Maximus, S.S. (69)

[372] 69S. S. Maximus, Abb. Conf., Anastasius, Mon. Conf., Anastasius alter, item Mon. Conf. (13. al. 12. Aug., 21. Jan.). Der hl. Abt Maximus, weit berühmt durch die Heiligkeit seines Lebens, seine Gelehrsamkeit, seine Schriften und seine für das treue und unerschrockene Bekenntniß des wahren Glaubens erduldeten Leiden, war um d.J. 580 aus einem alten und angesehenen Geschlechte zu Constantinopel geboren. Er genoß eine sorgfältige und gelehrte Erziehung. Bei aller christlichen Demuth, der schönsten Zierde seiner Jugend, war es ihm daher nicht möglich, verborgen zu bleiben. Er wurde erster Geheimschreiber und Hofhistoriograph des Kaisers Heraklius und genoß als solcher viel Einfluß und großes Ansehen. Als beiläufig ums J. 626 die Lehre von nur einem Willen in Christus am Hofe des Kaisers Aufnahme fand, zunächst aus politischen Gründen, da man hiedurch die Reste der Monophysiten mit der Kirche zu vereinigen, und die wieder erworbenen Syrischen und Armenischen Provinzen auf diese Weise enger mit seinem Reiche zu verbinden hoffte, bewährte sich der hl. Maximus als ein kräftiger Schild der Reinheit des Glaubens. Wohl begünstigte der Kaiser offen die Monotheleten; er erhob den Bischof Cyrus von Phasis zum Patriarchen von Alexandria, und gewann den Patriarchen Sergius von Constantinopel gleichfalls für die neue Lehre. Noch zu rechter Zeit bestieg Sophronius, ein Mönch aus Palästina, welcher schon früher zu Alexandria und Constantinopel vor dieser Wiedereinführung des Monophysitismus unter einem andern Namen vergeblich gewarnt hatte, den Patriarchenstuhl von Jerusalem (634). Der hl. Maximus hatte vier Jahre vorher den Hof verlassen und sich dem Patriarchen Sophronius bereits in Alexandria als Begleiter zugesellt. Hauptsächlich um von der Welt und ihren Gefahren losgeschieden einzig dem Herrn zu leben, begab er sich in das Kloster Chrysopolis (setzt Skutari) bei Chalcedon in [372] Bithynien, auf dem jenseitigen Ufer von Constantinopel, wo er zum Abt erwählt wurde. Bald darauf erneuerten die Araber ihre Einfälle ins Römische Reich, nahmen Palästina und Aegypten weg, und bedrohten Kleinasien (im J. 637). Der hl. Maximus begab sich um d.J. 640, zunächst aus eben dieser Ursache, nach Afrika und Rom. Ueberall bemühte er sich gegen die Monotheleten in Wort und Schrift kräftig zu wirken. Besonderes Aufsehen erregte (Hefele, Concil-Gesch. III. 215 ff.) die merkwürdige Disputation, welche der hl. Maximus mit dem abgesetzten und vertriebenen Patriarchen Pyrrhus von Constantinopel in Afrika (wir wissen nicht in welcher Stadt) abhielt. Er bewies dabei viele dialektische Gewandtheit. Bald darauf drohten der Kirche neue Erschütterungen durch eine falsche Auffassung der Lehre von der zukünftigen Auferstehung. Er wohnte einer Conferenz zu Carthago (im J. 645) und hierauf einer Synode zu Rom (649) bei, in welcher unter Papst Martin I. (s.d.) die Urheber der monotheletischen Irrthümer von der Kirche ausgeschlossen wurden. Am herrlichsten zeigte der hl. Maximus seine Be geisterung für die Wahrheit, als er unter dem Kaiser Constans II. (642–668) dieselbe bis aufs Blut vertheidigte. Von Rom wurde er im J. 653 mit den beiden Anastasius nach Constantinopel gebracht und nach zweijähriger Hast in Untersuchung genommen. Der kaiserliche Sacellarius (Fiskal) warf ihm Haß gegen den Kaiser vor, mit dem Beisatze, er sei Schuld, daß Aegypten, Alexandria, die Pentapolis und Afrika von den Saracenen erobert worden sey. Im Gefängnisse wurde er auch wegen seines Glaubens vernommen. Der hl. Maximus gab ausführliche Antwort und schloß mit den Worten: »Ich habe kein eigenes Glaubensbekenntniß, sondern stimme mit der katholischen Kirche überein.« Den Vorwurf, er beleidige den Kaiser, weil er gegen den Typus spreche, wies der Heilige unter großer Demuthsbezeugung damit zurück, daß er vor Allem Gott nicht beleidigen dürfe. Man trieb aber den ungerechten und blinden Haß gegen ihn so weit, daß sogar ein Bordellbesitzer als Ankläger gegen ihn zugelassen wurde. Für einen Mann wie der hl. Maximus mußte jedes Wort aus solchem Munde schmerzlichere Wundenschlagen als die grausamste Geißelung. Schließlich ertheilten seine monotheletischen Feinde dem Kaiser den Rath, ihn und seine Schüler mit harter Verbannung zu strafen, jeden an einem andern Orte. Der hl. Maximus wurde nach Byzia, heutzutage Viza an dem gleichnamigen Küstenflüsse des schwarzen Meeres in Thracien, von seinen Schülern einer nach Perberis, der andere nach Esembria verwiesen, fast ohne Kleidung und Nahrung. Am 24. Aug. d.J. 656 kam Bischof Theodosius von Cäsarea in Bithynien als Abgesandter des Patriarchen von Constantinopel sammt den Patriziern Theodosius und Paulus, als Bevollmächtigter des Kaisers, um mit dem hl. Abte neuerdings zu verhandeln. Am 8. Sept. des nämlichen Jahres wurde er sodann auf kaiserlichen Befehl nach dem Kloster des hl. Theodor bei Rhegium gebracht. Zugleich wurde er nochmal aufgefordert, den Typus anzuerkennen. Da er standhaft blieb, führte man ihn nach Salembria, wo man ihn als Gegner der hl. Gottesgebärerin, welcher er diesen Namen nicht geben wolle, verleumdete. Aber durch seine fromme und kräftige Vertheidigung gewann er viele Gemüther. Seine Wächter brachten daher auch ihn nach Perberis. Wie lange er hier blieb, ist ungewiß. Da er unbeugsam blieb, machte man ihm in Constantinopel den Proceß. Es wurde über ihn und seine Schüler das grausame Urtheil gesprochen: Ma ximus und die beiden Anastasius22–23 sollen gegeißelt, die »gotteslästerliche« Zunge ihnen bei der Wurzel abgeschnitten, ihre rechte Hand, die Dienerin ihrer Gottlosigkeit, abgehauen werden; hernach solle man sie zum abschreckenden Beispiele durch alle zwölf Stadttheile herumführen und aufs Neue verbannen, jedoch in beständiger strenger Gefangenschaft halten. So kamen die heiligen Bekenner im J. 662 in das Land der Laziken, wo sie am 8. Juni ankamen. Dabei ereignete sich das Wunder, daß der Apokrisiarius Anastasius23 auch nach abgeschnittener Zunge reden konnte, wenn er nicht etwa, wie Baronius angibt, vom Kaiser begnadiget worden ist. Der hl. Maximus und der andere Anastasius starben im Gefängnisse von Schemre bald nach ihrer Abführung am 13. Aug. nach vielen Kerkerleiden. Der hl. Maximus war 82 Jahre alt geworden. Anastasius23 der Apokrisiarier folgte ihnen im J. 666 am 11. Oct. Der grausame Kaiser wurde, während er in Sicilien verweilte, im Bade erschlagen, im J. 668. Dieser hinterließ dem Volke den Eindruck [373] eines verabscheuungswürdigen Tyrannen, während es den hl. Maximus und seine Leidensgenossen unter die Zahl seiner Vorbilder und Fürbitter setzte und von dem Augenblicke ihres Hinscheidens an kirchlich verehrte. Am Grabe des hl. Maximus brannten Tag und Nacht drei hellleuchtende Lampen, die Sinnbilder seiner Rechtgläubigkeit und seines Eifers. Sein Leichnam befand sich im Kloster des hl. Arsenius, wo auch viele Heilungen geschahen. Später kamen seine Reliquien nach Constantinopel. Die von ihm verfaßten Werke, enthaltend allegorische Erklärungen mehrerer Bücher der hl. Schrift, Abhandlungen gegen die Monotheleten, Ascetisches, Liturgisches, Briefe etc. etc. hat Combesisins im J. 1675 in zwei Folianten herausgegeben.181 Alle Geschichtschreiber und Martyrologien sind seines Lobes voll: sie nennen ihn den gelehrtesten und scharfsinnigsten Theologen seiner Zeit, »Philosoph und Martyrer«, oder auch »Homologetes«, d.J. Bekenner. Es ist keine Frage, daß der hl. Maximus in der That ist was sein Name sagt, einer der größten Heiligen, in welchem die Gnade und Liebe unsers Heilandes im höchsten Grade wohnte, dessen eifervolle Thätigkeit eben so groß war wie seine Geduld und Standhaftigkeit in Uebertragung der schwersten Verfolgungen. Sein Andenken wird an verschiedenen Tagen gefeiert. Das Mart. Rom. nennt ihn zum 13. Aug. und gedenkt zugleich auch der beiden Anastasius und Anderer, »welche verschiedene Peinen und harte Verbannungen erfuhren.« Die Menäen haben ihn am 12. August, Andere wieder am 21. Januar. Baronius nennt den 13. August als seinen Todestag. Ebenso Baillet. Andere nennen diesen Tag auch als Erinnerung an die Uebertragung seines Leibes nach Constantinopel. (III. 97–132).


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 372-374.
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