. 1054) sehr Unsauberes gegen eine solche Stele erlaubt haben soll, so hat ein neuerer Herausgeber mit Unrecht beigefügt: »Der Pöbel habe es oft so gemacht«; denn Peisthetairos ist ein angesehener Athener. Daneben liefen die alten Redensarten natürlich weiter: die Gesetze kämen von den Göttern – und gewiß waren ja ursprünglich Gesetz und Recht mit der Religion untrennbar verbunden gewesen. Auch stammten einzelne Rechtsgrundsätze deutlich aus uralter Zeit, weil sie mit dem Interesse der sonst so tyrannischen Polis, ja mit der ordinären Billigkeit kollidierten (Vererbung des Hauses nach Erstgeburt, Unveräußerlichkeit des Grundstückes, Erbausschluß der Töchter und der Cognaten usw.). Auch galten ja die Gesetze, weil göttlichen Ursprungs, für unveränderlich. Noch Antiphon481 wagt zu sagen: Bei uns sind die Gesetze sehr alt, stets dieselben über dieselben Dinge, was ein Hauptzeichen von trefflich beschaffenen Gesetzen ist, indem ja sonst Zeit und Erfahrung lehren, was ungeeignet ist. Aber, wenn man die Gesetze nicht aufhob, so setzte man doch allmählich neue daneben und ließ es auf den Widerspruch ankommen482. Vor Gericht wurden völlig widersprechende geltend gemacht, und zuletzt wurde der Übelstand so schreiend, daß eine Kodifikation unerläßlich schien. Aber gerade dieses Geschäft geriet von Kommission zu Kommission (411 v. Chr.) an einen jener Routiniers, den im Sklavenstand geborenen Nikomachos, der die Sache nicht nur Jahr um Jahr verschleppte, sondern wirkliche Gesetze ausstrich und falsche fingierte, beides um Geld. Bevor man ihn zur Rechenschaft ziehen konnte, brach mit Aegos Potamoi das Unglück über Athen herein. Nach der Herstellung des Staates wurde wiederum ein größeres Kollegium und ein Ausschuß für die Kodifikation ernannt, und durch starke Protektoren483 kam alles noch einmal wesentlich in die Hände des Nikomachos, welcher abermals vier Jahre zögerte und in seinem besondern Fache, den Kultussachen,[215] sich durch ersonnene Gesetze über neue prächtige Opfer populär zu machen suchte, so daß hernach der Ankläger sich noch sehr verwahren mußte, damit ihm jener nicht einen Vorwurf auf Asebie an den Kopf werfe. Der Ankläger schließt: »Alle welche Staatsdiebstahl vorhaben, warten auf den Ausgang des Prozesses; straft ihr diesen nicht, so werden jene sehr frech werden.« Der Ausgang freilich wird nicht gemeldet; welches derselbe aber auch gewesen sein möge, der bisherige Verlauf genügt zu einem Urteil über athenische Geschäftsbehandlung.

Um so genauer war Athen in bestimmten Ansprüchen an bestimmte Bürger, nämlich an die Reichen oder für reich Geltenden. Über die Idee der griechischen Polis, welche, wie oben (S. 80) dargetan wurde, ein fest geschlossenes Ganzes bildete mit unbedingtem Recht über den Einzelnen, wäre gar nicht zu rechten, wenn nicht damit der menschlichen und auch der griechischen Natur zu viele Gewalt wäre angetan worden. Der Mensch unserer Rasse wenigstens, sobald er aus der Barbarei auftaucht, verlangt neben dem Staatswesen und der Öffentlichkeit noch ein besonderes Dasein, ein ungestörtes Heim und einen unabhängigen Kreis von Gedanken und Gefühlen. Den Spartanern war es bis zu einem gewissen Grade gelungen, den Menschen der herrschenden Kaste zu einem bloß politischen Wesen zu machen, anderswo dagegen und ganz besonders in Athen, hatte die Polis, indem sie den Einzelnen vorwärts trieb, zugleich die stärkste Entwicklung des Individuellen befördert und die Erwerbung von Privatbesitz und die davon bedingte Anschauung auf jede Weise begünstigt. Nun verlangte der Demos in hohem Grade den Mitgenuß dieses Reichtums in Gestalt von Leistungen der verschiedensten Art, und bis gegen den peloponnesischen Krieg hin war es eine Sache teils der wirklichen Hingebung, teils der Ambition sich liberal zu zeigen. Kimon machte sich seinen Reichtum auf alle Weise verzeihen484; Kleinias, der Vater des Alkibiades, kämpfte bei Artemision auf eigenem Schiffe mit, das er mit 200 Mann in seinen Kosten bemannt hatte485. Allein mit den schlimmern Zeiten486 begann eine eigentliche Ausbeutung, die als solche empfunden wurde, wie wir aus einer Menge von Aussagen erfahren, und die nur deshalb möglich war, weil der Besitzende die Polis[216] nicht verlassen konnte487, und weil auch, wenn er entrann, draußen dieselben oder noch größere Gefahren auf ihn warteten488.

Hätte es sich nun bei solchen Leistungen (Leiturgien) nur um Bedürfnisse des Staates gehandelt, so wäre darüber im Sinne des Altertums kein Wort zu verlieren, allein abgesehen von den eigentlichen, oft sehr hohen Steuern489 gehörte hieher bloß die Trierarchie (die je nach den Zeiten sehr verschiedene Verpflichtung zur Ausrüstung von Schiffen); alles Übrige war entweder eine nicht immer ganz freie Benefizenz: Ausstattung ärmerer Bürger im Kriege und ihrer Töchter zur Ehe, Übernahme von Begräbniskosten usw., oder es diente rein zur Ergötzlichkeit des Volkes: vor allem die Choregie, d.h. die vollständige Übernahme des Chores für Schauspiele und der lyrischen Chöre für die Gottesdienste und Feste samt Tänzern, Flötenspielern usw.; ferner die sog. Gymnasiarchie und deren kostspieligste Gattung, die Lampadarchie, ja aller Aufwand für Agone jeder Art; sodann Festgesandtschaften nach fernen Heiligtümern; endlich die Bewirtung zahlreicher Genossen der Phyle oder des betreffenden Demos. Auf Freiwilligkeit ließ man es hiebei durchaus nicht ankommen und diesmal auch nicht auf das Los, vielmehr wählten die zehn Phylen die betreffenden Mitbürger aus, und diese mußten in einer bestimmten Reihenfolge sowohl die alljährlich wiederkehrenden als die außerordentlichen Leistungen übernehmen. Der Versuch, diesen aus dem Wege zu gehen, war nicht rätlich und im peloponnesischen Kriege zitterten die Wohlhabenden vor dem Hasse, welchen ihnen eine Ablehnung der Ausbeutung zuziehen könnte. Als Nikias das sizilische Projekt bekämpfte, hatte er weder viele noch angesehene Mitstreiter, denn die Besitzenden, aus Furcht, es möchte das Ansehen haben, als wollten sie den Leiturgien und Trierarchien entrinnen, hielten sich gegen ihre Überzeugung stille490. Freilich sollten eigentlich nur Leute von mindestens drei Talenten in Anspruch genommen werden, und wenn man zur Not von einem Talent (= 6000 Drachmen) leben konnte, indem das Vermögen sich im Durchschnitt zu 12 Prozent verzinste, wenn ferner die Choregie einen reichen Mann jährlich kaum 1200 Drachmen kostete491, und man mit einem Kapital von etwa 15 Talenten für reich galt, so waren diese[217] Lasten, wenn sie sich nicht zu sehr häuften, noch nicht unmittelbar ruinös; allein sie wurden es, sobald man sie unredlich und willkürlich auferlegt bekam. Lange Zeit hielt daneben noch die ererbte Anschauung vor, daß es sich um eine Ehrensache handle, und Gunst bei den Mitbürgern galt wenigstens als nicht leicht entbehrlich, so daß sich viele über Vermögen anstrengten; wer (wie Plato) die Mittel zu einer Choregie nicht hatte, ließ sich dieselben eher von reichen Freunden schenken, als daß er sich derselben entzogen hätte; wer aber reich war und mit einer Choregie gesiegt hatte, baute etwa für den ihm als Preis zuerkannten Dreifuß erst noch ein prächtiges Sacellum an der Dreifußstraße. – Im Ganzen jedoch hat es in allen Zeiten und bei allen Völkern sein Bitteres gehabt, für das Vergnügen anderer Opfer bringen zu müssen492.

