Harn

[229] Harn (Urina), flüssiger Auswurfstoff von bernsteingelber Farbe, der durch eigene Organe, die H.organe (organa uropoëtica), aus dem Blute abgesondert u. aus dem Körper entfernt wird. Die H.organe sind: die beiden Nieren (s. d.), in welchen die Absonderung des H.s aus dem Blute geschieht, die beiden H.leiter, die H. blase u. die H. röhre. Die H.leiter entspringen als häutige Röhren aus den Nieren und münden in die H. blase; diese bildet einen häutigen, eiförmigen Behälter, in dem sich der aus den Nieren durch die H.leiter in dieselbe träufelnde H. ansammelt; die Blase geht an ihrem untern sich zuspitzenden Theil (dem Blasenhals) in die H. röhre über. Der H. besteht zum größten Theile aus Wasser und enthält in demselben 2 ihm eigenthümliche Stoffe, den H.stoff und die H. säure, neben verschiedenen Salzen und Säuren. Die Zusammensetzung des H.s ist indeß verschieden nach Alter, Tageszeit, und besonders nach der Verschiedenheit der Nahrungsmittel u. Getränke. Fremde, ins Blut übergegangene Stoffe gehen hauptsächlich durch den H. wieder ab. Große Veränderungen in Gehalt und Farbe zeigt der H. in den verschiedenen Krankheiten, u. seine Besichtigung ist oft sehr wichtig für die Diagnose. Die Krankheiten der H.organe sind sehr vielfach, hauptsächlich Entzündungen der Nieren, der Blase, der H. röhre mit ihren Folgeübeln, ferner die Brightʼsche Nierenkrankheit, die [229] H.ruhr, Bildung von Gries u. Steinen, Blutungen, Schleimflüsse (besonders der H.röhre als Tripper), unwillkührlicher H.abgang, H.verhaltung etc.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 229-230.
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