Der Mantel ist ein lustig Haus

[150] Der Mantel ist ein lustig Haus,

Drin ist gewölbt ein Keller,

Da giebt es manchen schönen Schmaus,

Da geht es stets herein, heraus,

Und kostet keinen Heller.


Ein Ofen ist in diesem Haus,

Das ist die Tabackspfeife,

Die macht mir Wölklein weiß und kraus,

Es scheint recht wie ein Blumenstrauß,

Weg ist's, wenn ich nach greife.


Der Brenner ist des Teufels Kost,

Mit Feuer ich ihn locke,

Und für den einzigen Höllentrost

Er alle Feinde niederstoßt,

Zu Dutzend und im Schocke.[150]


Mein Pferdchen, das mit Sprüngen trabt,

Hab' ich durch ihn erbeutet,

Wie es mir nun das Herze labt,

Als hätt' ich es zum Thron gehabt,

Wenn es die Mähne breitet.


Es ist ein großer Federkrieg

In aller Welt entstanden,

Die hohe Feder wallt zum Sieg,

So weit mein Schwert reicht, alles liegt,

Als wüchs es auf dem Lande.


Wir sitzen ab im Städtlein drin,

Die Bürgermädchen schauen,

Die erste fass' ich an das Kinn,

Die zweite sieht, daß ich es bin,

Und thut mich lieblich hauen.


Ich laß mir ein klein Zettelein

Von ihrem Rathsherrn schmieren,

Dafür läßt mich ein jeder ein,

Und bringt mir gleich den Krug mit Wein,

Ich und mein Pferd regieren.


Das Mädchen führt uns in den Stall,

Im Stall da ist es dunkel,

Da leuchtet dann ihr Aug' zumal,

Wie Sonne über Berg und Thal,

Mit lieblichem Gefunkel.


Das schöne Kind klatscht mir mein Pferd,

Möcht' ihm zu fressen geben.

»Nur glühe Kohle frißt mein Pferd,

Die Augen dein, die sind der Heerd;

Dir ist es ganz ergeben.«[151]


Wer das Kommisbrod hat erdacht,

Das war ein guter Reiter,

Das steht uns frei bei Tag und Nacht,

Mein Pferdchen es auch nicht veracht,

Es macht uns fest und heiter.


Quelle:
Achim von Arnim: Sämtliche Werke. Band 22: Gedichte, Teil 1, Bern 1970, S. 150-152.
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