Man kann nun sagen: das Geld, welches die Betreffenden sonst doch nur für ihr Privatwohlleben würden aufgewandt haben, sei großenteils in Gestalt hoher Kunstgenüsse des ganzen Volkes ausgegeben worden, und dies mache den Athenern große Ehre; allein der Zwang nahm den Dingen die Weihe. Der athenische Staat hatte die Macht, den einzelnen Besitzenden und Erwerbenden für die (immerhin nur sehr bedingte Sicherheit, die er ihm gewährte, nach Belieben zu taxieren493, allein dieser Staat war in die Hände eines sehr launenhaften und begehrlichen Demos gefallen, welcher mit der Zeit auch die Bezahler der höhern Steuern einfach bezeichnete und sogar unmittelbare Geldverteilungen ans Volk sehr demokratisch fand. Mit der Verschwendung für das Vernügen ging ohnehin der Staat voran, und zur Zeit des Eubulos (seit etwa 353 bis 339 v. Chr.) wurden die Festgelder zum Hauptposten des ganzen Budgets und als solcher gesichert durch Todesandrohung gegen den Ersten, welcher deren Verwendung zu Kriegszwecken beantragen würde. Und selbst in Athen wird dabei der Masse mehr an einem bestimmten Grade des Pompes als an der edeln Kunstform solcher Genüsse gelegen gewesen sein494. Doch wir kehren zu den Privatleistungen zurück.[218]

Um die »armen reichen Leute« und deren Heimsuchung im Einzelnen kennen zu lernen, würde es genügen, das ironische Mitleid des Sokrates mit Kritobulos495 anzuhören. Nachdem alles aufgezählt ist, was dieser duldet, heißt es: »und wenn nur etwas ungenügend geleistet scheint, so strafen dich die Athener, als hättest du ihnen das Ihrige gestohlen.« Den köstlichsten Humor des durch Verarmung frei und glücklich Gewordenen atmet die Rede des Charmides in Xenophons Gastmahl (IV, 29 f.)496. Aber von der sehr ernsten Seite lernt man diesen ganzen Zustand bei den Rednern kennen. Was für Menschen die Untersuchung und den Entscheid über die Leistungen in die Hände bekamen, wird weiter zu erörtern sein; hinter dem Prozeß aber lauerte die Konfiskation des ganzen Vermögens, welches teils an den Staat, teils an die Denunzianten kam und – unabhängig von allem Recht – bereits als wünschenswerte öffentliche Einnahme galt. Schon in der einzigen neunzehnten Rede des Lysias497 treten so manche lehrreiche Figuren vor uns auf: der patriotische Phantast, welcher einA60 ganzes Leben lang seine Habe ans Öffentliche weggeworfen hat und als Veranlasser eines unglücklichen Kriegszuges hingerichtet worden ist; seine Familie, welche wegen Unterschlagung prozessiert wird, weil sich bei der Konfiskation nicht so viel vorgefunden hat, als die Räuber erwarteten; ein zweiter, der teils unmittelbar für die Polis an Choregien und Trierarchien, teils wenigstens zu deren Ruhm durch Rennsiege an Isthmien und Nemeen doppelt so viel ausgegeben hat, als die Seinigen jetzt besitzen; dessen Sohn, welcher beweisen muß, daß der Vater eine eingegangene Familienverbindung mit jenem Verurteilten eigentlich gar nicht und am wenigsten aus Geldabsichten gesucht habe, wobei den Richtern noch eine Reihe anderer Familienentschlüsse geoffenbart werden, zum Beweise, daß man überall hätte reicher heiraten können; endlich eine ganze Anzahl für reich geltender Athener, welche mit sehr viel geringerm Nachlaß, als man glaubte, ja ganz arm gestorben sind, wobei auch die Häuser des Nikias und Kallias erörtert[219] werden; denn: »wir täuschen uns stark über Altreiche wie über Neureiche«. Die Neigung zu Konfiskationen als Einnahmsquelle498, das Bedürfnis der Staatskasse »bei jetzigem Geldmangel« wird offen besprochen, aber unter den sanftesten Bitten um Schonung und um Erwägung, wie wenig im vorliegenden Falle zu holen wäre.

Die Herrschaft der dreißig Tyrannen war im Prinzip und in den Hergängen schrecklich gewesen, aber die Manieren des frühern Athen, wie sie sich sofort nach ihrem Sturze herstellten, waren der Art, daß für die Tyrannen doch noch ein Schimmer von Rechtfertigung herauskommt. Der einzige Lysias beleuchtet diesen scheußlichen Zustand zur Genüge. »Dies war's (konnten die überlebenden Anhänger der Tyrannen sagen), was wir auf ewig unmöglich machen wollten, und jetzt ist es wieder da«. Dinge wie diese Ausbeutung gehn aber eine Zeitlang ungestraft ihren Gang, bis man eines Tages inne wird, daß man einen Boden gefunden hat. Vielleicht von der makedonischen Zeit an werden selbst die Panathenäen sich wieder der Einfachheit befleißigt haben. Später war Athen offenbar arm und lebte von den Fremden. Der Grund aber davon, daß der Demos sich dieses Treiben gestattete, liegt nicht weit ab. Nämlich dasjenige Volk in Athen, welches von der ehrlichen Arbeit abgewandt und an lauter Volksversammlungen und Gerichthalten gewöhnt war499, unterlag einer völlig verdrehten und lüsternen Phantasie, so wie ein Tagedieb immer an das Essen denkt; es malte sich die Habe der Opfer, die mögliche Beute nach seiner Gier aus. Daß andere sich den Steuern und Lasten oft auf ungerechte Weise entzogen und von sich abwälzten, was sie konnten, versteht sich von selbst; sie waren ebenfalls Athener und wagten bei ihrem Betrug und ihren falschen Zeugen auch etwas; im Großen und Ganzen aber wird man die Schuldigen in den Verfolgern erkennen und daher zunächst das so gerne zur Strenge neigende Volksgericht, (die in zehn Abteilungen sitzende Heliäa) ins Auge zu fassen haben. Die Athener lagen demselben mit um so viel größerm Eifer ob, seit Kleon den Richtersold verdreifacht hatte, was überhaupt einer der stärksten Schritte abwärts gewesen war. »Die Grillen500 singen einen oder zwei Monate auf den Zweigen, die Athener aber zirpen ihre ganze Lebenszeit über den Prozessen.«

