Die Sklavin

Hinter Capri steht der Vollmond.

Um die blauen Wasser webt

Er ein breites Silberband.

Rosenduft die Nacht durchschwebt.


An dem Maste lehnt die Sklavin.

Um das Haar den Kranz aus Rosen

Leimt sie, strahlend, prachtvoll, schön,

Wie Diana des Lysipp.

Ihre feinen, schlanken Finger

Schlagen der Kithara Saiten.

Die Musik ist ihr Gewand,

Das der Mond mit Gold umwindet.


Ich, der eben noch mit buhlnden Blicken

Ihren weißen Leib umkoste,

Beuge mich den Harmonien.

Ihre Seele sang sie frei.

Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg; München 1964, S. 177,538.
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