Annonciatens Bild

[94] Am Hügel sitzt sie, wo von kühlen Reben

Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke,

Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke,

Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben.


Orangen sind ihr in den Schoß gegeben

Zu zeigen, wie die Glut sie nur entzücke,

Und länger weilt die Sonne, sieht zurücke

Zum stillen Kinde in das dunkle Leben.


Der freien Stirne schwarze Locken kränzet

Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte,

Zur Seite sitzt ein Pfau, der in den Strahlen


Der Sonne, der er sehnend ruft, erglänzet.

Mit solchen Farben wollte das Gemüte,

Von Annonciata fromm ein Künstler malen.


Quelle:
Clemens Brentano: Werke. Band 1, München [1963–1968], S. 94.
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