|
[470] Ein Maler und ein Musikus,
So Wand an Wand, das gibt Verdruß.
Besonders wird das Saitenspiel
Dem Nebenmenschen oft zuviel.[470]
Schon hat der Maler, sehr verdrossen,
Sich die Ohren zugeschlossen.
Doch so ein rechtes Flageolett
Dringt durch. – Der Maler kriecht ins Bett.
Jetzt kommt vermittelst einer Pfeife
Des Malers Racheplan zur Reife.
[471] Das Wasser rinnt ins Instrument;
Der Musikus schreit Zapperment!
Er kommt, von Rachedurst durchdrungen,
Ins Atelier hereingesprungen;
[472] Und packt – ritsch, ratsch! mit kühner Hand
Den Maler durch die Leinewand.
Nun geht es los! – Der Pudel naht
Und mischt sich in das Attentat.
Der Musikus kämpft unverdrossen
Und wird mit Sikkativ begossen. –
[473]
Am Ende läßt man ab vom Streite;
Der Pudel freut sich seiner Beute.
Verruiniert stehn beide da. –
Das tatest du, Frau Musika!
[474]
Buchempfehlung
Im Alter von 13 Jahren begann Annette von Droste-Hülshoff die Arbeit an dieser zarten, sinnlichen Novelle. Mit 28 legt sie sie zur Seite und lässt die Geschichte um Krankheit, Versehrung und Sterblichkeit unvollendet.
48 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro