1805

[232] 17/5002.


An Friedrich Schiller

[1. Januar.]

Hier zum neuen Jahr mit den besten Wünschen, ein Pack Schauspiele. Da Sie doch solche mit gutem Humor ansehen; so werfen Sie doch ein Paar Worte auf's Papier über jedes. Am Ende giebts doch ein Resultat. Nicht wahr Oels hat keine Rolle in der Phädra. Er bat um Urlaub den ich ihm um so lieber gebe.

Erhalte ich nicht bald ein Paar Ackte? Der Termin rückt nun mit jedem Tage näher in's Auge.

G.


17/5003.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten

1. Die Aufsätze und Recensionen von Görres, in denen ich nur ein einzig allzuauffallendes Gleichnißwort geändert habe;

2. die beyden andren auf Gall sich beziehenden Recensionen, deren Zurechtschneidung und Gebrauch völlig überlasse;

3. die Schleiermacherischen Arbeiten, zu denen von Herzen glückwünsche.

[232] Diese mir nie günstige Jahrszeit hat mich auch gehindert das Programm zu senden. Es ist indessen so gut als fertig; das Kupfer wird abgedruckt.

Fangen Sie die neue Epoche mit Heiterkeit an und bleiben meines Antheils gewiß.

Weimar den 2. Januar 1805.

Goethe.


17/5004.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ich entschließe mich noch den größten Theil des Programms zu übersenden, daß es einstweilen abgesetzt werden kann. Das übrige folgt nächstens.

Eine Revision erbitte mir umsomehr, als das Manuscript nicht das reinlichste ist.

Weimar den 2. Januar 1805.

Goethe.


17/5005.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten hierbey:

1. die Correctur des ersten Programmblattes;

2. Das übrige Manuscript;

3. einen Probedruck des Kupfers;

4. einige Regierungsblätter.

Was das Übersendete betrifft, so erhalten Sie solches nächstens, auch darüber meine Gedanken.

[233] Der ich heute aus mancherley Zerstreuungen nur Gegenwärtiges wegzuschaffen suche und mich bestens empfehle.

Weimar den 9. Januar 1805.

Goethe.


17/5006.


An Friedrich Schiller

Sagen Sie mir, bester Freund, ein Wort von Sich und Ihren Arbeiten. Meine Versuche mich der hohen und schönen Welt zu nähern sind mir nicht zum besten gelungen. Wenigstens auf einige Tage bin ich wieder ins Haus zurückgedrängt. Da möcht ich denn etwas erfreuliches von Ihrer Warte her. Und zugleich fragen ob Ihre Damen wohl morgen früh den Donnerstag mit den Freundinnen bey mir feyern möchte. Wohlseyn und Stimmung!

d. 9. Jan. 1805.

G.


Eben höre ich daß die Hoheit uns morgen beglückt. Es wäre recht artig wenn Sie sich entschlössen auch Theil zu nehmen.


17/5007.


An Charlotte von Stein

Darf ich hoffen Sie morgen frühe, verehrte Freundinn, bey mir zu sehen? Wahrscheinlich wird[234] uns der Erbprinzess Hoheit mit Ihrer Gegenwart beglücken.

Hierbey Jenaische und Londoner Gaben. Den freundlichsten Guten Tag!

d. 9. Jan. 1805.

G.


17/5008.


An Heinrich Becker

Nehmen Sie sich, lieber Becker, nur ein wenig der Mitschuldigen an. Es wäre gut, wenn wir Sie Sonnabend über acht Tage oder Mittwochs vorher geben könnten. Wenn die Rollen gelernt sind, so könnten wir eine Probe bey mir auf dem Zimmer halten. Geht Dem. Silie wieder aus?

den 10. Jan. 1805.

Goethe.[235]


17/5008a.


An Charlotte von Stein

[Weimar, Mitte Januar 1805.]

Für den schönen Fisch dancke schönstens und werde mir ihn als Fastenspeise wohl schmecken lassen. Ich war auf recht gutem Wege in Dr Friesens chemischer Stunde ein Halsweh geholt das nicht nachläßt und mich Donnerstags verhindern wird Sie und die Freundinnen zu sehen. Bald hoffe ich für uns alle das Bessere. Tausend Lebewohl.

G.[84]


17/5009.


An Friedrich Schiller

[14. Januar.]

Ich wünsche Glück zu dem guten Gebrauch dieser gefährlichen Zeit. Die drey Ackten habe ich mit vielem Antheil gelesen. Das Stück exponirt sich kurz und gut und die gehetzte Leidenschaft giebt ihm Leben. Ich habe die beste Hoffnung davon. Dazu kommt, daß einige Hauptstellen, sobald man die Motive zugiebt, von vortrefflicher Wirkung seyn müssen. In diesen ist auch die Diction gut gerathen. Übrigens[235] hatte ich angefangen hie und da einige Veränderungen einzuschreiben. Sie beziehen sich aber nur auf den mehrmals vorkommenden Fall, daß ein Hiatus entsteht, oder zwey kurze (unbedeutende) Silben statt einem Jambus stehen; beyde Fälle machen den ohnehin kurzen Vers noch kürzer, und ich habe bey den Vorstellungen bemerkt, daß der Schauspieler bey solchen Stellen, besonders wenn sie pathetisch sind, gleichsam zusammenknickt und aus der Fassung kommt. Es wird Sie wenig Mühe kosten solche Stellen nachzuhelfen. Haben Sie übrigens die Güte, das Ausschreiben der Rollen möglichst zu beschleunigen; denn das Stück will doch gelernt und geübt seyn.

Das Leben des Marmontel schicke ich mit Vergnügen, es wird Sie einige Tage sehr angenehm unterhalten. Sie werden darin ein paarmal auf den Finanzmann Bouret stoßen, der uns durch Rameau's Vetter interessant geworden. Haben Sie doch die Güte mir nur die Pagina zu bemerken, ich kann die wenigen Züge sehr gut für meine Noten benutzen.

Wenn unsre junge Fürstin an dem was wir mittheilen können, Freude hat, so sind alle unsre Wünsche erfüllt. Unser einer kann ohnehin nur immer mit dem Apostel sagen: Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, gebe ich im Nahmen des Herrn. Denken Sie doch auch darüber, was man ihr allenfalls bey solchen Gelegenheiten vortragen kann. Es müssen kurze Sachen seyn, doch von aller Art[236] und Weise, und mir fällt gewöhnlich das nächste nicht ein.

Leben Sie recht wohl und gedenken Sie mein. Sobald ich wieder wagen darf auszugehn, besuche ich Sie einen Abend. Ich habe vor Langerweile allerley gelesen, z.B. den Amadis von Gallien. Es ist doch eine Schande, daß man so alt wird, ohne ein so vorzügliches Werk anders als aus dem Munde der Parodisten gekannt zu haben.

G.


Die letzten Blätter die ich nachher las haben mir auch sehr wohl gefallen.


17/5010.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Manches andre mit den morgenden Boten.

Den 15. Januar 1805.

G.


17/5011.


An Johann Friedrich Cotta

So manch innre und äußere Hindernisse haben mich abgehalten entfernten Freunden von mir Nachricht zu geben, daß ich einmahl alle meine Briefemit einer Entschuldigung anfangen muß. Übrigens bleiben Sie wohl überzeugt, daß mir die mannichfaltigen[237] artigen Gaben, die ich in der Zwischenzeit von Ihnen erhielt, immer viel Vergnügen machten.

Winckelmann und was zu ihm gehört, gegen Ostern ausgestattet seyn. Wir erwarten Sie mit Vergnügen, um über einige bedeutende Angelegenheiten zu sprechen.

Hubers Tod hat uns unangenehm überrascht. Sein Verlust muß Ihnen bey mancher Unternehmung eine große Lücke machen. Ich will um so mehr auch von meiner Seite sehen, ob ich Ihnen nicht auf eine oder die andre Art förderlich seyn kann.

Für die Anschaffung des Venuti danke ich sehr. Den für ein italiänisches Buch billigen Preis bitte zu notiren und mir das Werk wohleingepackt auf dem Postwagen baldigst zu übersenden.

Der ich mich wiederhohltem Dank für alles gefällig erzeigte recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 15. Januar 1805.

Goethe.


Ich habe Ihnen vor mehrerer Zeit einmal einen kleinen Aufsatz über Volksgedichte geschickt, welche ein Handwerksmann Grübel in Nürnberg herausgab. Er stand auch in der allgemeinen Zeitung. Ich wünschte ihn gegenwärtig wieder zu haben; da Sie bey Ihren Expeditionen wohl Register über solche Ding besitzen, so sollte es mir angenehm seyn, wenn Sie mir dieses Blatt verschaffen könnten.[238]


17/5012.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Um die Falkische Recension zu beurtheilen, mußte ich erst die Allemannische Gedichte lesen. Dieses ist nun geschehen, und ich finde leider, daß von ihr gar nichts zu brauchen ist. Der gute Mann ist mit sich selbst und seinen Grundsätzen nicht einig und nun kommen einige Grundsätze auf wunderliche Weise den Allemannischen Gedichten in die Haare. Das zerrt sich nun herum, sodaß man gar nicht weiß, wo man hinsehn soll. Indessen da mich die Gedichte interessiren, will ich sehen, ob ich Ihnen in diesen Tagen eine kurze Recension darüber aufsetzen kann. Vielleicht nehme ich dann auch die Grübelschen Gedichte vor, welche, wenn ich nicht irre, Falk viel höher schätzt, die ich aber caeteris paribus den allemannischen wohl an die Seite setzen möchte.

Die zurückkommende Recension ist recht wacker, wie wir solches von dem Verfasser gewohnt sind.

Der ich von Herzen wohl zu leben wünsche.

Weimar den 16. Januar 1805.

Goethe.


17/5013.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Den Grohmannischen Aufsatz habe ich öfter und diesen Morgen wieder gelesen und ich gestehe gern,[239] daß ich nicht einsehe, wie er einen Platz in dem Intelligenzblatt finden kann.

Es ist keine Anzeige, keine Berichtigung, keine Vertheidigung, keine Belehrung, sogar kein Angriff; denn ich wüßte nicht, was diejenigen, gegen die er gerichtet ist, dagegen thun oder äußern sollten. Es ist eine grobe, beleidigende Höhnerey, ein Versichern des Verfassers, daß ihm das nicht zu Kopfe will, was andre denken und lehren, welche Versicherung man, höflicher oder gröber, von allen Philosophen hören kann, deren Individualität gegenwärtig den deutschen philosophischen Parnaß entzweyt.

Unsre Maxime, in diesem Fach mehr darstellende und begünstigende Recension, als tadelnde und widerwärtige aufzunehmen, ist, wie auch schon die Erfahrung gezeigt hat, sehr gut; sollten wir nun gehässige Invectiven und Grobheiten ins Intelligenzblatt aufnehmen? Dazu würden besondre Beyblätter nöthig seyn; denn jeder hätte doch am Ende dasselbe Recht und man könnte ihm den Raum nicht versagen. Giebt es doch schon der Blätter zu viel, wo dergleichen Dinge stattfinden, und ich wünschte nicht, daß, wie hier schon der Fall ist, das unsrige sich als Echo der Eleganten Zeitung u.s.w. hören ließe.

Herrn Wagner ist es ohnehin bey uns nicht zum besten gegangen, aber man hat ihn mit Gründen, mit Sinn, mit Zusammenhang getadelt; warum wollte man ihn hinterdrein noch verhöhnen und beleidigen?

[240] Herr Schelling ist niemals unbedingt bey uns gelobt worden; es findet sich mehr als eine bedingende und in die Sache tief eingreifende Erinnerung, sodaß also auch hier kein Parteygeist erscheint. Sollte man aber nur alsdann unparteyisch genannt werden, wenn man Männer die man schätzt, in seinem Reviere mißhandeln läßt, so würde ich für meine Person gern auf den Ruf der Unparteylichkeit Verzicht thun.

Die letzte Wagnerische Erklärung im Intelligenzblatt, auf die ich erst aufmerksam geworden bin, ist auf alle Fälle zulässiger; denn Herr Wagner erklärt sich doch, was er für wahre Philosophie hält. Doch hätte ich den Ausdruck aufgewärmter Platonismus ausgelöscht gewünscht. Warum studiren wir denn die alten, als: ähnliche Gesinnungen bey ihnen zu finden oder uns ihnen ähnlich zu bilden? Das kann nun jeder Mißwollende »aufwärmen« heißen.

Wollte Herr Grohmann auch kürzlich und ohne zu polemisiren dasjenige darlegen was er für wahre Philosophie halte, so sollte ich denken, daß alsdann ein Aufsatz von ihm so gut als ein andrer aufgenommen werden könnte.

Ich bin weitläuftig über diese Sache und wünsche mich noch weitläuftiger darüber gelegentlich mit Ew. Wohlgeb. auszureden. Das vergangene Jahr hat sich ehrenvoll bewiesen und der neue Jahrgang fängt auch recht tüchtig und erfreulich an; lassen Sie uns ja alles vermeiden, was uns einigermaßen der verhaßten[241] Classe der widerwärtigen deutschen Blätter nähern könnte.

Weimar den 16. Januar 1805.

Goethe.


17/5014.


An Friedrich Schiller

[17. Januar.]

Ob nun nach der alten Lehre die humores peccantes im Körper herumspazieren, oder ob nach der neuen die verhältnißmäßig schwächeren Theile in Désavantage sind, genug bey mir hinkt es bald hier, bald dort, und sind die Unbequemlichkeiten aus den Gedärmen ans Diaphragma, von da in die Brust, ferner in den Hals und so weiter ins Auge gezogen, wo sie mir den am unwillkommensten sind.

Ich danke Ihnen, daß Sie der gestrigen Vorstellung haben beywohnen wollen. Da das Stück günstig aufgenommen worden, so läßt sich noch manches dafür thun, wie schon jetzt geschehen ist: denn es ist verschiedenes geändert. Mich dünkt, die Hauptsache kommt darauf an, daß man das, was allenfalls noch zu direkt gegen die Decenz geht, mildere und versuche, und daß man noch etwas heiteres, angenehmes, herzliches hineinretouchire. Bey den paar Proben, die ich im Zimmer hatte, ist mir manches eingefallen. Ich schicke Ihnen gelegentlich das Theaterexemplar, wo Sie die Veränderungen, die ich in diesem[242] Sinne gemacht, schon beurtheilen können und mir Rath geben werden zu ferneren. Auch wird man die Schauspieler mehr bearbeiten können, da es doch der Mühe werth ist: denn ein Stück mehr auf dem Repertorium zu haben, ist von größerer Bedeutung als man glaubt.

Den Bürgergeneral will ich ehstens vornehmen. Ich dachte schon die dogmatische Figur des Edelmanns ganz herauszuwerfen; allein da müßte man einen glücklichen Einfall haben am Schluß die widerwärtigen Elemente durch eine Schnurre zu vereinigen, damit man den Deus ex machina nicht nöthig hätte. Das müßte man denn gelegentlich bedenken.

Da Oels bis auf den 26. Urlaub hat, so würde man wohl bey der frühern Austheilung bleiben. Ich wünsche zu hören, wie weit Sie sind und wann Sie glauben Leseproben halten zu können.

Da ich sobald noch nicht ausgehen kann, so besuchten Sie mich vielleicht bey guter Tageszeit auf ein Stündchen, vielleicht im Mittage. Ich würde Ihnen dazu den Wagen schicken.

Ich wünsche, daß Sie wohl leben und an eigene Plane denken mögen.

G.


17/5015.


An Charlotte von Stein

Tausend Danck für Ihren Antheil. Mancherley Übel sind an mir herumgezogen, zuletzt nach den[243] Augen das mir das verdrieslichste war. Nun aber scheint es wieder leidlich zu gehen. Wie sehr ich wünsche daß Sie sich wohl befinden und daß ich bald im Stande sey Sie wieder einzuladen. Es haben sich allerley interessante Sachen eingefunden.

d. 18. Jan. 1805.

G.


17/5016.


An Friedrich Schiller

[ nach 20. Januar.]

Bey unsrem Theater giebt es wie sonst, besonders aber jetzt aus mancherley Verhältnissen, allerley Geklätsch und man hat ersonnen, wahrscheinlich um die Becker zu indisponiren, daß wir blos mit Austheilung des Stücks solange gezaudert hätten, weil wir die Unzelmann erwartet hätten, die nun nicht komme. Wissen Sie etwas das diesem Gerede einen Schein geben könnte, so theilen Sie mir es mit. Ich muß einmal Ernst machen wenn das Ding nicht schlimmer werden soll.

Sagen sie mir doch wie Sie Sich mit den Ihrigen befinden?

Goethe.


17/5017.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Wenn ich Ew. Wohlgeb. wegen Herrn Grohmanns in einige Verlegenheit setze, so halte ich dagegen für[244] Pflicht auf einem andern Wege Ihren Wünschen zu begegnen. Ich habe daher in diesen Tagen folgende Recensionen bearbeitet:

Allemannische Gedichte;

Grübels Gedichte;

Regulus und Collin;

Der Geburtstag, eine Jägeridylle;

Athenor.

Da die Recensionen nicht sonderlich lang sind, so werden Sie kaum zwey Nummern füllen. Ich hoffe Sie nächsten Sonnabend überschicken zu können.

An Herrn Müller nach Berlin will ich schreiben. Es ist natürlich, daß die Mißwollenden beym neuen Jahresantritt ihre alten Künste in Bewegung setzen. Leider giebt Ihnen die Steinische Geschichte einige Prise über die Anstalt; jedoch wird auch diese Epoche zu überstehen seyn.

In Bezug auf mein letztes bitte ich nochmals inständig Herrn Grohmann pure abzuweisen. Aus dergleichen Freymüthigkeiten kann weder Nutzen noch Ehre entspringen; dergleichen Menschen sind nur als Freunde gefährlich.

Was das philosophische Fach betrifft, so lassen Sie uns auf dem Wege verharren, den wir eingeschlagen haben und der sich schon als der beste bewährt hat. Überhaupt müssen wir von rechts wegen besser wissen, was dem Publicum frommt, als es selber. Die Bürger einer Stadt können verlangen,[245] daß die Brunnen laufen und das Wasser genug da sey, aber woher es zu nehmen, das ist des Röhrmeisters Sache. Das Publicum in seiner Dunkelheit verlangt immer Wasser über Wasser und perhorrescirt oft die ergiebigsten Quellen; man muß das gut seyn lassen, still seyn und nach Überzeugung handeln. Die Recensionen von Freund Dr. werden ja denen Anti-Identikern zu großem Troste gereichen, da sie den Gegensatz mit Ehren auftreten sehen. Meo voto würden Recensionen von diesem wackern Manne immer sehr wünschenswerth seyn, besonders wenn sie, wie diese, kein groß Volumen haben – eine Tugend, die ich allen Recensionen des neuen Jahrgangs, sofern es möglich ist, lebhaft wünsche.

Einige Regierungsblätter liegen bey. Sonnabend das Weitere. Mich bestens empfehlend.

Weimar den 23. Januar 1805.

Goethe.


17/5018.


An Friedrich Schiller

Hier, mein bester, das Opus. Haben Sie die Güte es aufmerksam durchzulesen, am Rande etwas zu notiren und mir dann Ihre Meynung zu sagen. Darauf will ich es noch einmal durchgehen, die Notata berichtigen, einige Lücken ausfüllen, vielleicht einige cynische Stellen mildern und so mag es abfahren. Ihnen und Ihren Nächsten das vorzulesen[246] war meine Hofnung, die nun auch vereitelt ist. Was machen die Kleinen?

d. 24. Jan. 1805.

G.


17/5019.


An Friedrich August Wolf

Darf ich einmal wieder, mein würdiger Freund, bey Ihnen anfragen, wie Sie sich befinden, und auch von mir etwas erzählen? Ich bin in diesem Winter nicht aus Weimar und manche Woche nicht aus der Stube gekommen; doch bin ich niemals ganz an irgend einer Thätigkeit gehindert gewesen und ich hoffe, daß einiges, was mich unterhalten hat, Sie auf nächstes Frühjahr auch unterhalten werde.

Winckelmanns Briefe und die dazu gehörige Kunstgeschichte sind nun abgedruckt und ich darf nun auch nicht säumen den dazu gehörigen Sermon nächstens auszufertigen. Haben Sie den auch an mich gedacht? Mit einem Dutzend Ihrer Bemerkungen und mit Rücksendung der Monumenti inediti würden Sie mich in diesen Tagen sehr glücklich machen.

Die schöne Schlittenbahn sollte Sie zu uns auf den Weg locken. Wenn Sie aber auch jetzt, da alle Ihre Arbeiten im Gange sind, sich nicht losmachen können, so nehmen Sie uns doch die Hoffnung aufs Frühjahr nicht. Es ist ein kleines Zimmer für Sie eingerichtet und der Minchen auch schon gesorgt.

[247] Sagen Sie mir doch auch ein freundliches Wort über unsre jenaische Literaturzeitung! Wollen Sie dazu noch ein tadelndes und wünschendes hinzufügen, so soll es mir noch lieber seyn.

Ist es noch dazu gekommen, daß die drey Evangelisten sich Ihrer Auslegung erfreuen? Lassen Sie mich auch davon etwas erfahren.

Haben sie von bedeutenden fremden Büchern neues zu Ihrer Bibliothek erhalten? und was begiebt sich sonst in Ihrem Kreise?

Kommen Sie zu uns, so finden Sie manches neue. Das schönste und bedeutendste darunter ist unsre Erbprinzessin, welcher zu nahe man schon eine weite Wallfahrt antreten könnte. Der Kopf der Minerva von Velletri ist auch zu erwähnen, der nach einem langen Aussenbleiben endlich durch Fernows Vorsorge von Rom angekommen ist.

Wie sehr wünschte ich Ihnen unsere Bibliothek, die sich nach und nach von dem Baustaube reinigt, vorzustellen und bey der neuen Epoche mich Ihres guten Rathes zu erfreuen.

Das Theater hat auch mancherley neues, doch darf ich das nicht als Argument anführen, weil wir Ihnen unsre Kunststücke ohnehin näher bringen müssen.

Mein ganzes Haus empfielt sich bestens.

W. d. 24. Jan. 1805.

Goethe.[248]


17/5020.


An Johannes von Müller

Verzeihen Sie, verehrter Freund, wenn ich mich zu meinem Schreiben einer fremden Hand bediene; ich komme sonst besonders in dieser traurigen Jahrszeit nicht leicht zu dem Entschluß mich mit meinen lieben Abwesenden zu unterhalten.

Zuvörderst also nehmen sie meinen besten Dank, daß Sie bey so großer und wichtiger Veränderung Ihres Zustandes nicht nur den Gesinnungen nach der unsre geblieben sind, woran ich niemals gezweifelt habe, sondern auch thätig bey einem Institut fortwirken wollen, das Sie unter seine würdigsten Stifter zählt. Nehmen Sie Dank für die Zusicherung, daß Sie auch dieses Jahr im Geiste und mit der That sich zu uns halten werden. Leichter wird auf diese Weise manches Verschwerliche und Unangenehme zu überwinden seyn.

Daß bey einer neu eintretenden Jahres-Epoche die Mißwollenden ihr ganzes Klatschtalent aufbieten würden, um den Fortgang einer Anstalt, deren Möglichkeit Sie zuerst läugneten, verdächtig zu machen, war vorauszusehn und es war nicht das letztemal seyn, und hier bleibt auch wieder das Beste sie durch die Thaten zu beschämen. Der Jänner wird nächstens seine Gaben complet über das Publicum verbreiten, und ich denke, man soll ihn nicht karger finden, als seine zwölf ältern Brüder.

[249] Übrigens wird Herr Hofrath Eichstädt wohl schon einiges über die Verhältnisse gemeldet haben und auch ich, der ich den literarischen sowohl als ökonomischen Zustand der Anstalt ziemlich kenne, kann Sie als einen freundschaftlichen Theilnehmer versichern, daß das Ganze von keiner Seite auch nicht die mindeste Gefahr läuft.

Dürfen wir denn wohl gegen das Frühjahr hoffen Sie bey uns zu sehen? Wir haben jetzt eine schöne junge Heilige bey uns, zu der es wohl zu wallfahrten der Mühe werth ist. Besonders wünschte ich, daß Sie, mein verehrter, unsre Erbprinzen sähen, da Sie eine so große und weite Welt kennen und in jedem Sinn das Seltene besser zu schätzen wissen, als mancher andere.

Mögen Sie mir wohl gelegentlich ein Wort sagen, wie es Ihnen geht und mit was Sie sich vorzüglich beschäftigen? Was mich betrifft, ich habe diesen Winter zwar nicht viel gethan, doch einiges zu Stande gebracht, was Ihnen Ostern vielleicht einige Unterhaltung gewährt.

Sehen Sie manchmal Herr Tralles? Wie geht es dem guten Mann, dem ich empfohlen zu seyn wünsche, wie auch Herrn Fichte, von dessen didaktischer Thätigkeit mir manches Gute zugekommen ist.

Herr Zelter ist gewiß auch unter denen, die Sie kennen und schätzen. Wohl wünschte ich Sie zusammen einmal in Berlin zu besuchen, wenn nur an einer[250] solchen Expeditionen nicht andre Abenteuer hingen, die ich zu bestehen nicht den Muth habe.

Schiller grüßt. Er ist diesen Winter nicht ganz wohl, doch immer auf eine oder die andre Weise thätig. Auch Ihr Landsmann Meyer, der immer geschäftig ist, wünscht Ihnen empfohlen zu seyn.

Frau von Stael ist in Italien. Ob ihre passionirte Formlosigkeit durch diesen Aufenthalt etwas bestimmter werden, ob sie mehr Neigung zu den Künsten bey ihrer Rückkehr haben wird, muß die Zeit lehren. Marmontels Memoires haben Ihnen doch auch wohl Freude gemacht. Das herzlichste Lebewohl.

W. d. 25. Jan. 1805.

Goethe.


17/5021.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten die versprochenen Recensionen, die ich wie sie liegen und foliirt sind, hintereinander abgedruckt wünschte. Es wäre gut, wenn Sie solche, ohne noch die Nummer der Blätter zu bestimmen, einstweilen absetzen ließen und mir nachher anzeigten, wie viel Spalten es gegeben hat. Sollte am zweyten Blatt, wie ich vermuthe, noch etwas fehlen, so könnte ich irgend eine Kleinigkeit nachsenden. Übrigens wünschte[251] ich die Recension der Blätter. Sollten Ew. Wohlgeb. etwas zu erinnern haben, so bitte ich damit bekannt zu machen. Lassen Sie das Manuscript Herrn Hofrath Voß sehen; ich wünsche, daß er die Urtheile und Meinungen nach seinem Sinne finden möge. Grüßen Sie ihn schönstens. Ich wünsche gar sehr Sie bald in Jena besuchen zu können.

Mit dieser Sendung erhalten Sie ferner:

1. den Athenor und den Geburtstag zurück;

2. die Falkische Recension an der Allemannischen Gedichte;

3. die zwey recht wackern Recensionen von 373;

4. das Briefcouvert mit dem Zettelchen; den Brief habe ich Herrn Geheimrath Voigt mitgetheilt. Ich freue mich sehr, daß jener wackre Mann zu den unsrigen gehören soll; nur thut mir leid, daß sich seine Ankunft so weit hinauszieht. Außer dem, was ich für mich hoffe, so wird er mir gewiß beystehn Ew. Wohlgeb von gewissen Sorgen und Zweifeln zu heilen, welches mir bis jetzt noch nicht gelingen wollen.

Vielleicht kann ich Ihnen in Zeit von vier Wochen eine Recension von Marmontels Memoiren schicken, die in vier Bänden erst kürzlich herausgekommen sind. Vergeben Sie das Werk wenigstens nicht bis dahin.

An Herrn Geheimerath von Müller ist gestern ein Brief abgegangen.

[252] Unter den Strich folgt auch nächstens einiges.

Mit den besten Grüßen.

Weimar den 26. Januar 1805.

Goethe.


Das Manuscript der Recensionen erbitte mir mit der Revision zurück.


17/5022.


An Carl Friedrich Zelter

Rübchen und Fisch sind glücklich angekommen, die ersten schön trocken, der zweyte tüchtig gefroren. Den Leberreim bleib' ich schuldig, so wie manches andre. Ich muß mir verschiedenes erst vom Halse schaffen, ehe ich wieder an einiges denken kann, was Ihnen Freude macht. Indessen werden Sie zwischen hier und Jubilate von mir und andern Freunden hie und da manches antreffen, woran Sie Theil nehmen mögen.

Durch Oels hoffe ich von Ihnen zu erfahren und das versprochene Lied zu erhalten.

Götz von Berlichingen, der neue, ist schon seit Anfangs December an Iffland abgegangen. Es ist nun aber seine Manier in solchen Fällen stumm zu seyn und das Wesen bey sich zu cohobiren und zu schmoren, bis er endlich gar genug glaubt, um damit hervorzukommen. Lassen Sie sich also nichts davon merken. Einem Mann von seinen Verdiensten[253] muß man eine Eigenheit schon nachsehen, um so mehr, da eine solche Handelsweise in seiner Lage vielleicht nöthig ist. So viel für heute. Danken Sie Ihrer lieben Frau für das Übersendete. Das Recept ist genau befolgt wor den und das Gericht ist sehr gut gerathen.

Nächstens wieder von Erscheinungen entgegengesetzter Polarität, von griechischen Gemählden und vom Tarentiner Spaniol. Leben Sie heiter und gedenken mein.

Weimar, den 29. Januar 1805.

Goethe.[254]


17/5022a.


An Johann Isaak von Gerning

Mögen Ew. Hochwohlgeb. uns heute Mittag Ihre Gegenwart schencken? Vielleicht lassen Sie uns etwas von Ihren Kunstschätzen sehen?

W. d. 30. Jan. 1805.

Goethe.[84]


17/5023.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Weimar den 31. Januar 1805.

Hierbey der Schluß des Programms. Da noch Raum war dehnte ich den Artikel von Mannlich etwas aus, welchen wie das Manuscript besagt einzuschalten bitte.

Können Ew. Wohlgeb. mir mit den morgenden Boten Gerstenbergs Ugolino senden, (wahrscheinlich besitzt ihn unser Voß, den ich bestens grüße) so können die zwey Recensionen – die von Böhlendorffs Ugolino und von Johann Friedrich Kurfürst zu Sachsen zu Erfüllung des zweyten Blattes bald aufwarten.

Die Revision des heut Empfangnen soll auch baldigst zurück.

[254] Gegen die chemische Recension habe nichts einzuwenden.

Mich bestens empfehlend und mir etwa auch ein halb Dutzend geringer Abdrücke des Programms erbittend.

Goethe.


17/5024.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

[Januar.]

Ew. Wohlgeb.

werden mir eine besondre Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie mir von dem zurückkehrenden halben Bogen nochmals einen Abdruck zur Revision schicken. Es war darin so viel zu corrigiren, daß man den Inhalt nicht mehr mit Ruhe übersehen kann.


17/5025.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

[Januar.]

Pflanzenstoffen soll wahrscheinlich Farbestoffen heißen, wie aus dem folgenden Satz erhellt. Doch wie durch diese Bemühung die systematische Lichenologie, wie die Zoologie durch Zootomie gewinnen soll., wünschte ich ausgelegt zu sehen.[255]


17/5025a.


An Joseph Hoffmann

Für die baldig erteilte Nachricht danke recht sehr, ich eile mit umgehender Post zu antworten.

Lassen wir also die Aschen-Urnen und Opferkrüge, die übrigen bezeichneten Alterthümer haben Sie die Güte für mich zu erstehen. Fünf bis sechs Gulden werden ja wohl hinreichen.

[84] Wenn die Platte Heliotrop recht schon ist, so könnte allenfalls das Doppelte des im vorigen Brief angesetzten gegeben werden.

Nächstens übersende ich das Programm und erkläre mich näher auf Ihr gefälliges Anerbieten, mir gelegentlich irgend etwas antiquarisches einzuhandeln. Indessen wünsche ich recht wohl zu leben, ersuche das allenfalls erstandene wohl einzupacken und mit dem Postwagen zu übersenden.

Weimar, den 1. Februar 1805.

Goethe.[85]


17/5026.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten hiebey:

A. den Abdruck der beyden Recensionen, wobey ich um nochmalige gefällige letzte Revision bitte, deshalb auch das Manuscript wieder zurückkommt;

B. zwey kleinere für das folgende Blatt, die ich, wie hier die Blätter mit Buchstaben bezeichnet sind, gleich nach dem Regulus eingerückt wünschte, sodaß erst auf diese dramatischen Schriften Der Geburtstag folgt und Athenor schlösse – ultimum scabies!

Es freut mich sehr, daß diese kleinen Arbeiten Ew. Wohlgeb. und unsers Voß Beyfall haben. Ich will sehen, daß ich mich in dieser Laune erhalte und etwas für den März vorbereite. Ich hätte dazu Alarcos, Die Rache Alberts III. von Bayern, Wilhelm Tell von Veit Weber. Vielleicht fällt Ew. Wohlgeb. noch etwas ein; denn diese drey möchten kaum ein Stück geben.

Wie sehr wünsche ich Sie bald zu besuchen und etwas von dem Orpheus zu vernehmen, auf den ich äußerst neugierig bin.

Leben Sie recht wohl und empfehlen mich den Voßischen bestens.

Weimar den 2. Februar 1805.

Goethe.[256]

Den Ugolino von Gerstenberg habe wohl erhalten; er folgt nächstens zurück.


17/5027.


An Franz Kirms

[5. Februar.]

Lassen wir es gut seyn und gestehen ihnen das Abbonnement pure zu. Mit Engländern ist bös rechten.

G.


17/5028.


An Charlotte von Stein

Bey mir sieht es nicht so zierlich aus als in dem kleinen Billet, das ich mit Dank zurückschicke. Mein Bote wird erzählt haben wie es ohngefähr mit mir steht. Ich dancke für Ihr Andencken, für Ihre Theilnahme. Sagten Sie denn wohl unsrer gefeyerten Großfürstinn heute ein Wort des redlichsten Wunsches und der herzlichsten Verehrung von einem kaum erstandenen; dem sein kümmerliches Halbdaseyn gerade in diesen Tagen recht verdrieslich ist. Leben Sie wohl und gedencken Sie mein.

d. 15. Febr. 1805.

G.


17/5029.


An Friedrich Schiller

Wenn es Ihnen zuwider ist ein Paar Worte zu schreiben; so sagen Sie mir doch wie es Ihnen[257] geht? Wovon ich, so sehr es mich interessirt, nichts eigentliches erfahren kann.

Mit mir ist es wieder zur Stille, Ruhe und Empfänglichkeit gelangt. Hervorbringen aber kann ich noch nichts; welches mich einigermassen incommodirt, weil ich das Winckelmannische Wesen gern bey seite hätte.

Wie sehr wünsche ich Sie bald wieder zu sehen.

Das beste hoffend.

d. 22. Febr. 1805.

G.


17/5030.


An Friedrich Schiller

[24. Februar.]

Hier sende Rameau's Neffen mit der Bitte ihn morgen mit der fahrenden Post nach Leipzig zu senden. Sie sind ja wohl so gut, noch einen derben Umschlag darum machen zu lassen, daß das Manuscript nicht leide. Es mag so hingehen, ob man gleich, wenn es gedruckt zurück kommt, noch manches zu erinnern finden wird. Die letzten Züge in eine solche Arbeit hinein zu retouchiren ist freylich nicht die Sache der Reconvalescenz.

Wenn ich das Winckelmannische Wesen abgefertigt habe, will ich sehn ob noch Zeit und Muth übrig ist, die alphabetischen, literarischen Anmerkungen zum Rameau hinzuzufügen.

[258] Ich habe einige Bemerkungen zu dem Manuscript gelegt, die den Drucker einigermaßen leiten können.

Die Phädra werde ich recht gern in jedem Sinne durchsehn.

Übrigens müssen in Geduld fügen und was sich thun läßt, thun, bis wir etwas besseres leisten können. Ich fahre täglich aus und setze mich mit der Welt wieder in einigen Rapport.

Ich hoffe Sie bald zu besuchen und wünsche Sie bey wachsenden Kräften zu finden.

G.


Zugleich die Kupfer zum Tell und einige Nova von verschiedner Art.


17/5031.


An Friedrich August Wolf

Ob ich mich gleich noch nicht als rüstig ankündigen kann, so finde ich mich schon glücklich, Ihnen nach meinem letzten Unfall wieder ein vorläufiges Wort sagen zu können. Ihr lieber Brief war mir eine rechte Erquickung. Ich erhielt ihn, als ich mich schon auf dem Wege der Besserung befand. Die Hoffnung Sie und Ihre liebe Tochter auf Pfingsten bey uns zu sehen, wird meine völlige Genesung beschleunigen. Bleiben Sie ja bey diesem schönen Plan, wer weiß was sich noch alles daraus entwickeln kann.

[259] Hierbey folgen Winckelmanns Briefe, der Versuch einer Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts bis auf wenige Bogen, und ein Aufsatz von Meyern, der Winckelmannen als Beförderer einer ächten alterthümlichen Kunstkenntniß darstellt. Möchten Sie doch auch geneigt seyn, nach unserer früheren Abrede, noch einiges von der philologischen Seite hinzuzuthun. Ich bereite mich vor, auch von meiner Seite ihn als Menschen zu schildern.

Die Aufgabe bey dieser Gelegenheit für Ihr Fach, welches Sie selbst am vollkommensten übersehen, werden Sie sich selbst am vollkommensten entwerfen können. Der Zustand der Philologie im allgemeinen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als der Bildungszeit Winckelmanns. Etwas über den Zustand der Schulen und Academien in jener Zeit, um auszumitteln, was denn wohl Winckelmann, bey seinen sehr zerstückten und zerstreuten academischen Studien, allenfalls für Sprach- und Alterthumskenntnisse erwerben konnte. Betrachtungen über den Gebrauch, den man in philologischen Kenntnissen zu jener Zeit machte, welchen Zwecken, biblischen etc. man sie haupsächlich widmete. Wie es mit den äußern Hülfsmitteln aussah, deren Kenntniß und Handhabung sich Winckelmann, während seiner Bibliothecariats Zeit und Nöthenitz, erwerben konnte, als Ausgaben, Commentarien u.s.w. Und welche Zeugnisse seiner Ausbreitung, besonders über griechische[260] Literatur, seine Werke geben. Wie ihm die Auslegung und Verbesserung einzelner Stellen geglückt und ob ihm das literarische Alterthum auch einiges schuldig sey, da ihm das plastische soviel schuldig geworden.

Dieses sieht freylich etwas weitläuftig aus; allein wenn Sie aus dem großen Vorrath Ihrer Kenntnisse und Einsichten, nur aphoristisch über dieses und jenes sich erklären mögen; so werden Sie unsern kleinen Arbeiten dadurch eine sehr ehrenvolle Krone aufsetzen.

Lassen Sie mir bald, wenigstens ein vorläufiges Wort von sich hören, das mir Muth mache, in meinem reconvalescirenden Zustande auch an mein Pensum zu gehen.

Bis zur Empfänglichkeit habe ich es schon wieder gebracht, lesen kann ich und Theilnehmen; aber das Zusammenfassen und Reproduciren ist freylich eine höhere Forderung.

Ich erbitte mir sowohl das geheftete Bändchen, als die Meyersche Schrift bald wieder zurück; Ersteres, um Ihnen ein vollständiges Exemplar dagegen zu senden, sobald der Druck vollendet ist, das zweyte, weil wir keine Abschrift davon besitzen.

Dabey bitte ich inständig Niemanden, weder das Gedruckte, noch das Geschriebene sehen zu lassen. Die Freybeuterey ist gar zu geschäftig.

Zum Schluß empfehl' ich Ihnen und Ihrer lieben Tochter mich und die meinigen zum besten. Zu[261] Pfingsten soll Haus und Herz geschmückt seyn, Sie aufs freundlichste zu empfangen und wir wollen die möglichst Sorgfalt anwenden bis dahin wieder gesund und rüstig aufzutreten. Alles Gute und Förderliche wünschend.

W. d. 25. Febr. 1805.

Goethe.


17/5032.


An Friedrich Schiller

Da Sie in Ihrer jetzigen Lage wahrscheinlich leselustig sind; so schicke ein tüchtiges Bündel Literatur Zeitungen und unsre Winckelmanniana etc. die Sie so viel ich weiß noch nicht gesehen haben. Ich habe mich wieder in die französche Litteratur zum Behuf der bewußten Anmerkungen verlaufen und es wird immer etwas werden.

Es scheint doch mit mir vorwärts zu gehen. Wie sieht es mit Ihnen aus? Ich wünsche sehnlichst Sie wieder zu sehen.

d. 26. Febr. 1805.

G.


17/5033.


An Friedrich Schiller

Sie haben mir eine große Freude gemacht durch die Billigung meiner Recensionen. Bey solchen Dingen weiß man niemals, ob man nicht zu viel thut, und durch das zu wenig wird es eben gar nichts.

[262] Bey den Anmerkungen zum Rameau, die ich jetzt nach und nach dictire, will ich mich auf ähnliche Weise gehen lassen, um so mehr als der Text von der Art ist, daß die Anmerkungen auch wohl gewürzt seyn dürfen. Es läßt sich bey dieser Gelegenheit manches frey über die französische Literatur sagen, die wir bisher meistens zu steif, entweder als Muster, oder als Widersacher, behandelt haben. Auch weil überall in der Welt dasselbe Mährchen gespielt wird, findet sich bey recht treuer Darstellung jener Erscheinungen gerade das, was wir jetzt auch erleben.

Ich wünsche sehr Sie wiederzusehen. Wagen Sie sich aber doch nicht zu früh aus, besonders bey dieser wilden Witterung.

Neues habe ich heute nicht zu senden und wünsche also nur von Herzen baldige Besserung.

Weimar den 28. Februar 1805.

G.


17/5034.


An Franz Kirms

Möchten Ew. Wohlgeb. doch den Herrn Haide sprechen, und ihn von der Unmöglichkeit überzeugen, in der wir uns befinden, seinen Wunsch zu gewähren. Sie können ihm alsdann manches sagen, was man in einer commissarischen Resolution nicht aufnehmen kann.

Der Zuschauer, vom ersten bis zum letzten, kann[263] fordern, daß eine Vorstellung unterbrochen fortgehe. Es ist das erste Erforderniß, und wenn irgend eine Art von Illusion beym Zuschauer stattfindet, so wird sie durch das Außenbleiben eines Acteurs auf das Grausamste unterbrochen. Die Direction hat also zu sorgen, daß es nicht vorfalle.

Herr Haide hat selbst sich in der Verlegenheit gesehen, nach einem gewissen Monologe den folgenden Schauspieler eine Zeitlang zu erwarten. Der Fall ist bestraft worden, so wie alle, die bisher bemerklich geworden sind.

Kennt man auch überdies noch die eifersüchtige Aufmerksamkeit der Schauspieler, daß keine Ausnahme gemacht, daß einem wie dem andern begegnet werde, so folgt unausweichlich, daß fürstlicher Commission in dieser Sache, die Ihr ohnehin kein Vergnügen macht, die Hände gebunden seien. Wie viel läßt sich nicht noch hinzufügen, was unmittelbar aus dem Verhältniß folgt!

Weimar 7. März 1805.


17/5035.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Sehr ungern habe ich so manchen Mittwoch und Sonnabend vorbeygehen lassen, ohne auf eine oder die andere Weise an Ihrem Institute das uns alle so sehr interessirt, theilzunehmen. Ich hoffe, daß es[264] von neuem werden geschehen können. Ich bin überzeugt, daß Sie meinen wiederholten Unfall ungern vernommen haben, und hoffe mich von den allenfalls zurückgebliebenen Folgen bey guter Jahreszeit in Jena in Ihrer Gesellschaft zu erholen.

Haben Sie die Güte mir von nun an wieder was Sie für gut befinden zuzuschicken. Leider ist mein guter Wille, für den März etwas zu liefern, auch gestört und gehindert worden.

Der ich recht wohl zu leben wünsche und inliegende Quittung an die Behörde zu übergeben bitten.

Weimar den 20. März 1805.

Goethe.


17/5036.


An Carl Ludwig von Knebel

Hierbey folgen die drey Teller mit vielem Dank zurück, ich hoffe glücklich, wenigstens sollen sie gut empfohlen werden. Ich danke dir herzlich für deinen Antheil an meine bessern Zuständen. Daß ich mich diesen Sommer auf einige Zeit hinausgeben muß, begreif ich wohl, doch wohin ist schwer sich zu entschließen.

Deine Zufriedenheit mit dem diesjährigen Programm macht mir viel Freude, doch gehört das Lob, das du ihm beylegst, eigentlich Meyern allein: denn meine Redaction dabey will nicht viel heißen. Obgleich diese Anstalt mir manche Mühe und Kosten[265] verursacht, so will ich sie doch noch ein Paar Jahre fortzuführen suchen. Sie bringt jährlich ein neues Leben in unsre übrigens ziemlich kunstlosen Verhältnisse, regt das Urtheil auf und giebt Gelegenheit zu mannigfaltiger Unterhaltung und Bildung.

Möchtest du mir gelegentlich deinen Holzschnitt von Simson und Delila zuschicken, so thätest du mir einen Gefallen, noch einen größern, wenn du mir denselben abtreten wolltest. Wir sind so eben in allerley historischen Betrachtungen begriffen, wozu wir das Anschaun gar weit und breit zusammensuchen müssen. Gernig hat schöne Sachen bey sich und brachte uns dadurch wirklich Vergnügen und Nutzen.

Auf Ostern hoffe ich dir einige Werke zu senden, die dich interessiren sollen. Es ist dabey manches lang vorbereitet und bearbeitet und wieder manches aus dem Stegereife, doch hoff' ich soll alles belehrend oder unterhaltend seyn.

Lebe recht wohl und grüße die Deinigen von meinem ganzen Hause.

Weimar den 20. März 1805.

Goethe.


17/5037.


An Christian Gottlob Voigt

[28. März.]

Um Ew. Exzellenz heute nicht zu einem unbequemen Ausgang zu veranlassen, sende ich die akademischen Aufsätze zurück, wobey ich nichts zu erinnern wüßte.

[266] Der botanische ist sehr gut gefaßt; wenn Eichstädts Hand nicht mit dabey ist, so hat Schelver in kurzer Zeit seinen schriftlichen Vortrag außerordentlich gebessert.

Den mineralogischen Theil will ich beschaffen. So viel für heute mit den besten Wünschen aus einer leider nur noch nothdürftigen Existenz.

Goethe.


17/5038.


An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

ersuche um mir die Gefälligkeit mir eine etwas umständliche Notiz von dem, was seit einem Jahre bey dem Herzoglichen Museum, besonders im mineralogischen Fach, vorzüglich seit Einschaltung des großen Herzoglichen Geschenkes, vorgegangen baldigst zu übersenden.

Vergebens habe ich bis jetzt gehofft die neue schöne Eirichtung mit Augen zu sehen, welches mir aber, hoffe ich, bey dem nächsten schönen Wetter gelingen soll, der ich indessen recht wohl zu leben wünsche.

W. d. 28. März 1805.

Goethe.


17/5039.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

So sehr ich dem romantischen sämmtlichen Banner Rittern, Knappen und Troß das beste wünsche und auch recht gerne sehe, daß sie auf unserm Felde[267] gut behandelt werden, so würde ich doch nicht rathen die zurückkommenden drey Recensionen in die Zeitung einzurücken, da sie gar zu schüler- und jüngerhaft abgefaßt sind.

No. 1 ist der schwerste Compan und er befindet sich im zustande der hohlen Anbetung. Er würde sich am besten zum Bruder Redner in einen Freymaurerloge schicken, wo man hinter den Worten keinen Gehalt verlangt; er versichert, daß seine Meister erreicht haben, was sie unternahmen, welches doch ein großer Unterschied ist.

No. 2 scheint ein fleißiges Subject zu seyn und wäre mit ihm wegen der Sprach- und Literaturkenntniß die Conexion zu erhalten; doch steckt er auch noch viel zu tief in der Verehrung, als daß er sobald zum Urtheil gelangen sollte.

No. 3 ist bey weitem der beste; er hat hübsche Anlagen und Ansichten, aber sein Urtheil ist zu lobrednerisch. Auch er steckt in diesem Genre drinnen und übersieht es nicht, gehört auch übrigens zu den Autochthonen, die, indem sie aus den Erdschollen hervorspringen und ihres Daseyns gewahr werden, überzeugt sind, daß die ganze Welt in diesem Augenblick geschaffen sey, und was vorher da war nur allenfalls in einer trüben und verkleinernden Entfernung erblicken. Wie weit müßten wir in den Hauptpuncten seyn, wenn so kleine Schriften eine so umfängliche Kritik verdienen sollten!

[268] Dagegen ist der Aufsatz sub signo solis auch von der modernsten, aber besten Sorte. Ich wünsche nur daß bald einige Recensionen folgen, damit er gedruckt werde. Ja, sogar hab' ich gedacht, ob man ihn nicht allein, in Erwartung jener Recensionen, abdrucken könnte; denn er wirkt nicht allein vorwärts, sondern auch rückwerts, und indem er als Einleitung zu der erwarteten Recension gelten wird, so stellt er auch zugleich ein Zusammenfassen und Bestätigen dessen, was in diesem Fache schon bey uns abgehandelt worden, vor. Besonders wünschte ich, daß er abgedruckt würde, ehe das erste Stück des Schellingisch-Markusischen Journals herauskommt.

