Ammoniumkarbonat

[178] Ammoniumkarbonat, käufliches Salz, auch kohlensaures Ammoniak oder Hirschhornsalz genannt, ist kein normales Salz; es besteht vielmehr aus einem Gemenge von primärem (saurem) Karbonat und karbaminsaurem Ammonium: NH4HCO3, NH2COONH4. Es bildet durchscheinende, feste kristallinische Massen, verflüchtigt sich unter Dissoziation bei etwa 60°; zerfällt auch schon bei gewöhnlicher Temperatur allmählich.

Das Salz wird im großen durch Umsetzung eines Gemisches von Ammoniumsulfat mit Calcium- oder Natriumkarbonat in erhitzten eisernen Retorten unter Zuleitung geringer Mengen Wasserdampf dargestellt. In aus Blei konstruierten Vorlagen, die kühl gehalten werden, setzt sich das Salz in schmutzigweißen, feuchten Krusten an. Letztere werden aus eisernen Töpfen, die mit heißem Wasser geheizt werden und mit gut schließenden Bleihauben bedeckt sind, umsublimiert. Ein andres Verfahren der Darstellung technischen Karbonates besteht darin, daß man in warm und feucht gehaltenen Mischkammern Ammoniak und Kohlendioxyd zusammentreten läßt. Das Vereinigungsprodukt verdichtet sich in durch Luft oder Wasser gekühlten Vorlagen. Wie bei dem zuerst beschriebenen Verfahren muß das so erhaltene Erzeugnis, um es in Verlaufsware umzuwandeln, umsublimiert werden. Bei der Knochenkohlefabrikation entsteht ebenfalls ein rohes Karbonat als Nebenprodukt, das durch Umsublimieren durch Schichten gut ausgeglühter Holz- oder Tierkohle rein erhalten werden kann. Ammoniumkarbonat findet in der Färberei, in der Fabrikation chemischer und pharmazeutischer Produkte, als Entfettungsmittel, in der Medizin als Riechsalz (sal volatile), zum Entschweißen der Wolle, in der Bäckerei als Backpulver und bei der Herstellung der Gummibälle und andrer Gummihohlwaren Verwendung.


Literatur: [1] Bolley, Handbuch der chem. Technologie, Braunschweig 1862, Bd. 2. – [2] Lunge, Industrie des Steinkohlenteers und Ammoniaks, 3. Aufl., Braunschweig 1888. – [3] Kerl und Stohmann, Encyklop. Handbuch der techn. Chemie, 4. Aufl., Braunschweig 1888. – [4] Lunge, Taschenbuch für die Soda-, Pottasche- und Ammoniakfabrikation (Untersuchungsmethoden), 2. Aufl., Berlin 1892.

Bujard.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 178.
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