Theologie

[630] Theologie (gr. theologia von theos = Gott und logos; = Lehre) hieß bei den Griechen die Lehre von den Göttern und den göttlichen Dingen, und Theologe derjenige, der eine Theogonie dichtete, wie Hesiodos, oder über den Ursprung der Ding durch die Götter spekulierte, wie Empedokles. In der alten christlichen Kirche nannte man einen Theologen den. der die Gottheit des Logos (s. d.) verfocht, z.B. Johannes, Athanasius, Gregor von Nazianz. Seit Abälard ( 1142) bedeutet Theologie[630] die gelehrte Darstellung der gesamten Religionswissenschaft. Die Scholastik unterschied zwischen natürlicher und geoffenbarter Theologie. Die Fakultätswissenschaft der Theologie, welche, wie besonders Schleiermacher (1768-1834) dargetan hat, eine Vereinigung von historischen, philologischen und philosophischen Kenntnissen ist und ihre dogmatische und ethische Seite hat, steht mit der Philosophie und ihrer Geschichte im Zusammenhang. Vgl. Katholizismus und Philosophie, Protestantismus und Philosophie. Kant (1724-1804) teilt die Theologie, die Erkenntnis des Urwesens, in die aus Offenbarung (revelata) und aus bloßer Vernunft (rationalis) (Kr. d. r. V. S. 631). Die letztere ist entweder transscendental (Deismus), wenn Gott nach reinen Anschauungsbegriffen als Urwesen und Weltursache gedacht wird (Proleg. S. 171), oder natürlich (Theismus), wenn Gott analogisch-anthropomorphistisch nach Erfahrungsbegriffen als Welturheber erkannt wird (Proleg. S. 173). Der Deismus ist entweder Ontotheologie, d.h. Erkenntnis Gottes aus bloßen Begriffen (Kr. d. r. V. S. 592 ff.) oder Kosmotheologie, wenn Gott aus dem Dasein einer Welt überhaupt und ihrer Zufälligkeit erschlossen wird (Kr. d. r. V. S. 603 ff.). Der Theismus ist entweder Physikotheologie, d.h. die Erkenntnis Gottes als Urhebers der in der natürlichen Sinnenwelt vorhandenen Ordnung und Vollkommenheit (Kr. d. r. V. S. 620 ff.), oder Moraltheologie, d.h. die Erkenntnis Gottes aus der praktisch notwendigen sittlichen Ordnung der Welt (Kr. d. pr. V. S. 5, S. 223 ff.). Vgl. R. Hagenbach, Encyklopädie d. theol. Wissenschaft. 9. Aufl. 1874.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 630-631.
Lizenz:
Faksimiles:
630 | 631
Kategorien: