Barbara Sophia, Herzogin von Wirtemberg, geborne aus dem churf. Haus Brandenburg

[147] Gleichwie wan mit gleichlosem glanz

die göttin aus Delos gezieret

der sternen wunderreichen danz

in aller götter saal aufführet,

sie mit lieb und liebreichem pracht

die finsternus dem tag gleich macht:


Also Nymf, aller Nymfen blum,

o fürstliche zier aller frauen,

also Nymf, aller schönheit ruhm

muß man mit wunder euch anschauen,

als deren schönheit süße macht

des himmels und der erden pracht.


Der doppelt leuchtende planet,

mit welchem eure stirn sich ehret

mit unverhüllter mayestet,

zugleich die lieb und ehr uns lehret;[147]

ja eurer augen zierd und macht

ist des tags zier und der nacht pracht.


Der mutterlosen göttin witz

muß eurer weisheit weit nachgehen;

die, so in Paphos ihren sitz,

kan nicht für euch an zier bestehen;

dan eurer zier und weisheit macht

des himmels und der erden pracht.


Die himmel haben ihre kunst,

so sie, gerecht, so lang gesparet,

mit vil mehr reich, dan spater gunst

durch euch bei uns geoffenbaret,

daß also eurer tugend macht

der götter und der menschen pracht.


Ja, die natur selbs, ihre macht

für der welt augen zu beweisen,

hat als ihr kunststück euch erdacht,

damit man sie durch euch solt preisen,

und eurer augen süße macht

ist diser erden wahre pracht.


Darum dan unser grosse prinz

hat euch sein herz gern übergeben,

auf daß mit ihm die ganz provinz

möcht, durch euch selig, frölich leben;

und auf daß eurer tugend macht

bleib dises lands und der welt pracht.


O daß euch beed der götter hand

nicht bald führ zu des himmels freuden,

daß sie nicht mög ihn von dem land,

von ihm euch, uns von euch abscheiden!

o daß auch eurer schönheit macht

verbleib stets der welt wahrer pracht.

Quelle:
Georg Rodolf Weckherlin: Gedichte, Leipzig 1873, S. 147-148.
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