Ich

[387] Ich, griech. u. lat. ego, ital. io, engl. I. französ. moi, je, bezeichnet im allgemeinsten Sinn den Sprechenden als Subject, dann in der Philosophie den selbstbewußten Geist, den lebendigen Mittelpunkt aller Vorstellungen des denkenden Wesens (s. Bewußtsein). Man unterschied das reine I., d.h. das I. als solches od. das abstracte vom empirischen d.h. individuellen, erfahrungsmäßigen des einzelnen Menschen; ersteres spuckte besonders seit Fichte (s. d.) nicht nur als ursprüngliches, sondern sogar als absolutes in den s. g. Metaphysiken, welchem Unsinn Jacobi und Herbart entgegentraten, letzteres ist Gegenstand der Anthropologie. Endlich bezeichnet das I. den selbstsüchtigen Willen des Menschen, das reine oder vielmehr sehr unreine I. im Gebiete der Moral; vgl. Egoismus.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 387.
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