Krane [1]

[662] Krane sind Maschinen, die zum Heben und Horizontaltransport von Lasten dienen. Man teilt dieselben bezüglich ihrer Beweglichkeit im Räume ein in stabile und mobile, bezüglich der zur Hebung angewendeten Kraft in Krane für Hand-, Transmissions-, Dampf-, hydraulischen, elektrischen und pneumatischen Betrieb. Die Konstruktionen der Krane sind ihrem jeweiligen Zweck entsprechend sehr verschieden. Die wichtigsten Typen sind:

A. Feststehende Krane.

I. Wanddrehkrane Fig. 1 und 2. Der drehbare Ausleger besteht aus einer Säule a mit zwei Drehzapfen, die in den Lagern b b gestützt sind. Am äußersten Ende trägt der Ausleger eine Leitrolle c zur Führung des Lastseiles oder der Kette. Der Hebemechanismus kann nun in einer Winde für Hand- oder Kraftbetrieb bestehen. Die Leitrolle d kann, wie bei Fig. 1, oben oder, wie bei Fig. 2, unten liegen. Im letzteren Falle muß noch eine weitere Leitrolle e zur Verwendung kommen, damit das Leitseil oder die Kette mit der Mitte der Kransäule und Drehzapfen (durch letztere durchgeführt) zusammenfällt, um keine Behinderung bei der Schwenkbewegung zu sein. Die Befestigung erfolgt an der Wand eines Gebäudes, neben einer Luke oder Türöffnung, um Lasten ein- und ausnehmen zu können. Die Schwenkung des Auslegers kann nur um 180° erfolgen.

II. Feststehender Gießereischwenkkran nach Fig. 3. Die Säule a des Krangerüstes erhält oben und unten je einen Zapfen, die[662] in den Lagern b b ihren Stützpunkt haben. Die Lager werden mit dem Boden und der Decke eines Gebäudes unwandelbar beteiligt. Auf dem horizontalen Arm des Gerüstes ist eine Laufkatze c angeordnet. Dieselbe erhält Leitrollen zum Führen des Lastseiles oder der Kette, wodurch eine beliebige zentrale Verschiebung ermöglicht ist. Der Antriebsmechanismus d für diese Verschiebung wird von unten durch die herabhängende Handkette e bedient. Das Hubwindwerk f ist an der Kransäule montiert und kann für alle Betriebsarten eingerichtet sein.

III. Feststehender Säulendrehkran Fig. 4. In einer aus Gußeisen, Walzeisen oder Stahlguß hergestellten Fundamentplatte a, die vermittelst Schrauben mit einem Steinfundament innig verbunden ist, wird eine aus Schmiedeeisen oder Stahl hergestellte Säule b befestigt; um diese dreht sich das gesamte Krangerüst mit dem Windwerk. Das letztere wird nun entweder auf dem Ausleger (wie in Fig. 4) oder zwischen zwei besondere Windenschilde (wie in Fig. 10) montiert. Bei Lasten bis zu 5000 kg sieht man keine besondere Schwenkvorrichtung vor. Bei größeren Lasten wird sie zweckmäßiger angebracht, und zwar in gleicher Weise wie in Fig. 6 dargestellt.

IV. Eine andre Ausführungsform ist in Fig. 5 abgebildet, es ist der sogenannte Fairbairnkran, bei dem der Kranausleger aus einem einzigen schnabelförmig gekrümmten, häufig auch im oberen Teil horizontal laufenden kastenförmigen Träger besteht, der sich auf die im Innern befindliche Kransäule stützt. Die Lastkette oder das Seil ist am vorderen Ende des Auslegers befestigt, geht über eine frei hängende lose Rolle, eine Laufrolle im Kopfe und mehrere Leitrollen auf dem Rücken des Auslegers zum Lastwindwerk, das so am Kastenträger montiert ist, daß es bequem bedient werden kann. Ein zweites (in der Figur unten rechts ersichtliches) kleineres Windwerk dient zur Drehung des Kranes.

V. Feststehender Dampfdrehkran Fig. 6. Auch hier ist in einer Fundamentplatte a eine Drehsäule b befestigt. Um die Säule schwingt sich ein Plateau c und mit letzterem verbunden zwei kräftige Windenschilde d. Zwischen letztere ist das Windwerk und die Dampfmaschine e montiert. Auslegerstützen f sind an c und Zugstangen g am Kopfe von d befestigt. Am rückwärtigen Ende vom Plateau ist ein Dampfkessel aufgestellt, der den für die Dampfmaschine erforderlichen Dampf erzeugt; sein Gewicht dient gleichzeitig mit als Gegengewicht. Das Ganze ist durch ein aus Wellblech oder Holz hergestelltes Haus gegen Witterungseinflüsse geschützt. Die Schwenkung des Kranes erfolgt durch ein besonders durch die Dampfmaschine angetriebenes Windwerk. Der Schwenkmechanismus endigt in ein kleines Zahnritzel h, das in einem an der Fundamentplatte a beteiligten Zahnkranz i eingreift. Bei seiner Rotation bewegt sich h am Umfange von i, wodurch Schwenkung erfolgt, da h mit dem Plateau durch Welle und Lagerung verbunden ist.

VI. Ein Bockkran ist in Fig. 7 dargestellt; er findet auf Bahnhöfen und auf Fabrikhöfen zum Verladen aus Fuhrwerken in Eisenbahnwaggons und umgekehrt sehr zahlreiche Anwendung. Auf dem Krangerüst bewegt sich die Laufkatze, ähnlich wie bei den Gießereikranen, hin und her, so daß nach der Hebung eine horizontale Verschiebung der Last vorgenommen werden kann, worauf dieselbe wieder niedergelassen wird. Die Führung der Lastkette ist aus der Figur zu ersehen; die zur Verschiebung der Katze dienende endlose Kette wird in ähnlicher Weise wie bei den Gießereikranen bewegt. Bei allen Bockkranen ist die innere lichte Höhe und Breite durch das Normalprofil der Eisenbahnwagen bestimmt.[663]

VII. In Fig. 8 ist ein fahrbarer Bockkran dargestellt, und zwar für größte Lasten. Die Last hängt an vier Kettensträngen; die Unterflasche a ist deshalb mit zwei hintereinander gelagerten Leitrollen versehen. Auf der Laufkatze ist in der Mitte noch eine dritte Rolle b vorgesehen zur Führung und zum Tragen der beiden mittleren Kettenstränge. Das Windwerk ist durch ein Schutzdach gegen Regen u.s.w. geschützt. Die Fortbewegung des Gerüstes erfolgt durch Räderantrieb vermittelst Handkurbeln. Beide Kranseiten werden mittels horizontal und vertikal gelagerter Wellen mit konischen Rädern gleichmäßig angetrieben.

VIII. Die weitaus größten und tragfähigsten Krane nächst dem Hammerkrane sind die sogenannten Scheren- oder Mastenkrane. In Fig. 9 ist die Anordnung eines solchen Kranes samt Maschinen- und

Kesselhaus dargestellt. Der Kran besteht aus zwei mächtigen zylindrischen Streben A von je 34,1 m Länge und einem mittleren kastenförmigen Ausleger B von 44,8 m Länge, der am oberen Ende gelenkig mit dem die beiden Streben aufnehmenden Krankopf, am unteren Ende ebenfalls gelenkig mit einem Schuh verbunden ist, der von einer starken horizontalen Schraube gehalten wird, durch deren Drehung der Ausleger und somit der ganze Kran um einen bestimmten Winkel um die vertikale Lage nach außen und innen gedreht werden kann. Bei der innersten Stellung (in Fig. 9 mit gestrichelten Linien angegeben) hängt die Krankette gerade über der Mitte des am Ufer entlang führenden Schienengleises; in der äußersten ausgeschwenkten Stellung beträgt die Ausladung noch, etwa 12 m. Die Tragkraft des abgebildeten Kranes beträgt 60 t, doch sind solche von über 1001 Tragkraft ausgeführt. Am Krankopf hängt ein (meistens vier- bis sechsfacher) Flaschenzug und geht die Lastkette von dort nach dem Windwerke W1, während das im Maschinenhaus liegende Windwerk W die Drehung der Schraube und Schwenkung des Krangestelles bewirkt. Beide Windwerke werden durch die im Maschinenhause liegende Dampfmaschine D angetrieben. Der in der Abbildung dargestellte Kran befindet sich im Arsenal zu Pola.

