Bona Dea

[553] BONA DEA, wird zwar insgemein für einerley mit der Cybele gehalten, Gyrald. Synt. IV. p. 145. jedoch geben sie auch einige für des Picus Tochter, [553] und Schwester, wie auch des Faunus Gemahlinn aus, welche eigentlich Fatua Fauna geheißen, und von ihrem Gemahle und Bruder nach ihrem Tode mit unter die Götter gerechnet worden. Lactant. Iust. lib. I. c. 22. §. 9. Ob sie nun wohl so keusch und eingezogen gelebet, daß sie niemals einiger Mann zu sehen bekommen oder ihren Namen gehöret hat: Varro ap. eumd. c. §. 10. so soll sie dennoch einmal über eine Flasche Wein gerathen seyn, solche ausgetrunken und sich damit ziemlich berauschet haben, von dem Faunus aber deswegen mit einer Myrtenruthe dergestalt seyn gepeitschet worden, daß sie davon gestorben. Weil ihm nun solches nachher leid geworden, und er sein Verlangen nach ihr nicht unterdrücken können, so habe er ihr daher göttliche Ehre erwiesen. Sext. Clodius ap. eumd. l. c. §. 11. Sie soll aber einerley mit der Ops seyn, und den Namen Bona Dea haben, weil sie die Ursache aller zum Unterhalte uns nöthigen Güter ist; Fauna, von favere, gewogen seyn, weil sie zu allem Gebrauche der Thiere geneigt ist, und Fatua von fando; Macrob. Saturn. lib. I. c. 12. weil sie den Weibern ihr Schicksal vorher zu sagen pflegen, wie Faunus den Männern. Lactant. l. c. Bey ihrer Verehrung wurde ein verhülleter Weineymer, Amphora, mit aufgesetzet, Ibid. §. 11. und solcher dann in dem Hause des Bürgermeisters oder Prätors, Plutarch. in Vita Cæsar. c. 7. & Freinshem. Supplem. Livian. lib. CII. 14. von den vornehmsten Weibern gehalten, so, daß durchaus kein Mannesvolk darzu kommen durfte. Tibull. lib. I. Eleg. 6. daher sie denn auch Sacra opertanea, Plin. H. N. lib. X. c. 56. wie der Ort, wo sie gehalten wurden, Opertum genannt wurde. Cic. Paradox. 4. Ob nun wohl dabey der Mann, und alles, was nur männlich war, aus dem Hause gehen mußte, auch so gar alle männliche Gemälde zugedecket wurden; Plutarch. & Freinshem. l. c. so gieng es dennoch lustig und leichtfertig genug dabey zu, weil nicht nur eine gute Musik dabey gemachet, Plut. l. c. und der Wein nicht [554] gesparet wurde, welchen man aber nicht Wein, sondern Milch, wie dessen Gefäß kein Weingefäß, sondern Mellarium, nannte; Gyrald Synt. IV. p. 144. & Dempster. ad Rosin. lib. III. c. 9. sondern es wurde auch mancher Liebeshandel dabey gespielet, Ovid. de Arte amandi lib. III. v. 638. & Dempster. l. c. indem sich die Galane in Weibeskleider, verstecketen. Schol. Vet. ad Iuvenal. Sat. VI. v. 335. Wie aber diese Thorheiten obbesagter maßen nur in einem sonst gemeinen Wohnhause getrieben wurden: so hatte doch auch solche Göttinn ihren besondern Tempel auf dem Aventinus, welchen ihr die Claudia, eine vestalische Jungfer, erbauen, die Livia aber, des Augustus Gemahlinn, hernach wieder erneuren ließ. Ovid. Fast. lib. V. v. 148. & ad eum Neap. & Pontan. l. c. itemque Nardin. lib. VII. c. 8. p. 446. Uebrigens fiel ihr Fest den 1. May ein, und wurde ihr dabey zuförderst ein trächtiges Schwein geopfert. Neapol. ad Ovid. l. c. Man findet noch einer himmlischen guten Göttinn, Cœlestis bona Dea auf einer Aufschrift erwähnet, welche man für die Juno hält, die zu Karthago vorzüglich verehret wurde. Fabret. explic. inscript. p. 108.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 553-555.
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