Dem Vater des Vaterlandes

Friedrich dem Großen,

bei triumphirender Zurückkunft

gesungen im Namen Seiner Bürger

[11] Den 30. März 1763.


Der Du den Tempel Deines neuen Freundschaftbandes

Mit diamantnen Bogen wölbst;

O König! Vater! Schutzgott des beglückten Landes!

Uns gegenwärtig bist Du selbst.


Dich, mit vermehrten Siegeskränzen Ausgeschmückter!

Empfängt der jüngste Frühlingswind,

Erfüllt mit Jauchzen Deiner Bürger, die entzückter

Jetzt fühlen, daß sie Menschen sind.
[11]

Zu lange suchten Dich beflügelte Gedanken,

Und Seufzer Deines Volkes dort,

Wo um das Schlachtfeld sich die Helden standhaft zanken,

Und Kriegesdonner ist ihr Wort.


Zu lange bliebest Du, versteckt in schwarzen Wettern,

Rund um Dich werfend Deinen Blitz,

Wir aber wankten gleich verwelkten Lindenblättern,

Um Deinen wüsten goldnen Sitz.


Vor unsers nebelvollen Geistes Blicke schliefen

Die Schöpfung selbst und die Natur;

Wir fühlten nicht den Reiz der besten Welt; wir riefen

Dich aller Welten Wunder! nur.


Das Klaggeschrey, die Thränenströhme rauschten mächtig

Bis an den Himmel und zu Dir;

Du kommst, und Dein Triumph ist mehr als Römisch prächtig:

Nicht über Sclaven jauchzen wir;


Nicht über nachgeführte fremde Königsschätze

Und Kronen, die der Sieger nahm;

Nein über Dich, Monarch, in welchem der Gesetze

Beschützer, glorreich wieder kam.
[12]

In Deinen Augen ging aus tausend Mitternächten

Ein uns geschaffnes Sonnenlicht

Hervor, und strahlet nun so lieblich Deinen Knechten,

Als Deines Gottes Angesicht,


Das über Dir daher geleuchtet und gelächelt,

In undurchdringlicher Gefahr,

Wenn oft das Vaterland wie Sterbende geröchelt,

Und zitternd für Dein Leben war.


O! laß Dein in der Schlacht nie wankend Knie umfassen,

Du Ueberwinder! und versprich,

Nicht mehr Dein bittend Land verwaiset zu verlassen.

Und fodern neue Feinde Dich;


Dann gieb uns Waffen, laß Dein Volk zu Felde ziehen,

Du aber, unsre Wollust! bleib

In Sans Souci, und wer von uns wird schimpflich fliehen;

Den tödte sein beherztes Weib.
[13]

Quelle:
Anna Louisa Karsch: Gedichte von Anna Louisa Karschin, geb. Dürbach. Berlin 1792, S. 11-14.
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