Statt aller Antiquitäten könnte es hier hinreichen, den aristophanischen Philokleon501 reden zu lassen, welcher die annehmlichen Seiten seines Richteramtes[220] so vergnüglich hervorhebt. Hier haben wir die Gewißheit, daß jeder einzelne Zug aus dem wirklichen Tun entnommen ist, und daß dieser entsetzliche Philister in tausenden von Exemplaren vorhanden war: glücklich, sich gefürchtet und von jammernden Verklagten und deren Angehörigen umgeben zu finden; von der Verhandlung wie von einem kunstreichen Schauspiel unterhalten, da ihm die Unglücklichen und Bedrohten schmeicheln und sogar Possen vormachen müssen; sich weidend an der verantwortungslosen Willkür und dem Schrecken, welchen er verbreiten kann. In der Tat war es noch nicht das Schlimmste, wenn statt des bloßen Vorteils in der Heliäa wenigstens Zorn oder Mitleid entschied, oder die Beredsamkeit der Parteien, (welche in Person plaidieren mußten) oder die des Redenschreibers, der ihnen das Plaidoyer verfaßt hatte. Diesem letztern Gebrauche verdanken wir die Kunde von diesen Dingen, und Lysias vor allem, der sich mit einem erstaunlichen Genie in die Lage und Persönlichkeit seiner Redenbesteller hineinversetzt, zeigt, bis zu welchem geistigen Aufwande das ganze Treiben gedeihen konnte. Der attische Gerechtigkeitssinn war gering, die Wahrheit ohne Wirkung, das Überreden können (τὸ πιϑανόν) alles, das Sturmlaufen auf die Richter durch Vorführen von trauernden Familiengliedern502 und durch Fürbitte einflußreicher Parteigenossen kam häufig vor. Auch durfte man dem Gerichte selber Dinge sagen, die sich keine heutige Jury gefallen ließe: Lysias legt einem jungen, unerfahrenen Verklagten503 folgende scheinbar ganz naive Reden in den Mund: »es ist schon oft vorgekommen, daß falsche Ankläger zu spät entlarvt wurden, wenn ihre Opfer schon dahin waren, und es den Leidenden nicht mehr half ... Wenn mehrere in einer Sache gerichtet werden, so haben es die zuerst Beurteilten am schlimmsten, während die Letzten meist begnadigt werden; denn da euer Zorn dann vorüber ist, höret ihr die Beweise williger an.« Als kurzes Gesamturteil aber mag das des Hermogenes bei Xenophon504 gelten: »Die athenischen Richter haben, durch Reden herumgebracht, viele, die nichts verbrochen, hingerichtet und viele Verbrecher freigesprochen.« Fortan wurden im ganzen Altertum vielleicht nicht die höchsten, aber die meisten Kräfte der Redekunst auf den Erfolg vor den Tribunalen hin ausgebildet; mit Prozessen hatte ja diese Kunst auf Sizilien begonnen, und neben dieser ihrer beständigA61 und überall vorkommenden Betätigung wirkte mehr nur auf Augenblicke mächtig die Staatsberedsamkeit.

[221] Der Schauplatz dieser letztern ist in Athen die berühmte Volksversammlung, welche wie in allen Demokratien wesentlich die Geschäfte des Rates (hier der βουλή der Fünfhundert) usurpiert hatte und in hohem Grade zur Regierung geworden war505. Sie hat zu Zeiten viele Einsicht der Lage, auch Momente großer Aufwallung gehabt, wenn auch nicht mehr im richtigen Verhältnis zu den vorhandenen Mitteln; Demosthenes konnte sie zum Bruch mit Philipp und zum Kriege von Chäronea fortreißen. Das Urteil über sie ist in umfassendem Sinne zugleich das über die Geschichte von Athen, und dieses ist im Vergleich zu andern Poleis ein relativ günstiges. Sie war und blieb auch seit der Restauration nach den dreißig Tyrannen das zwar unendlich ungleiche, aber ausdauernd lebendige Organ dieses Staatswesens, und während in andern Städten später die blutigsten Krisen sich wiederholten, blieb durch sie Athen auf dem Weg der Beratungen und Beschlüsse, welche es auch sein mochten. In der Spätzeit des Griechentums, als sich Durchschnittsansichten über dessen Vergangenheit bildeten, schrieb Pausanias506: »wir wissen nicht, daß die Demokratie andere als die Athener emporgebracht hätte; diese nämlich übertrafen die Hellenen an eigentümlichem Verstand und waren den bestehenden Gesetzen noch am wenigsten ungehorsam«. Dieser versammelte Demos wurde wie EinA62 lebendes Wesen betrachtet und gedieh sogar zu einer Idealgestalt in den Händen der bildenden Kunst; weniger respektvoll freilich gingen die Komiker mit ihm um, und bei Plato507 ist er einmal das »große Tier«, μέγα ϑρέμμα, dessen Launen und Leidenschaften zu studieren für Staatsweisheit gilt. Eine alte, wenn gleich erst bei Plutarch508 aufbewahrte Charakteristik schildert ihn als: »leicht beweglich zum Zorn, leicht umwendbar zum Mitleid; er will lieber scharf argwöhnen als ruhig sich belehren lassen; so wie er gerne unberühmten und demütigen Leuten hilft, so zieht er scherzhaftA63 und mit Lachen vorgebrachte Reden vor; er freut sich derer, die ihn loben und zürnt doch denen, die seiner spotten, keineswegs; er ist furchtbar seinen Regenten und menschenfreundlich selbst gegen seine Feinde509«.

[222] Was nun den Ton der entscheidenden Versammlungen betrifft, so wußten sie sich vor allem höchst feierlich zu geben. Wendungen, wie »das Volk der Athener, das die höchste Verfügung über alles in der Stadt und das Recht hat zu tun, was es immer will510« sind zahlreich, und im Gebäude des Rates war eine Kapelle des Zeus Bulaios und der Athene Bulaia, wo die Mitglieder des Rates beim Eintritt beteten; ja sie opferten zum Heile der Demokratie511. Sodann glaubte man in einem Volke, dem der Meineid völlig geläufig war, durch einen Eid zu wirken, welchen alle Athener regelmäßig vor den Dionysien gegen die Feinde der Demokratie schwören mußten, solche überhaupt zu töten, dann insbesondere solche, die unter einer nichtdemokratischen Verfassung eine Stelle annähmen, sowie die Tyrannen und alle Helfer derselben; die Vollstrecker solcher Tötungen für schuldlos zu erklären, Beihilfe zu leisten zum Verkaufe der Habe der Getöteten und zur Auslieferung der Hälfte derselben an den Töter, die Nachkommen des Töters wie diejenigen des Harmodios und Aristogeiton zu dotieren. Für den Redlichschwörenden erfleht man alles Heil, für den Meineidigen aber Verderben auf ihn und sein Geschlecht512. War dann wirklich gegen einen Verhaßten der für nützlich und löblich erachtete Mord vollzogen worden, so ließ die Polis ihr ganzes Pathos an den Tag und bekränzte die Anstifter, sie mochten sonst sein, wie sie wollten. Die Athener erklärten (408 v. Chr.) den ermordeten Phrynichos als Verräter und bekränzten dann – nicht den Mörder, welcher nur ein Sklave des Hermon war, sondern den Hermon selbst und die Mitanstifter513. Es ist aber, als hätte dieser Demos ein böses Gewissen gehabt; obwohl die Masse unvermeidlich für ihn war, träumte ihm immer von Verschwörungen, welche er freilich zugleichA64 durch seine Härte immer unvermeidlicher machte. Beim bekannten Hermenfrevel (415 v. Chr.) – mochte nun mitschuldig sein, wer da wollte – wurde sofort behauptet, derselbe sei geschehen zur Zernichtung des Demos, ἐπὶ τῇ τοῦ δήμου καταλύσει, und der Angeber Diokleides wurde als Retter des Staates auf einem Wagen, bekränzt, ins Prytaneion gefahren und dort gespeist; später gestand er, gelogen zu haben514.