Wenn Sie nur hierüber nach Einsicht entscheiden, so wünschte ich auf alle Fälle, daß Sie von dem Verfasser die Erlaubniß erhielten das unglückliche anorgisch in anorganisch zu verwandeln; es war ein Mißgriff Schellings und warum soll der Mißgriff eines vorzüglichen Mannes verewigt werden? Zu Beschleunigung der Sache lege ich ein kleines Blatt bey, das ich Herrn Steffens mit vielen Empfehlungen zu übersenden bitte.

In allem wie immer

Weimar den 30. März 1805.

Goethe.


Vielleicht gäbe die Bemerkung wegen anorgisch einen Artikel unter den Strich, weshalb eine Abschrift zurückzuhalten bitte.

[269] Noch eine Anfrage! Haben wir zur Literaturzeitung ein Generalregister zu erwarten? Oder können wir unser Exemplar getrost binden lassen?

Könnten Sie mir Jacobs Übersetzung des Vellejus Paterculus auf kurze Zeit verschaffen?


17/5040.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ob ich gleich in diesen Tagen nach Jena zu kommen und Ew. Wohlgeb. noch anzutreffen hoffe, so sende ich doch dieses Paket voraus, weil vielleicht indessen Zeit und Gelegenheit genutzt werden kann.

Herr GDZ hat uns abermals in den Abgrund seiner Absurdität hineinblicken lassen. Ich bewundere Ihre Geduld, die sich mit so einem Schiefkopf einigermaßen ernsthaft benehmen kann. Wenn Sie den Narren nicht ganz loswerden wollen, so riethe ich ihn zum besten zu haben und womöglich noch confuser zu machen, als er schon ist.

Molitors Büchlein besitz' ich schon selbst. Er nimmt es so ernsthaft, als ein andrer unserer neuen Philosophen, und ich würde rathen es zur Recension nach Aschaffenburg zu geben.

Die neu angelangten ästhetischen Recensionen bin ich neugierig zu sehen. Vor einer Lobrede der Aurora warne ich; denn wo ich nicht sehr irre, so geht dieses Blatt nicht aus dem Geschlecht und wäre dessen[270] allenfalls künftig mit dem Freymüthigen und der Eleganten Zeitung zu erwähnen. Mehreres mündlich.

Weimar den 3. April 1805.

G.


17/5041.


An Friedrich Schiller

Da bey Cottas nächster wahrscheinlicher Anwesenheit von einer Herausgabe meiner Werke die Rede seyn könnte, so find ich es nöthig Sie mit den älteren Verhältnissen zu Göschen bekannt zu machen. Ihre Freundschaft und Einsicht in das Geschäft überhebt mich die unerfreulichen Papiere gegenwärtig durchzugehen. Außerdem bemerke ich daß Göschen eine Ausgabe in 4 Bänden unter den falschen Jahrzahlen 1787 und 1791 gedruckt wovon niemals unter uns die Rede war. Alles Gute!

W. d. 19. Apr. 1805.

G.


17/5042.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Nur mit wenigen Worten sage ich dir, daß du mich im Juni todt oder lebendig in Weimar antriffst. Ich hoffe letzteres und freue mich sehr dich auf deinem Übergange in ein neues Leben zu begrüßen.

Ich würde dir eine Wohnung in meinem Hause[271] anbieten, wenn ich meiner Gesundheit gewisser wäre, im schlimmen Falle ist es aber für Gäste, Wirth und Hausgenossen eine unerträgliche Pein. Übrigens können wir ruhig nach Lust zusammen verweilen.

Ich bin neugierig wen von den deinigen du mitbringst, alle sollen willkommen seyn. Ob du Schillern findest, weiß ich nicht zu sagen.

Für den Lessingschen Brief danke ich und werde nächstens davon Gebrauch machen. Danke Gerstenbergen auch in meinem Namen dafür. Ich habe das Stück bey dieser Gelegenheit wieder durchgelesen und auch noch meinen jetzigen Einsichten und Überzeugungen bewundern müssen. So viel für heute mit den besten Hoffnungen.

der Deine

Weimar den 19. April 1805.

G.


17/5043.


An Friedrich Schiller

Für die Durchsicht der Papiere danke ich Ihnen recht sehr und es freut mich, daß wir wegen jener Obliegenheit einerley Meinung sind. Freylich ist es ein wunderbarer Blick in so kurz vergangene und doch in manchem so unähnlichen Zeiten. Lassen Sie uns die Sache gelegentlich näher besprechen und ein Arrangement, so wie die weitere Bearbeitung vorbereiten.

[272] Die drey Skizzen zu einer Schilderung Winckelmanns sind gestern abgegangen. Ich weiß nicht welcher Mahler oder Dilettant unter ein Gemählde schrieb: in doloribus pinxit. Diese Unterschrift möchte zu meiner gegenwärtigen Arbeit passen. Ich wünsche nur, daß der Leser nichts davon empfinden möge, wie man an den Späßen des Scarron die Gichtschmerzen nicht spürte.

Ich habe mich nun über die Noten zu Rameau's Neffen gemacht und komme da freylich in das weite und breite Feld der Musik. Ich will sehen nur einige Hauptlinien durchzuziehen und sodann so bald als möglich, aus diesem Reiche, das mir doch so ziemlich fremd ist, wieder herauszukommen.

Ich wünsche Glück zur Arbeit und freue mich bald etwas davon zu sehen.

Weimar d. 20. April 1805.

G.


17/5044.


An Friedrich Schiller

Was gestern von Leipzig angekommen theile ich mit. Göschen scheint auf die Anmerkungen zu renunciren, indessen ich fleißig daran fortgearbeitet habe. Sie liegen hier bey. Haben Sie die Gefälligkeit sie durchzugehen und was Sie etwa für allzu paradox, gewagt und unzulänglich finden, anzustreichen, damit wir darüber sprechen können. Ich dächte, man arbeitet[273] diese vorliegenden Blätter, welche freylich noch nicht die Hälfte der im Dialog vorkommenden Nahmen erschöpfen, noch möglichst durch und sendete sie ab: denn eigentlich sind die Hauptpunkte, worauf es eigentlich ankommt, darin schon abgehandelt, das übrige ist mehr zufällig und aufs Leben bezüglich, wo wir doch in dieser Entfernug der Zeit und des Orts nicht auf den Grund kommen. Die Theaternahmen, wie Clairon, Preville, Dumenil, sind auch schon bekannte und selbst in dem Dialog nicht von der höchsten Bedeutung. Genug ich wiederhole, haben Sie die Güte die Blätter durchzulesen, die Sache durchzudenken und mit mir diese Tage zu conferiren. Das beste Lebewohl.

Weimar d. 23. April 1805.

G.


17/5045.


An Friedrich Schiller

[24. April.]

Wollten Sie wohl die Gefälligkeit haben, aus dem Geschriebenen den Artikel Le Mierre herauszunehmen. So eben sehe ich, daß ich mich in der Person geirrt habe.

G.[274]


17/5046.


An Friedrich Schiller

[25. April.]

Hier endlich der Rest des Manuscripts, das ich noch einmal anzusehen und sodann nach Leipzig abzuschicken bitte. Wäre nicht alles was man thut und treibt, am Ende extemporisirt; so würde ich bey den sehr extemporisirten Anmerkungen manches Bedenken haben. Mein größter Trost ist dabey, daß ich sagen kann: sine me ibis Liber! denn ich möchte nicht gerne überall gegenwärtig seyn, wohin es gelangen wird.

Ich habe indeß an der Geschichte der Farbenlehre zu dictiren angefangen und ein schweres Capitel aus der Mitte heraus bald absolvirt.

Übrigens geht es mir gut, solang ich täglich reite. Bey einer Pause aber meldet sich manche Unbequemlichkeit. Ich hoffe Sie bald zu sehen.

G.


17/5047.


An Marianne von Eybenberg

Weimar den 26. April 1805.

Sie sollen sogleich, meine Liebe, auch in der Entfernung nahe, ein Lebenszeichen von mir haben. Es geht mir ganz leidlich. Als Hauptkur hat man mir das Reiten empfohlen, die ich auch alle Tage gebrauche und die mir, für die kurze Zeit, ganz wohlthätig gewesen ist.

[275] Wenn Sie auf Anrathen des Arztes den Platz verändern, so gehn Sie doch ja im September gerade nach Rom und logiren sich in Humboldt's Nähe, wo gute Luft ist, und wo Sie sich gleich in der Mitte von so viel Bedeutendem befinden. Mögen Sie weiter nach Neapel rücken, so hängt dies ja von Ihnen ab.

Ich danke Ihnen für die theatralisch-mahlerischen Nachrichten. Es ist etwas Ähnliches auch schon in Neapel vorgestellt worden. In einer großen Societät, wo man charakteristische und schöne Figuren wählen kann, lassen sich dergleichen Erscheinungen auf einen hohen Grad der Vollkommenheit treiben. Sie sind recht gütig, meiner auch bey Gelegenheit alter Münzen zu gedenken. Die Sammlung, wovon Sie mir den summarischen Katalog geschickt, scheint bedeutend zu seyn. Was wird denn wohl im Ganzen dafür gefordert, und wenn sie vereinzelt werden sollte, findet sich denn wohl ein detaillirter Katalog? ohne den man in der Ferne freylich nicht auswählen kann. Sie erkundigen sich ja wohl deshalb um das Nähere.

Ein paar goldene griechische, wenn sie schön sind, wären mir wohl auch wünschenswerth; wenn Ihre kennerischen Freunde dazu rathen, so werde ich mit Dank die Auslage ersetzen. Der Preis müßte freylich zu dem Goldeswerthe nicht ganz unverhältnißmäßig seyn.

[276] Ich habe diesen Winter mitten durch mancherley physische Übel ein paar Linien litterarischer und ästhetischer Thätigkeiten gezogen. Gern schickte ich Ihnen die zwey Bände, wenn mir nicht das Porto und die Censur Sorge machten. Können Sie aber etwa durch Herrn von Retzer oder sonst zu nachstehenden beyden Schriften gelangen, die vielleicht beyde auf einen Katalog der verbotenen Bücher kommen möchten; so soll es mich freuen zu erfahren, daß ich Ihnen einige Stunden Unterhaltung gegeben habe.


»Winckelmann

und

die Kunstgeschichte seines Jahrhunderts.«

»Rameau's Neffe,«

Dialog


von Diderot,

aus dem Manuscripte übersetzt und mit Anmerkungen

begleitet.


Doctor Gall macht in Berlin großes Glück und nimmt viel Geld ein. Es sollte mir sehr interessant seyn, ihn kennen zu lernen, und wünschte daher wohl, daß er sich zu uns bemühte.

Habe ich Ihnen denn seit der Zeit, daß unsre Erbprinzeß bey uns ist, nicht geschrieben? Ich müßte Ihnen sonst gesagt haben, daß sie ein Wunder von Anmuth und Artigkeit ist. Die Eigenschaften, welche die hohe Societät an vornehmen Damen erwartet, ja[277] fordert, erinnere ich mich niemals so vollkommen vereinigt gesehen zu haben.

Herrn Müller, von dem Sie mir schreiben, kenne ich aus seinen Arbeiten als einen interessanten Mann. Es sollte mir angenehm seyn, ihn persönlich kennen zu lernen, nur müßte er sich, wenn er zu uns kommt, bey mir gleich auf eine entschiedene Weise anmelden, damit ich ihn mit so vielen andern Fremden und Namensverwandten nicht confundire und seinen Besuch nicht etwa ablehne.

Für den Caviar danke ich schönstens. Er ist zur rechten Zeit angekommen.

Gute Chokolade entbehre ich lange und werde eine Portion von Ihrer Hand mit Dank annehmen.

Tausend Wünsche!

G.[278]


17/5047a.


An Johann Christian von Mannlich

Hochwohlgeborner,

Insonders Hochgeehrtester Herr,

Eine Krankheit, an der ich diesen Winter wiederhohlt gelitten habe, verhinderte mich Ew. H. zu schreiben und zu danken; auch hoffte ich mitunter in guten Augenblicken auf das Vergnügen die Medaillen ankommen zu sehen, die ich Ihrer Vorsorge schuldig werden soll.

Die Müllerschen Briefe, wovon ich Abschrift genommen habe, liegen hier bey. Meine Vermuthung ist, daß das Paket durch die Anstalten gegen das gelbe Fieber, an irgend einer Gränze aufgehalten worden. Ein Laufzettel von Rom aus würde solches aufspüren und weiter befördern da es ja doch keine Materien enthält, die Gift einsaugen und fortpflanzen.

[23] Das dritte Heft des sehr verdienstlichen Zeichenbuches ist glücklich angekommen, und soll dessen Anzeige alsobald erfolgen. Was Dieselben mir noch sonst von Ihren schriftstellerischen Arbeiten zuschicke wollen, soll mir höchst willkommen seyn.

Bei Behandlung der Anatomie für Künstler an künftigen ästhetischen Gebrauch dieser Vorarbeiten zu denken, ist gleichfalls sehr verdienstlich. Die Großheit der Formen muß sich schon am nackten Muskel zeigen, wenn er sie dereinst mit Haut bekleidet aufweisen soll. Leider giebt die gewöhnliche, medicinischchirurgische Anatomie nur verwelkte und vertrocknete Muster.

Der ich mich lebhaften Wünschen für Ihr Wohl mit vorzüglicher Hochachtung unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Weimar den 26. April 1805.

J. W. v. Goethe.[24]


17/5048.


An Friedrich Schiller

[26. oder 27. April.]

Beyliegende kleine Noten haben Sie ja wohl die Gefälligkeit nach Leipzig zu befördern und gelegentlich den beyliegenden Versuch, die Farbengeschichte zu behandeln, durchzulesen. Lassen Sie das Manuscript bey sich liegen, bis ich den Schluß dieses Capitels zuschicke. Voran liegt ein kurzes Schema zur Übersicht des Ganzen.

G.[278]


17/5049.


An Christian Gottlob Voigt

Aus beiliegendem ersehen Ew. Exzellenz einen sehr mäßigen Wunsch des Hof Raths. Geben Sie hiezu die Einwilligung, so möchte dieses kleine Deficit in größerer Gesellschaft seinen Weg im Laufe der Rechnungen und Ausgaben dahin wandern.

Mich angelegentlich empfehlend.

W. d. 27. April 1805.

Goethe.[279]


17/5049a.


An Christian Georg Carl Vogel

Herr Geheime Canzelley Secretär Vogel wird ersucht, mir einige Schreibmaterialien, besonders Briefpapier und von beykommendem Mittel Papier, zukommen zu lassen, auch mir Nachricht zu geben, wo besser und um welchen Preis es zu haben sey.

Goethe.

Weimar den 30. April 1805.[24]


17/5050.


An Carl Ludwig von Knebel

Ob ich gleich sonst nicht lecker bin und das Aufkeimen einer jeden eßbaren Pflanze ganz ruhig abwarte, so ist mir doch dießmal die Langsamkeit der Spargel höchst verdrießlich: den nach einer so langen Winterkrankheit wissen die Ärzte fast selbst nichts weiter, als daß sie einen auf die nächste Vegetation anweisen. Nun harren wir deren dießmal freylich allzulange.

Habe daher den besten Dank für das neulich übersendete Gericht und gedenke meiner mit den Deinigen im Guten.

Ich bin wieder ziemlich fleißig und hoffe dießmal über die Epoche der Wiederkehr meines Übels glücklich[279] hinauszukommen, auch dir bald einige Meßneuigkeiten zu überschicken.

Weimar den 1. May 1805.

Goethe.


17/5051.


An Friedrich August Wolf

Für Ihren lieben Brief, als ein Vorläufer Ihrer baldigen Ankunft erwiedere ich sogleich meinen besten Dank. Wenn ich gleich wegen meiner Gesundheit noch immer in einiger Sorge bin, so wächst doch immer die Hoffnung, daß ich über die bösen, drey bis vierwöchentlichen Epochen des Rückfalls hinauskommen werde. Ich reite täglich, um durch die Bewegung den ganzen Körper dergestalt in Contribution zu setzen, daß er die fehlenden Capitel der Einnahme übertragen möge.

Winckelmann mit allem Zubehör und auch Ihre gütigen Beyträge sind in Setzershänden, unde nulla redemtio. Es geht mir dabey wie Ihnen, ich weiß kaum selbst recht mehr was ich geschrieben habe; und doch mußte ich, bey so oftmaliger Unterbrechung, die Sache so oft von vorn wieder aufnehmen, daß ich zuletzt fast gar nichts mehr daran gewahr werden konnte.

Noch einen andern Spaß werden Sie finden, der bey mir aus dem Jammer dieses Winters entstanden ist, Rameau's Neffe, ein Dialog von Diderot, aus[280] dem Manuscript übersetzt mit einigen, freylich allzuflüchtigen Anmerkungen; Sie erhalten diese Novität wohl geschwinder von der Messe, als ich Ihnen ein besseres Exemplar zusenden kann.

Können Sie mir den Montucla auf kurze Zeit borgen, so geschieht mir ein Gefallen. Ich muß zu meiner Beschämung bekennen, daß wir ihn hier nicht besitzen. Sprat ist nach meiner vorläufigen Ansicht ein excellenter Kopf, den man wohl benutzen kann, ohne ihm zu vertrauen. Seine Geschichte der königlichen Societät scheint mir durchaus ein rednerisch zweckmäßiges Product, und desto belehrender wird es mir seyn, zu vernehmen, was jener an ihm aussetzt.

Ich danke recht herzlich, daß Sie sich meiner bey Ihrer ausgebreiteten Lectüre erinnern. Thun Sie es ja und jagen mir manchmal so einen Braten in die Küche.

Augusten habe ich mit einem Erfurter Kaufmann nach Frankfurt auf die Messe geschickt, damit er sich auch mit solch einem Wesen und Treiben bekannt mache. Er lebt lustig und in Freuden, besonders wird vieler Gastereyen erwähnt.

Mein ganzes Haus grüßt zum schönsten und ich werde mich suchen möglichst auf den Beinen zu halten, um Ihnen recht froh entgegen zu gehen. Leben Sie recht wohl und lassen Sie uns bald näher wissen, wenn wir Sie mit der lieben Mine hier sehen. Es[281] bleibt dabey, daß Sie bey uns wohnen, nur nehmen Sie vorlieb, wie es sich einrichten läßt.

Wollten Sie doch wohl, wenn Sie nach England schreiben, sich erkundigen, was

Thomas Burch History of the Royal

Society of London. London 1756. 4 Bände in 4°.

kosten könnte. Es ist ein Buch, das keiner Bibliothek fehlen sollte.

W. d. 2. May 1805.

Goethe.


Beyliegende Franckfurter Briefe fürs liebe Minchen.


[Einlage.]

An Ihre Entfernungen aus unsern Gegenden mag ich gar nicht dencken. Es wäre eins der größten Übel die mir wiederfahren könnten. Sie bald wiederzusehen war mir in Schmerz und in Schwachheit ein schöner Trost, und ist mir jetzt eine höchst angenehme Hoffnung für die nächste Zeit. Was soll ich von der Zukunft sagen?

W. d. 2. May 1805.

G.


17/5052.


An Katharina Elisabeth Goethe

Nehmen Sie, liebe Mutter, tausend Danck für alles das Gute das Sie unserm August erzeigt haben![282] ich wünsche daß die Erinnerung seiner Gegenwart Ihnen nur einen Theil der Freude geben möge die uns jetzt seine Erzählung verschafft. Wir werden dadurch ganz lebhaft zu Ihnen und meinen alten Freunden versetzt. Dancken Sie herzlich allen die ihn so gütig aufnahmen. Dieser erste Versuch in die Welt hinein zu sehen ist ihm so gut gelungen daß ich für seine Zukunft eine gute Hoffnung habe. Seine Jugend war glücklich und ich wünsche daß er auch heiter und froh in ein ernsteres Alter hinüber gehe. Seine Schilderung Ihres fortdaurenden Wohlbefindens macht uns das größte Vergnügen, er muß sie oft wiederhohlen. Auch ich befinde mich, bey mehrerer Bewegung, in diesen bessern Tagen recht wohl. Wir grüßen alle zum schönsten, besten und danckbarsten.

W. d. 6. May 1805.

G.


19/5092.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Bey der traurigen Lage, in die uns der Abschied unseres Schillers versetzt, erlauben Ew. Wohlgeb. mir nur einen kurzen Willkommen und einen flüchtigen Anfang einer lang unterbrochenen Correspondenz. Ich sende hier:

erstlich einige Recensionen von Schelver, mit denen ich recht wohl zufrieden bin;

2. die Recension der Aurora, welche, ob ich gleich die Zeitschrift selbst nicht kenne, mir allen Beyfall zu verdienen scheint, sowie mir die schon gedruckte auch recht wohl gefallen hat. Könnte man von derselbigen Hand eine Recension der vorhandenen Jahrgänge des Freymüthigen und der Eleganten Zeitung erhalten, so wäre es ein Gewinn für unser Institut, nur müßte man freylich alle Gerechtigkeit und Mäßigung empfehlen; man könnte dagegen auf ihre schwachen und absurden Seiten desto derselben zuschlagen.

3. Die komische Anpreisung des Athenors kann recht gut, wie sie steht, ohne daß man etwas hinzufügt, gedruckt werden; nur ließe man die paar[1] lateinischen Worte oben weg, die ich durchgestrichen habe.

4. Der Brief von Nees ist freylich nicht tröstlich. Ich hätte einen so wackern Mann besonders in der jetzigen Zeit bald nach Jena gewünscht; es ist eine von den gründenden Naturen, die wir jetzt so nöthig brauchen, als irgend eine Akademie, die erst entsteht.

5. Wollten Sie die Gefälligkeit haben, mir Nummer 75 der diesjährigen Allgemeinen Literaturzeitung und zwar des geringeren Exemplars zuzusenden; es fehlt mir, da ich den Band eben will binden lassen.

6. Mögen Sie beyliegenden Brief Lessings an Gerstenberg unter den Strich drucken lassen, so steht er zu Diensten. Man könnte alsdann eine kleine Einleitung, wie ich sie auf dem nächsten Blatte angebe, vordrucken lassen.

Der ich mit den besten Wünschen für Ihr Wohl mich zu geneigtem Andencken empfehle.

Weimar den 11. May 1805.

Goethe.


19/5093.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ein Winckelmann etc. liegt für Ew. Wohlgeb. bereit und ist nur durch die Confusion, die mein Übel in alle meine Geschäfte bringt, zurückgeblieben. Ich[2] wünsche diesem Buche eine gute Aufnahme: ich habe es in Einem Sinne erkämpfen müssen. An dem Aufsatz habe ich einiges berichtet. Was Sie mir sonst sagen, soll in gutem Boden gedeihen.

Mit warmen Wünschen

Weimar den 20. May 1805.

G.


19/5094.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Wollten Ew. Wohlgeb. die Gefälligkeit haben, Beyliegendes in das Intelligenzblatt setzen zu lassen, damit von dem Werkchen zum Publicum etwas gesprochen werde, bis Ew. Wohlgeb. einen tüchtigen Recensenten dazu wählen.

Die Herren Riepenhausen haben ihre polygnotischen Zeichnungen herausgegeben. Hielten es Ew. Wohlgeb. für gut, so könnte man das Johanniskupfer und Programm zu einer nähern Beleuchtung dieser Arbeit anwenden. Ich erbitte mir hierüber gefällige Bestimmung.

Nächstens erhalten Sie auch eine Recension von dem Hirtischen Bilderbuch für Mythologie etc.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 21. May 1805.

G.[3]


19/5095.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten hierbey verschiedenes früher Gesendetes zurück.

Die Recension von 298 ist eine sehr tüchtige Arbeit. Es war gewiß nicht leicht, Herrn Görres Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und sein vieles Gute durch ein Urtheil zu organisiren, was ihm bey der Arbeit selbst nicht geglückt war.

Mit dem Recensenten 427 werden wir freylich nicht lange zusammenbleiben. Ich weiß nicht, wie es Ew. Wohlgeb. mit diesen beyden Recensionen zu halten denken. Die Eine über den Almanach dramatischer Spiele ginge allenfalls noch an, wenn Sie die angestrichene Stelle pag. 10 herausredigiren könnten; die zweyte hingegen halte ich für ganz unzuläßig. Diese Ehrenmann hat hinunterwärts einen recht guten Blick und übersieht die Kotzebuischen Sümpfe genugsam, um einige Felsstücke, die über ihn reichen, verdreht er sich gar zu sehr den Hals, um hinaufzusehen; wenn sein Tadel ganz verständig und geistreich ist, so wird sein Lob mitunter ganz abgeschmackt.

Ew. Wohlgeb. werden am besten wissen, wie Sie es auf eine läßliche Weise mit ihm halten.

Wollen Sie wohl Kotzebues Reise nach Italien an Fernow geben, sowie auch die von Benkowitz,[4] wenn beyde noch nicht ausgetheilt sind? Solche Schriften haben zwey Seiten: einmal ist es alles Dankes werth, daß sie uns die neusten Nachrichten aus einem solchen Lande, und wenn es mitunter auch Klatschereyen wären, zubringen: auf der ander Seite prostituirt sich mitunter der Verfasser durch Unwissenheit oder Vorschnelligkeit, und das kann man ihm ja wohl zu verstehen geben. Ich glaube, daß Fernow der Mann ist, beyde Ansichten recht gut zu fassen.

Darf ich wohl um Nummer 75 des gegenwärtigen Jahrgangs und zwar eines geringen Exemplars bitten? dieses Blatt ist mir vonhanden gekommen.

Ich habe schon lange gewünscht, Ew. Wohlgeb, in Jena aufzuwarten und über manches, besonders auch über die Bauangelegenheiten zu sprechen. Vielleicht gelingt es mir nach den Feyertagen.

Die Ankunft unseres Wolf, auf die ich in der nächsten Woche hoffen kann, macht mir große Freude. Wahrscheinlich sehen Sie ihn früher, als ich, da ich denn die besten Grüße auszurichten bitte.

Könnten Ew. Wohlgeb. mir Montucla, Histoire des mathématiques etc. entweder aus der Universitätsbibliotheck oder von einem Freunde verschaffen, so geschähe mir gegenwärtig ein besonderer Gefalle.

Der ich recht wohl zu leben wünsche und für alle geneigte Theilnahme herzlichen Danck abstatte.

Weimar den 25. May 1805.

Goethe.[5]


19/5096.


An Heinrich Becker und Anton Genast

Herr L'Epitre wünscht die Bekanntschaft derer Herren Genast und Becker zu machen. Sie werden mit ihm Ort und Zeit zu einer morgenden Probe eines kleinen Tanzes abreden und hierzu Dem. Baranius und Brandt einladen. Auch ist derselbe zu der Vorstellung unentgeltlich einzulassen.

W. D. 29. May 1805.

Goethe.


19/5096.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Weimar den 1. Juni 1805.

Ew. Wohlgeb.

erhalten hiebey die philosophische Recension zurück, welche ich für sehr zulässig halte, umsomehr als sie von einem gewissen Theile des Publicums, dem manches andre nicht behagt, recht gut wird aufgenommen werden.

Ein Wort über die Riepenhausischen Arbeiten liegt auch bey. Professor Meyer ist schon an die Kupferplatte gegangen und das Programm, hoffe ich, soll ohne sehr weitläufig zu seyn, doch genugsam interessant werden.

Einige sehr schöne kurze Aufsätze über das Orchester sende gleichfalls mit dem Vorschlag, sie nach und nach[6] unter den Strich zu bringen. Es wäre freylich gut, wenn jede Abtheilung für sich ganz eingerückt werden könnte. Diese wenigen Blätter sind voll Geist und Werth.

Geheimderath Wolf ist angekommen und grüßt zum schönsten. Herrn Hofrath Voß haben wir leider umsonst erwartet. Mögen Ew. Wohlgeb. nicht in diesen Tagen etwa zu Mittag bey uns einsprechen?

Mich bestens empfehlend

G.


19/5098.


An Johann Friedrich Cotta

Auf Ihre Anfrage, werthester Herr Cotta, ob man nicht unserm Schiller ein Trauerdenkmal auf dem deutschen Theater setzen sollte, kann ich gegenwärtig nur so viel sagen, daß ich auf mannigfaltige Weise dazu aufgefordert bin. Nach meiner Überzeugung soll die Kunst, wenn sie sich mit dem Schmerz verbindet denselben nur aufregen, um ihn zu mildern und ich werde in diesem Sinne weniger das was wir verloren haben, als das, was uns übrig bleibt, darzustellen suchen.

Mein Plan ist gemacht und ich hoffe ihn nächstens auszuführen; doch müßte ich keinen Termin zu bestimmen. Gelingt es mir eine der Aufgabe nicht ganz unwürdige Arbeit hervorzubringen; so bin ich wohl geneigt, solche auch andern Theatern abzulassen,[7] und würde zu diesem Zweck Manuscript und Partitur Ihnen mit Vergnügen zustellen. Ich wünsche bald mehr sagen zu können, indessen aber zu vernehmen, daß Sie glücklich nach gekommen sind.

Weimar den 1. Juni 1805.

Goethe.


19/5099.


An Carl Friedrich Zelter

Seit der Zeit, daß in Ihnen nicht geschrieben habe, sind mir wenig gute Tage geworden. Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere nun einen Freund und in demselben die Hälfte meines Daseyns. Eigentlich sollte ich eine neue Lebensweise anfangen; aber dazu ist in meinem Jahren auch kein Weg mehr. Ich sehe also jetzt nur jeden Tag unmittelbar vor mich hin, und thue das Nächste, ohne an eine weitere Folge zu denken.

Da indessen die Menschen aus jedem Verlust und Unglück sich wieder einen Spaß herauszubilden suchen, so geht man mich von Seiten unsres Theaters und von mehrern Seiten dringend an, das Andenken des Abgeschiedenen auf der Bühne zu feyern. Ich mag hierüber weiter nichts sagen, als daß ich dazu nicht abgeneigt bin und jetzt nur bey Ihnen anfragen möchte, ob Sie mir dabey behülflich seyn wollen, und zwar zuerst, ob Sie mir Ihre Motette der Mensch lebt und bestehet, wovon wir die musi-[8] kalische Zeitung Nr. 27 Nachricht giebt, gefällig mittheilen und noch einiges andre in feyerlichem Style entweder componiren oder componirte Musikstücke, deren Charakter ich Ihnen angeben würde, zu Unterlegung schicklicher Worte aussuchen und überlassen wollten. Sobald ich hierüber Ihre nähere Gesinnung weiß, so erfahren Sie das weitere.

Die schöne Folge Ihrer kleinen Aufsätze über Orchester Einrichtungen habe ich bisher bey mir liegen lassen und zwar, weil sie eine Art von Satyre auf unsre eigenem Zustände enthielten. Jetzt wünscht sie Reichardt für die musikalische Zeitung; ich suche sie wieder auf, sehe sie an und kann sie unmöglich dem Intelligenzblatt unsrer Literaturzeitung entziehen, wo sie nächstens unter dem Strich gar trefflich ausnehmen sollen. Es haben sich einige Umstände bey uns geändert und am ende darf man ja wohl auch dasjenige tadeln, was man geschehn läßt.

Geheimderath Wolf von Halle ist gegenwärtig hier. Könnte ich doch auch hoffen, Sie dieses Jahr zu sehen. Wäre es nicht möglich, daß Sie Ende Juli nach Lauchstädt kämen, um daselbst jene oben gedachte Arbeit einzuleiten und ausführen zu helfen? Bedenken Sie das und sprechen mir nur von der Möglichkeit, die Mittel wollen wir alsdann schon bedenken.

Wie sieht es mit Ihrem Spaniolvorrath aus? Ich bin indessen glücklich genug gewesen, wieder eine[9] Partie von dem ächten zu erhalten. Wie soll ich Ihnen denselben zuschicken?

Leben Sie recht wohl und lassen mir bald von Sich hören.

Weimar den 1. Juni 1805.


19/5100.


An Charlotte von Stein

Es freut mich sehr, wenn Sie der geistreiche Scherz und Ernst einigermassen unterhalten hat. Das Büchlein steht für die Kochberger Lieben gern zu Diensten. Meine Zustände kann ich nicht würdigen und tüchtigen Freundes Wolf von Halle. Gedencken Sie mein.

d. 4. Jun. 1805.


19/5101.


An August Carl Friedrich von Zieten(Liberati)

[Concept.]

Das Vertrauen, welches Sie mir bezeigen, glaube ich durch Offenheit am besten zu erwiedern. Verschiedene Abgänge bey unserm Theater machen es räthlich, daß noch einige junge Subjecte angenommen werden, denen man denn zugleich Hoffnung machen kann, daß sie verhältnißmäßig zu ihnen Fähigkeiten[10] nächstens in Thätigkeit kommen werden. Von dieser Seite stünde also Ihrer Annahme nichts entgegen.

Was Sie jedoch, nach unsern Verhältnissen, zuerst als Gage erhalten können, ist wohl von der Art, daß ein gesitteter junger Mann damit allenfalls auskommt; allein Ihre Absicht, noch eine Familie davon wo nicht zu erhalten, doch wenigstens bedeutend zu unterstützen, möchte nicht wohl zu erreichen seyn.

Wir können Ihnen vorerst wöchentlich 6 rh. Gage und 1 rh. Garderobegeld anbieten und ob ich Ihnen gleich von Zeit zu Zeit, bey zunehmenden Verdiensten und zweckmäßiger Benutzung derselben für die Anstalt, eine proportionirte Zulage, wenn sie auch nicht im Contract ausgedrückt ist, versprechen kann, wie ich es bisher mit allen jungen Leuten, welche sich bey uns bilden wollten, gehalten habe; so kann doch dieses kaum in solchem Maaße geschehen, daß ein Schauspieler, der manches auf sich zu wenden und sich nach und nach eine reinliche Garderobe anzuschaffen hat, viel erübrigen könnte.

Soviel habe ich Ihnen voraus sagen wollen, damit Sie nicht etwa später, wenn Sie sich in Ihren gutmüthigen und edlen Hoffnungen getäuscht fänden, mich, daß ich Ihnen einen solchen Schritt nicht abgerathen, tadeln könnten.

Wollen Sie indessen diese Betrachtungen bey Seite setzen und auf Ihrem Vorsatze verharren; so kann ich Ihnen vom 1. Juli an einem Contract auf drey Jahre,[11] oder um bestimmter zu reden, bis auf Michaelis 1808 anbieten, und zwar vorerst nur die oben bemerkte Sage, welche jedoch nach und nach, wie sich Ihr Talent ausbildet und für unsrer Theater nutzbar werden kann, in Proportion der übrigen hiesigen Sagen erhöht werden soll.

Sie könnten Ende Juni in Lauchstädt eintreffen, wo Sie mich wahrscheinlich schon finden werden Geben Sie mir hierauf baldige Antwort und Sie können sogleich, wenn Sie es verlangen, einen förmlichen Contract und das benöthigte Reisegeld erhalten.

Alles Gute wünschend

W. d. 5. 1805.


19/5102.


An Caroline von Wolzogen

Ich habe noch nicht den Muth fassen können Sie zu besuchen. Wie man sich nicht unmittelbar nach einer großen Kranckheit im Spiegel besehen soll; so vermeidet man billig den Anblick derer die mit uns gleich großen Verlust erlitten haben. Nehmen Sie für Sich und Ihre Schwester die herzlichen Grüße aus diesem Blat und lassen mich ein Wort von Ihrer Hand sehen!

d. 12. 1805.

Goethe.[12]


19/5103.


An Franz Kirms

[12. Juni.]

Da der Frevel, dessen sich die Hofschauspielerin Silie bey der letzten Aufführung des Othello schuldig gemacht, in deren Vertheidigung durch keine hinlänglichen Gründe von derselben entschuldigt werden konnte, so sieht die Commission des Hoftheaters sich genöthigt, dieselbe mit einer halbwöchentlichen Gagestrafe vorerst zu belegen, mit dem Vorbehalt, daß, im Fall sie gedachte Rolle bey der nächsten Aufführung des Stückes in Lauchstädt zum Nachtheil ihrer und des Theaters Ehre geflissentlich verderben werde, ihr eine von den Wochengagen nochmals abzuziehende Strafe von 20 Thalern unabänderlich zuerkannt werden soll.[13]


19/5103a.


An Georg Joachim Göschen

Wenn durch meine Bearbeitung des Neffen Rameaus etwas gefälliges erzeigen konnte, so ist es mir um so angenehmer, als die Übel des vergangenen Winters mich völlig davon abzuhalten schien.

Über das erhaltene Honorar von sechshundert Thalern sächsisch quittire hiermit danckbar, wie ich denn gleichfalls bei Übersendung der schönen Exemplare und die bey Spedition der Gräfl. Harrachischen Kisten gefällig übernommene Bemühung mit Danck erkenne. Der ich das Beste wünschend mich zu geneigtem Andencken empfehle

Weimar d. 12 Juni 1805.

Goethe.[85]


19/5104.


An Johann Friedrich Cotta

Unterzeichneter hat die Absicht, seine Schriften neu herauszugeben, und zwar sollte von seiner vollendeten Prachtausgabe, vielmehr von einer saubern und geschmackvollen Handausgabe mit deutschen Lettern die Rede seyn. Enthalten würde dieselbe alles was von meinen ästhetischen ist hinzugefügt.

Zu vertheilen wären in zwölf Bände folgende Werke, ungefähr folgender Maßen:[13]


I.

Vermischte Gedichte; Einiges neue.


II.

Wilhelm Meister. Erster und zweyter Band.


III.

Wilhelm Meister. Dritter und vierter Band.


IV.

Die Laune des Verliebten.

Die Mitschuldigen.

Die Geschwister.

Mahomet.

Tankred.

Elpenor. Fragment.


V.

Götz von Berlichingen.

Egmont.

Stella.

Clavigo.


VI.

Iphigenia.

Tasso.

Eugenie.


VII.

Claudine.

Erwin und Elmire.

Jery und Bätely.

Lila.

[14] Scherz, List und Rache.

Zauberflöte. Zweyter Theil. Fragment.


VIII.

Kophta.

Triumph der Empfindsamkeit.

Vögel.

Bürgergeneral.

Was wir bringen.


IX.

Reinecke Fuchs.

Hermann und Dorothea } Nach neueren

prosodischen

Überzeugung

bearbeitet.

Achilleis. Erster Gesang.


X.

Faust. Fragment, um die Hälfte vermehrt.

Puppenspiel. Vermehrt.

Andere analoge Gedichte, ältere und neuere.


XI.

Werther.

Kleine prosaische Schriften.


XII.

Desgleichen.

Wie die Lieferungen einzutheilen und was sonst noch weiter zu verabreden wäre, ist fernerer Überlegung anheimgegeben.

Das neue ist roth unterstrichen.

Weimar den 1. May 1805.

G.[15]


Zu vorstehendem Promemoria, welches Herr Cotta schon kennt, habe nur noch hinzuzufügen:

Das Rechte für diese Auflage würde auf fünf bis sechs Jahre zugestehen.

Ich wünsche dafür

zehentausend Thaler

zu erhalten und zwar eintausend bei Übersendung des ersten Manuscripts, das übrige in Drey auf einander folgenden Ostermessen als 1806, 1807, 1808 jedesmal 3000 rh. sächsisch.

W. d. 14. Juni 1805.

J. W. v. Goethe.


Nur einen herzlichen Groß und den Wunsch einer glücklichen Nachhausekunft in jedem Sinne lege ich bey.

v. Goethe.


19/5105.


An Christian Gottlob Voigt

Die von Professor Batsch ehemals eingerichtete naturhistorische Gesellschaft ist aus mehreren Ursachen ihrer Auflösung nahe, indem es ihr an einem Local, an Einigkeit ihrer Vorsteher und an einem Fonds zu Tilgung ihrer Schulden gebricht. Es wäre jedoch sehr Schade, wenn man dieses Institut auseinander gehen ließe.

Es hat sehr schöne Besitzungen sowohl an Naturproducten, als an Instrumenten und Büchern, einen[16] ausgebreiteten guten Namen und viele nicht unthätige Correspondenten.

Es könnte derselben ein Paar von den Zimmern über der Reithbahn eingeräumt werden; Serenissimus hätten die Gnade, sie zu sanctioniren; man gäbe die ehemals Büttnerschen Instrumente mit hinzu; so entstünde ein artiger Anfang zu einem physikalischen Apparat, und ein gewisses Ganze, worauf man schon lange hingezielt, käme zu Stande.

Übrigens erhielte man sie von der mineralogischen Gesellschaft ganz getrennt. Die Rivalität beyder Societäten hat schon in früheren Zeiten manches Gute hervorgebracht.

Man suchte einen Kleinen Amortisations-Fonds zu successiver Tilgung ihrer Schulden und befestigte dadurch abermals ein Institut in Hoffnung besserer Zeiten.

Jena den 18. Juni 1805.

G.


19/5106.


An Christian Gottlob Voigt

Herr Geheimde Hofrath Ackermann hat die für das Herzogliche anatomische Museum erhalten 200 rthlr. In beyliegenden Papieren berechnet, zugleich aber Auslagen für die Anatomie specificirt.

Ich habe den Aufwand auf das Museum von dem Aufwand auf die Anatomie separiren lassen[17] und es findet sich, daß der letztre 45 Thlr. 21 gr. beträgt.

Da nun die Kosten für die einkommenden Leichname von dem Professor der Anatomie zu tragen sind, auch das gnädigste Rescript vom 3. Julius 1804 ausdrücklich besagt, daß von Seiten Fürstlicher Commission keine Einwirkung noch Mitwirkung bey der Anatomie statt finde, so hätte freylich Herr G. H. Ackermann diese 45 Thaler 21 gr. der Museums Casse zu gewähren.

Ich gebe aber Ew. Excellenz zu überlegen, ob man nicht die Sache solle auf sich beruhen lassen, und da an dem Manne ohnehin soviel verloren wird, auch noch dieses mit drein geben. Seine Art Geschäfte zu behandeln ist ohnehin sehr lose, und wenn man mit ihm contestirt, so kommt die Sache vielleicht auf mit eine unangenehme Weise an Serenissimum. Doch überlasse alles zu gefälliger Entscheidung.

Weimar den 19. Junius 1805.

G.


19/5107.


An Carl Friedrich Zelter

Für die baldige Übersendung der erbetenen Musik sey Ihnen der beste Dank gesagt. Ich will suchen, sie bald möglichst, so gut es immer gehen will, zu hören. Übrigens bin ich mit Ihnen überzeugt, daß man bey dieser Gelegenheit nicht flicken, sondern etwas[18] aus dem Ganzen schneiden sollte. Ich habe nur leider nie das Glück gehabt, neben mir einen tüchtigen Tonkünstler zu besitzen, mit dem ich gemeinschaftlich gearbeitet hätte, und daher habe ich mich immer in solcher Fällen an das Stoppeln und Zusammensetzen halten müssen, und so schwebte mir das auch bey der gegenwärtigen Gelegenheit wieder vor.

Sie sollen aber nun bald möglichst wenigstens zuerst mein Schema erfahren, und mir Ihre Gedanken darüber eröffnen. Sowohl Vorsatz aber als Arbeit bleibt unter uns, bis fertig sind und getrost auftreten können.

Indem ich an Rameau's Neffen und dessen Zubehör arbeitete, habe ich oft an Sie gedacht und mir nur wenige Stunden Unterhaltung mit Ihnen gewünscht. Ich kenne Musik mehr durch Nachdenken als durch Genuß und also nur im Allgemeinen. Mich freut, daß Ihnen dieses Bändchen eine gute Unterhaltung gegeben. Das Gespräch ist aber auch ein Wahrhaftes Meisterwerk.

Für den Wilhelm Meister bleib' ich Ihr Schuldner, so wie für manches andere. Indessen sende ich hier eine Schachtel Spaniol, welcher wohlbehalten anzukommen wünsche.

Iffland hat auf jede Weise Recht, den pathologischen Antheil des Publicums für seine Zwecke zu benutzen. Wenn die Deutschen nicht real gerührt sind, so sind sie ideal schwer zu rühren. Setzt er[19] seine Reihe der Vorstellungen durch und führt er sie am Ende zu einer tüchtigen Benefiz Vorstellung für die hinterlassenen Kinder; so soll er gerühmt werden.

Das Frankfurter Absurdum lege ich bey. Man setzt in die Zeitung: er sey nicht reich gestorben, habe vier Kinder hinterlassen, und gewährt dem lieben Publicum einen freyen Eintritt zu einer Todtenfeyer! Pfaffen und Mönche wissen die Todtenfeyer ihrer Heiligen besser zum Vortheil der Lebenden zu benutzen. Das tiefe Gefühl des Verlustes gehört den Freunden als ein Vorrecht. Die Herren Frankfurter, die sonst nichts als das Geld zu schätzen wissen, hätten besser gethan, ihren Antheil realiter auszudrucken, da sie, unter uns gesagt, dem lebenden Trefflichen, der es sich sauer genug werden ließ, niemals ein Manuscript honorirt haben, sondern immer warteten, bis sie das gedruckte Stück für 12 gr. haben konnten. Verzeihen Sie mir, daß ich so weitläuftig bin. Ich könnte es noch mehr seyn, wenn ich sagen wollte, was über diesen Gegenstand alles zu sagen ist.

Geheimerath Wolf von Halle war auf 14 Tage bey mir. Die Gegenwart dieses so höchst tüchtigen Mannes hat mich in jedem Sinne gestärkt. Jacobi erwarte ich alle Tage. Warum kann ich nicht hoffen, Sie auch noch dieses Jahr zu sehen?

Leben Sie wohl und sagen mir bald wieder etwas, daß nicht so lange Pausen entstehen. Man[20] pausirt sich sonst einmal unversehens ins ewige Leben hinein.

Weimar, den 19. Junius 1805.

G.


19/5108.


An Christiane Vulpius

Wie wir voraussahen, bin ich genöthigt hier zu bleiben, ich schreibe dir das mit einem herzlichen Gruße. In meinen Sachen steht es hier ganz leidlich und ich befinde mich auch erträglich, nur will es mit der Geschäftigkeit nicht mehr so lebhaft fort.

Morgen Abend bin ich wieder bey dir. Es wäre hübsch und schicklich, wenn du Morgen frühe Dem. Jacobi einen Besuch machtest. Sie ist gar freundlich gegen dich gesinnt. Lebe recht wohl, grüße August schönstens und liebe mich, wie ich dich liebe.

Jena d. 27ten [Juni] 1805.

G.

Donnerstags.


19/5109.


An Johann Georg Lenz

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

werden aus abschriftlicher Beylage ersehen, was Herr Professor Schelver bey fürstlicher Commission für ein Ansuchen angebracht. Da nun dasselbe mit der Intention Serenissimi, alles Vorräthige so brauchbar[21] als möglich zu machen, vollkommen übereinstimmt; so werden Ew. Wohlgeboren die Anstalten treffen, daß Herr Prof. Schelver sich des Zoologischen Theils des Jenaischen Museums bedienen könne, und dabey etwa diejenige Einrichtung beybehalten, welche in ähnlichen Fällen beliebt worden.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 29. Juni 1805.


19/5110.


An Franz Kirms

[Juni.]

Die Verordnung wegen der Strafe von Dem. Silie bitte nicht zu vergessen. Es ist so ein grobes Vergehn auf unserm Theater noch nicht vorgekommen.


19/5111.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

[Juni.]

Die einigermaßen aus dem Gleise geruckte Angelegenheit glaube auch zu Ew. Wohlgeb. Zufriedenheit wieder eingeleitet zu haben.

Sie behalten das schon Gezahlte bey Sich, Bartholomä nimmt von dem Pachter Ihre Quittung statt baaren Geldes an und quittirt ihn im Namen der Commission. Wollen Ew. Wohlgeb. dem Pachter bemercken, daß dies nur interimistisch sey und daß es[22] mit ihm bey der vorigen Verabredung bleibe, so wird vielleicht jeder unerfreuliche Schein vermieden. Ich wünsche Sie bald in völligem Besitz und Genuß und mir ein geneigtes Andencken.

G.


19/5112.


An Christian Gottlob Heyne

Ew. Wohlgeb.

erhalten mit vielem Dancke die aus Ihrem Bücherschatze mir anvertrauten Bände zurück, nebst der Bitte, mir auch künftig einem so schätzenswerthen litterarischen Beystand nicht zu versagen.

Der Antheil, den Ew. Wohlgeb. an Winckelmanns Briefen genommen, ist mir höchst erfreulich und erinnert mich an die schönen Stunden, in denen ich unter mancherley heitern Gesprächen auch dieser Überbleibsel gegenwärtig gedachte. Verwahren Sie beykommendes Exemplar zu meinem Andencken und erhalten mir Neigung und Gewogenheit.

Weimar d. 2. Juli 1805.

Goethe.


19/5113.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten, eh' ich nach Lauchstädt gehe, nebst meinem besten Gruß die Zeitungen zurück, welche Sie Herrn Geheimerath Jacobi zur Einsicht gegeben.

[23] Auch liegt die Recension von Tyan bey und eine kurze Anzeige zu beliebigem Einrücken in das Intelligenzblatt.

Ich wünsche wohl zu leben und empfehle mich zu geneigtem Andenken.

Weimar den 3. Juli 1805.

Goethe.


19/5114.


An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

begrüße nochmals vor meiner Abreise und bemerke, daß Herr Professor Schelver bey fürstlicher Commission um Benutzung des zoologischen Theils des Herzoglichen Museums zu seinen Vorlesungen nachgesucht. Da nun dieses mit der Intention Serenissimi, die aufbewahrten Schätze so gemeinnützig als möglich zu machen, vollkommen übereinstimmt; so hat Commissio kein Bedenken getragen, dem Suchen für dieses halbe Jahr zu deferiren, und Ew. Wohlgeboren werden daher die Einrichtung treffen, daß gedachter Herr Professor Schelver bis Michael sich des Museums bedienen könne; wobey die Form beyzubehalten ist, welche in ähnlichen Fällen beliebt worden.

