Ecloga, oder Hirten gespräch, darin zvveen Hirten Damon, vnd Halton jhre gaben erzehlen: so sie dem Christkindelein schencken vvöllen

[213] 1.

Als nach verbrachten Reysen

Bey frembden sternen-brand/

Die König drey/ die Weisen/

Gar fern auß Morgen-land/

Dem Kindlein new geboren

Zum opffer brachten dar/

Die dreyfach außerkohren

Vnd außerlesen wahr.


2.

Gleich auch gezogen kamen

Zween frommer Hirten werth/

Mein Halton/ vnd der Damen/

Mit wol bewollter Heerd:

Auch dachtens darzubringen

Dem schönen Kindelein[213]

Gar viel der schönen dingen

So Sie gesa ilet ein.


3.

Die Gaben all mit namen/

Die Bäurisch Hirten Schätz

Verfaßten sie zusamen

In süsses Reym-geschwätz;

Jetz/ jetzt wil ichs erholen

Frisch/ frewdig von gemüt/

Vnd spielens offtermohlen

Wan ich der Schäfflein hüt.


Der Hirt Damon hebet an.


Wolan ich jhm wil schencken

Ein silber-weisses Lamm:

Als vil mich kan bedencken/

Kein edlers nie bekam.

Jhm kombt an lincker seiten

Von blut ein schöner fleck/

Weis nit waß mög bedeiten/

Waß je darhinden steck.


Der Hirt Halton.


Auch ich wil jhm dan schencken

Ein saugends Kälbelein/

Mit bänden vberschrencken

Wil dem die Füßlein sein:

Vnd also dan wils tragen[214]

Gefüg auff meinem halß;

Ich weiß wird jhm behagen;

Wil wetten jhm gefalls.


Der Hirt Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein Kitzlein sampt der Geiß/

Die muß es je noch träncken

Auß jhren Dütten weiß.

Die Brüst es selber findet/

Vnd kan sie lären schon;

Ja schon sichs vberwindet/

Vnd wird der Weid gewon.


Der Hirt Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein rothes Hirschen-kalb.

An Schenckel/ vnd Gelencken

Es ist vollwachsen halb.

Es mir auff grüner Gassen

Im Wald entgegen kam/

Sichs ließ mit Stricken fassen/

Gieng mit/ vnd wurde zahm.


Der Hirt Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein1 Hasen-königlin/

Es ist von tausent räncken/

Von frisch/ vnd leichtem sinn.[215]

Es lauffet/ springt/ vnd spielet/

Auch tro ilets eigentlich/

Die streich zum boden zihlet

Mit füssen meisterlich.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein schöns Eichhörnelein;

Ist auch von manchen schwencken

Ein hurtigs meisterlein/

Ich seiner offt muß lachen/

Wans nur die Nüßlein pact/

Vnd schnell sie thut erkrachen/

Trick/ track/ wol just zum tact.


Damon.


Vnd jch wil jhm noch schencken

Ein zahmes Häselein;

Sichs last mit händen fencken

Wil stäts bein menschen sein.

Es wird beym kripplein lauffen/

Wird spielend jmmerdar

Hin/ her/ zu/ ab/ vnd auffen

Recht/ munter springen zwar.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein wachtsams Hündelein:

Daß lernet zancken/ zäncken;[216]

Die Schaff auch treiben ein.

Wans kombt zu seinen tagen/

Wirds freilich sein gefaßt

Von Schaffen zu verjagen

Den vnbenandten gast.


Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein mausigs Kätzelein:

Kein härlein jhm darff kräncken/

Halton/ dein hündelein.

Sichs hat noch nie lan beissen/

Sichs allen widersetzt:

Sichs bürsten thut vnd spreissen/

Bleibt allweg vnverletzt.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein stücklein gleicherley:

Mein/ soltest wol gedencken

Was je dan solches sey?

Zu deinem Kätzlein eben

Auch ich wil jhm zugleich

Ein peltzen Maußfall2 geben;

So wird es noch so reich.


Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein munters Täubelein/[217]

Das laufft auff tisch/ vnd bäncken

Mit seinem schwesterlein.

Auß pflaum- vnd feder seyden/

Von farben vnbewust/

Ein ringlein jhnen beyden

Bezircklet halß/ vnd brust.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Zwo Turtel-tauben keusch:

Die spreiten/ heben/ sencken

Die flügel ohn gereusch.

Jhr stimm/ so vil man spüret/

Nur lauter seufftzer sein:

Wer weiß waß leyd sie rühret/

Waß lieb/ vnd hertzen-pein?


Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein grossen Hüner-Han;

Der haupt/ vnd halß geht schwencken/

Als nie kein edler Schwan.

Mit bunten füß- vnd sporen

Er tritt gar stoltz herein;

Wan schon er wär verloren/

Man kent die farben sein.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken[218]

Ein Finck/ vnd Nachtigal;

So kopff/ vnd ohren lencken

Zu meinem hirten-schall.

Wan jhnn ich vor wil singen/

Drey/ vier/ or fünffmahl nur/

Sie gleich mir nach thun springen

In selben noten spur.


Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Drey Meysen/ Lerch/ vnd Specht:

Ich habs von einem Encken/

Von einem Acker-knecht.

Er glücklich hats gefangen/

Doch nit ohn list/ vnd müh/

Als newlich er war gangen

Zum holtz in aller früh.


Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein weisses körbelein:

An balcken soll mans hencken/

Vol kleiner vögelein.

Ich selber habs geschnitzet/

In siebenthalben tag:

Ist new/ noch vnbeschmitzet;

Nit gnug mans loben mag.


[219] Der Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein starcken Hirten-steck:

Mit farben jhn wil sprencken/

Gebrennt mit fewr/ vnd speck:

Die kunst ich newlich lernet/

Wie recht mans machen soll/

Daß gantz er werd besternet/

Mit bunten flecklein toll.


Der Halton.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Ein gelben Sonn-Compaß/

Daß zünglein sich verrencken

Laßt nie von seinem spaß.

Sichs reget stäts/ vnd neiget

Zur just geraden schnur/

Biß lang der faden zeiget

Die rechte stund/ vnd vhr.


Der Damon.


Vnd ich wil jhm noch schencken

Viel schöner sachen mehr:

Ja schencken/ vnd noch schencken

Je mehr/ vnd je noch mehr.

Auch Oeppfel/ Nüß/ vnd Bieren

Milch/ honig/ butter/ käß.

Vnd waß noch mehr möcht zieren

Die Taffel mir gemäß.


[220] Der Halton.


Wol da dan/ laßt vns reysen

Zum schönen Kindelein:

Vnd laßt die Gaben weisen

Dem kleinen Schäfferlein:

Jhms alles auff soll heben

Die Mutter/ mit bescheidt/

Daß jhm es werd gegeben

Hernach zu seiner zeit.

1

kneinlein.

2

Katz.

Quelle:
Friedrich Spee: Trutznachtigall, Halle a.d.S. 1936, S. 213-221.
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Trutznachtigall
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