Daß nun die Zwecke Athens, namentlich die Herrschaft weit und breit,[223] auf verschiedene andere Weisen unendlich leichter und sicherer als durch die Volksversammlung zu erreichen gewesen wären, liegt so ziemlich auf der Hand. Ewig lächerlich ist, daß man in ihr hier wie auch anderwärts die auswärtige Politik an die große Glocke hängen mußte. Demosthenes515 politisiert seinen Athenern u.a. folgendes vor: »ihr wisset, daß es dem Staate zuträglich ist, daß weder Thebaner noch Lakedämonier mächtig seien, sondern daß jene (NB. im heiligen Kriege) die Phokier, diese wieder andere zu Gegnern haben; bei solcher Sachlage nämlich ist euch, als den Stärksten, vergönnt, in Sicherheit zu wohnen«. – Weiterhin (p. 656) schwatzt er sogar aus, daß die Athener den Tod Philipps lieber sehen würden als alle andern Menschen. Allein die Demokratie ist nun einmal die gewollte Lebensform und nur, weil man in Masse beisammen, weil man ein leidenschaftlicher Gesamtwille war, hatten auch jene Zwecke entstehen und mächtig bewußt werden können. Auch war um die Zeit des peloponnesischen Krieges die Demokratie schon so alt, daß sich alle wirklich lebendigen Erinnerungen bereits auf Menschen und Dinge derselben bezogen; sie war völlig zur Praxis geworden und dauerte später auch unter allem zeitweiligen Druck von außen fort. Schlimme Erfahrungen leitete man nicht von der Verfassung, sondern von den sie Mißbrauchenden her.

Wenn nun aber auch Anlage, Wille und Schicksal hier ein untrennbares Ganzes bilden, so wird doch die Nachwelt immer von Neuem versucht sein, mit den Athenern zu rechten. Dieser Staat hat nicht nur in der Leidenschaft die für ihn selber schädlichsten Torheiten und Gewaltsamkeiten beschlossen, sondern auch seine begabten Menschen rasch aufgebraucht oder von sich abgeschreckt. Den seitherigen Jahrtausenden aber ist nicht an Athen als Staat, sondern an Athen als Kulturpotenz ersten Ranges, als Quelle des Geistes etwas gelegen gewesen.

Man kann nun sagen, daß z.B. im peloponnesischen Kriege die Heftigkeit der Volksversammlung und die hingebende Tapferkeit im Kampfe ein und derselbe Pulsschlag gewesen seien, und dazwischen hat ja das Volk auch Augenblicke der Mäßigung und Weisheit gehabt. Viel Schlimmes mag auch jederzeit durch Bemühung der Edlern abgewandt worden sein. Aber bei dem wahnsinnigen Feldherrnprozeß nach der Arginusenschlacht »schrie die Menge, es sei arg, daß man den Demos nicht wolle machen lassen, was ihm beliebe516;« im folgenden Jahre sollte dann über Athen[224] die volle NachtA65 des Jammers kommen. Ferner hatte der Demos vorher und dann wieder seit der Herstellung des Staates517 die tägliche Regierung sowohl als die Gesetzgebung in Gestalt einer unaufhörlichen Schöpfung von Psephismen (Volksbeschlüssen) an sich genommen und die Vorberatung des Rates der Fünfhundert nur so weit berücksichtigt, als es ihm gefiel. Das Psephismenmachen erschien geradezu als Kennzeichen des Menschen, »von welchem sich Hähne u.a. Tiere nur dadurch unterscheiden, daß sie dergleichen nicht hervorbringen518. «Was aber dauernde Geltung haben soll, verträgt eine solche Behandlung nicht, die dem Augenblick und seiner Stimmung folgt.

Es wird nun zu erörtern sein, unter welche Einflüsse tatsächlich dieses öffentliche Wesen geraten war. Bis zu Ende des peloponnesischen Krieges kann man stellenweise die heimlich schürende Bosheit von Oligarchen anklagen, welchen an demjenigen allgemeinen Umsturz gelegen gewesen, der dann wirklich eintrat; seit der Herstellung des Staates aber sind es lauter Demokraten, welche in Gestalt von zwei Physiognomien sowohl die Volksversammlung als das Volksgericht zu bestimmen suchen: Der Staatsredner (Rhetor, Demagog) und der Sykophant519. Beide können in einer Person vereinigt sein. Ihr Gefolge von Klatschern, Auspochern und falschen Zeugen versteht sich von selbst.

Zwar tönten die alten großen Worte lange fort, und Andokides520 wagte noch zu sagen: »nicht die, welche ihren Privatsachen nachgehen, machen die Poleis größer, sondern letztere werden groß und frei durch solche, welche sich um das Allgemeine bekümmern«. Aber leider weiß man, wer damals sich vorwiegend um das Allgemeine bekümmerte und weshalb. Bei allem Patriotismus nämlich und bei allem sehr geweckten Mißtrauen des unberechenbaren Demos mußten sich die Athener – und nicht bloß von den Komikern – schon frühe nachsagen lassen, daß viele irgendwie am Staate reich zu werden suchten (κλέπτειν τὰ δημόσια), und wenn bereits der kecke Themistokles bisweilen ein wahres Grauen vor dem Besteigen der Rednertribüne (des βῆμα)521 äußerte, so kam dies gewiß nicht[225] bloß davon her, daß er die Athener als wandelbar kannte, sondern von dem Bewußtsein, daß ihm sein, seit er Ämter bekleidet hatte, enorm gewachsenes Vermögen plötzlich von Wissenden vorgerückt werden könnte. Erwägt man ferner die Abwendung so vieler vom sonstigen Erwerb, die Anforderungen, welche durch Steuern und Leiturgien an den einzelnen gestellt wurden, die Tötung des Ehrgefühls durch das allgemeine Mißtrauen von allem Anfang an, endlich den bekannten Wagemut der Athener, so wird das bekannte Wort nicht mehr befremden: eine goldene Ernte ist die Rednerbühne (χρυσοῦν ϑέρος τὸ βῆμα). Und zwar in Beziehung auf das Reden wie auf das Schweigen522, durch Ausbeutung von Ämtern im Staat, Kriegsstellen und Gesandtschaften, die man als Redner und Demagog erwarb, durch Geschenke von Bundesgenossen, so lange die Hegemonie groß war, durch Bestechung von Seiten der Parteien vor Gericht523, endlich durch unmittelbaren Eingriff in die Staatsgelder konnte der Einzelne zum Reichtum kommen524 – nur wird sich die Meinung der Übrigen, welche ohnmächtig, meist erwerblos und ebenfalls gierig waren, diesen Gewinn oft zu glänzend ausgemalt haben. Das Verbrechen aber vielleicht zu schwarz: »Wer am Staatsgute reich werde«, heißt es525, »der beraube auch Tempel, Gräber und Freunde, er übe Verrat und falsches Zeugnis und sei ein meineidiger Richter und bestechlicher Beamter usw.« Aber immerhin war die Korruption einträglich und stark verbreitet. Das beweist schon der enorme Ruhm von Finanzbeamten, welche nicht stahlen, z.B. der des Lykurgos und statt alles andern die große und lange Jahre hindurch mächtige Clique, welche Philipp von Makedonien gekauft hatte.