Das Beste anwünschend

Weimar d. 3. Juli 1805.

Goethe.[24]


19/5115.


An Friedrich August Wolf

Mittwoch d. 3. Jul. 1805

gelange ich wieder in Ihre Nähe, welches mir ein südliches Land zu seyn scheint. Mehr sage ich nicht. Sie theilen die freudige Hoffnung des Wiedersehens mit mir. Minchens Hautrelief sah ich noch in Gyps vollendet. Es ist ein löbliches Kunstwerk geworden. Gern hätt ich es mitgebracht. Wann fängt Gall zu lesen an ? In den ersten Tagen kann ich nicht weg von Lauchstedt. Meine Begleiterinn grüst mit mir aufs beste. Nur ein Wort Antwort!

Goethe.


19/5116.


An Friedrich August Wolf

Lauchstädt, Sonnabends. [6. Juli.]

Einige kleine dramatische Geschäfte, besonders aber der Wunsch, Sie, verehrter Freund, wiederzusehen, haben mich nach Lauchstädt geführt. Wann ich nach Halle kommen kann, weiß ich nicht genau zu bestimmen. Möchten Sie aber morgen, sonntags, mit Ihrer lieben Tochter herüberzukommen nicht verschmähen; so soll der herzliche Willkomm Ihnen begegnen. Meine Reisegefährtin empfiehlt sich aufs beste. Ich bitte um ein Wort Antwort.

Goethe.[25]


19/5117.


An Johann Heinrich Meyer

Für die gütige Besorgung der verschiedenen Geschäfte danke zum schönsten und wünsche Glück zu allem Wohlgelungenen.

Das Programm folgt hierbey zurück, ich finde es sehr wohl gerathen und habe nur eine einzige Stelle, wie Sie sehen werden, verstärkt. Es ist Zeit, daß man sich erklärt, wie man über diese Narrenspossen denkt, denn bey einem Frieden mit solchen Leuten kommt doch nichts heraus, sie greifen nur desto unverschämter um sich.

Der Nachtrag von Wolf wird wohl noch Platz finden, er fördert uns zwar nicht; denn er zieht den Polygnot wieder zu nah an Phidias heran; indessen sind auch diese Zweifel interessant. Überhaupt hatte ich Gelegenheit, hier abermals zu bemerken, daß diejenigen, die von schriftlich-historischen datis ausgehen, immer mehr zum Zweifeln, als zum Entscheiden geneigt sind.

Wir wollen nun sehen, wie wir die Glocke zum Läuten gehen, alsdann hoff' ich bald wieder bey Ihnen zu seyn. In meinen Krankheitszustände hat sich einiges geändert; ob es zum Bessern führt, wüßte ich nicht zu sagen.

Inliegendes Blatt »Göttingische Anzeigen« senden[26] Sie Herrn Hofrath Eichstädt mit vielen Empfehlungen zurück. Die darinnen enthaltende Recension ist, wie Sie sehen werden, weder warm noch kalt, doch trifft sie mit unserer Ansicht im Ganzen zusammen. Sobald ich nur einigermaßen Zeit und Humor finde, so will ich das neu-katholische Künstlerwesen ein für allemal darstellen; man kann es immer indessen noch reif werden lassen und abwarten, ob sich nicht Altheidnischgesinnte hie und da hören lassen.

August schreibt mir, daß die längst erwarteten Medaillen endlich angekommen sind, und beschreibt einige näher, die von Bedeutung sind.

Trifft Sie dieses Paket in Rohrbach, so empfehlen Sie mich den verehrten Ihrigen. Der Bote soll auf dem Rückwege wieder anfragen, ob Sie etwas an mich zu bestellen haben. Ich wünsche gar sehr einen Abdruck von der Platte zu sehen. Leben Sie recht wohl.

Lauchstädt den 22. Juli 1805.

G.[27]


19/5117a.


An Franz Kirms

Nun bin ich, nachdem Doctor Gall seine Vorlesung geendigt, wieder nach Lauchstädt zurückgekommen. Ich hätte gewünscht, nach meiner Abrede mit Heidloff ihn schon hier zu finden, denn er sollte sich gleich nach dem Fest im Schießhause auf den Weg machen. Haben Ew. Wohlgeb. die Gefälligkeit ihn baldigst abzusenden und ihm genugsame Pappen und Goldpapiere mitzugeben.

Was den Anblau der Garderobe betrifft, so überlasse ich solchen völlig Ihrem Ermessen, da Ihnen die Lange, so wie die Bedürfnisse besser als mir bekannt sind. Eine Erweiterung des Raums und eine Separation der ungleichen Theile wird von Vortheil seyn.

Von unsern neuen Aquisitionen, von den Einnahmen und übrigen Vorfallenheiten werden die Wöchner Rechenschaft geben, vielleicht füge ich auch noch eine Beylage hinzu.

Was mein Befinden betrifft, so läßt sich nicht viel davon sagen. Es ist wahr, es haben sich meine Umstände bedeutend geändert, ob aber dieser Weg[483] zum Bessern und Besten führt? darüber nicht zu früh frohlocken. Ich danke von Herzen für Ihren Antheil und wünsche auch um unserer gemeinsamen Geschäfte willen mir für die nächste Zeit ein besseres Befinden.

Was sagen Sie zu dem Aufruf im Reichsanzeiger? Ich lege einen Entwurf bey, wie man etwa antworten könnte. Finden Ew. Wohlgeb. diese Erklärung der Sache gemäß, so können Sie solche im Namen der Commission nach Gotha ergehen lassen. Vielleicht fragen Sie den Herrn Regierungsrath, dem ich mich bestens empfehle.

Indem ich einen solchen Aufsatz machen will, finde ich doch mancherley Bedenken dabey, und kann daher diese Sache wohl bis zu einem baldigen Wiedersehen beruhen.

Ew. Wohlgeb, habe auch noch zu danken, daß Sie sich bey Einweihung des Schießhauses auf mancherley Weise gefällig erwiesen.

Haben Sie denn niemand vertrautes in Wilhelmstahl um ihn nach Liebenstein an den Bassisten zu schicken und mit ihm negotiiren zu lassen? Auch geht ja von Weimar soviel immer hin und wieder. Eine gute Stimme ist gar zu viel werth als daß man sich nicht nach ihr näher erkundigen und sie zu acquiriren suchen sollte. Auch hier macht Dirzka, so unbeholfen er ist, durch seine Stimme im gebildeten Publicum gute Sensation.

[484] nächstens mehr, wenn ich wieder einigermaßen im Gleichen bin. Der Hallische Aufenthalt und die Hallischen Vorlesungen haben mich aus aller Richte gebracht.

Das beste Lebewohl.

Lauchst. d. 22. Jul. 1805.

Goethe.[485]


19/5118.


An Carl Friedrich Zelter

Ich wollte, Sie hätten Lust und Muth, wenn Sie gegenwärtiges erhalten, sich aufzumachen und nach Lauchstedt zu kommen. Sie finden mich allein und frey von allen Verhältnissen. Ein hübsches Zimmer ist zu Ihrer Aufnahme bereit. An allem Übrigen zur Leibesnothdurft soll es nicht fehlen. Mit hin[27] und wieder schreiben ist nichts gethan. Ich bleibe wohl noch drey Wochen, doch müßten Sie bald kommen, daß auch etwas geschehen könnte. Nicht mehr! Die Antwort hoffentlich aus Ihrem Munde.

Lauchstedt d. 22. Jul. 1805.

G.

Ich gedencke in dieser Zeit die Schillerische Glocke dramatisch aufzuführen, was könnte das nicht durch Ihre Beyhülfe werden! Kommen Sie ja!


19/5119.


An Johann Friedrich Cotta

Ein so eben entstandenes Gedicht sende eilig für den Damen Calender. Ich wünsche, daß es, gerade wie es geschrieben ist, auf vier Blätter abgedruckt und, wie man es mit Dedicationen zu thun pflegt, dem Calender vorgesetzt werde.

Ich wünsche glückliche Rückkunft von der Reise.

Über unsre sonstigen Geschäfte nächstens.

Lauchstedt d. 31. Jul. 1805.

G.


19/5120.


An Friedrich August Wolf

Die Weimarischen Gäste sind glücklich angekommen und empfehlen sich zum schönsten, danken für die gütige Einladung und werden nächstens aufwarten.

Indem ich den heutigen Comödienzettel übersende,[28] geschieht es mit Betrübniß, daß wir Sie diesmal nicht hier sehen werden. Indessen hoffe ich, daß die schriftlich beyliegende Ankündigung Sie uns auf den 10. und 11. mit dem lieben Minchen herüberführen werde.

Die italienischen Bronzemedaillen sind auch hier angekommen und ich bin so frey, ein Blatt mit Namen beyzulegen, von denen ich einige historische Data zu erfahren wünschte. Sie lassen ja wohl durch einen dienstbaren Geist in irgend einem Lexico deshalb nachschlagen.

Dr. Gall ist auch in Weimar sehr wohl aufgenommen worden und wird wahrscheinlich von der Mitte dieses Monats an daselbst und in Jena lesen. Auch ist schon so geschwind nach Hause eilt, so kann er noch ganz Deutschland erobern.

Mit einem tausendfachen Lebewohl

Lauchstädt d. 3. Aug. 1805.

G.


19/5121.


An Carl Friedrich Zelter

Lauchstädt, den 4. August 1805.

Bis zum heutigen Tage habe ich mir, wiewohl nur mit einer schwachen Hoffnung, geschmeichelt, Sie hier zu sehen. Es gehört zu den traurigsten Bedingungen, unter denen wir leiden, uns nicht allein[29] durch den Tod, sondern auch durch das Leben von denen getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen und lieben und deren Mitwirkung uns am besten fördern könnte.

Damit dieser Brief gleich fortkomme, gehe ich von so traurigen Betrachtungen gleich zu einer Bitte über. Ich stelle die Glocke Schillers dramatisch vor und ersuche Sie dazu um Ihren Beystand. Lesen Sie das Gedicht durch und schicken Sie mir eine passende Symphonie dazu von irgend einem Meister. Dann wünsche ich in der Mitte des fünften Verses, den der Meister spricht, nach den Worten: Betet einen frommen Spruch, einen kurzen Chorgesang, zu dem die Worte:


In allem, was wir unternehmen,

Sey deine Gnade, Herr, uns nah.


zum Texte dienen könnten. Darauf würden die folgenden vier Zeilen bis: Schießt's mit feuerbraunen Wogen wieder gesprochen, darauf aber das Chor wiederholt, oder wenn Sie wollen, musikalisch weiter ausgeführt.

Zum Schlußchor wünschte ich die Worte

Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.

in einer Fuge zu hören, die insofern es möglich wäre, das Glockengeläute nachahmte und sich der Gelegenheit gemäß, in mortuos plango verlöre.

Wenn Ihnen hierzu ein glücklicher Gedanke kommt, so thun Sie mir wohl die Liebe und arbeiten ihn[30] aus und schicken mir die Partituren gerade nach Weimar, wo ich bald eintreffen werde.

Wäre es möglich, daß diese Ihre Gabe zum 19. oder 20. bey mir seyn könnte, so käme sie sehr gelegen: denn ich wollte in Weimar mit dieser Vorstellung anfangen.

Sodann hoffe ich, das andre Gedicht, wenigstens ein Schema, zu senden, das alsdann zum 10. November, zur Feyer des Geburtstags unserer Freundes, könnte gegeben werden. Mehreres nächstens.

G.


19/5122.


An Christian Gottlob Voigt

Was die Bibliothek betrifft, bemerke ich folgendes: vor allen Dingen bin ich sehr erfreut, daß Sie das bisher Geschehene billigen. Wir sind, denk' ich, auf dem Wege, die schönen vorräthigen Dinge in eine anschauliche und nützliche Ordnung zu bringen.

Der Secretair Vulpius könnte in der Mitte August nach Jena gehen. In dem Zimmer über der Reitbahn sind die Repositorien aufgeschlagen. Er kann die Weimarischen Doubletten mit die Catalogen zur Michaelismesse versandt werden könnten. Zu Ostern hielte man alsdann die Auction.

Wenn E. E. den alten Heermann durch eine In-[31] struction anregen wollen, so wird es von sehr guter Wirkung seyn. Er scheint das weitere Einrangieren deshalb zu verzögern, weil er die untern Zimmer neben der Archivs-Expedition zum Münzkabinette haben möchte; allein diese sind zu andern Zwecken allzudienlich, und es gäbe auch wieder ein neues Aufräumen und Bauen, wozu jetzt wenigstens keine Zeit ist. Oben steht die Sammlung vorerst recht schön und höchstnothwendig ist, daß er Alles wieder einrangire. Haben Sie die Gefälligkeit, ihn dazu anzuhalten.

Auch mit einem Gesuche wegen eines Schlüssels zum Hause, den Zimmern und Sälen wird er hervorgetreten seyn, womit man ihn, dächt' ich, auch noch hinhalten kann. Schmidt verlangte auch schon einen Schlüssel; aber ich glaube, das Geschäft gewinnt dabey, wenn man die Herren hübsch nöthigt, zu gleicher Zeit oben zu arbeiten, und nicht erlaubt, daß sich jeder aus seinem Geschäft einen Privatspaß mache. Ich würde daher bitten, daß Sie wenn der Secretair Vulpius nach Jena geht, den Hauptschlüssel dem Bibliotheksdiener dergestalt übergäben, daß er ihn früh morgens, wo er sich ohnehin meldet, bey Ihnen abholte, um 9 Uhr die Bibliothek aufschlösse, sie um 1 Uhr zuschlösse und den Schlüssel bey Ihnen wieder abgäbe. Man hat doch alsdann einen Castellan, an den man sich halten kann. Die mehreren Schlüssel in vorigen Zeiten haben nur Unordnung hervor-[32] gebracht und die Abneigung unter den Menschen vermehrt, von denen jeder nun glaubte, für sich zu bestehen.

Lauchstädt den 5. August 1805.

Goethe.


19/5123.


An Nikolaus Meyer

Die gefällige Sendung von einem Fäßchen Heringe ist zur rechten Zeit glücklich angekommen, da diese Waare noch hier als eine ziemliche Seltenheit zu achten war. Nehmen Sie dafür besten dank.

Ihr Schreibe an Herrn Doctor Gall habe ich sogleich nach Göttingen abgeschickt, als wohin er unmittelbar zu reisen willens war, da er aus dieser Gegend wegging Allein ich höre nun, daß er noch in Weimar lesen und vor der Hälfte dieses Monates wohl kaum von dort scheiden wird. Ich werde also Ihr Gesuch entweder mündlich oder schriftlich bey ihm anbringen. Er verdient auf alle Weise, von jedem Denkend gekannt und gehört zu werden: denn außer dem höchst Belehrenden seines Vortrags findet man in demselben die angenehmste Unterhaltung.

Die Meinigen sind gegenwärtig hier alle beysammen und grüßen schönstens. Wir bedauern oft, daß die Entfernung zu Ihnen so groß ist und eine wechselseitige persönliche Communication unter die nicht leicht auszuführenden Wünsche gehört.

Mögen Sie mir vor Winter noch eine Sendung[33] guten alten Franz-Wein besorgen, so geschieht mir eine große Gefälligkeit. Das Lebewohl.

Lauchstädt den 5. August 1805.

G.[34]


19/5123a.


An Johann Christian von Mannlich

Hochwohlgeborner,

Insonders hochgeehrtester Herr,

Die schon vor einiger Zeit in Weimar angekommenen Medaillen haben mich endlich hier angetroffen und ich verfehle nicht Ew. Hochwohlgebornen dafür den verbindlichsten Dank zu sagen. Sobald ich zurück komme, werde ich sogleich ich den Betrag dafür übermachen, wobey ich bitte, daß Sie die Gefälligkeit haben mögen, was etwa an Porto und sonstigen Auslagen zurückstände, zu bemerken.

Die Sendung selbst ist zu meiner völligen Zufriedenheit ausgefallen, nur einige der Stücke sind schon in meiner Sammlung zu finden, und es würde mir sehr angenehm seyn, wenn der dortige Freund sich ferner die Mühe geben möchte bey vorkommenden Gelegenheiten an mich zu denken, wobey ich denn abermahls die Summe von Funfzehn Zecchinen bestimme.

Zugleich wünschte, daß beym Einpacken die Medaillen und Täfelchen in mehrere Papiere eingewickelt würden, daß man auch lieber noch etwas zwischen die Schichten legte. Es ist zwar dießmal kein großer Schade geschehen; aber hie und da ist doch etwas an den höhern Stellen gescheuert und die Papiere waren sämmtlich wo nicht durch, doch angerieben. Die Schwere des Metalles verursacht freylich dergleichen.

[25] Von meinem lebhaften Dank und Wunsch gleichfalls etwas Gefälliges erzeigen zu können, bleiben Dieselben gewiß versichert, weshalb ich auch nicht um Verzeihung dieser abermahligen Bemühungen bitte und [mich] mit vorzüglicher Hochachtung unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Lauchstendt bey Halle

J. W. v. Goethe.

d. 5. Aug. 1805.[26]


19/5124.


An den Herzog Carl August

Ew. Durchl.

letztes gnädiges Schreiben hat mich in besseren Zuständen angetroffen als das erste das auf Starckens Anrathen gebrauchte Tuch-Bad, das auf Reis Vorschlag genommene Eger-Wasser sind mir sehr wohl bekommen und wenn ich nicht mich und die Theilnehmenden abermals mit falschen Hoffnungen zu täuschen fürchtete; so würde ich mein jetziges Befinden gegen das vorige loben und erheben.

An Reil habe ich einen sehr bedeutenden Mann kennen lernen; er beobachtete meine Übel vierzehn Tage ohne ein Recept zu verschreiben, als etwa eins das er selbst für palliativ erklärte. Tröstlich kann es für mich seyn daß er gar keine Achtung vor meinen Gebrechen haben will und versichert das sich alles ohne großen medizinischen Aufwand wieder herstellen.

Indessen habe ich Galls Vorstellung mit großer Unbequemlichkeit abgewartet und mich doch sehr unterhalten und erbaut gefunden. Wahrscheinlich haben Ew. Durchl. ihn nunmehr selbst gesehen und gehört, beurtheilt und geschätzt.

Nun hoffe ich noch vor meiner Rückkehr einen[34] dritten bedeutenden Mann kennen zu lernen; denn ich gedencke, theils um mich an neuen Gegenständen zu erheitern, theils um zu sehen wie eine Weitere Fahrt mir zusagt, mich nach Helmstedt zu begeben und daselbst den wunderlichen Beyreis in seinem Hamsterneste kennen zu lernen Man hat soviel von ihm und seinen Besitzungen gehört daß es nicht erlaubt ist beyde nicht selbst gesehen, gekannt und geprüft zu haben. Vielleicht begleitet mich Geh. R. Wolf wodurch sich das Interesse der Betrachtung, so wie der Reise überhaupt ungemein erhöhen müßte.

Die Theurung nimmt, wie es vor der Erndte zu geschehen pflegt, eher zu als ab; wir aber nehmen mit unsern Theaterkünsten den Leuten dennoch mehr Geld ab als zu vermuthen war. Am meisten jedoch bewundre ich die Beharrlichkeit womit sie trotz regen und Sturm herbey kommen. Gestern besuchten mehrere hundert die Jungfrau von Orleans, aus Halle und weiter her zu Fuße wandernd. Sie hatten sich vom Herweg noch nicht getrocknet als der Rückweg sie schon wieder netzte.

Nicht so lustig ist die Betrachtung daß dieses Wetter die Erndt verspätet und unsicher macht, wozu übrigens die schönsten Aussichten sich zeigen. Alle Art von Frucht steht auf diesen trefflichen Ebenen zum allerschönsten.

Einer theatralischen Sonderbarkeit muß ich noch erwähnen die wir morgen zu geben gedencken. Es[35] ist nämlich die Glocke von Schiller, deren Guß vorgestellt werden soll, indem die begleitende Poesie an die Glieder der Gesellschaft ausgetheilt ist, wobey denn jeder etwas seinem Charackter so ziemlich gemäßes vorzutragen hat. Geh. R. Wolf von Halle hoffe ich auch bey dieser Gelegenheit hier zu sehen. Dadurch daß er für Preußen erhalten wird geschieht auch mir eine besondere Wohlthat. Ich kann doch hoffen ihn jährlich eine Zeitlang zu sehen und mich an seinem Wissen und seinem Charackter zu erbauen.

Indem ich dieses schreibe tritt Zelter von Berlin zu mir herein. Meine Freude diesen köstlichen Mann zu sehen und einige Tage zu besitzen ist sehr groß. Wenn die Tüchtigkeit sich aus der Welt verlöhre; so könnte man sie durch ihn wieder herstellen.

Bey Gelegenheit dieses unschätzbaren Musickmeisters wünsche zu dem entdeckten Talente des jungen Boineburgs Glück. Da die Verbreitung musicalischer Fertigkeiten zu allgemeinerem Genusse so schwer zu leisten ist; so bleibt es immer erfreulich wenn einzelne Menschen sich hie und da musterhaft im Stillen ausbilden.

Auch wünsche ich daß die durch Kirms angefangne Unterhandlungen mit dem bezeichneten Bassisten guten Fortgang haben mögen. Eine gute Stimme ist eine große Gabe des Himmels. Einige nothdürftige theatralische Bewegungen wird man ihm ja wohl auch einlernen können.

[36] Möge gegenwärtiges Blat Ew. Durchl. gesund und froh in Weimar finden. Möchten Sie meiner mit Gnade und Neigung bey Sich Selbst und den hohen Ihrigen gedencken! Bald hoffe ich, zwar nicht eben als ein in dem Jugendbrunnen gebadeter, doch leidlich wieder aufgefrischt mich darzustellen.

Lauchst. 10. Aug. 1805.

Goethe.


19/5125.


An Charlotte von Stein

Da ein Theil meiner Caravane nach Weimar zurückgeht, so sende ich einiges bey dieser Gelegenheit.

Aus den Schillerschen Gedichten, für deren Mittheilung ich bestens danke, habe ich die Glocke ausgezogen und dramatisch vorgestellt, wobey uns ein guter Beyfall zu Theil geworden. Ich hoffe, Sie sollen sich auch daran bald in Weimar erfreuen.

Die übrigen Beylagen werden Ihnen einiges Vergnügen machen. Ich bitte, sie bis zu meiner Rückkunft aufzuheben.

Mein Befinden läßt sich recht gut an, und außer der Apprehension vor Rückfällen, die leider so oft eingetreten sind, möchte ich mir meinen Zustand kaum besser wünschen.

Zelter hat mich auf einige Tage besucht und mir durch seine Gegenwart große Freude gemacht. Man fängt wieder an, ans Leben zu glauben, wenn man[37] solche Menschen sieht, die so tüchtig und redlich wirken, gegen so viele, die nur wie das Rohr vom Winde hin und her geweht werden.

Nun gedenke ich eine kleine Reise mit Geheimerath Wolf und August nach Helmstädt zu machen, um da selbst den wunderlichen Doctor Beyreis zu besuchen. Er ist schon so alt, daß man sich eilen muß, um ihn und seine Besitzung noch zusammenzufinden. Ich weiß nicht, ob Sie früher von ihm gehört haben. Er ist seit langer Zeit deswegen merkwürdig, daß er Sammlungen aller Art zusammengebracht hat und zwar von solchem Umfang und Kostbarkeit, daß sie das Vermögen eines Particuliers zu überschreiten scheinen. Ich bin neugierig, alles das mit eigenen Augen zu sehen. Auf alle Fälle müssen sich darunter sehr interessante Sachen befinden.

Lassen Sie mich Ihnen selbst und den Freundinnen empfohlen seyn und versäumen Sie nicht, mich Durchlaucht der Herzogin zu Füssen zu legen. Zu Ende dieses Monats hoffe ich wieder aufzuwarten.

Lauchstädt den 12. August 1805.

Goethe.


19/5126.


An Johann Heinrich Meyer

Etwas später, als ich mir vorgesetzt, werde ich wieder bey Ihnen eintreffen. Da ich ganz leidlich befinde, so will ich mit Geheimerath Wolf eine[38] Tour nach Helmstädt machen, um den alten Beyreis in seinem Hamsterneste zu besuchen. Ich bin recht neugierig, was ich für Schätze bey ihm finden werde.

Zelter hat mir die Freude gemacht und ist auf einige Tage hergekommen. Er konnte eben noch einigen Theil an dem Arrangement der Glocke nehmen, deren Aufführung recht gut ausgefallen ist.

Die von Rom gekommen Medaillen hat mir August mit hieher gebracht. Der größte Theil ist neu für uns, vortrefflich und belehrend. Sie werden viel Freude haben, diese Werke zu sehen, zu betrachten und zu beurtheilen.

Zur Eröffnung des Vogelschießens komme ich freylich nicht. Sie werden aber wohl die Güte haben, wie bey der Einweyhung, dem Rath Schulze auch in den Arrangements beyzustehen. Ich habe manchen guten Einfall, wodurch nach dieses Vogelschießen wie das Frohnleichnamsfest zu Erfurt bunt, bedeutend und anziehend werden könnte. Man muß aber sachte gehen, weil sich die Philisterey gleich vor allem effarouchirt, wenn das entstehen soll, wornach sie läuft, wenn es entstanden ist.

Zu Anfang Septembers bin ich auf alle Fälle wieder bey Ihnen. Hoffentlich kommen unterdessen die Sendung zur Ausstellung reichlich ein. Denken Sie indessen ein wenig darüber, was wir aus eignen Weimarischen Mitteln allenfalls aufstellen können. Vielleicht bäte man Großfürstin um die Madonna.[39] Auf alle Fälle füllt auch das polygnotische Wesen einen hübschen Raum aus.

Leben Sie recht wohl und empfehlen mich gelegentlich im Voigtischen Hause. Mit meiner Gesundheit geht es sehr leidlich.

Lauchstädt den 12. August 1805.

G.

Inliegendes bitte zu couvertiren und abzusenden.


19/5127.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

ersuche Nachstehendes in das Intelligenzblatt Ihrer Literaturzeitung einrücken zu lassen.

Ich versäume diese Gelegenheit nicht, mich Ihnen bestens zu empfehlen, daß es mit meiner Gesundheit ganz leidlich geht. Wenn sie ferner im Bessern so zunimmt wie bisher, so kann ich hoffen, mich bald wieder zu ununterbrochener Thätigkeit hergestellt zu sehen. Auch ist mir diese Zeit her manches Gute geworden: der fortgesetzte Umgang mit Wolf, die Vorlesungen von Gall, ein Besuch von Zelter, einige glückliche dramatische Darstellungen haben nicht wenig beygetragen, mich zu erheitern. Meine Hoffnung ist, im Guten zu machen und Ew. Wohlgeb. gleichfalls gesund und froh wiederzufinden.

Ich denke noch eine Tour nach Helmstedt zu machen und mich an den Schätzen des alten Beyreis zu[40] vergnügen und hoffe, alsdann manches, was ich indessen erfahren und bemerkt, bey einem ruhigen Aufenthalt in Jena mittheilen zu können.

Alles Gute wünschend

Lauchstädt den 12. August 1805.

Goethe.


19/5128.


An Johann Friedrich Cotta

Ehe ich von Lauchstädt abreise, sende ich meine bisher durch allerley Zersteuungen verzögerte Erklärung. Sagen Sie mir auch darüber unbewunden Ihre Gedanken. Da wir in der Hauptsache einig sind, so ist es bey einer so wichtigen Sachen wohl der Mühe werth, daß man herüber und hinüber spreche und seine Wünsche mittheile.

Nachstehende Anzeige lasse ich in das Jenaische Intelligenzblatt setzen zu einer Vorbereitung im Allgemeinen. Gelangen wir weiter, so wünsche ich diejenige Nachricht, die Sie ins Publicum zu bringen gedenken, im Entwurf zu sehen.

Mein Brief vom 31. Juli wird Ihnen den Epilog gebracht haben. Ich hoffe, Sie sind glücklich von Ihrer Reise zurückgekommen.

Die dramatische Aufführung der Glocke hat sehr gute Wirkung gethan und durchaus die Erwartung des Publicums übertroffen.

[41] Der ich recht wohl zu leben und bald gute Nachrichten von Ihnen zu vernehmen wünsche.

Lauchstädt den 12. August 1805.

Goethe.


Der Herr Geheimerath von Goethe hat die Absicht, seine sämmtlichen Werke in zwölf Bänden, welche in drey Lieferungen erscheinen sollen, herauszugeben. Die erste erfolgt wahrscheinlich Ostern 1806.


[Beilage]


1. Ich übernehme den angeboten Verlag Ihrer Werke für 10,000 rh. Sächsisch in den festgesetzten Terminen. Da das Ganze aber ein bedeutendes Capital beträgt, so setze voraus, daß das Recht für diesen Verlag sich auf 6 Jahre, von der Herausgabe der letzten Lieferung an gerechnet, erstrecken werde. Also z.B. 1808 Ostern erscheint die letzte Lieferung, so habe ich bis 1814 Ostern das Recht des Verlags.


Da bey einer Übereinkunft für beyde Theile das Gewisse wünschenswerth ist; so möchte wohl der Termin von Herausgabe der erste Lieferung zu rechnen seyn. Wogegen ich zufrieden bin daß er auf acht Jahre erstreckt werde also z.B. von Ostern 1806 biß Ostern 1814.


2. Ich bin nicht blos an die festgesetzte saubere und ge-[42] schmackvolle Handausgabe mit deutschen Lettern gebunden, sondern darf auch andre Formen wählen. Wenn ich es zum Beyspiel räthlich fände, die Idee einer Taschenausgabe auszuführen.


Bin es zufrieden.


3. Ich habe nach Verlauf der sechs Jahre das Vorrecht vor jedem andern Verleger bey Eintretung in gleiche Verbindlichkeit.


Bin gleichfalls damit zufrieden. (Würde nur heisen nach Verlauf der acht Jahre.)


4. Sie vertreten mich bey den bisherigen Verlegern, Göschen, Unger.


Als mich Schiller zu Herausgabe meiner Wercke aufforderte, machte ich ihn mit allen meinen früheren Verhältnissen bekannt, da er denn äußerte daß kein gegründeter Einspruch geschehen könne, worüber ich noch ein Blat von seiner werthen Hand besitze. Sollte indeß dergleichen vorkommen, so erlauben Sie daß ich es mittheile und mich Ihres Rathes bediene.


5. Bis zum Absatz der ersten Auflage findet keine neue Statt, falls dieser auch länger als sechs Jahre erforderte.


Diese Bedingung ist, wie die Schrift zeigt, später eingeschrieben und Sie haben in der Eile der Expedition wohl nicht[43] gedacht daß dieselbe den ersten Punckt gleichsam aufhebt. Damit sich der Autor nicht um die Stärcke der Auflage, nicht um die Weise zu bekümmern brauche wie der Verleger die Wercke in's Publicum bringt, ist dort eine Zeit festgesetzt welche allen Mishelligkeiten vorbeugt. Durch No. 5 aber würde der Termin aufgehoben, wodurch manche Weiterung entspringen könnte.

Alles Gute wünschend

Goethe.

Lauchstedt d. 12. Aug. 1805.[44]


19/5128a.


An Johann Peter Langer

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey die Zeichnungen Ihres Herrn Sohnes zurück mit vielem Dancke, daß Sie mir solche so lange anvertrauen wollen. Mir ist es sehr angenehm auch im Laufe des Jahres manchen durchreisenden Freund mit den Arbeiten talentvoller, lebender Künstler bekannt zu machen. Empfehlen Sie mich bestens nach Rom. Mich verlangt sehr, nach der Rückkunft Ihres Herrn Sohnes, von seiner Arbeit zu sehen und zu bemerken, welchen Einfluß jene Kunstschätze auf ihn gehabt haben. Leben Sie recht wohl und überzeugen Sich von meiner vollkommenen Hochachtung.

Ew. Wohlg.

ergebenster Diener

J. W. v. Goethe.

Weimar den 20. September 1805.[86]


19/5129.


An Christiane Vulpius

Helmstedt d. 19ten Aug. 1805.

Von hier schreibe ich dir einige Worte damit du erfahrest wie es uns geht und dancke dir vorher für alle Liebe und Freue die du mir auch in der letzten Zeit erwiesen hast, möge es dir dafür immer recht gut gehen wozu ich was an mir liegt zeitlebens beyzutragen hoffe.

Montag d. 12. kamen wir glücklich in Halle an. Tags darauf blieben wir daselbst. Unser Wirth gab[44] ein großes Mittagessen, Abends ging ich auf den Berg. Mittwoch d. 14ten fuhren wir auf der schönsten Chaussee nach Magdeburg und kamen zeitig an. Donnerstag sahen wir uns um, besuchen mehrmals den Donnerstag sahen wir uns um, besuchten mehrmals den Dom, wo besonders schöne Monumente von Erz befindlich sind. Wir gingen an der Elbe hinunter, fuhren über das Wasser, zogen durch die Stadt und waren sehr lustig. Freytag fuhren wir hierher und kamen Abends an. Sonnabend befahren wir die merckwürdigen Kunstwercke mit denen der Hofrath Beyreis sein Haus angefüllt hat, aßen bey ihm und blieben biß in die Nacht. Sonntag früh ging das Sehen wieder von vorne an. Mittags aßen wir beym Abt Hencke, blieben lange da und waren Abends allein. Heute geht es so fort und ich weiß noch nicht wann wir weggehen.

August liegt noch im Bette indem ich früh dieses schreibe. Er ist lustig und guter Dinge, streitet sich mit Wolf und macht uns oft zu lachen.

Ich befinde mich recht wohl und fühle daß Bewegung und Zerstreuung mich allein völlig wiederherstellen könnten, ich will daher sehen daß ich noch ein wenig herumschweife.

Du hörst bald mehr von mir, indessen Lebe wohl und fahre fort mich zu lieben.[45]


19/5130.


An Christiane Vulpius

Mit Vergnügen wirst du, mein liebes Kind, von August die näheren Umstände unserer vierzehntägigen Reise vernehmen, wenn ich dir im allgemeinen sage daß ich mich recht wohl befunden habe. Noch besser fast als die Bewegung wirckt die Zerstreuung; denn man hat keine Zeit über sich nachzudencken und über diese oder jene keine Andeutung eines Übels besorglich zu werden. Von Helmstedt wirst du einen Brief von mir erhalten haben. Nun bin ich wieder in Lauchstedt, wo es sehr still ist. Wenn es nur wenigstens gutes Wetter wäre! Ich habe vorgezogen meinen Geburtstag hier im Stillen zu begehen, um mich bald möglichst zu einigen Arbeiten zu sammeln. Am liebsten wäre ich nun wieder zu Hause; doch will ich wohl iene Bequemlichkeit noch einige Zeit entbehren und mich hier an's Baden und Wassertrincken halten. Augusten sende ich dir. Er hat sich gar gut betragen und die ganze Reise erheitert, er wird dir manches erzählen. Nun ist's gut daß er wieder in das Schulgleis kommt und eine Weile darinn fortgeht.

Wenn du mir Donnerstag d. 5. Septemb. die Pferde wiederschicken wolltest, würde es wohl die rechte Zeit seyn; doch am angenehmsten wäre mir's wenn du mich selbst abholen wolltest. Lassen es deine häuslichen Geschäfte zu und hast du des Vergnügens am[46] Vogelschießen genug genossen, befindest du dich auch recht wohl; so thue es; doch soll es ganz von dir abhängen. Auch noch etwas Geld müßtest du mitbringen. Es sind mir nur 10 rh. übrig geblieben. Die theure Fourage bey der verlängerten Reise hat das meiste gekostet. Bringe etwa 50 rh. Es ist immer besser daß noch etwas übrig bleibe. Könntest du gleich nach Empfang dieses mir ein Paar Worte schreiben und auf die Post geben; so erhalte ich sie zwar spät; aber doch immer eher als der wagen zurückkommt. Lebe recht wohl und liebe mich. Wenn es mir gut geht freue ich mich dessen vorzüglich um deinetwillen, so wie ich an allen Orten wo etwas angenehmes vorkam dich im Stillen zu mir wünschte.

Lauchstedt d. 28. Aug. 1805.

G.


19/5131.


An den Herzog Carl August

Ew. Durchl.

zum Geburtstage aufzuwarten wird dieses Blat das Glück haben, indeß ich durch eine Nachkur in Lauchstedt zurückgehalten werde. Mögen doch alle Wünsche für Ihre Erhaltung und Zufriedenheit reichlich erfüllt werden!

Das verehrte Schreiben ist mir in Halle gar freundlich begegnet als ich von einer zwölftägigen Reise zurückkam, auf der ich, mit Geh. R. Wolf, gar[47] manches interessante erlebt hatte. Ew. Durchl. vernehmen gewiß mit gnädiger Theilnahme daß sich meine Gesundheit ganz gut gehalten und meine körperlichen Kräfte sich bey mancherley Anforderungen munter und thätig bewiesen.

In Magdeburg beschäftigte mich vorzüglich der Dom und seine Monumente, besonders die von Erz, deren drey, aus dem funfzehnten Jahrhundert, theils bedeutende theils fürtreffliche Wercke sind. Die Stadt mit ihrer Umgebung waren gleichfalls erfreuliche Gegenstände.

Zu Helmstedt ward unsre Aufmercksamkeit mehrere Tage durch Merlin-Beireis festgehalten. Seine Person erinnert an Kästner in Göttingen und Büttner in Jena. Fünf und siebzig Jahre haben ihm noch alle Munterkeit gelassen, den lebhaftesten Antheil an allen seinen Besitzungen, die eine Art von barockem Zauberkreis um ihn herschließen. Altes und neues, Kunst und Natur, werthes und unwerthes, brauchbares und unnützes hat sein unbedingter Sammelgeist an sich gezogen um es theils zu verwahren und sich daran zu ergötzen, oder auch, wie es fällt, manches verstauben, verrosten und vermodern zu lassen. Freylich hat er in so langer Zeit unschätzbare Sachen angeschafft. Unter seinen Gemälden befindet sich ein Bildniß Albrecht Dürers, von ihm selbst im 22ten Jahre gemahlt, in welchem alle Tugenden dieses Meisters jugendlich, unschuldig blühend erscheinen. Ein's der[48] interessantesten Bilder die ich kenne, wenig beschädigt, gar nicht restaurirt.

An Münzen besitzt er köstliche Griechische, besonders in Silber. Eine reiche, der Vollständigkeit sich nährende Sammlung der römischen Kaiser in Gold biß auf die letzten Zeiten. Vieles moderne in Silber und Gold worunter manches rare und kuriose. Die Lieberkühnischen anatomisch-mikroscopische Präparate sind gut erhalten; von den Vaucansonischen Maschinen nur die Ente einigermassen, sie bewegt noch Hals und Kopf, die Flügel kaum, sie frißt; aber damit sind auch ihre Künste gethan.

Unter den Naturalien sind Stücke die das Jenaische Cabinet immer noch zieren würden.

Übrigens haben wir eine Versammlung wackrer academischer Gelehrter angetroffen; auch das Ganze innerlich in einem weit bessern Zustand als man zu finden hofft. Nur die Wirckung dieser wohl dotirten und wohl eingerichteten Anstalt ist nicht sonderlich, durch ein Zusammentreffen von mancherley Ursachen.

Auf dem Wege nach Halberstadt besuchten wir einen Landrath von Hagen, der Ew. Durchl. wohl nicht unbekannt ist und der seinen Beynahmen der Tolle, bey einem guten Essen und fürtrefflichem Wein, vor uns vollkommen legitimirt hat.

In Halberstadt sahen wir den Herzog von Braunschweig, die Minister v. Schulenburg und Hardenberg wenigstens von weiten; besuchten Gleims hinterlassne[49] Schwester, die wir im Bette fanden, sahen uns im Nachlass dieses Mannes um, reflectirten über die vergangne Zeit der deutschen Litteratur und suchten wieder das Freye.

So gelangten wir an den Rosstrapp, auf den Stufenberg, nach Ballenstedt, Aschersleben und über Cönnern wieder nach Halle, wo Dr. Galls Nahme noch immer nachklingt, über dessen Leistungen ich mich bald mit Ew. Durchl. mündlich zu unterhalten hoffe, indem der Raum mich erinnert zu schließen hoffe, indem der Raum mich erinnert zu schließen und mich zu Gnaden zu empfehlen.

Lauchst. d. 28. Aug. 1805.

Goethe.


In einem Beyblatte sey mir erlaubt noch einiges nachzubringen.

Von Helmstedt aus machten wir eine Tour nach Harbke, wo wir von dem Jungen Grafen Veltheim freundlich aufgenommen wurden und die Altväter so mancher fremden Holzarten bewunderten. Ew. Durchl. kennen die schöne Anlage selbst, welche nunmehr schon der Enkel zu bearbeiten fortfährt.

Überall fanden wir die Feldfrüchte nach Beschaffenheit des Bodens fürtrefflich stehen, nur machte das unbeständige feuchte Wetter viele Sorge. Durchaus benutzte man jeden Sonnenblick um das gereiste eilig herein zu schaffen.

Dem. Jagemann wird in Berlin gewiß willkommen seyn. Sie hat durch drey Vorstellungen auch hier zu[50] Anreizung und Aufregung des durch mancherley Umstände zurückgehaltenen Publikums das ihrige redlich beygetragen.

Mich wiederholt zu Gnaden empfehlend

G.


19/5132.


An Friedrich August Wolf

Warum ich meinen Geburtstag lieber hier in der Einsamkeit, als unter werthen Freunden zu feyern gedachte, war mir selbst ein Räthsel, das sich aber nunmehr genugsam aufklärt, da ich in Plotins Leben folgende Stelle finde

quippe cum nequaquam decere putaret natalem ejus sacrificiis conviviisque celebrari.

Hat nun der Geist des vortrefflichen Manns auf den meinen schon durch den Schweinsband hindurch solche Einflüße ausgeübt; was wird es erst werden, wenn ich das jetzt aufgeschlagene und durchblätterte Werk gründlich studire?

Dazu ist mir aber der griechische Text höchst nöthig. Denn obgleich der Übersetzer seinen Autor, im ganzen und einzelnen, recht wohl Stellen dunkel, entweder aus wirklicher Incongruenz des Lateinischen zum Griechischen, oder daß ich deßen Congruenz nicht so leicht einzusehen vermag. Darüber würde mich der Text[51] leicht hinaus heben. So wie denn auch besonders nöthig ist, die oft wiederkehrende abstracte Terminologie in der Ursprache und Urbedeutung vor sich zu haben.

Von allem diesem gedenke ich bald nähere Rechenschaft zu geben, wenn Sie die Güte haben wollen, mir das in Händen habende Original auf einige Zeit mitzutheilen. Übrigens mag es ganz zweckmäßig seyn, bis die poetische Stimmung eintritt, sich im Reiche der Ideen aufzuhalten.

Wie viel ich Ihnen Dank schuldig bin, daß Sie mich, über Chaußeen, Bruchdämme und Berg-Straßen, an so mancherley Gegenständen vorbey führen wollen, fühl ich jetzt recht lebhaft, da ich das Vergangene recapitulire und, wie sehr sich meine Zustände verbeßern, empfinde. Möge Ihnen im Geiste deutlich werden, was ich weder schriftlich noch mündlich ausdrucken kann.

Grüßen Sie das liebe Minchen zum schönsten und sagen mir durch den rückkehrenden Boten ein Wort. Bald laße ich von mir etwas vernehmen. August, der sich vielmals empfiehlt, ist heute früh abgefahren und ich befinde mich also wieder einmal in einer absoluten Einsamkeit.

Da dieses Blat durch Gelegenheit abgeht; so bitte um das Buch durch Gelegenheit. Mich aber und abermal empfehlend

Lauchst. d. 29. Aug. 1805.

G.[52]


19/5133.


An Friedrich August Wolf

Für den überschickten Plotin danke zum schönsten. Leider fällt seine ideale Einheit, auf die er so sehr dringt, mit der realen Einerleyheit zusammen, an der ich hier gewaltig zu leiden anfange.

In Hoffnung, selbst thätig zu seyn, habe ich gar keine Bücher mitgenommen; da sich aber der Genius, wie ich merke, erwarten läßt; so bitte ich um einige unterhaltende Bücher, besonders um Reise- und Lebensbeschreibungen. Können Sie mir die neulich erwähnte Griechische Grammatik mit schicken, so geschieht mir ein besonderer Gefallen. Je bunter Ihre Sendung ist, desto besser, damit ich nur eine Abwechslung vor mir sehe, denn die 16 Stunden des Tages haben eine fruchtbare Länge.

Wegen der Medaillen nächstens.

Lauchstedt d. 30. 1805.

G.


19/5134.


An Carl Friedrich Zelter

Ich bin wieder in Lauchstädt angekommen, und dictire das in den Zimmern, wo Sie mich durch Ihre Gegenwart so glücklich machten.

Mit Geheimerath Wolf bin ich indessen nach Magdeburg und von da nach Helmstädt gegangen,[53] wo ich manches höchst interessante an Menschen und Dingen gefunden. Hernach gingen wir über Halberstadt, am Harze her, und über Aschersleben wieder nach Halle.

Hier bin ich nun wieder ganz allein, nachdem ich meinen August, der mich bisher begleitet, nach Weimar gesandt habe, und recapitulire, was mir in den letzten 8 Wochen gutes widerfahren ist, und suche das unter uns verabredete nach und nach hervorzulocken.

Zu diesem Zwecke dienet wohl ein altes Werk, das mir fast zufällig in die Hände gekommen ist. Sie erhalten hierbey die Übersetzung einer Übersetzung. Sobald ich sie nach dem original revidiren kann, werden die Worte freylich ganz anders klingen, aber Sie werden Vielleicht nicht mehr dabey denken als jetzt bey diesen noch hie und da stockenden Äußerungen.

Schreiben und schicken Sie bald nach Weimar! Ehe ich aus diesen Gegenden gehe, erhalten Sie noch einiges. Besonders dicktire ich eben etwas über die angestrichne Stelle des alten Mystikers. Tausend Lebewohl und Danck für Ihren Besuch, der mir wieder Lust zu leben gegeben und vermehrt hat.

Lauchst. d. 1. Sept. 1805.

G.


[Beilage.]

Da wir überzeugt sind, daß derjenige, der die begreifliche Welt beschaut und des wahrhaften Begreifens Schönheit gewahr wird, auch wohl ihren Vater, der[54] über allen Sinn erhaben ist, bemerken könne; so versuchen wir denn nach Kräften einzusehen und für uns selbst auszudrücken, insofern sich dergleichen deutlich machen läßt, auf welche Weise wir die Schönheit des Geistes und der Welt anzuschauen vermögen.

Nehmet an daher, zwey steinerne Massen seyen neben einander gestellt, deren eine roh und ohne künstliche Bearbeitung geblieben, die andere aber durch die Kunst zur Statue, einer menschlichen oder göttlichen, ausgebildet worden. Wäre es eine göttliche, so möchte sie eine Grazie oder Muse vorstellen; wäre es eine menschliche, so dürfte es nicht ein besonderer Mensch seyn, vielmehr irgend einer, den die Kunst aus allem Schönen versammelte.

Euch wird aber der Stein, der durch die Kunst zur schönen Gestalt gebracht worden, alsobald schön erscheinen, doch nicht weil er Stein ist; denn sonst würde die andere Masse gleichfalls für schön gelten; sondern daher, daß er eine Gestalt hat, welche die Kunst ihm ertheilte.

Die Materie aber hatte eine solche Gestalt nicht, sondern diese war in dem Ersinnenden früher, als sie zum Stein gelangte. Sie war jedoch in dem Künstler, nicht weil er Augen und Hände hatte, sondern weil er mit Kunst begabt war.

Also war in der Kunst noch eine weit größere Schönheit. Denn nicht die Gestalt, die in der Kunst ruhet, gelangt in der in den Stein, sondern dorten bleibt[55] sie und es gehet indessen eine andere geringere hervor, die nicht rein in sich selbst verharrt, noch auch wie sie der Künstler wünschte, sondern insofern der Stoff der Kunst gehorchte.

Wenn aber die Kunst dasjenige, was sie ist und besitzt, auch hervorbringt und das Schöne nach der Vernunft hervorbringt, nach welcher sie immer handelt; so ist fürwahr diejenige, die mehr und wahrer eine größere und trefflichere Schönheit der Kunst besitzt, vollkommener als alles, was nach außen hervortritt.

Denn indem die Form, in die Materie hervorschreitend, schon ausgedehnt wird, so wird sie schwächer als jene, welche im Einen verharrt. Denn was in sich eine Entfernung erduldet, tritt von sich selbst weg, Stärke von Stärke. Wärme von Wärme, Kraft von Kraft, so auch Schönheit von Schönheit. Daher muß das Wirkende trefflicher seyn als das Gewirkte. Denn nicht die Unmusik macht den Musiker, sondern die Musik, und die übersinnlichere Musik bringt die Musik in sinnlichem Ton hervor.

Wollte aber jemand die Künste verachten, weil sie die Natur nachahmen; so läßt sich darauf antworten, daß die Naturen auch manches andere nachahmen; daß ferner die Künste nicht das geradezu nachahmen, was man mit Augen siehet, sondern auf jenes Vernünftige zurückgehen, aus welchem die Natur bestehet und wornach sie handelt.

Ferner bringen auch die Künste vieles aus sich[56] selbst hervor und fügen anderseits manches hinzu, was der Vollkommenheit abgehet, indem sie die Schönheit in sich selbst haben. So konnte Phidias den Gott bilden, ob er gleich nichts sinnlich erblickliches nachahmte, sondern sich einen solchen in den Sinn faßte, wie Zeus selbst erscheinen würde, wenn er unsern Augen begegnen möchte.


19/5135.


An Friedrich August Wolf

[1. September?]

