Ankergeschirr

[212] Ankergeschirr. Das Ankergeschirr umfaßt alle zum Zuankergehen und Ankeraufgehen an Bord eines Schiffes erforderlichen Gegenstände und Apparate.

Es sind dies außer dem Anker (s.d.) und der Ankerkette die Vorrichtungen zum Stauen und Fallenlassen der Anker (s. Ankerlagerung), zum Einhieven der Ankerkette (s. Ankerspill), zum Abstoppen der Ankerkette (Kettenstopper, Ankerbetinge), zum Transportieren des Ankers (Ankerdavits und Ankerkrane) und zur Bezeichnung des Ankergrundes (Ankerbojen,[212] Ankerlicht, vgl. Fig. 1). Der Kneifstopper, auch Zwischendeckstopper genannt, dient zum Abstoppen der Kette beim Ankern [1]. Derselbe ist an der Decksklüse, die zum Kettenkasten führt, angebracht und ist mit einer Talje zu bedienen (Fig. 2). Der Taustopper hat den Zweck, den Zwischendeckstopper zu entladen bei vorübergehenden Ankerungen. Er belieht aus einem an einem Augbolzen an Deck beseitigten Taustropp, das mit der Ankerkette durch Zeisinge verbunden wird (Fig. 3). Die Betinge dienen zum Abstoppen sowie Festlegen der Ankerkette bei längerem Zuankerliegen, und man legt in letzterem Falle die Kette mit einem einfachen Törn, dem sogenannten Betingsschlag, um den Betingskopf. Um die Kette beim Auslaufen frei von Deck zu halten, ist jeder Beting mit zwei querschiffs stehenden Armen, den sogenannten Normännern, versehen. Vor dem Einhieven der Kette muß der Betingsschlag entfernt werden [1], [2]. Die Schlippstopper (Fig. 3), an Deck beteiligte Kettenenden mit Schlipphaken, haben den Zweck, die Kette auf kurze Zeit, beim Klarieren, beim Einlegen in das Spill oder Entfernen des Betingsschlages festzuhalten [1]. Die Deckstopper, auch Patentstopper oder Kontroller genannt, treten nur beim Einhieven der Kette in Tätigkeit. Sie sind so konstruiert, daß die vertikal stehenden Kettenschaken in einer Rinne über den Stopper gleiten, wenn sie außer Tätigkeit gesetzt sind. Sollen sie die Kette halten, so wird der hintere Teil gesenkt, so daß sich die horizontal liegende Kettenschake gegen den oval ausgeschnittenen festen Teil des Gußstückes anlegen kann. Um ein Herausspringen der Kette bei längerem Stoppen zu verhindern, kann ein Querkeil über die Kette gelegt werden [1], [2]. Da alle diese Vorrichtungen ein plötzliches Stoppen und daher Einrücken der Kette mit sich bringen, verwendet man neuerdings die Ankerspille selbst zum Abstoppen und Belegen der Ketten (s. Ankerspill). Die Kette wird dann allein von dem Kettenrad des Spills gehalten und außerdem durch den Zwischendeckstopper festgesetzt (Fig. 3). Betinge kommen dann in Fortfall. Diese Anordnung, von Baxter eingeführt, setzt jedoch voraus, daß der Anker in einer weiten Klüse gelagert wird, aus der er nach Lösen des Zwischendeckstoppers und des Spillkettenrades mit ständig gespannter Kette ausrauscht und in die er beim Ankeraufgehen hineingehievt wird. Die Vorrichtungen zum Bedienen der Anker bestehen in Anke, Javits, Kranen u.s.w. Diese dienen dazu, den Anker, wenn er vor die Klüse vorgehievt ist, zu fassen und auf dem Schweinsrücken zu lagern. Mit Hilfe des Kattdavits und des Kattakels wird der Anker bis an Deck gehoben, mit Hilfe des Fischdavits und des Fischtakels das Ankerkreuz gelüstet und dann gelagert. An Stelle des Kattdavits war bei schweren Ankern früher ein Kranbalken mit einem Kattgien in Anwendung. Die Patentanker bedürfen nur eines Davits bezw. Krans, der den Anker mittels des Katttalets an den Transportschäkeln faßt und auf Deck hebt. Sind mehrere Anker auf dem Verdeck gelagert, so verwendet man meist für alle Anker einen in der Mittellinie des Schiffes gelagerten drehbaren Kran, der bei Kriegsschiffen zum Niederlegen eingerichtet wird. Die Anker mit Baxterlagerung bedürfen keiner Davits bezw. Krane [1], [2], sie werden in weite Klüsen eingehievt und durch Kette mit Spannschraube und Sliphaken an Deck festgezurrt (Fig. 3). Zur Markierung der Stellen, an denen die Anker am Grunde liegen, dienen Bojen, die mittels des Bojenreps an dem Ankerkreuz beteiligt sind. Bei etwaigem Brechen der Ketten kann man mit Hilfe des Bojenreps den Anker leichter fischen. Bei Nacht wird die Stelle durch ein Ankerlicht bezeichnet, und jedes ankernde Schiff muß am Mail eine weiße Ankerlaterne führen. Um in See das Eindringen von Wasser in die Klüsen zu verhindern, werden die Klüsen durch hölzerne Pfropfen, die sogenannten Klüspfropfen, möglichst dicht zugesetzt, und ferner ist außenbords meist ein Klüsendeckel mit Ausschnitt für die Kette, der nach oben geklappt werden kann, vorgesehen.


Literatur: [1] Dick u. Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft, Berlin 1899. – [2] Hauser, Cours de construction navale, Paris 1886. – [3] B. Martinenq, Aide-mémoire du constructeur de navires, Paris 1900.

T. Schwarz.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 212-213.
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Faksimiles:
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