Die Prozesse, die sich über diese Dinge erhoben, namentlich gegen die Feldherrn des IV. Jahrhunderts, nicht sowohl wegen Unterschleifs als wegen Bestechung durch die Feinde, wurden dann je nach dem Einfluß und den Druckmitteln von Klägern und Beklagten entschieden. Iphikrates umstellte einst, als er auf den Tod angeklagt war, das Tribunal mit seiner jungen Mannschaft, welche die Griffe ihrer Dolche sehen ließ, und[226] wurde von den besorgten Richtern freigesprochen526. Aber drohende Klagen gegen irgend welche Leute von Bedeutung galten beim Volke gar zu leicht für Kennzeichen des echten Patrioten und Staatsmanns, als daß man nicht immer wieder damit gekommen wäre, und oft deckte wohl der Ankläger seine eigenen Veruntreuungen am sichersten durch Entrüstung gegen andere. Man wußte zwar, daß einst Nikias die rechtzeitige Abfahrt von Sizilien abgelehnt hatte, weil er die Anklage in Athen fürchtete527 und lieber durch die Feinde als durch die Mitbürger umkommen wollte, und daß darob das wichtigste Heer untergegangen war. Wie oft mag die Aussicht auf die Unvernunft und Bösartigkeit des Demos die Entschlüsse auch anderer Feldherrn bis in weite Ferne gelähmt haben! Öfter war es auch mit Händen zu greifen, daß bei günstigen Friedensangeboten doch gewisse Leute in Athen weitern Krieg dekretieren ließen, weil sie »aus den Wirren sich persönliche Einkünfte zu machen« verstanden528; man hätte ferner ahnen sollen, daß auch gutgesinnte Feldherrn sich gegen die athenische Unvernunft durch auswärtige Verbindungen sichern würden, – allein das in den fortwährenden Anklagen sich offenbarende Mißtrauen war, wenn auch hie und da wirklich berechtigt, eine Krankheit, und zwar eine, die unheilbar sein mußte, weil man sie für ein Zeichen derA66 Gesundheit hielt. Eine regelmäßige Kontrolle jedoch, statt augenblicklicher Anklagen, wäre bei der Unstetigkeit des ganzen öffentlichen Personals völlig unmöglich gewesen, und vollends ein echtes Kriegsgericht war nicht zu erreichen, und so blieb es dabei, daß viele anklagten und viele wirklich veruntreuten, wäre es zuletzt auch nur gewesen, weil alle Ehrlichkeit doch keinen sicherte. Als der untadlige langjährige Schatzverwalter Lykurgos am Sterben war, ließ er sich in das Buleuterion bringen, um Rechenschaft abzulegen; niemand klagte, als ein gewisser Menesaichmos; Lykurgos widerlegte ihn, ließ sich heimtragen und starb; als aber jener doch wieder klagte, wurden die Söhne des Verstorbenen, welchem der Demos so viele Kränze und auch Standbilder zuerkannt, in den Kerker gelegt und nur auf eine ernste Warnung des Demosthenes hin wieder frei gelassen529.

Für den ganzen Betrieb dieses Systems war nun die große, bewegliche Schar der Sykophanten entstanden530, d.h. die Angeberei war als ein förmliches[227] Gewerbe anerkannt worden. Ganz gewiß konnte dieser Staat eine solche Hilfe nicht entbehren, so wenig als die spanische Inquisition ihre Kundschafter; die Polis war ja hier, wie das Königtum in Spanien, etwas Vergöttertes, eine Religion geworden, welche gegen jede Abweichung die äußersten Mittel ergreift. Bald kann dann freilich nur noch mit solchen weiter regiert werden; ohne die Furcht vor den Sykophanten wären viele der Polis davongegangen oder hätten sich den hochgesteigerten Pflichten entzogen, oder sie hätten das öffentliche Wesen noch schamloser ausgebeutet, als sie ohnehin schon taten. Wenn aber irgend etwas beweist, daß hier die Staatsidee über das Vermögen der normalen Menschennatur weit hinausgeschraubt war, so ist es die öffentliche Anerkennung einer solchen sozialen Pest, dieser öffentliche Terrorismus, den wir hundert Jahre nach dem Beginn des peloponnesischen Krieges in derselben Macht und Blüte finden, wie vor demselben, und dann noch weiter existierend zur Diadochenzeit bis auf die Römer. Zwar, wenn ein Staat zugibt, daß ein solches Gewerbe keine Schande oder Unbequemlichkeit bringe, so wird sich in allen Zeiten und Völkern das betreffende Personal finden und zu Gebote stellen, aber nur die griechische und vollständig nur die athenische Demokratie hat dies eben deutlich zugegeben531 und damit alle Bürger von einiger Bedeutung und Habe unter eine solche Aufsicht gestellt. Der Pöbel aber fand natürlich keinen Anstoß an Dingen, welche ihm völlig kongenial und begreiflich waren.

»Ich bin ein Zeuge in Inselprozessen, ein Sykophant und Sachenaufspürer; graben mag ich nicht; schon mein Großvater hat vom Angeben gelebt«, – sagt einer bei Aristophanes532; es mögen aber die Komiker sonst hierA67 außer Betrachtung bleiben533, weil ihnen die Versuchung und das Vergnügen diese Figur auf's äußerste zu karikieren gar zu nahe liegen mochte, auch beschränkt man sich in der Nähe eines solchen Abgrundes gerne auf die rein sachlichen Aussagen. Der Sykophant gibt sich das Ansehen eines Patrioten, er will der Polis und »den bestehenden Gesetzen« behilflich sein; hauptsächlich sollte nachgespürt werden, ob die Bürger den Staatsforderungen in vollem Umfang nachkämen; hatte er für seine[228] Anklage nicht mindestens ein Fünfteil der Richter auf seiner Seite, so mußte er, (wie jeder Kläger in solchem Falle) tausend Drachmen zahlen, und wenn er eine erhobene Klage nicht weiter durchführte, ebenso tausend. Allein ein Fünfteil Einverstandene, wenn nicht viel mehrere, fand er leicht in einem Heliastengericht, und wenn das Zahlen den Sykophanten wirklich traf, so blieb er es in der Regel schuldig. Zur Zeit des Lysias lebte ein Subjekt (Agoratos) mit 10000 Drachmen aufgelaufener Schulden dieser Art: »er aber saß als Richter, er saß in der Volksversammlung, er erhob Staatsklagen aller Art«.

Diesem Tun gegenüber findet man nun gerade die Schuldlosen, zumal wenn sie etwas besaßen, in einem beständigen Belagerungszustand. Nikias zitterte vor den Sykophanten sein Lebenlang534, und wie dies wesentlich über sein und seines Heeres Schicksal entschied, ist bereitsA68 erwähnt worden. Der xenophonteische Ischomachos535, das Musterbild eines trefflichen Mannes, wird beharrlich denunziert. Das Lehrreichste aber ist der gute Rat, welchen Sokrates536 seinem ebenso verfolgten Kriton gab: einen Gegensykophanten zu kaufen; man war so glücklich, ein höchst geeignetes Individuum zu finden, den Archedemos, welcher den Sykophanten Schrecken einjagte und dann auch von allen Freunden des Kriton benützt und geehrt wurde, d.h. die braven Leute müssen den nützlichen Schurken an ihren Tisch nehmen. Die dreißig Tyrannen ließen dann viele Sykophanten packen und töten537, allein die Sorte wuchs rasch nach.

