Titus, St.

[487] Titus, St., Schüler u. Gehilfe des Apostels Paulus, in der Apostelgeschichte nirgends erwähnt, laut den Briefen Pauli höchst wahrscheinlich von Paulus vom Heidenthume bekehrt, wurde von diesem zum Apostelconcil nach Jerusalem mitgenommen, traf mit ihm auf der zweiten Missionsreise in Macedonien zusammen, überbrachte den Korinthern den 2. Brief des Weltapostels u. erhielt dann die Leitung der Christengemeinde auf der Insel Kreta. T. soll auch in Dalmatien gewesen sein und den hl. Domius zum ersten Bischof von Salona eingesetzt haben; gewiß ist, daß T. als Apostel Dalmatiens verehrt wird. Die Griechen schmückten das Leben des T. mit allerlei Sagen aus, machten ihn zu einem [487] Prinzen von Kreta, zu einem guten Bekannten Jesu Christi u.s.f.; er soll als erster Bischof von Kreta hochbetagt zu Gortyna gestorben und begraben, sein Haupt aber 823, als die Sarazenen diese Insel verheerend heimsuchten, nach Venedig gebracht worden sein, wo es in der St. Markuskirche beigesetzt wurde. Der Brief Paulian T. ist ein Geschäftsbrief, worin gesagt wird, wie sich ein Bischof unter den seit alten Zeiten als »Lügner, böse Thiere u. faule Bäuche« berüchtigten Kretensern zu benehmen habe. Daß die »historische Texteskritik« sich auch hinter diesen Brief machte, damit die Bibel wieder um 3 Kapitelchen ärmer werde, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Gedächtnißtag des T. der 4. Jan., bei den Griechen der 25. Aug. – Nicht mit dem Vorigen zu verwechseln ist der in der Apostelgeschichte (18,7.) erwähnte, aber sonst unbekannte T. Justus.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 487-488.
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