B. Fahrbare Krane.

IX. In Fig. 10 ist ein fahrbarer Eisenbahndrehkran, der in Zügen einstellbar ist, dargestellt. Ein gußeiserner Fundamentstern, in dem die Krandrehsäule befestigt, ist mit dem Eisenbahnunterwagen innig verbunden. Das obere Stützlager und das untere Halslager der Drehsäule sind mit den Seitenschilden a verbunden. Zwischen a ist auch das Hubwindwerk montiert. Die Auslegerstützen b und Zugstangen c sind ebenfalls an a befestigt. Ferner sind mit den Seitenschilden die Laufbahnträger für das verschiebbare Gegengewicht d verbunden. Die Vor- und Rückwärtsbewegung von d erfolgt durch eine Ratsche, die durch Handhebel e betätigt wird. Das Untergestell wird mit aufklappbaren Stützen f sowie Schienenzangen g, die durch Schraubenspindel und Handrad h geschlossen und gelöst werden, versehen, um ein Kippen des Kranes beim Schwenken mit der angehängten Maximallast zu verhüten.

IX a. Fig. 11 zeigt einen fahrbaren Drehkran mit einfachem Unterwagen. Die Seitenschilde sind aus Gußeisen hergestellt, die rückwärtige Verlängerung dient als Laufbahn für das verschiebbare Gegengewicht.[664]

X. Ein. fahrbarer Dampfdrehkran ist in Fig. 12 abgebildet, der als Kaikran häufig Anwendung gefunden hat. Auf dem auf vier Rädern laufenden Untergestell ist die kräftige Kransäule befestigt, die als Drehachse des ganzen Systems dient. Das letztere ist auf einer soliden Plattform aufgebaut, die sich mittels zahlreicher Laufrollen auf das Untergestell stützt und auf demselben drehbar ist. Auf der Plattform ist vorn der schnabelförmige, teilweise als Karten-, teilweise als Gitterträger ausgebildete Ausleger befestigt, während hinten der stehende Dampfkessel und dahinter häufig noch ein schweres Gegengewicht angebracht ist. Die zum Betriebe des Wind- und Drehwerkes und zur Fortbewegung des Kranes dienende stehende Zwillingsdampfmaschine und das Windwerk sind an der Innenwand des Auslegers befestigt, während der Maschinist zwischen dieser und dem Kessel seinen Stand hat.

X a. In Fig. 13 ist ein gleicher fahrbarer Dampfdrehkran dargestellt, doch in einfacherer Ausführung. Die Herstellungskosten sind geringer als die für den Kran nach Fig. 12, da der hier zur Ausführung gelangte Ausleger aus Walzeisen hergestellt ist, der sich bedeutend billiger herstellen läßt als der Fairbairn-Ausleger nach Fig. 12. Die Verwendbarkeit des Auslegers nach Fig. 13 ist eine beschränkte; derselbe kann nur dort verwendet werden, wo ein freies Schwenkfeld vorhanden ist; sind dagegen niedrige Gebäude (Schuppen) oder gedeckte Güterwagen dicht neben[665] dem Standort des Kranes, so ist die Auslegerform nach Fig. 12 zu wählen, damit derselbe unbehindert über diese Gegenstände hinwegstreichen kann.

XI. Fig. 14 zeigt einen elektrisch betriebenen fahrbaren Drehkran. Die Stangen und Stützen des Auslegers a b c d bilden mit dem Plateau ein gemeinschaftliches Ganzes. Das Plateau mit dem aufmontierten Windwerk, Motoren, Anlasser, Schalttafel u.s.w. schwingt sich um einen kurzen Drehzapfen, der am Untergestell sicher befestigt ist. Das Untergestell erhält einen gedrehten Rollkranz, auf dem sich die am Plateau beteiligten Laufrollenumfänge stützen und abwickeln. Die Schwenkbewegung erfolgt in der Weise, daß ein mit dem Plateau durch Welle und Lagerung in Verbindung gebrachter Trieb in Rotation gesetzt wird und sich nun am Umfange eines am Untergestell befestigten Zahnkranzes abwälzt. Die Fahrbewegung des Kranes wird durch eine Welle bewirkt, die durch den Drehzapfen geführt ist und seine Bewegung den Laufradachsen vermittelst Wellen und konischer Räder mitteilt (in Fig. 14 punktiert angegeben). Es ist ein Kran, bei dem für jede der drei Bewegungen (Heben der Last, Schwenken und Fahren des Kranes) je ein Elektromotor vorgesehen ist. Die Antriebe dieser Bewegungen sind entweder reine Rädergetriebe oder kombinierte Räder- und Schneckengetriebe. Im ersteren Falle wird die Motorachse mit einem Trieb aus Rohhaut, Phosphorbronze oder Stahl versehen, das mit dem Rädertriebwerk des betreffenden Getriebmechanismus in direkten Eingriff gebracht wird. Bei exakt hergestellten Windwerken werden sämtliche Zahnräder aus dem Vollen gefräst und gewährleisten hierdurch einen möglichst geräuschlosen Gang. Bei weniger guter bezw. billigerer Herstellung werden nur die ersten schnell laufenden Räderpaare aus dem Vollen gefräst, während die langsam laufenden Zahnräder auf der Räderformmaschine hergestellt werden. Die Konstruktion der kombinierten Räder- und Schneckengetriebe ist dergestalt, daß das Schneckengetriebe direkt mit dem Motor verbunden wird und dadurch die nachfolgenden Rädergetriebe eine geringe Umlaufszahl erhalten. Die Motorachse wird durch eine elastische Kupplung mit der Schneckenachse direkt verbunden. Die aus Stahl gefertigte Schnecke wird, nachdem sie auf der Drehbank fertig geschnitten, gehärtet. Das Schneckenrad wird am vorteilhaftesten so gefertigt, daß man einen Radkörper aus Gußeisen oder Stahlguß herstellt, der mit einem aus Phosphorbronze hergestellten Kranz versehen wird. In diesem Kranz werden die Zähne auf der automatischen Räderfräsmaschine geschnitten. Schnecke und Schneckenrad werden in einem staub- und wasserdichten Kasten, in dem sich Oel befindet, gemeinsam gelagert, so daß beide beständig in einem Oelbade laufen. Die In- und Außerbetriebsetzung der Bewegungsmechanismen erfolgt durch die Anlasser oder den Kontroller, indem durch diese den betreffenden Motoren Strom zugeführt oder entzogen wird. Die Stromzuführung erfolgt in der Regel von oben durch blanke Kupferleitungen, von welchen derselbe durch sogenannte Stromabnehmer (Rollen oder Schleifkontakte) entnommen und den Kontrollern zugeleitet wird. Zwischen Stromabnehmer und Kontroller schaltet man öfters noch eine Schalttafel, auf der Sicherungen und Ausschalter montiert sind, ein. Die Sicherungen dienen dazu, die Motoren, Kontroller u.s.w. vor Zerstörung durch den Strom zu schützen, indem sie schmelzen und dadurch den Strom unterbrechen, sobald derselbe eine vorher bestimmte maximale Spannung überschreitet. Der Ausschalter dient zum Abstellen des Stromes während der Ruhepausen, in welchen der Kran nicht benutzt wird, damit er vor unbefugter Benutzung gesichert ist und anderseits Reparaturen an den elektrischen Apparaten ausgeführt werden können. Um beim Hubwindwerk nach dem Abstellen des[666] Betriebsstromes ein Abstürzen der hochgezogenen Last zu verhindern, wird dasselbe mit einer elektromagnetischen Bremse versehen. Die Betätigung der Bremse erfolgt durch einen Elektromagneten, der die Bremse geöffnet hält, solange dem Motor Strom zugeführt, die Bremse jedoch sofort schließt, sobald der Betriebsstrom abgestellt oder unterbrochen wird. Die Schwenk- und Fahrbewegungsmechanismen erhalten gewöhnliche Bandbremsen, die durch einen Fuß- oder Handhebel bedient werden, um eine Verminderung bezw. Aufhebung dieser Bewegungen zu bewirken. S.a. Bremsen.

