Prinz Eugen[27] 1

Prinz Eugen, der edle Ritter,

Will dem Bonaparte machen

Eine gar gewaltge Schlacht,

Blieb in Halle stehn mit Lachen,

Will der Feinde Plane wittern,

Jede Sicherheit veracht.


Wär ein Bollwerk auf der Brücke,

Müßten wir uns lange halten,

Und das kostet Menschenblut;

Oder gingen wir zurücke,

Würd man uns für feige halten,

Vorzugehn thut auch nicht gut.


Abzuwarten ist jetzt Mode,

Kommt der Feind mal außer Othem,

Stehen wir noch immer fest,

Wie ein Zaunpfahl stehn ist Tugend,

Lasset nur die rasche Jugend,

Denn sie weiß nicht was das Best.


Seine Truppen kantonieren,

Er will sich nicht sehr genieren,

Bleibt in seinem weichen Bett,

Lacht zu seinem Adjutanten,

Die zu ihm mit Eile rannten,

Weil der Feind schon schießen thät.[28]


Das ist groß Rekognosziren,

Meine Herrn, laßt euch nicht irren,

Denn wir sind noch nicht bereit,

Ei was sollten sie denn kommen

Eh die Wagen weggenommen,

Ei, das wär ja vor der Zeit.


»Prinz, sie kommen hell in Haufen!«

Ei so laßt sie immer laufen,

Schießt, wenn da Kanonen sind,

Die Bagag' besorg' ich immer,

Zang und Stuhl geht mir in Trümmer

Und verloren wär manch Kind.


Prinz Eugen, du bist wohl schwanger,

Hast wohl nach Franzosen Lusten,

Machst du einen Kaiserschnitt?

Als das die Franzosen wußten,

Nahmen sie die rechte Zange,

Kamen an in schnellem Schritt.


Die Kanonen demontirten

Sie im nächsten Augenblicke,

Schickten ihre Schützen aus,

Vor des Hofrath Schützens Blicken

Ganz entsetzlich tiraillirten,

Plünderten sogar sein Haus.


Drängten auf dem offnen Markte

Reiter, Fußvolk wie zum Kaufe,

Von dem Blut die Straßen naß,

Und der Feind entsetzlich harkte

An den Ecken hohe Haufen,

Wo er hintrifft, wächst kein Gras.[29]


Prinz Eugen, der wollt nun stellen

Seine Truppen in Parade,

Er erlaubt es uns aus Gnade,

Daß sie fallen, weil sie todt,

Wie in solchen Unglücksfällen

Jeder sucht sich wegzustehlen,

Natzmer nur half aus der Noth.


Treskow wurde ganz vergessen,

Kam ganz ungewarnt marschieret,

Ist umringt und attakiret,

Muß das Schlachtfeld bald verlieren,

Ist in kurzer Zeit vermessen, –

Prinz Eugen gar nichts verliert.


Denn der Feind find's so geschenket,

Was er hier so leicht empfangen,

Hält es für ein Prinzenglück.

Unsres Prinzen er gedenket,

Den Geburtsstuhl und die Zange

Schickt er ihm umsonst zurück.


Als er die zurück bekommen,

Meint er, daß er nichts verloren,

Menschen schafft er nun sogleich,

Denn was lebt, das ist geboren,

Als Soldat wird angenommen,

Dieser Nachwuchs rächet euch.


So muß jeder accouchiren,

Daß das Kindlein mit dem Bade

Ausgegossen sich verlor,

Braucht dann Ammen nicht zu führen,

Wartet nicht auf Priesters Gnade,

Wen'ger braucht des Prinzen Corps.[30]


Ruhig steckt er Pelz und Hose,

Auch den Dollmann weit und lose

Zu der allerschönsten That

Hoch auf eine Bohnenstange,

Also ward den Vögeln bange,

Also schützt er unsre Saat!


Er mit gar geschwinden Händen

Muß sogleich das Kindlein wenden,

Freien aus der Leibeshaft,

Ei es ist ein gut Geselle,

Keiner jetzt an seiner Stelle,

Guter Wille ohne Kraft.


Solch ein Überfall bei Tage,

Den im voraus jeder wußte,

Als ein Wunder Preußen ziert!

Größre Wunder, größre Plage!

Und den Prinzen hört ich sagen:

»Hab gesiegt, dann retirirt.«


Fußnoten

1 Prinz Eugen von Würtemberg, der 1806 bei Halle von den Franzosen sich schlagen ließ; er war ein eifriger Geburtshelfer.


Quelle:
Achim von Arnim: Sämtliche Werke. Band 22: Gedichte, Teil 1, Bern 1970, S. 27-31.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Anonym

Schau-Platz der Betrieger. Entworffen in vielen List- und Lustigen Welt-Händeln

Schau-Platz der Betrieger. Entworffen in vielen List- und Lustigen Welt-Händeln

Ohnerachtet Schande und Laster an ihnen selber verächtlich / findet man doch sehr viel Menschen von so gar ungebundener Unarth / daß sie denenselben offenbar obliegen / und sich deren als einer sonderbahre Tugend rühmen: Wer seinem Nächsten durch List etwas abzwacken kan / den preisen sie / als einen listig-klugen Menschen / und dahero ist der unverschämte Diebstahl / überlistige und lose Räncke / ja gar Meuchelmord und andere grobe Laster im solchem Uberfluß eingerissen / daß man nicht Gefängnüsse genug vor solche Leute haben mag.

310 Seiten, 17.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon