[Was wilt du/ stiller Celadon]

[300] Was wilt du/ stiller Celadon/

Bey Leuten eitler Sinnen machen/

Wo Trug und List/ ein herber Lohn/

Auff treuer Unschuld Schaden wachen?

Der Kittel alter Redligkeit

Ist für die Mode-Welt ein viel zu schlechtes Kleid.


Wer anders sagt und anders denckt/

Bey Höll und Himmel sich verschweret/

Sein Hertze dar und hier verschenckt/

Und doch an keinem Ort gewehret/

Verstehet seine Sachen wohl/

Und weiß/ wie er sich recht bey Leuten halten soll.


Ich habe zwar vom Amadiß

Die meisten Theile durchstudiret/

Ich weiß/ was zu der Argenis

Für Wort' ihr Poliarchus führet/

Der Schäffereyen schönes Land

Und Zipriens Parnaß ist mir nicht unbekandt.


Papier und Feder schämt sich nicht/

Läst wohl ein eitles Wort entfliegen/

Hat eh ein Liedchen eingericht/[300]

Der Leute Willen zu vergnügen;

Doch/ kömmts zum Reden/ so hats Noth/

Die Zunge wird mir schwer/ die Wangen werden roth.


Ich kan mich an die Heucheley

Und Hinterlist der Welt nicht binden/

Noch in die schnöde Sclaverey

Gezwungner Höfligkeiten finden.

Bin allzu sparsam stets verliebt/

Für Leute freyen Sinns zu stille/ zu betrübt.


Was meinen Augen nicht gefällt/

Drum kan ich mich nicht viel bemühen/

Und solt ich allen Haß der Welt

Mir drüber auff den Nacken ziehen.

Ich halt auff meiner Freyheit Recht/

Weil mich der Himmel nicht gezeuget einen Knecht.


Die Redligkeit/ mein bestes Gutt/

Kan ich niemahls von Sinne lassen/

Ich will mir einen frischen Mutt

Zu Trotze meinen Neidern fassen:

Laß Sturm und Wetter um mich seyn/

Ich hülle mich getrost in meine Tugend ein.


Wer nicht mein stilles Wesen liebt/

Kan meine Gegenwart nur meiden/

Ich werde mich gantz unbetrübt

Von seiner rohen Seite scheiden/

Beständigkeit und reine Treu

Ist mein gewisser Schmuck und beste Liverey.


Quelle:
Hans Aßmann von Abschatz: Poetische Übersetzungen und Gedichte. Bern 1970, 1, S. 300-301.
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