Mariens Bild

[94] Im kleinen Stübchen, das von ihrer Seele,

An reiner Zierde uns ein Abbild schenket,[94]

Sitzt sie und stickt, den holden Blick gesenket,

Daß sich ins reine Werk kein Fehler stehle.


Was ihres Busens keuscher Flor verhehle

Und ihre Hand in stillem Fleiße lenket,

Die Lilie an ihrer Seite denket,

Das Täubchen dir in ihrem Schoß erzähle.


Durchs Fenster sehen linde Sonnenstrahlen,

Die Josephs Bild, das eine Wand bedecket,

Mit ihrem frohen Glanze heller malen,


Und wär' der Schein der Taube zu vereinen,

Die sie herabgebückt im Schoß verstecket,

Marie würde Mutter Gottes scheinen.


Quelle:
Clemens Brentano: Werke. Band 1, München [1963–1968], S. 94-95.
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