Johann XXII.

[488] Johann XXII., früher Jakob von Ossa, aus Cahors gebürtig, Cardinalbischof von Porto, Papst 1316–1334. Versprach vor der Wahl Rückkehr nach Rom, nahm aber seinen Sitz zu Avignon und machte 7 neue französ. Cardinäle. Während Ludwig der Bayer und Friedrich von Oesterreich um die Kaiserkrone kämpften. machte der Papst den König Robert zum Reichsstatthalter Italiens und als Ludwig der Bayer seit 1322 sich als Kaiser benahm, lud ihn J. XXII. am 8. Oct. 1323 zum päpstl. Urtheilsspruch vor. Der Bayer berief sich trotzig auf die Wahl der Kurfürsten, der Papst antwortete 1324 mit Bann und Interdict. Aus dem sehr leidenschaftlichen Schriftenwechsel jener Zeit geht hervor, wie sehr das Ansehen des Papstthumes in Folge schlechter Verwaltung u. der Abhängigkeit von Frankreich gesunken war. Als der Bayer sich mit Friedrich von Oesterreich ausgesöhnt hatte, kam er 1327 nach Italien, ließ J. XXII. absetzen und stellte ihm Nikolaus V. als Gegenpapst gegenüber, doch mußte Ludwig vor Robert von Neapel und dem Hohn der Italiener weichen Nikolaus V. wurde nach Avignon ausgeliefert. Um das Interdict in Deutschland zu beseitigen, verstand sich Ludwig seit 1330 zu allem, begann aber wieder ärger als je zu opponieren, als J. XXII. st. Durch Einführung der Annaten u. Besetzung vieler höhern Beneficien hatte er viel Geld aufgehäuft. Schrieb über die Verwandlung der Metalle sowie über die Verachtung der Welt. Predigten, die ihn in den Ruf der Ketzerei brachten u.a.m., s. Extravaganten.

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Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 488.
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