XII. Fig. 15 stellt einen elektrischen Velozipedkran dar. Der Unterwagen besitzt zwei hintereinander angeordnete Laufräder, so daß der Kran nur auf einer Schiene fahrbar ist. In der Mitte zwischen den beiden Laufrädern ist das Krangerüst drehbar gelagert. Auf dem Unterwagen sind ferner der für das Schwenken erforderliche Zahnkranz befestigt sowie die Fahr- und Schwenkbewegungsmechanismen mit ihren Motoren placiert, auch erhält der Kranführer hier seinen Standort, wie an dem angedeuteten Geländer ersichtlich. An seinem höchsten Punkt ist das Krangerüst mit einem Zapfen und daraufgesetzter Rolle versehen. Diese Rolle dient als obere Führung und läuft zwischen zwei Schienen, die einen Abstand voneinander haben, der gleich dem des Rollendurchmessers ist. Da das Krangerüst oben und[667] unten Zapfenlagerung hat, ist eine Kreisbewegung von 360° möglich. Das Hubwindwerk mit dem Motor ist zweckmäßig auf der rückwärtigen Verlängerung des Auflegerarmes montiert. Sämtliche Kontroller sind bei dem Führerstand placiert, und zwar so, daß eine leichte Bedienung durch den Führer möglich ist. Bezüglich der Räder- und Schneckengetriebe der Bewegungsmechanismen sowie der elektrischen Ausrüstung gilt das unter XI. Gesagte.

XIII. Portalkrane. Die Konstruktion eines Vollportal- oder doppelhüftigen Kranes zeigt Fig. 16 und diejenigen eines Halbportal- oder einhüftigen Kranes Fig. 17. Dieser Krantyp wird vorzugsweise im Hafenbetrieb verwendet. Im Hamburger Hafen z.B. sind Hunderte dieser Krane im Betrieb. Auf einem voll- oder halbportalförmigen Gerüst ist ein elektrisch betriebener Drehkran montiert. Der Drehzapfen des Obergestells und der Rollkranz sind auf dem Portal in derselben Art befestigt wie beim fahrbaren Drehkran auf dem Untergestell. Die Triebwerksteile und die elektrische Ausrüstung werden in gleicher Weise hergestellt und angeordnet wie unter XI. gesagt, jedoch mit der Abänderung, daß der Motor für die Fahrbewegung des Portals auf diesem placiert wird, und zwar so, daß der Antrieb in der Mitte der beiderseitigen Laufräder erfolgt, damit nach beiden Seiten gleiche Drehmomente zu überwinden sind und ein möglichst gleichmäßiges Fahren erzielt wird. Die Höhe und Spannweite des Portalgerüstes richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen, doch werden sie in den meisten Fällen so ausgeführt, daß ein oder mehrere Eisenbahnprofile überspannt werden. Wie Fig. 17 zeigt, liegt die eine Laufbahn an der Außenwand eines Gebäudes (Speicher u.s.w.) und ist hierdurch die einhüftige. (Halbportal-) Form gegeben. Mit diesem Kranen wird ein beispielloses billiges Löschen von Stückgütern erreicht. So wurde z.B. der Stromverbrauch festgestellt für Löschen von 10000 kg Stückgut, bei 12 m Hubhöhe und 130° Schwenkung zu 0,125 ℳ. bei einem Strompreis von 0,18 ℳ. pro Kilowattstunde (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 47, Nr. 25).