Das Rasseln von Herrn Berbers Cabriolet was mir heute sehr erfreulich, da es mir eine Sendung von Ihnen ankündigte, die doppelt reichlich erscheint.

Mit dem cicadischen Tranck erfüllen Sie ein stilles Gelüst, die Bücher werden hinreichenden Hunger des Einsiedlers zu stillen. Denn es doch gar zu einsam hier.

Der Keim jener unternommnen Arbeit fängt an zu quellen und sich zu ramificiren, diese ersten organischen Operationen deuten aber schon auf ein weitläufiges Werck. Wir müssen erwarten was die innere – – – – – bietet.

– – – interessirt mich gar sehr. Besonders merckwürdig ist die Terminologie die aus der Sprache herfließt, deren Nüancen wir nicht ausdrücken können weil wir die Ableitungen nicht haben.

[57] Auf Ihren Besuch wenn er schon der letzte für diesmal seyn soll freue ich mich herzlich, über Tag und Stunde gegen Ende der Woche nähres.

Auf das Blat auf dem die Medaillen der Päpste verzeichnet sind schreib ich einige Worte. Es ist eine Lotterie in der nicht viel zu verlieren ist.

Mögen Sie – – –


19/5136.


An Friedrich August Wolf

Es ist mir schon mehrmalen so gegangen daß ich, wenn ich auswärts zu lange gezögert hatte, endlich auf einmal über Hals und Kopf nach Hause berufen wurde. So geht es auch diesmal. Mein kleiner Hausgeist ist angekommen, und mit solchen Nachrichten und Aufträgen daß ich wohl eilen muß morgen Abend zu Hause zu seyn. Nimmt mir dieser Schritt die Freude Sie wieder zu sehen; so überhebt er mich auch eines Abschieds der mir, nach so lange genossener Nähe und Nachbarschaft, noch empfindlicher fallen würde als er mir jetzt in der Einbildungskraft schon werden muß. Das viele Gute das Sie mir erzeigt haben bleibt mir unvergeßlich und für die Geduld die Sie mit einem Krancken, einem nothdürftig Genesenden haben können bleibe ich Ihnen ewig danckbar. Wo fänden sich Beweise der Freundschaft und Neigung wenn es diese nicht sind.

[58] Herrn Bergrath Reil empfehlen Sie mich vielmals, dancken Sie ihm herzlich für seinen aufmercksamen Antheil und bitten Sie ihn mich nicht ohne seinen schriftlichen Rath zu lassen. Ich bin alsdann so frey ihm weitere Nachricht von meinem Befinden zu geben.

Ein Kästchen wahrscheinlich mit einem bezeichneten Schädel habe erhalten, solches aber weil es so gut verwahrt ist nicht eröffnet, in Weimar werde ich mich desselben sogleich erfreuen. Wie leid ist es mir daß ich dem Geber nicht mündlich dancken kann! Sie thun es ja wohl in meiner Seele und empfehlen mich der ganzen werthen Familie zum besten.

Die übersendeten Bücher habe wohl eingepackt bey Richters gegen dem Schauspielhause niedergelegt, wo sie ja wohl einmal irgend ein Freund abholt. Das Leben Ruhnkens und Wyttenbachs hat mich sehr unterhalten und um so mehr erfreut als ich meistens von Ihnen zu lesen glaubte. Doch will mir Herr Rinck nicht ganz gefallen, er scheint mir dem Geschäfft nicht völlig gewachsen.

Ferner habe ich mich an Robertsons Meisterschaft, an Veltheims geistreichem Dilettantismus erfreut, bin Lemprieren gern im Geiste nach Marocco gefolgt, indem ich Gott danckte daß ich dem Leibe nach in Lauchstedt war. Wo es mir jedoch nicht zum Besten ging. Den Versuch mich in eine Wüste zu begeben werde ich nicht wieder wagen. Das Schema zu meiner[59] Arbeit ist recht umständlich ausgedacht, zur Ausführung wollte sich die Quelle nicht eröffnen. Da hab ich denn gelesen und dazwischen sehnsuchtsvoll nach Norden und Süden geblickt. Das Bad und seine Pritsche greift denn auch an, man weiß nicht welchem Heiligen man sich wiedmen soll, besonders da sie nun auch an meiner wand zu dreschen anfangen, welches ich bey aller meiner Freude über die gute Erndte sehr unbequem finde, Wie sehr habe ich die Tabackraucher beneidet die auf solche Fälle gerüstet sind. Unter diesen Voraussetzungen ist es für einen Besuch den ich hatte nicht einmal sehr schmeichelhaft wenn ich sage: wäre er doch ein paar Stunden früher gekommen und hätte länger verweilt! Herr Steffens und sein Freund sahen mich auf einen Augenblick. Der junge Dichter gefällt mir von Absehen recht wohl. Kommt er nicht nach Weimar? Veranlassen Sie ihn doch dazu, er soll wohl empfangen seyn und mich mit seiner und der dänischen Poesie bekannt machen. Er versprach mir ein Exemplar. Wenn er es nicht selbst bringt, wird es lange tod bey mir liegen. Er ist ja nah und findet manches bey uns dessen er sich dereinst in dem fernen Norden gern erinnert. Indessen überlegt ich mit meinem kleinen Hausgefährten, ob wir nicht noch schnell zu Ihnen hinüberrutschen sollten. Unsre einige Kräfte aber und die Kräfte unsrer Thiere berechnend standen wir ungern von dem Vorsatze ab. Wir grüßen beyde auf[60] das lebhafteste auch das liebe Minchen, bitten bald um ein schriftlich Wort und lassen nächstens von uns hören.

Lauchstedt d. 5. Sept. 1805.

Goethe.


Noch erlauben Sie ein ökonomisches Nachwort.

Die vom lieben Mienchen ausgelegte 20 rh. 14 gr. sende gleich von Weimar, so wie ich auch etwas für den Barbier beylege.

Unsre von mir freylich nicht mit sonderlicher Strenge geführte Reiserechnung könnte als ausgeglichen angesehen werden. Noch bin ich mit einigem andern im Rest dessen ich gedencke. Vor allem aber Ihrer Güte um deren Fortsetzung ich herzlich bitte.

G.


19/5137.


An Carl Wilhelm von Fritsch

Fürstliche Generalpolizeydirection erwirbt sich um sämmtliche hiesige Haushaltung durch die neuen Einrichtungen, das Gesinde betreffend, ein unschätzbares Verdienst, wobey sie, besonders anfänglich, manche außerordentliche Bemühungen gefällig übernimmt, welche zu vernehmen ich soeben genöthigt bin. Ew. Hochwohlgeboren erlauben folgenden Vortrag.

Johanna Höpfnerin von Eisenach hat als Hausmagd ein halbes Jahr, sodann als Köchin ein Jahr[61] bey mir gedient, und man konnte mit ihrer Treue und Thätigkeit zufrieden seyn, nur ward ihr übriges gutes Betragen durch leidenschaftliche Ausfälle unterbrochen, dergleichen vor kurzem sich einer zeigte, weßhalb sie aus dem Dienste entlassen werden mußte.

Sie fühlt nun wohl gegenwärtig, welche gute Stelle sie verscherzt hat, und wünscht wieder aufgenommen zu werden, wozu ich auch nicht abgeneigt wäre, wenn es unter den Auspicien fürstlicher Generalpolizeydirection geschehen könnte, und zwar dergestalt, daß ich gedachte Köchin abermals bis Ostern miethete, mir jedoch ausdrücklich vorbehielte, sie, wenn sich wieder ein solcher Ausbruch von Heftigkeit und Unsinn ereignete, sogleich aus dem Dienste zu entlassen und ihr an Lohn nicht mehr, als so viel sie zu einem solchen Augenblicke verdiente, zu verabreichen. Genehmigt fürstliche Generalpolizeydirection diesen Antrag, so bin ich bereit, mehrgedachte Person sogleich wieder aufzunehmen, und verfehle nicht, meinen Dank für aufzunehmen, und verfehle nicht, meinen Dank für die übernommenen Bemühungen fürstlicher Generalpolizeydirection für meine Person auf das Lebhafteste abzustatten.

Der ich mit vorzüglichster Hochachtung unterzeichne

Ew. Hochwohlgeboren

Weimar,

ganz gehorsamster Diener

den 10. September 1805.

J. W. v. Goethe.[62]


19/5137a.


An Caroline von Wolzogen?

Beykommendes empfehle ich Ihnen lieben Herzen, mit Bitte es vorerst für sich zu behalten.

den 10 S. 1805.

Goethe.[139]


19/5138.


An Friedrich Heinrich Wilhelm Körte

Es ist so hergebracht, daß Reisende in der Lebhaftigkeit ihres vorübergehender Zustandes manches versprechen, dessen Erfüllung sie nachher versäumen. So wird ihnen dagegen Manches zugesagt, woran nicht weiter gedacht wird. Sie machen, mein bester Körte, eine bedeutende Ausnahme von dieser allgemeinen Erfahrung, indem Sie mir gerade das, was ich wünschte, und doch mehr, als ich wünsche, so gefällig schnell übersenden. Dieses wohlgeordnete Heft soll, wie es ist, beysammen bleiben und zu Ihrem Andenken die gegenwärtige und künftige Sammlung zieren.

Schon früher hätte ich Ihnen dafür meinen lebhaften Dank gesagt, wenn ich nicht vorher auch Ihre Freundin zu kennen gewünscht hätte. Ich habe Demoiselle Bardua bey mir zu Tische gesehen und eine recht angenehme Bekanntschaft gemacht. Es fehlt ihr nicht an mannichfaltigem Talent, nur fragt es sich, ob sie von den Spazierpfaden des Dilettantismus, auf denen sie bisher wandelte, auf die Heerstraße der Kunst gelangen werde und ob sie dort als eifriger Pilgrim direct nach dem großen Ziele fortschreiten mag. In einem halben Jahre läßt sich darüber mehr sagen und ich will gegen Sie, mein Werthester, meine Überzeugungen nicht verhehlen. Da wir nicht mehr[63] das Glück haben, zu dem unschätzbaren goldenen Zeitalter der Deutschen zugehören; so wollen wir wenigstens aufrichtig gegen einander seyn. Nun zum Schluß noch eine Frage, die vielleicht etwas wunderlich aussieht. Wäre es möglich, daß Sie mir das Bild von Lessingen, das Sie besitzen, nur auf kurze Zeit herschickten? Ich wünschte es, um einer hiesigen verehrten Personen willen, die noch nie ein Bild oder Gleichniß von ihm gesehen. Der Kasten würde freylich nicht klein werden, weil man es nicht aufrollen dürfte; doch wollte ich gern die Kosten des Einpackens und des Portos tragen. Möchten Sie mir Ihre Gedanken hierüber zunächst eröffnen, wofür ich in jedem Falle so Wie für die gute Aufnahme bey Ihnen und für das thätige Andenken immer dankbar bleiben werde.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 13. September 1805.

Goethe.


19/5139.


An Johann Friedrich Cotta

Mit der heutigen fahrenden Post ist Wilhelm Meister abgegangen. Er wird, da wir zwey der bisherigen Bände nunmehr in einem Band zusammennehmen, den zweyten und dritten Band der Werke ausmachen. Sie können nunmehr, werthester Herr Cotta, den[64] Druck und das ganze Arrangement überlegen, ja Sie schicken mir vielleicht eine Probe des Drucks und Papiers. Ich wünsche, daß das Ganze heiter aussehen möge. Doch ist mir daran nicht so viel gelegen, als an der Correctheit des Druckes, als worum ich inständigst bitte. Sie sehen, das Exemplar ist mit großer Sorgfalt durchgegangen und corrigirt, und ich würde in Verzweiflung seyn, wenn es wieder entstellt erscheinen sollte. Haben Sie ja die Güte, einem sorgfältigen Mann die Revision höchlich anzuempfehlen, wobey ich ausdrücklich wünsche, daß man das übersandte Exemplar genau abdruckte, nichts in der Rechtschreibung, Interpunction und sonst verändre, ja sogar, wenn noch ein Fehler stehn geblieben wäre, denselben lieber mit abzudrucken. Genug, ich wünsche und verlange weiter nichts als die genaueste Copie des nun übersendeten Originals.

Die kleineren Gedichte, welche den ersten Band ausmachen sollen, sind alle wieder ins Manuscript geschrieben und sollen auch, wohlgeordnet, ehstens ankommen. Ich denke doch, ungeachtet des Kriegswesens kann man diese Dinge der Post anvertrauen.

Was ich in den vierten Band bringe, darüber bin ich mit mir selbst noch nicht einig. Ist es mir einigermaßen möglich; so tret ich mit Faust hervor. Er und die übrigen Holzschnittartigen Späße machen ein gutes Ganze und würden bey der ersten[65] Lieferung gleich ein lebhafteres Interesse erregen. Bezeichnen Sie mir den letzten Termin, wann Sie das Manuscript vom vierten Bande haben müssen, damit ich einigermaßen meiner Überschlag machen kann.

Sagen Sie mir doch auch ein Wort, wie es in Ihrer Gegend steht und aussieht, und lassen mich gleich erfahren, wenn die Sendung von Wilhelm Meister angekommen ist.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

W. d. 30. Sept. 1805.

Goethe.


Nach Herrn Cotta's Wunsch ist zu meiner Erklärung d. d. Lauchstedt d. 12. Aug. 1805, und zwar was den fünften Punkt betrifft folgendes hinzuzufügen. Da nach beyderseitiger Intention die letzte Lieferung 1808 erscheinen soll, so sollen die auf Ostern gedachten Jahres zu bezahlenden letzten 3000 rh. an diesen Termin dergestalt werden wenn das völlige Manuscript zu der Zeit in Herrn Cotta's Händen ist. Wo nicht; so bestimmt die Ablieferung des Manuscripts den Termin der letzten Zahlung.

Weimar d. 28. Sept. 1805.

Goethe.


Die Anzeige unserer Ausgabe ist mit einiger Veränderung der Expedition der JALZ. übergeben; wornach ich die fernere Verbreitung abzudrucken bitte.[66]


19/5140.


An Friedrich Heinrich Wilhelm Körte

Das ist eben, mein lieber Körte, das untrügliche Kennzeichen eines wahren Wohlwollens, wenn mehr gewährt wird als gewünscht werden konnte. Beyde Reste des vortrefflichen Mannes haben neben einander erst das rechte Gewicht. Daß ich es fühle, sind Sie überzeugt, das Porträt folgt nächstens zurück. Die Maske hebe ich zu Ihrem Andenken auf mit dem lebhaftesten Wunsch, Ihnen etwas Gefälliges erzeugen zu können.

Ihrer Freundin geht es hier ganz wohl. Sie hat sich schon Freunde zu machen gewußt. Sie soll in meinem Hause immer willkommen seyn.

Die beste Wünsche für Ihre Zufriedenheit und viel dankbare Empfehlungen an Demoiselle Gleim.

Weimar den 8. October 1805.

Goethe.


19/5141.


An Franz Kirms

Ew. Wohlgeb.

haben die Gefälligkeit meine Rechnung abschießen zu laßen, auch 500 rh. Capital aufzunehmen, welche von meinem Capital von 1500 abgehen können, damit alles in Ordnung komme. Dienstag bin ich wieder hier.

W. d. 10. Octbr. 1805.

G.[67]


19/5142.


An Carl Friedrich Zelter

Jena den 12. Oct. 1805.

Seit dem Empfang Ihres lieben Briefs ist es sehr bunt um mich her zugegangen, und ich benutze eine ruhige Stunde in Jena, Ihnen einige Nachricht von mir zu geben. Vor allen Dingen ersuche ich Sie um eine gefällige Anzeige, wie weit Sie mit der Musik zur Glocke gekommen. Ich möchte sie auf die alte Weise nicht geben, weil man durch eine erste Aufführung ein Stück für immer constituirt, und das Publicum nachher auch selbst das bessere nicht aufnehmen mag. Indessen ist freylich die Zeit vergangen und der Prolog erscheint wahrscheinlich eher gedruckt, als ich ihn bey uns recitiren lasse. Indessen hat auch das soviel nicht zu sagen, wenn es nur nicht gar zu spät wird. Sagen Sie mir daher doch bald, was ich zu hoffen habe? Ich habe mich so leidlich wohl befunden und manches mehr vorbereitet, als gethan. Ich habe mich mit gewissen Gegenständen der Naturlehre beschäftigt, und will suchen, meine Farbenschrift gegen das Frühjahr vom Stapel laufen zu lassen. Von dem wunderbaren Mystiker hätte ich Ihnen gern noch einige Stellen übersetzt, ehe ich sage, wer es ist, aber ich konnte auch leider! nicht daran kommen.

[68] Von der Aufführung meines Götz habe ich weiter nichts gehört, als was Sie mir schreiben. Die Blätter, die von solchen Dingen allenfalls klatschen, kommen mir nicht zu Gesicht. Sagen Sie mir doch noch etwas darüber, und schicken mir einen Zettel.

Unsre Erbprinzessin ist wohl; der junge Prinz auch. Das hieraus entspringende Vergnügen war durch den Tod des Herzogs von Oels unterbrochen, der kurz nach der Taufe starb.

Ich bin herüber nach Jena gegangen, um noch vor Winters einiges anzuordnen und abzuschließen, im Glauben, daß so eine Anstalt, die unsterblich ist, auch interessiren könnte, und schließe mit den besten Wünschen für Ihr Wohl.

G.


19/5143.


An Carl Ludwig von Knebel

Nachdem ich dir heute früh meinen besten Willen wegen der Naturforschenden Gesellschaft gezeigt, bin ich gegangen das zu sehen was man der Batsch herausgegeben, und bin erschrocken wie die Lage des ganzen Geschäftes dadurch verschoben worden. Ich sage mich daher für den Augenblick davon los und zeige dir es sogleich dir es sogleich an, damit du nicht etwa nach unsrer Abrede einen Schritt thuest der uns com-[69] promittirte. Läßt sich die Sache wieder in's Gleiche bringen; so will ich gern dazu Hände bieten. Vor allen Dingen müßte man erst sehen was der Societät geblieben, welches geschehen kann wenn der junge Voigt Zurückkommt. Nächstens ausführlich hierüber.

Jena d. 13. Octbr. 1805.

G.


19/5144.


An Carl Ludwig von Knebel

Über die Societäts Angelegenheit sage ich vor meiner Abreise mit den besten Grüßen folgendes. Ich bin mit Hofr. Voigt im Batschischen Hause gewesen und habe den der Societät zugehörigen Theil des Cabinets angesehen der freylich sehr zerstört und verwirrt aussieht.

Hofr. Voigt war selbst über den ansehnlichen der Witwe zugesprochnen Theil betroffen, wie du von ihm vernehmen kannst. Angenehm wär mir's du sähest die Lage selbst an. Ich halte die Sache noch für curabel, alles kommt darauf an ob die Batsch sich billig finden läßt. Hab ich von ihren Forderungen einige Kenntniß; so will ich weitere Vorschläge thun. Lebe wohl und liebe mich. Grüße die Deinen. Jena d. 14. Octbr. 1805.

G.[70]


19/5145.


An Johann Friedrich Cotta

Mir war es sehr erfreulich zu hören daß Wilh. Meister glücklich angekommen, da ich bey so unruhigen Zeiten doch in einiger Sorge war. Die dagegen eingelangten Anweisungen auf Ein Tausend Thaler sächsisch werde nächstens zur Hälfte, später zur andern Hälfte eincassiren lassen, und dancke schönstens für prompte Zahlung. Der erste Band wird indessen sorgfältig durchgearbeitet und soll bald abgehen. Ich erinnre mich noch wohl daß ich für Venuti 11 f. schuldig bin, vielleicht noch sonst eine Kleinigkeit; dürfte ich Sie ersuchen Herrn v. Humboldt in Rom mit dem Sie in Rechnung stehen 17 f. zu Gute und mir zur Last zu schreiben. Bey dem großen Unglück das jene Gegend trifft kommen Sie mir fast nicht aus dem Sinne. Leider daß die herzlichste Theilnahme keine Linderung und Besserung bewircken kann.

Ein Trost bleibt dabey, daß diejenigen die sich früher gewöhnen die Vorfälle des Lebens im Großen zu überschauen, auch bey allen Übeln ein schönes Gegengewicht in sich selbst finden.

Die Erklärung gegen Herrn Göschen ist sehr Sach- und Zweckgemäß, wir wollen seine weiteren Schritte abwarten.

[71] Mich, unter den besten Wünschen, angelegentlich empfehlend

W. d. 30. Octbr. 1805.

Goethe.


19/5146.


An Johann Friedrich Fuchs

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

wird Herr Major von Hendrich das eingerichtete Auditorium und die drey anstoßenden Zimmer übergeben; die pathologische und anatomische Verlassenschaft des Doctor Martens nach vorhandenen Verzeichnissen; die anatomischen Präparate nach einem Katalog, der im Zimmer liegt; die osteologischen im Allgemeinen, weil diese weder geordnet noch katalogirt sind.

Ich lege sub Lit. A. ein Blatt bey, worauf die Bemerkungen verzeichnet sind, welche Herr Ackermann bey seinem Abschied, besonders den Prosector betreffend, zurückließ; sub Lit. B. einen kurzen Aufsatz, die neue Einrichtung der Zimmer über der Reitbahn betreffend, welche schon vorläufig Serenissimi Approbation hat. Haben Sie die Güte, das Ganze nunmehr zu übersehen und zu überdenken, und mir sodann Ihre Wünsche und Bemerkungen mitzutheilen, alsdann kann ein Aussatz concertirt werden, welcher Serenissimo zu höchster Genehmigung vorgelegt werden könnte und in welchem die Verhältnisse näher be stimmt würden.

[72] Indem sich fürstliche Commission schon zum Voraus Ihrer Thätigkeit und Ordnungsliebe erfreut, wünsche ich zum Eintritt alles Glück und empfehle mich bestens.

Weimar den 31. October 1805.


19/5147.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb.

erhalten mit Dank das übersendete Lustspiel zurück. Es ist zwar nicht ohne Humor, doch stößt es gegen eins der Hauptgesetze unsres Theaters an, indem es den Doctor Gall nennt und sich hauptsächlich auf dessen Wesen und Treiben bezieht. Ich lasse jederzeit die Namen lebender Personen ausstreichen und die Stellen verändern, wenn ihrer im Vorbeygehn erwähnt wird; denn ich glaube nicht, daß man das Recht hat, bekannte Männer – und solche müssen es doch wohl seyn – im Guten oder Bösen auf dem Theater zu erwähnen. Das Schauspiel soll eine heitre ästhetische Stimmung hervorbringen, die durch solche Realitäten durchaus gestört wird.

Mehrere Stücke Ihrer Zeitung habe ich mit vielem Antheil gelesen. Die Müllerische Recension des Werks über Ragusa ist sehr interessant und hat durchaus guten Eindruck gemacht.

Wollten Sie mir wohl vertrauen, wer die Recension der philosophischen Geschichten verfaßt hat?[73] Wäre sie von Reinhold, so sollte er deshalb gelobt werden.

Von dem Wunderhorn des Knaben sende ich viel leicht bald eine Anzeige, sowie von Schlegels Rom, ob gleich eine schwere Aufgabe ist, über das letzte etwas zu sagen, das der Wahrheit gemäß wäre und dem Autor nicht verdrießlich fiele, welches letztere wir doch nicht wollen können.

Mich zu geneigtem Andenken empfehlend

Weimar den 16. November 1805.

Goethe.


19/5148.


An Carl Friedrich Zelter

Den Dank für die gute Versorgung des Leibes will ich Ihnen nicht länger vorenthalten, sowohl die Märkischen als Englischen Producte sind glücklich ankommen. Die Rübchen erschienen um so willkommener, als es dieß Jahr am Rhein und Main keine Kastanien giebt. Sie werden daher bey uns nicht als ganzes Gericht genossen, sondern zum Kohl servirt, da sie denn vortreffliche Wirkung thun. Das Piccalillo wirkt auf meinem Magen besser als jede Arzney, und ich werde mir, wenn es zu Ende geht, eine neue Portion gegen dankbaren Ersatz der Auslage erbitten. Am 9. November, als am Tage, an welchem wir Schillers auch auf unserm Theater gedenken wollten,[74] nahmen des russischen Kaisers Majestät bey uns mit Wallensteins Lager vorlieb. Sobald Sie uns Ihre Arbeit freundlich zusenden, soll das Versäumte nachgeholt werden.

Wie geht es Ihnen mit Ihren musikalischen Lehrstunden? Ich habe auch wöchentlich einen Morgen eingerichtet, an dem ich einer kleinen Societät meine Erfahrungen und Überzeugungen, natürliche Gegenstände betreffend, vortrage. Ich werde bey dieser Gelegenheit erst selbst gewahr, was ich besitze und nicht besitze.

Demoiselle Jagemann ist endlich auch wieder angekommen. Die Comödienzettel waren früher eingetroffen und auch die haben mir, als ein Zeichen Ihres Andenkens, Freude gemacht.