Die spanische Inquisition erreichte mit ihren Kundschaftern völlig den gewollten Zweck, weil dieselben (vielleicht mit seltenen Ausnahmen ruchloser Erpressung) von dem Sinne des Instituts mitdurchdrungen waren. Der attische Staat hatte mit seinem Sykophanten weniger Glück; diesen lag nämlich in der Regel nichts an den Prozessen, wohl aber alles an dem heimlichen Abkauf derselben, und Theokrines hat sich von den Mördern seines eigenen Bruders stillkaufen lassen538. Was die Polis erreichte war: Einschüchterung der Schuldlosen, Händel und Abfindung zwischen Schuldigen, Demagogen und Sykophanten hinter ihrem Rücken, und ein übler Duft, der das ganze öffentliche Leben durchzog und zur heimlichen und sichtbaren Abwendung vieler der besten Bürger von demselben[229] gewiß das Meiste beitrug. Freiwillige Armut war die beste Sicherung, aber nicht jedermanns Sache. Gleich bei der Prüfung (δοκιμασία), welche der zu einem Amt Ausgeloste bestehen sollte, konnte sich der Sykophant in das Schicksal des Einzelnen hineinhängen, und so ging es durch das ganze Leben derjenigen hindurch, bei welchen etwas zu holen war; unaufhörlich stand diese Camorra daneben, welche man »still machen« (πεῖσαι) mußte. Trat der Sykophant nicht auf eigene SpekulationA69 auf, so tat er es etwa, weil ihn Feinde des betreffenden Opfers dazu erkauft hatten539, welche dann mit ihm geteilt haben werden. Wer »seine Habe nicht hergab«, wurde verfolgt540, und gerade von den Unschuldigen erpreßte man das meisteA70541, damit nur von keinem Prozeß etwas laut werde, dem sich die ehrlichen Leute aus allen Kräften entzogen, und den ja auch der Sykophant gerne vermied. Denn kam es zu einem solchen, so war sein Klägeranteil an der Strafsumme gering, während er bei Wegfall des Prozesses ohne alle Mühe eine ganz andere Summe erpressen konnte. Stand er aber von einem schon angehobenen Prozeß ab, so werden ihm die tausend Drachmen, in die er verfiel, oft durch sein Opfer insgeheimA71 reichlich ersetzt worden sein. Geschah Letzteres nicht, so führte er den Prozeß weiter, und gerade da, wo das verfolgte Recht hätte seine Zuflucht haben sollen: »Gerichtshof, Agora, Gesetz, Zeugen542«, – da operierte ja der Sykophant am ehesten mit seiner vollen Kraft. Wer aber Böses vorhatte, kaufte zuvor das Stillschweigen desselben durch Beteiligung an dem voraussichtlichen Gewinnst und mußte natürlich den letztern um so viel mehr in die Höhe treiben543. Dem bejahrten Aristoteles wurde nach Alexanders Tode mit einer Asebieklage von jener ebenso gefährlichen als läppischen Gattung zugesetzt, vielleicht nur um ihn zu brandschatzen, worauf er sich nach Chalkis unter makedonischen Schutz begab. Scherzhaft schreibt er an Antipatros, er habe nicht in einer Stadt bleiben mögen, wo wie in den Gärten des Alkinoos Feige an Feige – σῦκον ἐπὶ σύκῳ – stände.

Es wäre irrig zu glauben, daß die im Laufe der Zeit so völlig durchschauten, durch entschlossene Redner gewiß hundertmal entlarvten Sykophanten hätten unmöglich oder doch machtloser werden müssen. Noch bei Demosthenes erfahren wir von Stephanos, dem Zuhälter der Neära544,[230] der da auflauerte, ob er nicht jemand bei einem Sittlichkeitsvergehen gegen seine Frau oder Tochter als angebliche Bürgerinnen ertappen und dafür brandschatzen könne, also den Sykophanten im eigenen Hause spielte. Interessant ist, daß dazu bemerkt wird, er sei damals arm gewesen, weil er nur als Sykophant mit Anklagen, Vorzeigungen und politischen Diensten sein Leben gefristet habe und noch keine Einnahmen von seiner Tätigkeit im Staat als Rhetor gehabt habe; man rückte also unter Umständen vom Sykophanten zum Rhetor vor545. Demosthenes sagt den Richtern546: »ihr habt noch keinen der Sykophanten bestraft, wie es seine Schlechtigkeit verdient, sondern laßt es euch fortwährend gefallen, sie anzuhören, ganz als bestände die Rettung des Demos in (recht vielen) Angeklagten und Sykophanten«. Wie Nattern, »wie Skorpione mit erhobenem Stachel«, sah man sie auf der Agora hin und her huschen und nach Opfern zur Ausbeutung spähen547. »Und nachdem sie nichts gehabt und von ihrem Geschäft reich geworden, danken sie nicht einmal dafür, sondern gehen herumA72 und sagen: wie unbeständig ist doch der Demos, wie unbequem, wie undankbar«.

Athen hat nun allerdings trotz dieser Art von Helfern als Staatswesen weiter gelebt, und es ist dies sogar ein Zeichen sehr großer Lebenskraft. Wenn man aber das stille Unheil beisammen wahrnehmen könnte, welches dieser Zustand mit sich geführt hat, so würde man doch wohl sehr erstaunen.

Dieses Athen aber mit seiner so zweifelhaften Gerechtigkeit, liebte schwere, pathetische gerichtliche Strafen, wie auch andere Poleis taten. Alle Billigkeit und Objektivität des Strafmaßes, alle Richtigkeit des Verhältnisses zwischen Vergehen und Strafe, also die ersten Forderungen, die wir an ein Strafrecht stellen, welches Prinzip demselben immer zu Grunde liegen möge, wurden nämlich durch die Idee getrübt, welche sich die Polis von sich selber machte. Jedes Vergehen wurde hier, abgesehen von seinem sonstigen Belang, als Bedrohung des Staates, als Minderung seiner Sicherheit betrachtet; demnach hatte jeder Prozeß die Neigung in das Politische überzuschlagen, und die Strafen erhielten so, weil die Polis die eigentliche Religion des Griechen war oder sein sollte, völlig das Ansehen einer Rache wegen Verletzung eines Heiligsten. Hieraus erklärt sich ihre außerordentliche Schwere, indem zumal die Todesstrafe, die neben Geldstrafen und Atimie in diesem Strafrecht die hauptsächlichste[231] Rolle spielte, auch für ganz untergeordnete Vergehen in Anwendung kam548. Auch mit den andern Strafen war man aber sehr freigebig, zumal mit den verschiedenen Graden der Atimie, die sich bald auf eine beschränkte, bald auf eine unbeschränkte Zeitdauer erstreckte, bald mit Konfiskation verbunden war, bald nicht, und bei der unter Umständen dem ersten Besten aus dem Publikum gestattet war, das betreffende Individuum zu malträtieren. Da jedoch die Polis in der Wut damit oft sehr blind um sich warf, wird sich die Meinung von dieser Strafe in dem ihr Verfallenen selbst, wie in den Augen des Volkes, stark modifiziert haben. Denn daß es nicht ein billiger Richter ist, von dem sie ausgeht, zeigt sich darin, daß sie oft auch auf die Kinder, eheliche wie uneheliche, ausgedehnt wurde; die Polis glaubte, nachdem sie den Einzelnen maßlos gemißhandelt, die Nachkommen mitverfolgen zu müssen, weil diese das Recht zur Rache in sich fühlen würden und dies hatte dann noch die bekannte Seitenwirkung, daß die Beklagten ihre Kinder dem Gericht zur Rührung vorführten549. Hochfeierlich fuhr der Staat, der im Grunde ehrlos gegen seine Bürger war und sie vermöge des geduldeten Sykophantenterrorismus der Ehrlosigkeit zutrieb550, gerne zumal dann gegen die wirklichen oderA73 angeblichen Verbrecher daher, wenn der Fall als klares Vergehen gegen ihn selbst geltend gemacht werden konnte, wobei je nach Umständen Beliebiges als Verrat (προδοσία) heimgesucht wurde. Wer den ganzen Fanatismus einer Prodosieklage will tosen und rollen hören, kann in der Rede des Lykurgos gegen Leokrates sein Genüge finden, welchem letztern ein sehr zweifelhaftes Vergehen als Hochverrat ausgelegt werden und zum Tode gereichen soll. Auch der Asebieprozeß nimmt denselben Charakter der unsinnigen Heftigkeit an, weil es eben[232] auch die Polis ist, welche ihn erhebt. Nie und nirgends hat ein so lächerliches MißverhältnisA74 existiert zwischen der Rache für beleidigte und bezweifelte Götter und der ethischen und theologischen Geringfügigkeit eben dieser Götter551. Auch das Furchtbarste, das Unbegrabenbleiben durfte in den Strafparagraphen dieses Staatswesens für den Staatsverbrecher unmöglich fehlen552. So wurde die Leiche Antiphons, der im Jahre 411 beim Rückgang der Oligarchie der Vierhundert hingerichtet worden war, über die Grenze geworfen553. Aber dieses Wegschaffen der Leiche von der attischen Erde, die Zerstörung des Hauses, die Mitverfluchung von Kind und Enkel und andere Zeremonien mehr, welche bei Verurteilungen dieser Art vorkamen, würden auf die Phantasie der Nachwelt nur dann wirken, wenn die athenische Justiz lauter untadlige Sprüche getan hätte, und es sich nicht oft nur um den Spruch zorniger und zufälliger Weise mächtiger Menschen in eigener Sache handelte. Und dabei mag man sich gegenwärtig halten, wie schon als Mittel des Prozesses die Folter gegen Bürger nichts Unerhörtes war554. Sie war die psychologische Konsequenz und Parallele der Sklavenfolter, im Grunde aber auch schon eine Konsequenz der Idee der Polis als solcher; da ihr gar alles erlaubt ist, so darf sie auch Tatbestände, die sie interessieren, mit gar allen Mitteln ans Licht ziehen555.