C. Deckenlaufkrane.

Deckenlaufkrane, die in vielfachen Variationen ausgeführt werden, teilt man am besten nach ihrer Betriebsart ein, nämlich in solche für Handbetrieb (von oben durch Handkurbeln oder von unten durch herabhängende Handketten), Transmissions-, Seil-, hydraulischen und elektrischen Betrieb. Bei Neuanschaffungen kommen heute nur solche für Hand- und elektrischen Betrieb in Frage, denn die übrigen Betriebsarten kommen als unrationell nicht mehr zur Ausführung. Ein Deckenlaufkran, kurzweg Laufkran genannt, besteht aus zwei parallelen, quer zur Bewegungsrichtung liegenden, miteinander durch Kopfstücke verbundenen und auf Laufrollen fahrenden Trägern, auf welchen in der Längsrichtung derselben die zur Hebung der Last dienende Laufkatze sich bewegt. Mit jedem Laufkran sind drei voneinander unabhängige Bewegungen auszuführen, nämlich: die Vertikalbewegung zur Hebung der Last, die horizontale Längsbewegung des ganzen Krangerüstes und die horizontale Querbewegung der Laufkatze. Die beiden letzteren Bewegungen sind senkrecht zueinander. Die Laufbahnen der Laufkrane sind an den Gebäudemauern in mehr oder minder großer Höhe angebracht oder stützen sich auf Säulen. Die Form der Träger ist eine sehr verschiedene, entweder rechteckig, parabolisch oder fischbauchartig; sie werden als vollwandige Blech- oder Gitterträger oder aber als Walzeisenträger ausgeführt. Die einfachste Ausführung ist diejenige nach

XIV. (Fig. 18), ein einfacher Walzeisenträger (Krane [1]-Träger) mit auf dem oberen oder unteren Flansch laufender Katze a, in die ein Flaschenzug eingebaut (wie Fig. 18) oder eingehängt ist. Diese Ausführung wird verwendet für kleine Spannweiten und kleine Lasten.

XV. Fig. 19 veranschaulicht einen vollwandigen Blechträger mit darauf befindlicher Laufkatze a für Handbetrieb. Sämtliche drei Bewegungen werden durch herabhängende Handketten vom Flur aus betätigt.

XVI. Fig. 20 stellt einen elektrisch betriebenen Einmotorenlaufkran dar. Bei diesem wird eine Getriebswelle von einem Elektromotor angetrieben. Von der Getriebswelle, die ständig umläuft, solange der Kran benutzt werden soll, werden sämtliche drei Bewegungen vermittelst konischer Räder und Wendegetriebe eingeleitet. Die Bedienung erfolgt vom Führerkorb a und, wo ein solcher fehlt, durch Handketten vom Flur aus.

XVII. Durch Fig. 21 wird ein elektrischer Dreimotorenlaufkran veranschaulicht. Jede der drei Bewegungen erhält ihren besonderen Betriebsmotor in gleicher Weise wie unter XI. beschrieben. Auf der Laufkatze a werden das Hubwindwerk und der Katzenfahrmechanismus mit den zugehörigen Motoren montiert. Die Kontroller sowie der Kranführer haben ihren Standort in dem mit dem Krangerüst verbundenen Führerkorb b, von wo aus der Führer einen freien Ueberblick über das Arbeitsfeld des Kranes hat. Der Unterschied zwischen Ein- und Dreimotorenkran besteht außer in der Verwendung von einem bezw. drei Motoren darin, daß man für den Einmotorenkran einen Nebenschlußmotor verwenden muß, während bei dem Dreimotorenkran Hauptstrommotoren zur Verwendung kommen. Nun ist die Eigentümlichkeit des Nebenschlußmotors, daß er sowohl bei Vollbelastung als im unbelasteten Zustand eine fast konstante Umlaufszahl beibehält, daß somit beim unbelasteten bezw. wenigbelasteten Kran keine größere Geschwindigkeit erreicht wird wie bei dem vollbelasteten Kran. Dahingegen erhöht sich die Umlaufszahl des Hauptstrommotors mit der Belastungsabnahme, so daß hier eine Erhöhung der Geschwindigkeit bei Abnahme der Belastung eintritt. Durch den Kontroller hat es der Kranführer bei dem Dreimotorenkran ganz in seiner Hand, jede beliebige Last mit jeder beliebigen Geschwindigkeit von Null bis zum Maximum bewegen zu lassen. Ferner ist ein Nachteil des Einmotorenkrans seine größere Reparaturbedürftigkeit, veranlaßt durch die einer großen Abnutzung unterworfenen Wendegetriebe. Man führt deshalb elektrische Krane, die viel benutzt werden, am vorteilhaftesten als Dreimotorenkrane aus und nur diejenigen, die wenig gebraucht werden, sowie aus Sparsamkeitsrücksichten (der Einmotorenkran ist in der Anschaffung billiger wie ein Dreimotorenkran) als Einmotorenkrane.[668]

XVIII. Der neueste Krantyp, welcher für schwerste Lasten und größte Ausladung ausgeführt wird, ist der sogenannte Hammerkran (so benannt nach seiner Aehnlichkeit mit einem Hammer), wie ihn Fig. 22 veranschaulicht. Derselbe wird für Seehäfen und Schiffswerften benutzt, und zwar zum Einsetzen von komplett montierten Schiffsmaschinen in den Maschinenraum der Schiffe; er wird für Tragkräfte von 200 t und mehr ausgeführt. Das Gerüst a ist mit einem Fundament sicher verbunden, der drehbare Ausleger b stützt sich ebenfalls in einem auf dem Fundament befestigten Fußlager f, während die Stütze c des Auslegers in einem Halslager g, als welches der Kopf des Gerüstes a ausgebildet ist, geführt und gegen seitliches Kippen geschützt wird. Die Antriebsvorrichtung h für das Schwenken des Kranes ist am Fuße der Säule des Auslegers montiert. Der rechtsseitige Teil von b dient als Laufbahn für die Laufkatze d, die das Hubwindwerk trägt, während der linksseitige Teil von b zur Aufnahme des Gegengewichtes e dient.

XIX. Eine besondere Klasse bilden die heute nur noch selten hergestellten hydraulischen Krane, die zu ihrer Arbeitsverrichtung Druckwasser von hohem Druck benötigen und sowohl als frei stehende Drehkrane als auch als Gießereikrane und für Hüttenwerke ausgeführt werden. Man unterscheidet ähnlich wie bei den hydraulischen Aufzügen direkt oder indirekt wirkende, je nachdem sie ohne oder mit Ketten- oder Seilflaschenzügen ausgerüstet sind. Die[669] Konstruktion eines direkt wirkenden hydraulischen Kranes, speziell Gießerei- oder Eisenhuttenkranes ist aus Fig. 23 zu ersehen. Die aus zwei starken Profileisen gebildete Kransäule ist unten und oben mit je einer den Zapfen tragenden Traverse zusammengehalten, deren untere den Hubzylinder A trägt, während durch die obere das enge Druckwasserrohr B, das am oberen sende des letzteren mündet, eingeführt ist. Im Hubzylinder bewegt sich der massive Kolben C auf und nieder und hebt und senkt dabei den die Laufkatze D tragenden, durch eine mit Rollen E versehene Strebe F gestützten Auslader G. Die Verschiebung der Laufkatze auf dem Auslader geschieht hier von Hand, bei großen Kranen dagegen noch durch besondere horizontale Druckzylinder, die entweder ebenfalls direkt wirken oder mittels einer um Rollen gelegten endlosen Kette die Verschiebung bewirken.

Klein, Schanzlin & Becker in Frankenthal liefern hydraulische Krane amerikanischen Systems, bei welchen der Kolben im Zylinder feststeht und der Zylinder durch Einlassen von Druckwasser über den Kolben gehoben bezw. durch Auslassen gesenkt wird. Am Zylinder befindet sich unten der Haken zum Aufhängen der Last. Diese Krane sind besonders für die Hebung kleiner Lasten bequem, weil leicht transportabel und mit Schlauchleitungen bedienbar Weitere Bezugsquellen: Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, Bochum; Briegleb Hansen & Co. Gotha; Felten & Guilleaume, Mühlheim a. Rh.; Krupp-Gruson, Buckau-Magdeburg Mohr & Federhaff, Mannheim; Sächsische Maschinenfabrik, Chemnitz; Zobel, Neubert & Co. Schmalkalden Die Berechnung der Krane beschränkt sich auf diejenige für das Krangerüst und diejenige für die Windwerke. Für das Gerüst kommt in den meisten Fällen nur die Festigkeit in Betracht wahrend für die Windwerke außer den verschiedenen Festigkeitsarten (Biegung Knickung, Torsion u s. w.) auch noch die Abnutzung u.s.w. zu berücksichtigen ist.


Literatur: [1] Riedler, Skizzen zu den Vorlesungen über Lasthebemaschinen, Aachen 1884. – [2] Weisbach, H., Die Maschinen zur Ortsveränderung, Ingenieurmechanik, Braunschweig 1882, 2. Aufl., 3. Teil 2. Abt. – [3] Pechan, Leitfaden des Maschinenbaues, Reichenberg 1898, 4. Aufl., 1. Teil. – [4] Ingenieur-Taschenbuch »Hütte«, Berlin 1902. – [5] Ernst Ad Die Hebezeuge Berlin 1903 4. Aufl. – [6] Rühlmann, Allg. Maschinenlehre, Bd. 4, Leipzig 1888. – [7] Uhland, Handbuch für den praktischen Maschinenkonstrukteur, Leipzig 1890, Bd. 9 nebst Ergänzungshefte I 1894, II 1896. – [8] Handbuch der Ingenieurwissensch., Leipzig 1890, 2. Aufl., Bd. 4 Abt., b. Lieferung: Die Hebemaschinen von Linke und Gutermuth. – [9] Bethmann H Die Hebezeuge, Braunschweig 1903. – [10] Inhaltsverzeichnis der Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1884–1893 und 1894–1903, Art. Krane. – [11] Skizzen und Tabellen über Hebezeuge von Georg Dreyer, Ilmenau 1903. [12] Elektrisch betriebene Krane und Aufzüge von S. Herzog, Zürich 1905 – [13] Niethammer, F., Generatoren, Motoren und Steuerapparate für elektrisch betriebene Hebe- und Transportmaschinen, Berlin-München 1900. – [14] Winkler, W. v., Der elektrische Starkstrom im Berg- und Hüttenbetrieb, 7. Abschn., Stuttgart 1905.

H. Koll.

Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 8.
Fig. 9.
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Fig. 10.
Fig. 10.
Fig. 11.
Fig. 11.
Fig. 12.
Fig. 12.
Fig. 13.
Fig. 13.
Fig. 14.
Fig. 14.
Fig. 15.
Fig. 15.
Fig. 16.
Fig. 16.
Fig. 17.
Fig. 17.
Fig. 18., Fig. 19., Fig. 20., Fig. 21.
Fig. 18., Fig. 19., Fig. 20., Fig. 21.
Fig. 22.
Fig. 22.
Fig. 23.
Fig. 23.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 662-670.
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