|
[470] Ein Maler und ein Musikus,
So Wand an Wand, das gibt Verdruß.
Besonders wird das Saitenspiel
Dem Nebenmenschen oft zuviel.[470]
Schon hat der Maler, sehr verdrossen,
Sich die Ohren zugeschlossen.
Doch so ein rechtes Flageolett
Dringt durch. – Der Maler kriecht ins Bett.
Jetzt kommt vermittelst einer Pfeife
Des Malers Racheplan zur Reife.
[471] Das Wasser rinnt ins Instrument;
Der Musikus schreit Zapperment!
Er kommt, von Rachedurst durchdrungen,
Ins Atelier hereingesprungen;
[472] Und packt – ritsch, ratsch! mit kühner Hand
Den Maler durch die Leinewand.
Nun geht es los! – Der Pudel naht
Und mischt sich in das Attentat.
Der Musikus kämpft unverdrossen
Und wird mit Sikkativ begossen. –
[473]
Am Ende läßt man ab vom Streite;
Der Pudel freut sich seiner Beute.
Verruiniert stehn beide da. –
Das tatest du, Frau Musika!
[474]
Buchempfehlung
Die tugendhafte Sara Sampson macht die Bekanntschaft des Lebemannes Mellefont, der sie entführt und sie heiraten will. Sara gerät in schwere Gewissenskonflikte und schließlich wird sie Opfer der intriganten Marwood, der Ex-Geliebten Mellefonts. Das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel ist bereits bei seiner Uraufführung 1755 in Frankfurt an der Oder ein großer Publikumserfolg.
78 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.
430 Seiten, 19.80 Euro