Lassen Sie mir wieder bald von sich hören. Von dem, was ich sonst im Stillen thue und treibe, sollen Ihnen die Resultate auch zunächst einige Freude machen. So viel für heute, das ich mit den besten Wünschen fortsende.

Weimar den 18. November 1805.

G.


19/5149.


An Johann Friedrich Cotta

Die übersendete Probe des Drucks möchte wohl im Ganzen für lesbar und annehmlich zu halten seyn, ob sie gleich so modern und lustig aussieht, als[75] wir es im nördlichen Deutschland gewohnt sind. Dabey will ich Ihnen völlig überlassen, was Sie etwa durch neue Schrift und sonstige Einrichtung zum guten Ansehen der Ausgabe weiterhin besorgen wollen.

Weit mehr liegt mir am Herzen die Correctheit des Druckes. Auf dem zurückgehenden Blatt sind schon ein paar Dinge zu bemercken, und ich muß gestehen, daß mich das erste Stück der Schellingschen neuen Zeitschrift in Furcht und Schrecken gesetzt hat, wo entstellende Druckfehler den Leser, der nicht sein Buch corrigirt hat, oder es nicht durch Correcturen verderben will, äußerst irre führen.

Zwar sind Sie in Oberdeutschland nicht allein mit dem Übel geplagt. Hinter Bartholdy's reisen, in der Realschulbuchhandlung zu Berlin gedruckt, stehen drey Blätter Druckfehler und man kann wohl sagen, daß dieser wackre Reisende von der Nachlässigkeit des Correctors mehr gelitten hat, als von allen Türen, Griechen und Arnauten zusammen.

Selbst Cartone sind ein schlimmes Mittel. Öfter werden sie auf ander Papier gedruckt und beym Aufschlagen guter Exemplare, empfunden. Ich muß Sie daher nochmals inständig bitten, da von unserer Seite nichts versäumt werden soll, einem sorgfältigen Mann die Revision zu übergehen, der aber freylich nicht etwa nach seiner Art wieder hinein zu corrigiren und interpungiren hat.

[76] Möglich wird es denn doch auch in Ihrer Gegend correct zu seyn. Denn seitdem die allgemeine Zeitung in Ulm gedruckt wird, lies't sie sich viel besser, da vorher fremde Namen, technische und ähnliche Ausdrücke, meistens verdruckt waren, worüber denn mancher böttigerische Spaß verloren ging. Verzeihen Sie, daß ich dieses Umstands weitläufig gedenke. Was kann mir aber mehr am Herzen liegen als dieses? Sie werden an der Sorgfalt, womit Wilhelm Meister durchgegangen ist, unsern Ernst sehen, etwas Reinliches zu liefern. Thun Sie das mögliche, mir jene schmerzlichen Empfindungen zu ersparen.

Der erste Band kann auch Anfang Decembers abgehen. Ich gern noch bey mir, weil sich hier und da noch ein kleines Gedicht zum Einschalten findet. Ich habe freylich diese Dinge von jeher mit zu weniger Sorgfalt behandelt.

Den Faust, dächt' ich so schwer, daß etwas geleistet werde, was dem Sinne und dem Tone nach zu einem Gedicht passt. Kupfer und Poesie parodiren sich gewöhnlich wechselweise. Ich denke, der Hexenmeister soll sich allein durchhelfen.

Indessen an der Donau die wundersamsten Dinge geschehen, füllt sich unser Thüringen mit Soldaten. Das incalculable der Zustände läßt Furcht und Hoffnung in suspenso und jederman sucht nur über den Augenblick hinzukommen. Sagen Sie mir manch-[77] mal Ihre Ansicht, auf die ich immer viel Vertrauen hegte.

Das beste Lebewohl.

Jena d. 25. Nov. 1805.

G.


19/5150.


An Johann Friedrich Fuchs

Der von Ew. Wohlgebornen eingegebene vierteljährige Rechnungs Extract veranlaßt Fürstliche Commission, die Verhältnisse deutlicher auseinander zu setzen, als es bisher geschehen können.

Nach der Lage der Sache und nach Serenissimi ausdrücklicher Intention hat das anatomische Theater und das Herzogliche Museum als zwey völlig verschiedene Anstalten anzusehen, deren Bedürfnisse auf keine Weise zu vermischen sind. Das anatomische Theater hängt mit der ganzen Gesammt-Academie zusammen, und was dessen Erhaltung oder Benutzung aufzuwenden ist, wird entweder von den Fürstlichen Cammern oder von dem jedesmaligen Professore Anatomiae geleistet. Das anatomische Museum ist eine besondere, von unserm gnädigsten Herrn allein abhängende Anstalt, und die dazu bestimmte Summe kann daher nur allein zu Erweiterung und Erhaltung desselben angewendet werden.

Nach diesen Grundsätzen hat Commissio zu der eingesendeten vorläufigen Berechnung einige Bemer-[78] kungen aufgesetzt, welche sie Ew. Wohlgebornen hierdurch mittheilt. Denn nur auf eine Sachgemäße und billige Einrichtung kann ein Institut gegründet werden, das ohnehin mit manchen Hindernissen zu kämpfen hat.

Serenissimus haben uns überhaupt nur zu einem Versuche autorisirt, welcher bisher, wie Ew. Wohlgebornen am besten bekannt ist, nicht zum erfreulichsten ausgefallen. Durch Ihre Accuratesse und Thätigkeit hoffen wir bis Ostern ein anderes Ansehn der Sache, um Serenissimo die Fortsetzung des Unternehmens unterthänigst anrathen zu können.

Weimar den 5. December 1805.

J. W. v. Goethe.


19/5151.


An Christian Gottlob Voigt

[5. December.]

Ew.Excellenz

ersehen gefällig aus beyliegenden Acten von Fol. 114 bis 120 Vol. III. Wie Herr Geheimder Hofrath Starke nicht allein die ohne unsre Beystimmung erhobene 50 Thaler; sondern noch 25 Thaler 16 Gr. drüber ausgegeben, ganz nach Jenaischer Weise, wo man immer Geld haben und doch immer nach eignem Sinne leben will. Auch von diesem Gelde ist dem Museum wenig Nutzen zugekommen. Wie man mit Verschreibung dieser Summe verfährt, gedenke ich auf Neujahr, wenn sich unsre Casse ein wenig erholt hat, vorzuschlagen.

[79] Leider tritt Herr Hofrath Fuchs Fol. 112 und 113 und in der beygesteckten Berechnung in die Starckisch-Ackermannschen Fußtapfen. Um der Sache daher eine endliche entschiedene Einleitung zu geben, habe ich beygefügten Commissarischen Erlaß, nebst Bemerkungen über die copeylich zurückzusendende Quartal-Berechnung, aufgesetzt und glaube höflich und schonend genug mich dabey ausgedrückt zu haben. Sollte hierin oder in der Sache selbst noch etwas zu erinnern seyn; so erbitte mir Dero gütigen Beyrath.

Ferner tritt nach Fol. 111. der fall ein, daß der Landrentmeister Hage die 200 Thaler fürs Museum nicht ferner zahlen will, und er hat hierin Recht: denn nach dem zahlen will, und er hat hierin Recht: denn nach dem gnädigsten Rescript Fol. 28 Vol. II haben Serenissimus nur das erste Jahr bewilligt, und wir sind auf das zweyte Jahr noch nicht autorisirt. Möchten Ew. Excellenz gedachten Landrentmeister einstweilen zu völliger Bezahlung des zweyten Jahres beordern, bis wir ein gnädigstes Rescript deshalb von Serenissimo erbitten, indem über die Sache selbst kein Zweifel obwaltet.

Zwar habe ich in dem Erlaß an den Hofrath Fuchs die Sache in Zweifel gestellt und gewissermaßen im Ernste: denn es wäre besser, einen zweyjährigen mißlungen Versuch aufzugeben, als einem fortdauernden Mißlingen und einem zweckwidrigen Geldausgeben geruhig zuzusehen.

Freylich muß man immer im Auge behalten, daß[80] ein Jenaischer Professor jetzt übel dran ist, und deswegen auch mit Professor Fuchs jetzt leise auftreten, der denn doch die Umstände schlimmer gefunden hat, als er sich sie vorstellte.

Sind Ew. Excellenz mit dem Ganzen zufrieden; so will ich die Aufsätze nochmals durchgehen und ajustiren und Sie hätten die Güte, den Commissarischen Erlaß mit zu unterschreiben. Dazu will ich einen Brief in meinem Namen verfassen1 und, wenn es mit Ihrer Beystimmung geschieht, ihm wegen der strittigen Puncte zu einem Aversional-Quantum Hoffnung machen, das wir denn wohl aus unserm übrigen Vermögen bestreiten könnten, und immer dabey noch Vortheil hätten. Wir bestünden alsdann auf die zweckmäßigste Verwendung der 200 Thaler fürs Museum und verlangten wegen des Aversionalquantums keine Rechnung. Übrigens kann man das ganze Wesen unmöglich mit Überzeugung eines zu hoffenden Nutzens, sondern nur zu Übung christlicher Geduld weiter führen und treiben. Mündlich nächstens ein Mehreres.

G.


1 liegt schon hierbey.


19/5152.


An Carl Ludwig von Knebel

Mit vielem Antheil haben wir (Riemer und ich) die Stelle aus dem Lucrez in deiner Übersetzung studirt,[81] vielleicht verbreitet sich von ihr aus eine nähere Theilnahme über das Ganze. Einiges haben wir noch zu erinnern das nächstens mitgetheilt wird, die übersendete Veränderung soll mit eingezeichnet werden.

An dem was wir aus den Alten über die Farben zusammenstellen wirst du gewiß Freude haben.

Der Mittwoche treibt mich immer an über das Ganze und Einzelne zu dencken und fördert mich sehr.

Lebe wohl, gedencke mein mit den Deinen. Vielleicht überrasche ich dich bald wieder auf deiner Zinne.

W. d. Dez. 1805.

G.


19/5153.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

[16. December.]

Ew. Wohlgeb.

hoffe bey meinem diesmaligen Aufenthalte zu begrüßen; vielleicht ist Ihnen morgen früh ein Stündchen gefällig.

Herr von Arnim, der Mitherausgeber des Wunderhorns, wünsche die Bibliotheck zu sehen, vorzüglich aber den Codex alter deutscher Lieder. Da es so kalt ist und in der Bibliothek unangenehm für Wirth und Gästen, so vertrauen Sie mir vielleicht jener Codex auf einige Tage an; Herr von Arnim sollt' ihn auf meinem Zimmer durchsehen.

Um ein Wörtchen Antwort bittend

Goethe.[82]


19/5154.


An Christian Gottlob Voigt

Da man für seine Untergebenen immer, besonders aber in dieser schlimmen Jahreszeit zu sorgen hat; so habe bey E. E. anfragen wollen: ob es nicht gefällig wäre, unserm Bibliotheksdiener die Erlaubniß zu ertheilen, das Neujahrs-Trinkgeld bey Personen, die sich der Bibliothek bedienen, sich erbitten zu dürfen. Zur allgemeinen Betteley dürfte wohl auch diese billig hinzukommen. Wäre es nöthig, so gelangte etwas deshalb an die Fürstliche General-Polizey-Commmission und käme mit das Wochenblatt.

Weimar den 21. Decbr. 1805.

G.


19/5155.


An Christian Gottlob Voigt

Darf ich das freundliche Geschenk, das sich so schön in die Folgen meiner Liebhabereyen einfügt, mit einer Gabe erwiedern, die Ihnen auch nicht fremd ist, und bitten, sie Ihrer Frau Gemahlin bey hellem Kerzenschein vorzustellen. Es war eine Zeit, da wir unter der Erde suchten, was eigentlich nirgends zu finden ist; aber auch jener in verworrenen Tagen über der Erde, wenn man wahrer, durch alles durchgehender[83] menschlicher Verhältnisse, der schönen, dauernden Freundschaft herzlich bewußt wird.

W. d. 24. Dec. 1805.

Goethe.


19/5156.


An Carl Ludwig von Knebel

Hier die Stelle aus Lucrez. Vorne herein habe ich der beliebten Deutlichkeit willen einiges verändert. Vielleicht behältst du etwas davon bey, oder findest ein besseres, oder kehrst zum Alten zurück das ich dir ganz überlasse. Vielleicht sprichst du darüber ein Wort mit Riemer der eben in Jena ist. Lebe wohl, grüsse die Deinigen und sende mir die Blätter bald zurück.

W. d. 25. Dec. 1805.

Goethe.


19/5157.


An Nikolaus Meyer

Weimar den 25. Dec. 1805.

Es ist wohl billig, da ich ihnen so eigentlich nichts zum Heil. Christ schicken kann, saß ich Ihnen wenigstens an diesem Tage schreibe, und für manches zeither Übersendest danke. Ich weiß kaum, wie weit hinaus ich Ihnen noch dank schuldig bin; Franzwein, Malaga, Lachs und sonst manches für die Tafel, Arbeiten von Menken, Alberts und besonders Ihr[84] Henning und was noch sonst, ist alles zu seiner Zeit richtig angelangt. Abgegangen ist vor kurzem an Sie: Ein Kasten mit Gemälden von Menken, ein dritter mit einer Tieckischen Büste. Der Fuhrmann hat mir 66 Groschen restituirt, indem Herr Albers sich erbot, das Porto seiner Sachen von Hannover bis hieher zu ersetzen, weshalb die Adresse hier mit beyliegt.

Was die Kunstwerke betrifft, so finden Sie unsre freundliche Meinung in dem Programm, das zu Neujahr mit der Jenaischen Litt. Zeitung ausgegeben wird.

Herr Menken hat mir vor Kurzem einen zwar ganz brav gedachten, aber nicht durchaus höflichen Brief geschrieben. Er hat ein schönes Talent, aber doch nur ein einseitiges, und kann freylich nicht begreifen, daß es noch einen höhern Kreis giebt als den, in dem er sich recht lebenswürdig beweist.

Herr Albers hat einen schönen Sinn, aber es fehlt seinem glücklichen Naturell noch gar sehr an Ausbildung. Er müßte noch einen ganzen Cursus der höheren und niedern Technik machen.

Wir konnten uns nicht enthalten, ihn mit Herrn Rohden zu vergleichen, dessen schöne Landschaft, seitdem sie den Preis erhalten, noch bey uns hängt. Da Herr Albers selbst ein wohlhabender Mann ist, und in Bremen so wenig gute Bilder sind, so würde ich ihm rathen, dieses vorzügliche Bild sich anzuschaffen, welches der Vater Künstlers, der sich noch in[85] Rom befindet, vielleicht für 25 bis 30 Louis'dor weggiebt. Ich würde es selbst dafür behalten, wenn sich nicht ohnehin bey mir so viel häufte, und ich auch überhaupt nicht gerne jeden Schein vermiede, von der Ausstellung Vortheil ziehen zu wollen.

Vielleicht wäre es auch eine Acquisition für Sie, mein lieber Herr Doctor. Wir können nach und nach abrechnen. Das Werk ist erfreulich und Herr Albers wird auf alle Weise ein Bild vor sich sehen, mit dem er wetteifern könnte.

Was Henning den Hahn betrifft, so ist es immer ein schätzbares Überbleibsel älterer Zeit, aber freylich mit Reineke Fuchs sowohl wegen dem Gehalt als der Form nicht wohl zu vergleichen. Ihre Übersetzung ist heiter und bequemer; doch würde ich immer rathen, sie vor dem Druck nochmals, besonders wegen des Sylbenmaßes, durchzugehen. Unsrer ganzes prosodisches Wesen hat seit einigen Jahren eine vortheilhafte Umwandlung erlitten, und wenn die Herren von der strickten Observanz vielleicht hie und da zu weit gehen, so kann man doch gewissen aufgestellten Gesetzen seinen Beyfall nicht versagen, und sich ihrer Befolgung nicht entziehen. Freylich sind es jetzt für Sie keine akademische Zeiten mehr. Ihre Stunden sind zu genau abgezählt. Wären Sie in unserer Gegend, so ließe sich das, worauf es ankömmt, bey gesellschaftlicher Unterhaltung mittheilen, so aber weiß ich nicht, wie man sich hierüber im kurzen verständlich machen[86] könnte. Doch will ich darüber nachdenken. Leider ist Vossens Prosodie schwer geschrieben und zu einem heiteren Selbstunterricht nicht geeignet.

So viel für diesmal, nach einer langen Pause. Die Meinigen empfehlen sich bestens, und ich wünsche von Herzen zu Ihrer Thätigkeit das beste Befinden. (Das Bild ist 4 Fuß Rheinisch breit und 3 Fuß hoch, in einem schönen goldenen Rahmen.)

Goethe.


19/5158.


An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeb. verzeyhen, wenn ich so lange nichts von mir hören lassen. Die kurzen Tage haben mir sehr übel mitgespielt und seit dem Vergnügen sie zu sehen, hatte ich gute Stunden.

Das Blatt Programm folgt mit Dank und einigen Veränderungen. Bitte um nochmalige Revision. Das zweyte ist zu senden nicht nöthig, auch wünschte nicht aufzuhalten.

Gegen Rameau's Neffen haben sich die Herrn Hallenser in ihrer wahren Natur gezeigt. Man weiß nicht, ob man die Beschräncktheit oder den bösen Willen mehr bewundern soll. Wie schön nimmt sich dagegen der Decembermonat Ihres Blattes aus!

Daß R. die Recension des Neffen ablehnt, wundert mich nicht. Ob E. Quästion ein- und übersehe, darüber ist wohl nicht die Frage, ob er aber[87] animi sensa in eine förmliche, stringente Recension zu verwandeln und einzufleischen wisse, wage ich nicht zu entscheiden. Von einer Probe will ich nicht abrathen. Ach! warum steht nicht auf dem Papiere, was Schiller über das Werck und meine Arbeit geäußert. Es war eine der letzten Materien, über die wir uns unterhielten.

Da ich nach dem Tode eines so werthen Freundes nur halb fortlebe und mich vielleicht hinfälliger glaube, als ich bin, so werden Sich Ew. Wohlgeb. über beyliegendes Blatt nicht wundern. Ich wünsche niemand durch mein Schreiben in Verlegenheit zu setzen und das Verzeichniß der Recensenten soll in keine fremde Hand kommen.

Sobald wie möglich sende ein paar Worte über das Wunderhorn. So manches andre ist mir vergangenes Jahr vom Munde weggeschnitten worden. Zweifeln Sie jedoch nicht an meiner lebhaften Theilnahme und meiner wahren Freude, daß Sinn und Ton Ihres Blattes sich so tüchtig und rein erhält.

Mit den besten Wünschen

Den letzten Tag 1805.

Goethe.


[Beilage I.]

Unter meinen Papieren liegt ein gesiegeltes Paket mit der Aufschrift

Herrn Hofrath Eichstädt gehörig

Jena[88]

welches von meinen Erben sogleich an gedachten Herrn gegen Empfang Dieses auszuliefern ist.

Weimar den 31. December 1805.

Goethe.


[Beilage II.]

Mit Bitte um nochmalige Revision, besonders wegen der Interpunction.


19/5159.


An Charlotte von Schiller

[1805.]

Verzeihen Sie, liebe Freundinn, wenn ich Ihren Wunsch einen Winckelmann zu besitzen nicht gleich erfülle. Bey mir ist nur noch Ein Exemplar und das nicht gebunden. Bedienen Sie Sich einsweilen dessen was der Herzogl. Bibliotheck gehört, ein anderes soll bald für Sie herbeygeschafft werden. Ich freue mich auf den Mittwoch.

Montags.

G.


19/5160.


An Charlotte von Stein

[1805.]

Bey diesem Wercke geht mir's wie mit andern meiner Schriften. Ich habe kein Exemplar mehr im Hause. Der guten Schillern lies ich neulich das von der Bibliotheck geben. Sie hats wohl noch bey sich.

In Hoffnung Sie bald zu sehen

G.[89]


19/5161.


An N.N.

[Concept.]

[1805 oder 1806.]

Jai recu Votre livre, Monsieur, le 26. May 1805. Je Vous ecris celle ci esperant qu'elle pourroit Vous parvenir.

Il y a plus de 30 ans que j'ai ecrit Werther, il y a plus de 70 degres de latitude que nous sommes eloignes l'un de l'autre, mais ni le tems ni l'espace peuvent separer.

En lisant Votre composition je crois entendre un compagnon de ma jeunesse, un compagnon de mes erreurs, mais heureusement de ces erreurs dont on auroit plus la raison de se glorifier que de se repentir. J'ai survecu a mon Werter, Vous aves survecu à Votre S. et surement Vous n'en etes pas pour cela un plus mauvais citoyen, pour avoir eté enthousiaste un jour peutetre malapropos. Il n'y auroit de l'elevation d'ame, si ce n'etoit que les grandes choses qui pourroit nous elever, nous porter hors de nous; c'est nous qui nous donnons la valeur aux petites.

Vivés heureux, satisfaisant aux devoirs que Vous sentes si bien, et si jamais Vous revenes en Europe, faites moi scavoir que Vous etes; autant que j'existe sur la surface de mon globe, je serai toujours l'ami d'un homme de Votre – – – –[90]


19/5162.


An Johannes von Müller

[1. Januar.]

Sie haben mir, verehrter Mann, im vergangenen Jahre soviel Gutes erzeigt, durch Ihre Schweizergeschichte, Ihren Cid, durch Anzeigen und Urtheile und ich war Ihnen indessen still und stumm; ich habe viel verlohren; oft war ich krank und stumpf und habe viel gelitten. Nun soll aber ein heitrer Neujahrsmorgen Ihnen die ausdrückliche Versicherung meiner fortdaurenden Anhänglichkeit, meines unzerstörlichen Antheils an allem was Sie leisten, was Ihnen begegnet, mit den lebhaftesten Wünschen hinübersenden. Gewiß Ihrer freundlichen Theilnahme an meinem Weben und Wesen.


19/5163.


An Friedrich August Wolf

Herr Jagemann hat uns zum Eintritt des Jahrs eine gar große Freude gemacht, daß er Sie uns so schön vergegenwärtige. Bild und Brief sind ihm durch den freundlichsten Empfang erwiedert worden. Haben Sie vielen Dank, daß Sie den Künstler so liebreich aufgenommen.

Ihrer weit aussehenden Arbeiten freue ich mich recht sehr, indem ich nun wohl auch hoffen kann, daß[91] sie auch noch mir zu gute kommen; nur thut es mir sehr leid, daß ich mit den Münzen nicht beystehen, nicht auch von meiner Seite etwas zu dem löblichen Werke beytragen kann. Die Zerbrechlichkeit, die Auslöschbarkeit der aufgeschriebenen Nummern, die Schwierigkeit, einen Theil auszuheben ohne das Ganze in Unordnung zu bringen, und noch manches andere verbietet mir, wie ich wünschte, behülflich zu seyn. Lasse Sie diese Rubrik offen, bis wir Sie wieder hier sehen, da denn durch gutes Gespräch manches gar geschwind gefördert werden kann.

Meine schönen Lauchstädter Vorsätze sind freylich sehr ins Stocken und Stecken gerathen, woran der musicalische Freund wohl die größte Schuld hat. Ich habe die Glocke hier noch nicht einmal aufgeführt, geschweige jenes Besprochene. Vielleicht gelingt es für Lauchstädt: denn es ist wohl billig, das Andenken eines solchen Freundes mehr als einmal zu feyern.

Wenn die lieben Preußen und gleich nicht die willkommensten Gäste sind, weil wir diesen Winter auch ohne sie ein theures Leben gehabt hätten; so muß es uns trösten, wenn wir vernehmen, daß im Königreiche selbst Kirch' und Altar nicht geschont wird. Indessen haben wir alle Ursache, das Regiment Owstien zu loben, das bey uns in Winterquartieren liegt. Man sucht von beyden Seiten die Unbequemlichkeit so gering als möglich zu machen.

[92] Von meinem Winterfleiße will ich nichts sagen, weil ich nichts weiß, ob ich ihn werde fortsetzen können. Unterbricht mich eine Rückkehr der alten Übel nicht, so sollten Sie innerhalb dieser drey bis sechs Monate manches sehen, das Ihnen wohl einiges Vergnügen machen wird.

Grüßen Sie Minchen schönstens von mir und den Meinigen und sagen mir manchmal ein Wort, wie Sie sich befinden. Mir ist immer angelegen zu wissen, wie es innerhalb Ihrer Mauern aussieht, aus denen Sie sich wohl schwerlich viel entfernen mögen.

Die Herren Loder und Klinger haben wir diese Tage gesehen. Hat sich Herr von Arnim bey Ihnen producirt? Haben Sie von seinem Wunderhorn einige Notiz genommen? Es ist eine recht verdienstliche Sammlung. Das Programm unsrer dießjährigen Ausstellung ist abgedruckt. Ich empfehle es gefälliger Aufmerksamkeit.

Sagen Sie an Frau Geh. Räthin Loder gelegentlich ein freundlich Wort von mir und gedenken mein.

W. d. 5. Jan. 1805.

G.


Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 19, S. 63-93.
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