Hieher gehören auch die vielen im Namen der Polis erlassenen Verfluchungen, wobei der im tiefsten Grunde laienhafte Staat sich kirchlich gebärdet, sobald er in Wut gerät. Einen tiefen Schrecken vor Flüchen, zumal von Seiten der Eltern, weist uns schon der Mythus und dann auch die Denkweise der historischen Zeit. Einmal ausgestoßenA75, sind sie eine objektive Macht556. Das Lächerliche lag nun aber darin, daß man dieses Gefühl auch für die Verfluchungen einer Polis glaubte in Anspruch nehmen und durch Flüche gegen irgend einen Feind dieselbe objektive[233] Wirkung hervorbringen zu können wie im Mythus; es war aber lauter schlechte Nachahmung. Diese Flüche hatten häufig konditionellen Charakter und sollten zur künstlichen Hervorbringung eines Schreckens dienen; der Staat erlaubte sich, solchem in Vorrat zu fluchen, die einem bestimmten Beschluß jemals zuwider handeln würden557. So fluchten die Amphyktionen denen, welche jemals das Feld von Kirrha bebauen würden, die Athener am Beginne jeder Rats-, Volks- und Gerichtsversammlung denen, welche die Versammlung hintergehen würden558 und bei Sanktionierung von Gesetzen den eventuellen Übertretern. Und das Gericht von Eingeweihten der Mysterien, zu denen Andokides559 spricht, mag noch seine aparten Flüche gehabt haben. Sehr pathetisch verfuhr man auch bei Bundesschwüren. Als Aristides den Bund mit den Bundesgenossen Athens beschwor, warf er nach dem Aussprechen der Flüche glühendes Eisen in das Meer, womit er sagen wollte, die Flüche gegen die Übertreter des Bündnisses sollten nicht eher ihre Wirkung verlieren, als bis das ins Meer gesenkte Eisen oben auf dem Wasser erschiene560. Besser läßt es sich hören, wenn man nur einen gefährlichen Augenblick binden will, wie dies der nämliche Aristides tat, als er während des Mardonioskrieges den Antrag stellte, die Priester sollten Flüche erlassen gegen solche, die mit den Persern verhandeln oder das Bündnis der Hellenen verlassen würden561; aber auch hier konnte man sehr fehl gehen. In dem von Lysander belagerten Athen wurde gleichfalls durch einen feierlichen Beschluß die Verhandlung darüber verboten, ob man auf die damaligen spartanischen Bedingungen eingehen wolle562, und nachher mußte man doch das Schlimmste annehmen.

Auch abgesehen von diesen konditionellen Flüchen, welche übrigens ihre Parallele in der konditionellen Selbstverfluchung bei Beteuerung von Unschuld haben, suchte man die Zukunft durch drohende Psephismen zu binden, welche gegen jeden Atimie oder Todesstrafe festsetzten, der je das Gegenteil von irgend etwas für gut Befundenen beantragen würde. Am bekanntesten ist in dieser Beziehung das Psephisma des[234] Eubulos wegen der Schaugelder: aber auch andere Einrichtungen wurden so geschützt, indem man beschloß, wer sie aufheben wolle, ob er ein Beamter oder ein Privatmann sei, solle mit samt seinen Kindern der Atimie verfallen563, und schon am Beginne des peloponnesischen Krieges hatten die Athener einmal denjenigen mit dem Tode bedroht, der einen für die äußersten Notfälle bestimmten Kriegsfonds jemals zu andern Zwecken verwenden wollte564. Die Lächerlichkeit, daß eine am Ruder befindliche Partei durch solche Drohungen die späteren Geschlechter glaubt verpflichten zu können, kommt übrigens schon vor der Demokratie vor, der man sie sonst zuerst zuzutrauen geneigt wäre; denn schon die Eupatriden verhängten Todesstrafe gegen denjenigen, der einen Angriff auf Salamis vorschlagen würde565; man kann vielleicht sagen, daß in der Polis überhaupt – ähnlich wie im französischen Konvent – ein Beschluß desto heftiger ewig und unangreifbar zu sein begehrt, je unvernünftiger er ist; nur haben wir schwerlich ein Recht, sie deshalb zu verurteilen; denn wir binden die Zukunft auf noch törichtere Manier, indem wir im Namen des Fortschritts für die kommenden Geschlechter Schulden machen.

Neben dem konditionellen Fluche kommt sodann der gegen bestimmte vorhandene, aber flüchtige Personen in contumaciam verhängte vor. »Priester und Priesterinnen standen fluchend nach Westen gewandt und schwangen purpurne Gewänder in die Luft nach dem uralten Brauche566«. So erging man sich gegen Alkibiades, nachdem man ihn zu Tod und Konfiskation verurteilt hatte; nur die Priesterin Theano aus AgraulosA76, protestierte gegen das Psephisma, indem sie sagte, sie sei Priesterin zum Beten und nicht zum Fluchen. Als man hernach den nämlichen Alkibiades wieder wie einen Schutzgott empfangen mußte, mußten die angesehensten Priester, die Eumolpiden und Keryken, die Flüche auf Befehl des Demos zurücknehmen (ἀφοσιοῦν); dabei redete sich der Hierophant Theodoros dahin aus, er habe den Alkibiades eigentlich gar nicht verflucht gehabt außer für den Fall, daß derselbe dem Staate Böses zufüge567! Übrigens sind diese Flüche das Korrelat des vielen Eidschwörens, womit man sich selbst zu verpflichten pflegte. Der wichtigste dieser politischen Eide war der oben S. 223 angeführte, durch den die Bürger phylen- und demenweise versprechen mußten, die Demokratie zu schützen.

[235] Das Gegenstück zu den vielen Strafen sind dann die Ehren und Belohnungen, welche dieser Staat austeilte, während er sich im größten Maße von Strebern ausbeuten ließ und die Redlichen weder schützen konnte noch wollte. Man glaubte, daß sich die für Athen allgemein vorausgesetzte liberale und edle Gesinnung568 hierin betätigte. Zwar tat Athen, wie übrigens auch andere Poleis, mit der Gestattung der wichtigsten Gunst, nämlich der Erteilung des Bürgerrechts im großen Stile, nach der Zeit des Kleisthenes (vgl. S. 203, Anm. 434) höchst kostbar, und die Einbürgerung der mit dem Leben davongekommenen Platäer und der Sklaven, die sich in der Arginusenschlacht gut gehalten, werden die einzigen Fälle von Aufnahme größerer Massen in das Bürgerrecht sein. Dionys von Halikarnaß (II, 17) macht darauf aufmerksam, daß im Gegensatz zu den Römern, die ganze Stadtbevölkerungen mit der ihrigen verschmolzen und ihr Bürgertum durch Kolonien vervielfachten, die Gewohnheit der Lakedämonier, der Thebaner und der auf ihre Weisheit allerstolzesten Griechen, nämlich der Athener, nicht zu loben sei; denn diese meinten, ihr edles Geblüt (εὐγενές) erhalten zu können, wenn sie kaum je neue Bürger aufnähmen, wobei sie keinen Nutzen, wohl aberA77 schweren Schaden hätten; denn die Folge sei das Sinken der spartanischen Macht nach dem Verlust von 1700 Mann bei Leuktra und das der thebanischen und athenischen nach der Schlacht bei Chäronea gewesen. Auch verlangte man für die Aufnahme einzelner starke Kautelen. Der Aufzunehmende mußte durch Tapferkeit im Kampfe für den Demos der Ehre würdig sein569; die Aufnahme war nur gültig, wenn sich in geheimer Abstimmung über 6000 Stimmen dafür erklärt hatten; da schon vorgekommen war, daß der Demos durch Reden betrogen wurde, war gerichtliche Anfechtung des Verfahrens möglich und endlich durften die Aufgenommenen nicht Archonten werden und kein Priestertum empfangen570. Aber doch tönt dazwischen oft die Klage, daß häufig beliebige Fremde, ja Sklaven, zur Belohnung irgend eines Verdienstes aufgenommen würden und nach Chäronea hing es an einem Haar, daß die Metöken sämtlich Bürger geworden wären. – Jedenfalls teilte man sehr reichlich Kränze den Titel »Wohltäter (εὐεργέτης) des Volkes«, das Recht in Behörden und bei Festen auf den vordersten Bänken zu sitzen (προεδρία) und seine Sache vor Gericht vor andern anhängig machen zu dürfen (προδικία) aus; es waren dies Ehrungen, die nicht viel kosteten, und die man[236] einfach nach den Sympathien des Augenblicks bis auf Sänger, Kithar-, Ball- und Taschenspieler vergab; auch Statuen wurden je später desto häufiger und dann oft für ganz futile Menschen beschlossen. Eine eigentümliche Ehrenbezeugung war die Speisung im Prytaneion571, die oft für die ganze Dauer des Lebens dekretiert wurde und bisweilen erblich war572. Lebenslänglich hatten sie vor allem die athenischen Olympioniken (mit ihrem ohne Zweifel gesegneten Appetit), ferner verdiente Staatsmänner, siegreiche Feldherrn, Wohltäter wie der Arzt Hippokrates573 und andere verdiente Personen. Im IV. Jahrhundert scheint man damit verschwenderisch umgegangen zu sein574, damals mag auch der Enkelin des Aristides »so reichliche Speisung als den Olympioniken« gewährt worden sein. Auch die Nachkommen des Harmodios und Aristogeiton und Mordanstifter gegen sonstige Tyrannen gehörten zu dieser offenbar recht bunt gewordenen Gesellschaft. FreilichA78 verschmähte die Ehre einst Dikaiogenes, ein Abkömmling des Harmodios, übrigens ein notorischer Schurke gegen Familie, Freunde und Tempel575.

Mehr aber beschäftigten den Demos doch die Strafen. Unter denjenigen, die ihn führen, hat man es eben überall mit dem nämlichen Typus von Strebern zu tun, welche teils in wirklicher Wut sind (wie alles geringe Volk, wenn es zur Macht gelangt), teils fürchten, die wirkliche Besonnenheit möchte wieder einmal zu Macht und Recht gelangen; diese treiben absichtlich das öffentliche Pathos zur Verrücktheit. Innerhalb der Bürgerschaft aber hat sich längst ein eigentlicher Pöbel gebildet, der nur noch NutzbarkeitenA79 und Genüsse kennen lernen will. Die Folge ist die völlige Unsicherheit der Justiz, indem einmal über das andere die Leute nur schuldig befunden werden, weil man die Konfiskation ihrer Habe für die Finanzen wünschbar erachtet. Beispiele hievon wurden bereits angeführt (S. 209 ff.) und notorischer Weise bekam der Staat nicht einmal die ganze Frucht seiner Missetat. »Die Führer«, sagt Plato576, »wenn sie die Reichen[237] ausplündern, teilen dem Volk davon aus, behalten aber das Meiste für sich«. Lysias läßt einen seiner Klienten den Richtern Folgendes sagen: »käme die eingezogene Habe noch an die Stadt, so könnte man Nachsicht üben, aber sie verschwindet, wie ihr wißt, in den Händen von diesen da, und Wertvolleres wird um ein Geringes veräußert577.« Es wäre wahrlich offener und konsequenter im Sinne der Polis gehandelt gewesen, wenn der Staat einfach erklärt hätte, dieser und jener Bürger müsse sterben, weil man seine Habe brauche. Statt dessen wird allen denjenigen, die in öffentlichen Geschäften sind, mit dem Vorwurf der Veruntreuung und den Übrigen, die etwas zu verlieren haben, mit dem Verdacht der ungenügenden Leistung zugesetzt, und die unsaubersten Individuen bekommen den größten Einfluß auf die Schicksale dieser aller; die Forderungen aber sind so gestellt, daß mit Ausnahme der Lumpe, jedermann in Kontravention ist oder doch dafür bedroht und verklagt werden kann578. Unschuldige und Schuldige geraten dann in der Gegenwehr auf Mittel, die solchen Angriffen gemäß sind »Wer aber das Böse hindern will«, sagt Sokrates seinen Richtern579, »indem er öffentlich dagegen auftritt, der geht zu Grunde. Glaubt ihr denn, ich wäre so alt geworden, wenn ich mich mit dem Staat eingelassen und den Gerechten hätte beispringen wollen? So wenig als irgend einer«. Die Folge dieser Zustände aber ist das Mißtrauen aller gegen alle, dessen sprechendstes Symptom die Feldherrnprozesse des IV. Jahrhunderts sind. Überhaupt ist nunmehr das attische Staatswesen trotz der fieberhaften Tätigkeit der Psephismenfabrik ein großer, jedoch schon ziemlich ruinierterA80 Bau, durch welchen Steinwürfe und höhnische Zurufe schwirren. Den Demos aber vergleicht ein Epigramm in Trochäen580 mit einem unsteten, zwischen Stille und Sturmesbrausen wechselnden Meer, welches, wenn sich ein Anlaß gibt, den Bürger herunterschlingt, τὸν πολίτην κατέπιεν.

Es kam wenigstens in Athen (und wohl fast hier allein) nie zur Schuldaufhebung und Landverteilung. Noch um 400 v. Chr. soll es in dem kleinen Attika über 10000 grundbesitzende Bürger neben bloß 5000 Nichtbesitzenden gegeben haben581. Neben den Bürgern aber saßen die fleißig[238] arbeitenden Metöken582 und zahlten gewiß so genau als möglich ihr Metökengeld und jede ihnen sonst auferlegte Steuer; beim Ausbleiben des ersteren konnten sie nämlich als Sklaven verkauft werden583. Sie waren ohne Zweifel sehr für die Dauer der Demokratie bei dem über sie herrschenden Volke gestimmt, seitdem die reichen unter ihnen zur Zeit der dreißig Tyrannen waren getötet worden. Vielleicht war dies geschehen nicht bloß um ihres Reichtums willen, sondern weil die Oligarchie diese ganze Kaste unten halten mußte, wenn ihr Ideal, das geschäftloseA81, von der See abgewandte Athen, zur Wirklichkeit werden sollte584. Wie vorhin (S. 236) bemerkt, stand es ihnen in wichtigen Krisen nahe, sämtlich zu Bürgern zu werden; auch ist nicht zu übersehen, daß außer den Gewerbsleuten auch die bedeutendsten sonstigen Fremden, die in Athen lebten, zu ihnen gehörten.[239]


Quelle:
Jakob Burckhardt: Gesammelte Werke. Darmstadt 1956, Band 5, S. 202-240.
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